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Verzögerung beim Brexit: Verlierer sind die Briten!

Keiner will austreten aus der EU, dabei hat das Volk gesprochen. David Cameron und Boris Johnson gehen regelrecht auf Tauchstation. Gerade David Cameron hat wohl wenig Lust DER britische Premierminister gewesen zu sein, der in Brüssel den Austritt…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Keiner will austreten aus der EU, dabei hat das Volk gesprochen. David Cameron und Boris Johnson gehen regelrecht auf Tauchstation. Gerade David Cameron hat wohl wenig Lust DER britische Premierminister gewesen zu sein, der in Brüssel den Austritt aus der EU beantragt hat. Er ist irgendwie eine tragische Figur. Er wollte den EU-Austritt gar nicht, wurde aber durch das politische Umfeld dazu gedrängt eine Abstimmung durchführen zu lassen. Wohl so richtig ernsthaft hatte er damals nicht damit gerechnet, dass der Brexit wirlich kommen würde.

Brexit David Cameron
UK-Premier David Cameron. Foto: gov.uk / OGL

Aber was nun? Cameron will erst in vier Monaten zurücktreten – den Austritt aus der EU soll dann sein Nachfolger beantragen, so Cameron. So kann er sich rein optisch geschickt aus der Affäre ziehen, glaubt er zumindest. Die führenden EU-Politiker haben rasch erkannt, dass jedes Zögern ein Problem ist, denn was nervt denn viele Menschen an der EU? Es ist die Unklarheit, das ständige Hin und Her. Und hinzu kommt noch etwas viel Wichtigeres. Zögern beim EU-Austritt verursacht auf allen Seiten wirtschaftliche Zurückhaltung. Auf dem Festland dürfte es einen kleinen leicht spürbaren Effekt geben, dass neue Investitionen in einem kleinen Umfang zurückgefahren werden, solange Unklarheit herrscht.

Aber dieser Effekt dürfte für Großbritannien tausend Mal schlimmer ausfallen. Denn z.B. asiatische Autohersteller, die jetzt noch in UK für das europäische Festland produzieren, woher sollen die wissen, ob die EU demnächst für ihre Autoimporte Zölle erhebt? Und wie hoch könnten die ausfallen? Planungssicherheit muss her. Je länger die nicht vorhanden ist, desto größer wird der Umfang von verzögerten Investitionen. Oder es werden Investitionen in Großbritannien gleich ganz gestrichen. Warum soll man sich eine zweijährige Phase des Chaos antun? Denn so lange könnten die Austrittsverhandlungen dauern.

Sie können auch schneller gehen – EU und UK könnten aber genau so eine längere Verhandlungsphase beschließen. Aber am Wochenende haben die EU-Oberen dem klar eine Absage erteilt. David Cameron solle gefälligst noch diese Woche den EU-Austritt beantragen. Je schneller, desto besser. Dann ist die Unsicherheit weg. Denn in der Tat: Unsicherheit lähmt wirtschaftliche Tätigkeit! Im politischen Chaos nach der Wahl dürfte wohl kaum jemand in London den Blick dafür haben, dass die noch vorhandene Rest-Industrie in UK, die großteils von ausländischen Firmen betrieben wird, Tag für Tag gefährdeter ist im Sinne einer Abwanderung aufs EU-Festland. Aber es scheint sich Stand heute wohl kein Dummer zu finden, der für den Austritts-Antrag seinen Kopf hinhalten will. Aber können die EU-Staatschefs David Cameron schon morgen in Brüssel beeinflussen, dass er den Antrag doch früher stellt?

Nach dem Brexit hatten es diverse EU-Politiker schon gesagt: Out is Out. Auch der grüne EU-Abgeordnete Sven Giegold macht mit einem einfachen Tweet klar, dass man sich nicht die angenehmen Seiten einer Union herauspicken kann, und gleichzeitig auf die Seiten verzichtet, die einem nicht passen. Entweder ganz oder gar nicht.

Es dürfte eine kolossale Fehleinschätzung vieler Briten sein, dass sie bei den Austrittsverhandlungen mit der EU einen quasi Freihandelsstatus erhalten, in dem sie weiter Handel mit dem Festland betreiben können wie vorher. Das kann sich die EU kaum erlauben, weil das Nachahmer anregen könnte es den Briten gleich zu tun. Interessant ist unterdessen, was seit dem Ende der Brexit-Wahl gegoogelt wird bzw. wie bei bestimmten Suchanfragen Steigerungen ausfallen. Das scheint die Vermutung vieler Medienberichte zu untermauern, dass so mancher Wähler sich kaum Gedanken gemacht hat, was er da ankreuzt. So schossen nach der Wahl (!) die Suchanfragen hoch für „What happens if we leave the EU?“, „Are we European?“, „What is the EU?“ und „Getting an Irish Passport“ (einen irischen Pass beantragen).

