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Devisen

Warum der US-Dollar noch so stark ist

Hannes Zipfel

Veröffentlicht

am

US-Dollar Geldscheine

Für die USA kommt es gerade knüppeldick: einbrechende Wirtschaft, implodierende Zinsen, explodierende Geldmenge und aus dem Ruder laufende Staatsschulden. Doch von diesen Belastungen zeigt sich der US-Dollar bislang unbeeindruckt. Ein Blick auf die Probleme anderer Währungsräume und die besondere Stellung des „Greenbacks“ im Weltwährungssystem erklären dieses Phänomen.

Dramatische Veränderungen bei den Fundamentaldaten für den US-Dollar

Noch bis Anfang Februar ragten die Zinsen für den US-Dollar deutlich über das Niveau der anderen Hauptwährungen, wie Yen, Euro und Pfund hinaus. Doch diesen Zinsvorteil verlor der Dollar innerhalb kürzester Zeit durch zwei außerordentliche Zinssenkungen der US-Notenbank (Fed) am 3. und 15. März fast vollständig. Einen Monat zuvor boten einjährige US-Staatsanleihen noch einen Zins von 1,4 Prozent, aktuell sind es gerade noch 0,14 Prozent. Damit schrumpfte der Zinsvorteil gegenüber dem Euro um nahezu zwei Drittel.

Gleichzeitig brechen die Konjunkturprognosen für die USA massiv ein, während parallel dazu die Arbeitslosenzahlen so stark ansteigen, wie während der großen Depression nicht mehr. Bis auf 30 Prozent soll die Quote in diesem Jahr hochschnellen. Ganz so verheerende Zahlen müssen andere Industriestaaten dank ihrer engmaschigeren sozialen Auffangnetze nicht fürchten. Die Bundesregierung in Washington versucht, mit beispiellosen Hilfsprogrammen auf Pump den ökonomischen und sozialen Schaden zu begrenzen. Sie Staatsschuldenquote wird dadurch bis zum Ende des laufenden Fiskaljahres von aktuell 105 auf über 120 Prozent des US-BIP ansteigen. Finanziert wird der Schuldenrausch von der Fed, die mittlerweile unlimitiert Anleihen aufkauft und direkt Kredite über das US-Bankensystem an Unternehmen und Privathaushalte vergibt. Die Bilanz der US-Notenbank hat sich dadurch im Rekordtempo innerhalb von einem Monat bis zum 25. März 2020 um 1,1 Billionen Dollar aufgebläht. Das ist der größte und schnellste Geldschöpfungsakt in der 106-jährigen Geschichte der Fed. Die US-Dollargeldmenge M1 stieg zuletzt im Jahresvergleich um 11,8 Prozent an.

Das ökonomische Drama in den USA steht dabei erst am Anfang. Es könnte noch viel schlimmer kommen, z. B., wenn die enorme US-Kreditblase jetzt beginnt zu platzen, was man erst später im Jahr wird sehen können. Der Wechselkurs des US-Dollar zu den anderen Hauptwährungen zeigt sich von all diesen Entwicklungen bislang unbeeindruckt und notiert, gemessen am US-Dollar Index, sogar fast drei Prozent über dem Niveau der ersten Notzinssenkung vom 3. März. Was sind die Gründe für diese Dollar-Stärke?

US-Dollar Index im Kursverlauf der letzten Monate

Die Probleme der anderen

Bereits im Jahr 1971, also kurz nach der Loslösung des US-Dollars vom Gold, prägte der damalige US-Finanzminister John Conally den Ausspruch: „Der Dollar ist unsere Währung, aber euer Problem“. Damals zielte diese Aussage auf die Abwertung des Dollars, heute auf das Gegenteil. Denn Staaten wie Argentinien, Brasilien oder die Türkei haben sich massiv in US-Dollar verschuldet. Bis zum Dezember des Jahres 2015 verharrten in Folge der Finanzkrise auch die Dollar-Zinsen bei nahe null und der Greenback wertete ab. Es war also für die Bürger und Unternehmen vieler Schwellenländer attraktiv, sich in US-Dollar zu verschulden, da die Zinsen im eigenen Land deutlich höher waren und die Dollar-Schwäche einen Teil der Kredite quasi automatisch abbaute. Seit der US-Dollar wieder aufwertet, dreht sich diese Rechnung ins Gegenteil – die Schuldenlast in argentinischem Peso, türkischer Lira und brasilianischem Real wertet nun stark auf. Das brachte die genannten Länder und ihre Währungen bereits vor der Corona-Krise in Schwierigkeiten. Argentinien war schon Ende Februar de facto pleite.

