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Warum Italien von der EU-Kommission Lob bekommt, und gleichzeitig das Sorgenkind Nummer 1 ist

Derzeit liegen die Schulden Italiens in Relation zum BIP bei 132% (Rekordwert von 2,2 Billionen Euro). Für 2018 hofft man bei der EU-Kommission auf einen rückläufigen prozentualen Wert von 130,8%, 2019 auf 130%. Aber liebe Leute, 130%… das sind ganze andere Größenordnungen als…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Italien bekommt in einem ganz aktuellen Brief der EU-Kommission (hier lesen) umfassend Lob. So schreiben zwei wichtige EU-Funktionäre, dass man die massiven Anstrengungen des Landes anerkenne. So habe das Defizit des italienischen Staatshaushalts in Relation zum Bruttoinlandsprodukt 2009 noch bei 5,3% gelegen. Letztes Jahr sei man unter die Schwelle zum Defizitverfahren gerutscht mit nur noch 2,5%. Nächstes Jahr werde man auf 1,8% sinken.

Das Land habe auch viel getan um in den Bereichen Arbeitsmarkt, Justiz, Verwaltung und Korruption Fortschritte zu erzielen. Aber der Stabilitätspakt besteht nun mal nicht alleine aus der Defizitgrenze von 3%, sondern auch aus dem Gesamtschuldenstand in Relation zum Bruttoinlandsprodukt. Hier liegt die Grenze bei maximal 60%. Gut, die meisten Staaten hatten diese Grenze brutal ignoriert. Auch Deutschland liegt noch darüber mit derzeit 68,1%, geht aber stetig näher ran an diesen Wert. Italien hat zwar das Defizit in den Griff bekommen, aber es ist ja nach wie vor vorhanden. Und damit steigen auch die Gesamtschulden nach wie vor weiter an.

Da dieser 60%-Grenzwert ja eine prozentuale Betrachtungsweise ist, könnte Italien diese Zahl senken, in dem das Bruttoinlandsprodukt prozentual stärker wächst als die Schulden. Derzeit liegen die Schulden Italiens in Relation zum BIP bei 132% (Rekordwert von 2,2 Billionen Euro). Für 2018 hofft man bei der EU-Kommission auf einen rückläufigen prozentualen Wert von 130,8%, 2019 auf 130%. Aber liebe Leute, 130%… das sind ganze andere Größenordnungen als im Rest der EU! Und wie gesagt, man hofft… man schreibt, dass die Prognose für das rückläufige prozentuale Niveau nur durch die Hoffnung zustande komme, dass das BIP anhaltend stark wachse, und dass es weiter massiv Privatisierungen geben werde (Cash-Erlöse für die Staatskasse).

Gleichzeitig aber, so möchten wir anmerken, gibt Italien gerade frische Steuer-Milliarden zur Stützung kaputter Banken aus. Das Geld sieht man so schnell nicht wieder. Wohl auch deshalb kündigt die EU-Kommission in ihrem Brief gleich an, dass man sich die italienischen Staatsfinanzen im Frühjahr 2018 genauer anschauen werde – es gehe darum, ob man ein Defizitverfahren gegen Italien einleiten müsse – wie gesagt, nicht wegen der 3%-Grenze beim Defizit, sondern wegen der brutalen Überschreitung der 60%-Grenze beim Gesamtschuldenstand. Zum Abschluss schreibt man in seinem Brief an die italienische Regierung, dass sie doch bitte jetzt schon mal detailliertere Informationen liefern solle, wie man gedenke den gigantischen Schuldenberg abtragen zu wollen. Eine offen kommunizierte Ohrfeige!

Unsere Anmerkung dazu: Spanien und Portugal standen zuletzt im Defizitverfahren als erste Länder vor einer konkreten Strafzahlung an Brüssel. Es ging um mögliche Milliardenstrafen. Aber, siehe da, die Strafzahlung wurde auf exakt 0 Euro angesetzt – wohl um die Stimmung in diesen Ländern nicht gegen die EU als Gebilde aufzuheizen. Wir glauben: Bei Italien wäre es letztlich das selbe Resultat. Strafe ja, aber eben 0 Euro. Wirkungslose EU-Regularien, wie in anderen Themenfeldern auch.


© European Union, 2017 / Source: EC – Audiovisual Service / Photo: Mauro Bottaro

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Columbo

    23. November 2017 17:23 at 17:23

    Die EU wird sich hüten, vor den Wahlen irgendwas gegen Italien zu unternehmen und, je nach Ausgang, auch nachher schweigen wie ein Grab.

  2. Avatar

    Jan

    23. November 2017 19:40 at 19:40

    Was soll eine Strafzahlung bewirken wenn die Schulden zu hoch sind?
    Davon werden die noch höher. Alles was nicht entlastet, sichert der fatale teufelskreis nur weiter.
    Dann lass endlich die Banken pleitte gehen.
    Was wäre mit Enteignung?
    Gibt es in diesem politischen finanz umfeld keine andere Maßnahmen als strafzahlungen? Dann kann das System auch nicht funktionieren.

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Einzelhandelsumsätze boomen in der Coronakrise – bis auf ein Segment

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Leeres Einkaufszentrum als Symbol für die Coronakrise

Wenn man in der Coronakrise schon kein Geld für Restaurants, Theater, Kinos oder Urlaubsreisen ausgeben kann, dann kann man doch immerhin noch sein Haus, seine Wohnung oder den Garten verschönern? Und zuhause gut essen ist ja auch drin. Dementsprechend wandeln sich die Einzelhandelsumsätze in den letzten Monaten.