Auch eine beliebte Suchanfrage nach der Wahl war „Was ist das EU-Referendum?“

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Jochen

    27. Juni 2016 09:49 at 09:49

    „Er wollte den EU-Austritt gar nicht, wurde aber durch das politische Umfeld dazu gedrängt eine Abstimmung durchführen zu lassen.“

    „gedrängt“ Er hat einfach nicht die Eier, die man als Premierminister haben muss und er hat das Referendum den Leuten versprochen, nur um die Wahlen letztes Jahr zu gewinnen und ein Jahr länger an der Macht zu bleiben. So leichtsinnig hat er die EU und UK auf das Spiel gesetzt.

    Übrigens: Es wäre echt toll, wenn Sie hier das Kommentarsystem auf disqus umstellen würden :)

  2. Avatar

    sabine

    27. Juni 2016 22:21 at 22:21

    a) Wieso ist eigentlich der Brexit schlecht? Wieso ist eigenlich Inflation gut?

    b) Woher wissen die Zwangs-Medien, daß die Brexit-Befürworter gegoogelt haben, was ein Brexit bedeutet? Sind es nicht vielmehr die Politisch-Korrekten, die alles beim Alten lassen wollten, die aus Faulheit den verlogenen Medien alles abnehmen, und die sich jetzt selbst informieren müssen, was denn der Brexit bedeutet?
    Laut der Lügenpresse ist ja Brexit gleich Europa-Haß und absolutes Bäh-Bäh. In so einem argumentativen Umfeld wächst kein Wissen. Das braucht man aber jetzt. Wohl eher bei der Gruppe der Schlachtschafe.

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Neofiskalismus – die Zeit für größere Regierungsaktivitäten ist gekommen

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Eine neue Ära vermehrter Regierungsaktivitäten hat begonnen und wird sich wahrscheinlich noch über Jahrzehnte fortsetzen, so die Analyse des Global Macro Research Teams von Insight Investment. Das Insight’s Global Macro Research Team hat für dieses Phänomen einen neuen Begriff eingeführt: „Neofiskalismus“. Damit soll eine sich abzeichnende Ära beschrieben werden, in der Regierungen durch ihre Finanzpolitik eine noch direktere und offensivere Rolle in der Wirtschaftspolitik und -steuerung ausüben. Dies steht in starkem Kontrast zu dem gegenwärtigen Modell, unter dem Zentralbanken weitestgehend in der Lage waren, geldpolitische Entscheidungen ohne politische Intervention zu treffen.

Das neoliberale Paradigma reduzierter Regierungsinterventionen in der Wirtschaft ist in Gefahr. Längerfristige Trends gingen bereits in diese Richtung, aber die Notfallpolitik, die zur Bewältigung der COVID-19-Krise angewandt wurde, hat einen möglichen Wendepunkt geschaffen. Das Global Macro Research Team hat fünf Folgen für die Märkte identifiziert:

1)
Die Anleihenmärkte könnten für einen langen Zeitraum ähnlich wie in Japan werden. Eine im historischen Vergleich relativ geringe Volatilität könnte dazu führen, dass die Suche nach Renditen die Spreads verringert und die Zinskurven abflacht.

2)
Ein Anstieg der Inflation könnte Anleiherenditen kurzfristig nach oben treiben, wenn sie eine Abschwächung der quantitativen Lockerung bewirkt. Solche Gelegenheiten dürften attraktive Einstiegspunkte sein, solange längerfristig erwartet wird, dass die Inflation nach den Finanzierungsengpässen in der Wirtschaft wieder auf den Zielwert zurückkehrt.

3)
Für Staaten ohne vollständige Kontrolle über die Währung, in der sie ihre Emissionen tätigen, sollte die Wirksamkeit der Regierung von entscheidender Bedeutung sein. Effektiv handelnde Regierungen, die in der Lage sind, die Produktivität und das Trendwachstum zu steigern, könnten das Verhältnis Schulden/BIP rascher reduzieren.

4)
Das Identifizieren von Regierungen, die in der Lage sind, das Trendwachstum zu maximieren, dürfte für die Aktienmärkte wichtig werden, da dies zu einem wichtigen Ertragsmotor wird.

5)
Unternehmen mit staatlicher Unterstützung dürften in Perioden mit Finanzierungsengpässen einen Vorteil haben.

Experte erklärt neues Phänomen des Neofiskalismus
Gareth Colesmith, Head of Global Rates and Macro Research bei Insight Investment

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Glas halb voll oder halb leer? 21 statt 33 Prozent der Betriebe stark von Corona betroffen

Claudio Kummerfeld

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Zahl von Corona stark beeinträchtigter Betriebe sinkt

Der eine sagt das Glas ist halb voll, der andere sagt es ist halb leer. Ansichtssache! So wohl auch in diesem Fall. Denn ab wann kann man sagen, dass sich die gesamtwirtschaftliche Lage so weit gebessert hat, dass die Coronakrise im großen Bild überstanden ist? Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute aktuelle Umfrageergebnisse veröffentlicht. Regelmäßig befragt man 1.500 Betriebe.