Der Dollar vs Schwellenländer-Währungen im Vergleich

Doch nun droht die Lage völlig zu eskalieren und die Dollar-Schuldner in den Schwellenländern, deren Währungen weiter abwerten, geraten von allen Seiten unter Druck. Längst hat das Coronavirus auch Südamerika und den Bosporus erreicht. Die wirtschaftlichen Folgen belasten die hoch verschuldeten Volkswirtschaften nun zusätzlich. Es fehlt daher überall an US-Dollars, um Zins- und Tilgungszahlungen zu leisten. Die Dollar-Reserven der Notenbanken in den betroffenen Ländern sind dramatisch abgeschmolzen. Diese Notlage führt Mitte März zu einer regelrechten Kaufpanik beim US-Dollar. Mittlerweile hat sich die Lage wieder etwas entspannt, da die US-Notenbank Fed allen Zentralbanken weltweit Zugang zu ihren Dollar-Swap-Geschäften gewährt und sogar US-Staatsanleihen in den Händen ausländischer Zentralbanken via Repo-Geschäfte gegen US-Dollar in Zahlung nimmt, sodass diese nicht veräußert werden müssen, was die Devisenreserven der Schwellenländer andernfalls noch schneller abschmelzen ließe.

Doch auch andere Schwellenländer-Währungen, wie der ungarische Forint oder der russische Rubel, leiden unter der Corona-Krise.
Unter den Hauptwährungen hält sich der japanische Yen noch am besten im Vergleich zum US-Dollar, und das, obwohl die Zinsen im Land der aufgehenden Sonne deutlich niedriger sind als in den USA und auch die Staatsverschuldung mit 237,7 Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt mehr als doppelt so hoch ist. Aber der Yen ist an den Devisenmärkten eine Ausnahmeerscheinung.
Vergleich mit dem japanischen Yen

Obwohl Japan noch vor Griechenland die höchste Verschuldung der Welt aufweist, gilt die Währung des Landes als „Sicherer Hafen“ und kann in Krisenzeiten sogar gegen die Weltleitwährung an Wert gewinnen. Und dass, obwohl in den vergangenen Jahren keine andere Notenbank der Welt so viel Geld im Vergleich zum Bruttoinlandsprodukt erschuf und ausgab, wie die Bank of Japan. Sie finanziert mittels digitaler Notenpresse mittlerweile sogar das komplette Staatsdefizit Japans und kauft neben heimischen Staatsanleihen, Aktien und REITs auch Anleihen anderer Staaten, wie z. B. der USA.

Euro und Yen vs US-Dollar im Chartvergleich

Aber warum ist der Yen aktuell so stark gefragt? Der Grund dafür sind sogenannte Repatriierungen von im Ausland angelegten Geldern zurück nach Japan. Diese Gelder waren zuvor aus dem Yen geflohen, als im Jahr 2012 absehbar war, dass Shinzō Abe neuer Ministerpräsident des Landes werden würde. Shinzō Abe hatte ein radikales Vorgehen gegen die Deflation im Land durch das Anwerfen der Notenpresse und die dauerhafte Abschaffung des Zinses angekündigt. Den dafür zuständigen Notenbankchef ernannte er selbst.

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Devisen

Rüdiger Born: Charttechnik bei US-Dollar vs Yen

Rüdiger Born

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am

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Aktien

Aber CFDs sind Termingeschäfte? Verbände für steuerliche Bevorzugung von Optionsscheinen

Claudio Kummerfeld

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am

Aktives Trading mit CFDs und Optionsscheinen könnte problematisch werden

Was sind CFDs? Die „Contracts for Difference“ erlauben gehebelte Wetten auf steigende und fallende Kurse. Die CFDs können Anleger zeitlich unbefristet lange halten. Und Optionsscheine? Die haben einen fest definierten Ablaufzeitpunkt. Und wie definiert man Termingeschäfte? In Kurzform: Dies sind Börsengeschäfte, bei denen die Erfüllung des Vertrags (Abnahme und Lieferung der Ware) zu einem späteren Termin erfolgt. Also sind Optionsscheine doch Termingeschäfte, und CFDs irgendwie nicht so richtig?

