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Was wird der neue US-Chefökonom beim IWF anders machen als sein französischer Vorgänger?

Von Claudio Kummerfeld

Ab September 2015 ist der Amerikaner Maurice Obstfeld neuer Chefökonom beim Internationalen Währungsfonds (IWF) und folgt damit auf Olivier Blanchard. Damit ist die französische Doppelspitze aus Präsidentin (Lagarde) + Chefökonom passe. Was wird Obstfeld anders machen? Wird er eine andere Philosophie gegenüber Schuldnerländern entwickeln?

IWF neuer Chefökonom Maurice Obstfeld
Maurice Obstfeld, ab September 2015 neuer Chefökonom beim IWF. Sein Vorgänger Olivier Blanchard tritt planmäßig ab und geht in Ruhestand.
Foto: IWF

Der US-Amerikaner Maurice Obstfeld lehrt an der Elite-Uni Berkeley (Lehrtätigkeit ruht derzeit) und ist derzeit auch einer der wirtschaftlichen Berater von US-Präsident Obama. Auch hat er schon mal zusammen mit Paul Krugman ein Buch geschrieben, was nicht automatisch heißen soll, dass er seine Ansichten teilt. Er beriet u.a. auch die japanische Notenbank von 2002-2014 und gilt in der Fachwelt als anerkannter Experte.

Eines ist schon mal Fakt. Schaut man sich Obstfeld´s Lebenslauf an, dann weiß man, dass auf diesem zweitwichtigsten Posten beim IWF wieder ein 100%iger Theoretiker Platz nimmt, der sein Leben lang nur Hörsäle und Buchlesungen kennengelernt hat. Eine Person mit realer Erfahrung aus z.B. einer hauptamtlichen Notenbanktätigkeit wäre doch mal was Anderes gewesen.

Obstfeld hatte in der Vergangenheit schon wie viele andere Ökonomen auch auf die Unvereinbarkeit einer Währungsunion ohne gleichzeitige Wirtschaftsunion in Europa hingewiesen. Bereits 1997 hatte er daher die Einführung des Euro ohne gleichzeitige Wirtschaftsunion in Europa ein „Vabanquespiel“ genannt. In dieser Frage gilt er als Verfechter der Zentralisierung des Euroraums, damit die Währung auch wirklich auf einem einheitlichen wirtschaftlichen Fundament steht. Auch scheint er ein Verfechter von mehr Regulierung der internationalen Finanzmärkte zu sein.

Der aktuelle IWF-Chefökonom Olivier Blanchard plädierte zuletzt für einen Schuldenschnitt der Eurostaaten für Griechenland. Auch sprach er jüngst davon Schulden mit neuen Schulden bekämpfen zu wollen. Liest man bei seinem Nachfolger Obstfeld zwischen den Zeilen, kann man zu dem Schluss kommen, dass er eher in die Richtung Merkel geht, also das Auge auf Strukturreformen legt. Viele seiner Aussagen lassen aber gleichzeitig den Schluss zu, dass er ähnlich wie Yanis Varoufakis einen totalen Schuldenerlass für Griechenland für unausweichlich hält. Vor vier Jahren forderte er Richtung Angela Merkel auf anzuerkennen, dass die totale Pleite Griechenlands unausweichlich sei, da das Land niemals seine Schulden zurückzahlen könne.

Also erhält man einen intellektuellen Technokraten, der kein Problem mit Staatspleiten hat. Wird er dann als Chefökonom seiner Präsidentin Lagarde auch empfehlen, dass der IWF auf seine ausstehenden Kreditraten gegenüber Griechenland verzichten solle? Man darf gespannt sein.


Hier die letzte Stellungnahme des amtierenden Chefökonomen des IWF Olivier Blanchard in Sachen Griechenland.



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