Demnach berichteten für den Monat Mai 33 Prozent der Betriebe von starken negativen Corona-Auswirkungen auf das eigene Geschäft. Heute meldet das IAB, dass noch 21 Prozent der Betriebe von starken negativen Auswirkungen sprechen. Also ein Fünftel der Unternehmen ist immer noch ernsthaft von Corona beeinträchtigt, und das laut Bundesregierung vier Monate nach dem wirtschaftlichen Tiefpunkt der Krise. Der eine erachtet dies als großen Schritt in die richtige Richtung, der andere sieht darin ein Desaster, dass immer noch so viele Betriebe ernsthafte Probleme haben. Dazu hier einige Aussagen des IAB im Wortlaut:

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die wirtschaftliche Situation der Betriebe sehr deutlich gegenüber dem Höhepunkt der Krise im Frühjahr verbessert hat“, erklärt IAB-Forscher Jens Stegmaier.

Von den im Mai stark negativ durch die Corona-Krise betroffenen Betrieben sind 49 Prozent weiterhin stark betroffen. 25 Prozent der im Mai stark negativ betroffenen Betriebe geben aktuell geringe negative Auswirkungen an, 23 Prozent keine oder gleichermaßen positive wie negative Auswirkungen und 3 Prozent überwiegend positive Auswirkungen.

Am heftigsten wurde das Gastgewerbe von der Corona-Krise getroffen: Im Mai lag der Anteil der Betriebe mit starken negativen Auswirkungen bei 78 Prozent und der Anteil mit geringen negativen Auswirkungen bei 17 Prozent. Aktuell sind 45 Prozent stark negativ betroffen und 17 Prozent gering negativ betroffen.

Im Bereich Information und Kommunikation waren im Mai dagegen nur 3 Prozent der Betriebe stark negativ betroffen. Gering negativ betroffen waren 25 Prozent. Aktuell sind 5 Prozent stark negativ und 29 Prozent gering negativ betroffen.

Das Verarbeitende Gewerbe liegt dazwischen: Für den Mai berichteten 37 Prozent der Betriebe von starken negativen und 28 Prozent von geringen negativen Auswirkungen. Aktuell sind 29 Prozent mit starken negativen Auswirkungen und 24 Prozent mit geringen negativen Auswirkungen konfrontiert.

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Geldpolitik: US-Notenbank macht Nullzins langfristig fest – Werbung

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Lieber Börsianer,

gestern haben sich im Rahmen ihres turnusmäßigen Treffens die US-Notenbanker nochmals zur Geldpolitik eingelassen. Dabei verzichtete man erstmals auf jede Geheimniskrämerei und garantierte dem Kapitalmarkt, den gegenwärtigen Leitzins von Null langjährig beizubehalten. Die Fed wird dabei auch zumindest vorübergehend Inflationsraten oberhalb der bisher starren Inflationsgrenze von 2 % akzeptieren.

Das war nicht der ganz große Wurf der Fed. Am Aktienmarkt hatte man doch auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik gehofft. So hofften die Börsianer, dass die Notenbanker nächstens ihre Anleihenkäufe nochmals ausweiten und künftig auch im Junk-Bereich (Anleihen mittlerer und schlechter Qualität) einkaufen werden. Diese Phantasie ist nach der gestrigen Notenbank-Sitzung erst einmal vom Tisch.

Trotzdem hatten die Währungshüter rund um Jerome Powell auch positive Nachrichten für uns. Mittlerweile wissen wir, die Pandemie hat sich nicht so zerstörerisch auf die US-Volkswirtschaft ausgewirkt wie zuvor befürchtet. So rechnen die Analysten der Fed nun damit, dass die Arbeitslosenrate in den USA Ende des Jahres zwischen 7 und 8 % liegen wird, aktuell übrigens 8,4 %. Zuvor war man noch von einer Rate in der Spanne zwischen 9 bis 10 % ausgegangen.

Vor diesem Hintergrund sah der Offenmarktausschuss – das oberste Gremium der Fed – keine Notwendigkeit, kurzfristig weitere Mittel in den Markt zu pumpen. Folglich schwächelten die Aktienmärkte rund um den Globus zum Wochenausklang.

Eine Frage: Warum ist eigentlich die Geldpolitik der Fed, aber auch der EZB so immens wichtig für uns als Anleger? Warum reagieren die Märkte jedes Mal nahezu prompt auf die Einlassungen der Geldpolitiker?

Hierzu einige Hintergrund-Informationen: Die Geldpolitik bestimmt vereinfacht gesprochen, wieviel Geld die Wirtschaftssubjekte wie Unternehmen, Verbraucher und auch Investoren in der Tasche haben. Und je lockerer oder expansiver eine Geldpolitik, desto mehr Kapital befindet sich im Wirtschaftskreislauf. Und viel Geld bedeutet letztlich immer steigende Aktienkurse.

Damit ist die Geldpolitik neben der fundamentalen Entwicklung in den Unternehmen der große und entscheidende Faktor für die Aktienmärkte. Ich behaupte, dass die Börsenhausse der vergangenen Jahre ganz wesentlich auf der lockeren…..

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