Egal. Wenn der Gesetzgeber eine Feststellung trifft, dann ist das eben so – weil es nun mal der Gesetzgeber ist? So wurde vor Kurzem die seit Anfang Januar gültige Novellierung des Einkommensteuergesetzes beschlossen, wonach Verluste aus „Termingeschäften“ nur noch bis zu 20.000 Euro pro Jahr mit Gewinnen aus Termingeschäften verrechnet werden dürfen. Dadurch wird die bizarre Realität entstehen, dass Anleger Steuern auf Gewinne zahlen müssen, obwohl sie effektiv in einem Börsenjahr im Handel keinen Gewinn erzielt haben (wir berichteten schon mehrmals). Danke Olaf Scholz, darf man da schon mal im Voraus sagen.

Klar zu sein scheint, dass die CFDs in die Kategorie der Termingeschäfte fallen im Sinne dieser Novelle des Einkommenssteuergesetzes – wohl ganz einfach, weil der Gesetzgeber es so will. Aber auch Optionsscheine, die per Definition doch viel eher Termingeschäfte sind? Wie man derzeit munkelt, wird das Bundesfinanzministerium noch eine Klarstellung für die ausführenden Steuerbehörden veröffentlichen, aus welcher hervorgehen könnte, dass auch Optionsscheine als Termingeschäfte zu betrachten wären. Das würde den Kreis der betroffenen Anleger deutlich erweitern.

Lobbyarbeit für Optionsscheine – von CFDs ist keine Rede

Aber halt. CFDs werden fast komplett von angelsächsischen und Offshore-Anbietern angeboten. Optionsscheine sind die Kinder der deutschen Bankenbranche. Und drei Mal darf man raten, wer den besseren Draht zu BaFin, Bundesfinanzministerium, Staatssekretären etc haben könnte? Diese Woche sieht man vom Deutschen Derivate-Verband, der Börse Stuttgart und der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) einen offiziellen Appell an das Bundesfinanzministerium (siehe hier), worin man eindringlich dazu auffordert Optionsscheine bezüglich dieser Neuregelung nicht als Termingeschäfte einzustufen. Man möchte also erreichen, dass Anleger auch weiterhin unbegrenzt Verluste aus Optionsscheinen mit Gewinnen aus Optionsscheinen verrechnen dürfen.

Gibt der Gesetzgeber dem nach, wäre dies ein glasklarer Vorteil für die Anbieter von Optionsscheinen, und ein riesiger Nachteil für die ausländischen CFD-Anbieter. Und wer ist denn Mitglied im Deutschen Derivate-Verband? Eben nicht die CFD-Anbieter, sondern so ziemlich alle deutschen Anbieter von Zertifikaten und Optionsscheinen, wie Deutsche Bank, Deka, Hypo, LBBW, DZ, Baader usw. Für CFDs bitten sie nicht um eine Ausnahme, sondern nur für Optionsscheine. Und die DSW? Hat sie die CFDs schon aufgegeben, und hofft nun noch darauf, wenigstens noch die Optionsscheine vor diesem Steuerirrsinn retten zu können? Aus dem Appell zitieren wir hier auszugsweise im Wortlaut:

Der Deutsche Derivate Verband (DDV), die Börse Stuttgart und die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) appellieren an das Bundesfinanzministerium, die Linie aus dem Juni 2020 beizubehalten und Optionsscheine nicht als Termingeschäfte einzuordnen. Im Entwurf des Anwendungsschreibens des BMF vom Juni 2020 wurden Optionsscheine nicht als Termingeschäfte klassifiziert und damit eine klare, angemessene Abgrenzung erreicht. Damit wird vermieden, dass Anleger in der Depotgestaltung beeinträchtigt werden und zudem aufwendige individuelle Veranlagungen vornehmen müssen. Anderenfalls drohen schwere steuerliche Nachteile, nachträgliche Steuerzahlungen und Unsicherheiten für hunderttausende von Anlegern. Für Termingeschäfte sieht das Jahressteuergesetz, das seit Jahresbeginn gilt, eine begrenzte Verlustverrechnungsmöglichkeit nur mit anderen Termingeschäften und Erträgen aus Stillhaltegeschäften vor.

Marc Tüngler, DSW-Hauptgeschäftsführer: „Die steuerliche Neuregelung der Verlustverrechnung ist ein weiterer herber Schlag für Privatanleger und führt zu massiven Verunsicherungen. Vom Grundsatz her halten wir die Regelung insgesamt für verfassungswidrig. Der Entwurf des BMF-Schreibens war immerhin ein fairer Vorschlag, wie die Anwendung zumindest in Bezug auf Optionsscheine zu regeln ist, und würde betroffenen Anlegern eine Perspektive geben. Wenn das BMF jetzt von diesem ursprünglichen Entwurf abweicht, weckt das Unverständnis und offenbart einmal mehr die feindliche Gesinnung gegenüber Privatanlegern.“

Würden Optionsscheine jetzt durch das Anwendungsschreiben des BMF den Termingeschäften zugerechnet, wird die neugeschaffene Unwucht im Steuerrecht weiter dramatisch verschärft.