Unterm Strich geben die Deutschen deutlich mehr aus als noch im Vorjahr, und auch mehr als direkt vor Ausbruch der Coronakrise. Dies wird untermauert durch die vor wenigen Minuten vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Einzelhandelsumsätze für Oktober. Sie steigen im Vergleich zu Oktober 2019 um 8,2 Prozent, und im Vergleich zu Februar 2020 um 5,9 Prozent. Das ist eindeutig. Der Onlinehandel boomt am Stärksten, die Heimwerkermärkte boomen, und auch der Lebensmitteleinzelhandel. Ein klarer Wink hin zu mehr Konsum in den eigenen vier Wänden. Nur der stationäre Einzelhandel mit Bekleidung ist spürbar rückläufig. Klar, wenn man deutlich weniger ausgeht, hat man auch weniger den Drang neue Klamotten zu kaufen. Hier die Detailangaben der Statistiker über die Einzelhandelsumsätze im Wortlaut:

Der Einzelhandel mit Lebensmitteln, Getränken und Tabakwaren setzte im Oktober 2020 real 7,3 % und nominal 10,3 % mehr um als im Oktober 2019. Dabei lag der Umsatz der Supermärkte, SB-Warenhäusern und Verbrauchermärkte real 7,9 % und nominal 10,9 % über dem des Vorjahresmonats. Der Facheinzelhandel mit Lebensmitteln (wie zum Beispiel der Facheinzelhandel mit Obst und Gemüse, Fleisch, Backwaren oder Getränken) setzte im entsprechenden Vergleich real 3,0 % und nominal 6,5 % mehr um.

Im Einzelhandel mit Nicht-Lebensmitteln stiegen die Umsätze im Oktober 2020 im Vergleich zum Vorjahresmonat real um 9,0 % und nominal um 9,4 %. Das größte Umsatzplus mit real 29,8 % und nominal 31,1 % erzielte der Internet- und Versandhandel. Deutlich zugenommen hat auch der Handel mit Einrichtungsgegenständen, Haushaltsgeräten und Baubedarf mit einem realen Plus von 14,2 %. Noch nicht wieder auf dem Vorjahresniveau waren dagegen der Handel mit Textilien, Bekleidung, Schuhen und Lederwaren und der Einzelhandel mit Waren verschiedener Art (zum Beispiel Waren- und Kaufhäuser) mit real -6,4 % und -2,3 % gegenüber dem Vorjahresmonat.

Grafik zeigt Einzelhandelsumsätze für Oktober im Detail

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Autoindustrie: Die Stimmung hat sich brutal verfinstert!

Claudio Kummerfeld

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Riesiger Parkplatz mit unzähligen Autos

Die Stimmung in der deutschen Autoindustrie (Hersteller und Zulieferer) hat sich brutal verfinstert. Laut heute früh veröffentlichten Umfrageergebnissen des ifo-Instituts ist die aktuelle Geschäftslage der Branche zwar noch akzeptabel mit einem Wert von +7,2 Punkten nach -2 Punkten im Oktober. Aber die Geschäftserwartungen der Autoindustrie sinken aktuell dramatisch ab, von +16,3 im Oktober auf -4 Punkte im November! Der Chart zeigt den Absturz der Stimmungslage in der Autoindustrie in den letzten Monaten. Im Moment läuft es noch, aber der Blick in die Zukunft macht die Firmen gegenwärtig nicht glücklich, so ifo aktuell in seiner Headline-Aussage. Weitere Aussagen hier im Wortlaut:

„Im Oktober haben wir einen Einbruch bei den gewerblichen Neuzulassungen gesehen. Das wird sich wahrscheinlich fortsetzen, aufgrund der großen Unsicherheit bei den Unternehmen“, sagt Oliver Falck, Leiter des ifo Zentrums für Industrieökonomik und neue Technologien.

Die Unternehmen gaben an, ihre Produktion deutlich drosseln zu wollen. Der Indikator sank von plus 38,6 Punkte auf minus 0,5 Punkte. Die Exporterwartungen fielen deutlich von plus 19,0 Punkten im Oktober auf minus 5,0 Punkte. Auch gab immer noch die Mehrheit der Unternehmen an, die Zahl ihrer Mitarbeiter zu verringern. Der Indikator stieg nur leicht auf minus 34,6 Punkte.

Der Auftragsbestand konnte zuletzt nicht mehr so stark zulegen. Der entsprechende Indikator sank deutlich auf 6,2 Punkte, nach 29,3 im Oktober. Der Bestand im Fertigwarenlager ist allerdings weiterhin geringer als saisonüblich. Der Indikator stieg nur leicht auf minus 4,9 Punkte.

Chart zeigt Verlauf der Geschäftserwartungen der Autoindustrie

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Rüdiger Born: Was der Markt bei Gold noch benötigt für einen Long-Einstieg

Rüdiger Born

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Der heutige Anstieg bei Gold (hier der jüngste Bericht auf FMW dazu) ist für mich der erste Hinweis, dass für einen Long-Einstieg etwas möglich sein könnte. Jetzt fehlt noch ein Trigger. Das Szenario hierfür bespreche ich im folgenden Video.

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