Es gibt gute sachliche Argumente dafür, warum Optionsscheine steuerlich als sonstige Finanzinstrumente und nicht als Termingeschäfte zu klassifizieren sind. Die Klassifizierung sollte anhand der Erfüllungsweise von Optionsgeschäften vorgenommen werden. Diese ist bei Optionsscheinen „Zug-um-Zug“, sie sind daher bei der steuerlichen Behandlung den Kassageschäften zuzurechnen, und nicht den Termingeschäften. Diese Einschätzung wird auch von Wissenschaftlern geteilt.

Eine Studie der WHU aus dem vergangenen Jahr zeigt, dass hunderttausende von Privatanlegern von einer solchen Klassifizierung betroffen wären. Zudem stellt die Studie der WHU fest, dass 68,8 Prozent der Nutzer von Hebelprodukten wie Optionsscheinen diese zur Absicherung einsetzen. Die Beschränkung der Verlustverrechnung erschwert es Anlegern von dieser Möglichkeit Gebrauch zu machen.

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Devisen

Türkische Lira vor weiterer Aufwertung? Aktuelle Zinsentscheidung gibt Hoffnung

Redaktion

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Von

Türkei Flagge

Die türkische Lira könnte noch weiter aufwerten. Warum? Nun, zuerst ein kurzer Rückblick. Seit November ist der Leitzins in der Türkei durch die türkische Zentralbank in zwei Schritten kräftig angehoben worden, von 10,25 Prozent auf zuletzt 17 Prozent. Erst der zweite Zinsschritt von 15 Prozent auf 17 Prozent an Heiligabend brachte Vertrauen in die Lira – denn die Inflationsrate liegt derzeit bei satten 14,6 Prozent. Jetzt liegt der Leitzins deutlich genug über der Inflation, damit es einen positiven Geldfluss vom Ausland in die Türkei geben kann. Dies wäre Balsam für die türkische Lira. Aber so ein hoher Leitzins muss einige Zeit beibehalten werden, damit er wirken kann.

Und nun? Heute hat die türkische Zentralbank erneut eine weitere Zinsentscheidung verkündet. Man belässt den Leitzins bei 17,0 Prozent. Dies kann vom Devisenmarkt als Signal gewertet werden, dass die Zentralbanker gewillt sind die Angelegenheit „durchzuziehen“, als eine nachhaltige Bekämpfung der hohen Inflation.

Türkische Lira reagiert leicht positiv

Auf längere Sicht hohe Zinsen in der Türkei – das könnte die türkische Lira nachhaltig aufwerten lassen. Und die letzten Wochen lief es ja schon ganz gut in diese Richtung. Und jetzt aktuell? Die Zinsentscheidung wurde um 12 Uhr deutscher Zeit veröffentlicht. Da notierte US-Dollar vs türkische Lira noch bei einem Wechselkurs von 7,39. Jetzt notiert USDTRY bei 7,36. Im Chart sehen wir den Kursverlauf von Dollar vs Lira seit Februar 2020. Die türkische Währung konnte seit November einiges gut machen, und könnte womöglich nun weiter aufwerten (sicher ist das aber natürlich nicht).

Zentralbank mit guten Aussagen, Erdogan meldet sich zu Wort

Die Notenbanker in Ankara erklärten heute, dass man seinem harten geldpolitischen Kurs treu bleibe, bis sich ein nachhaltiger Rückgang der Inflation abzeichne. Falls nötig, werde man weitere Schritte zur Straffung der Geldpolitik unternehmen. Super, da freut sich der Devisenmarkt im Sinne einer festeren Lira? Achtung, Präsident Erdogan fordert seit Jahren sinkende Zinsen. Die würden (so Erdogan) die Inflation zum Sinken bringen – was aber eigentlich genau anders rum funktioniert. Seit Monaten hört man von Erdogan kaum Aussagen in dieser Hinsicht. Aber am letzten Freitag, da meldete er sich wieder zu Wort. Die aktuelle Geldpolitik (steigende Zinsen sollen Geld teuerer machen etc) diene nicht der Türkei. Die Lösung des Problems der hohen Inflation sei, die Zinsen zu senken. Bringt dies die nachhaltige Erholung der Lira wieder in Gefahr?

Chart zeigt US-Dollar gegen türkische Lira seit Februar 2020

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