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Welche Rolle spielen Zinssenkungen oder Zinsanhebungen im aktuellen Umfeld? Kann man auf historische Erfahrungen zurückgreifen?

Es wird viel gemutmaßt über die Frage, welche Rolle die Zinsänderungen für die Aktienmärkte spielen. Was verursachen Zinsanhebungen und was Zinssenkungen?

Es wird viel gemutmaßt über die Frage, welche Rolle die Zinsänderungen für die Aktienmärkte spielen. Was verursachen Zinsanhebungen und was Zinssenkungen? Eine relativ komplizierte Frage, denn es heißt wie immer: es kommt darauf an.

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Der jüngste Zinsanhebungszyklus

Im jetzigen Zinszyklus war es schön zu beobachten. Eine wachsende Wirtschaft und steigende Zinsen können im Gleichlauf existieren, bis zu einem Punkt. Die US Notenbank hatte die Zinsen seit Ende 2015 achtmal angehoben bis Oktober letzten Jahres auf 2,00-2,25 Prozent.

Die Aktienmärkte haussierten, bis Fed-Chef Powell vier weitere Zinsanhebungen für die nächste Zeit in Aussicht stellte und dazu noch eine auf Autopilot stehende Reduzierung der Notenbank-Bilanz. Das war zu viel, die Aktienmärkte brachen ein. Die Märkte diskontierten in wenigen Tagen die Verschlechterung des finanziellen Umfelds. Wie heftig sind Hedgefonds aus den Aktienmärkten geflohen und haben zur Gewinnmaximierung Put-Optionen gekauft? – bis Jerome Powell eine Wende ausrief. Die Kursreaktionen im Hochwinter sind bekannt.

Ergo: Es gibt eine Obergrenze, bei der steigende Zinsen nicht mehr kompatibel sind mit steigenden Aktienkursen. Nicht nur weil der Anleihemarkt oder Geldmarkt wieder eine Konkurrenz darstellt zu den Aktienmärkten, nein, in Amerika haben wir noch eine Sondersituation. Es ist der Markt für Unternehmensanleihen, deren Bonität sich seit 2009 drastisch verschlechtert hat. Ich habe schon mehrere Kommentare über das BBB-Risiko geschrieben und in meinem Kommentar vom 22.Mai hatte ich die Zahlen genannt – 54 Prozent der US-Unternehmensanleihen haben schon die letzte Stufe Investmentgrade BBB erreicht.

Fed-Chef Powell musste im Dezember auch deshalb die zinspolitische Wende vornehmen, weil dieser billionenschwere Markt das Zeug dazu besitzt, eine neue Finanzkrise auszulösen.

Daher rührt auch meine Überzeugung, dass die Fed keine Zinsanhebungen mehr durchführen kann im jetzigen Konjunkturzyklus, auch wenn die Inflation anspränge. Das ganze Verhalten der Fed läuft darauf hinaus eine Rezession, die kommen wird, möglichst lange hinauszuzögern – auch im Hinblick auf die Wahlen 2020.

 

Was bringen dann Zinssenkungen?

Zinssenkungen kommen immer dann, wenn erkennbar ist, dass die Wirtschaft einbricht. In den letzten drei Konjunkturzyklen wurden die Zinsen vor dem Wirtschaftsabschwung stark angehoben, im letzten Zyklus 17-mal auf 5,50 Prozent, zur Jahrtausendwende sogar bis auf 6,25 Prozent.

Darin unterscheidet sich die jetzige Phase von den letzten drei Einbrüchen (insgesamt 9 Zinsanhebungen bis 2,25/2,50%). Vor nicht allzu langer Zeit habe ich den Chef-Wirtschaftsberater der Bush-Regierung zitiert, der eine wegweisende Beschreibung abgegeben hatte. Sinngemäß: Die US-Notenbank hat in den letzten drei Zyklen durch ihre aggressiven Zinsanhebungen dafür gesorgt, dass die US-Wirtschaft in die Rezession gestürzt ist. Dieses Mal wird sie vorsichtiger agieren, allein, um ihr politisches Überleben zu sichern.

Ich denke, dass diese Aussage im Dezember letzen Jahres getätigt wurde. Lange hat es nicht gedauert, bis das Szenario wahrscheinlich wird. Also, was bringen Zinssenkungen den Aktienmärkten am Ende eines langen Aufschwungs? Eigentlich kaum etwas, bis auf eine kurze Aufwärtsphase. Der Einbruch kommt, das billige Geld hilft der Wirtschaft nur, um die Folgen der Rezession abzufedern. Im jetzigen Umfeld könnten niedrigere Zinsen den Abschwung verzögern, deshalb auch mein ständiger Hinweis auf das große Ziel des Präsidenten im November 2020.

Die Erfahrung lehrt aber Folgendes – billiges Geld, wenn es das gibt, ist das „Konjunkturkind zumeist schon in den Brunnen gefallen“.

 

Eine etwas seltsam unlogisch klingende Schlussfolgerung

Aktienmärkte fallen bei stark steigenden Zinsen / und oder Inflation oder vor dem Auftreten einer Rezession. Wenn die Rezession aber durch die großen Institute festgestellt wird, sind die Kurse zumeist schon im Keller und stehen vor einer starken Aufwärtsbewegung, wie in kaum einer Phase des typischen Konjunkturzyklus.

Aus historischer Sicht lässt sich feststellen, dass im letzten Jahrhundert in den USA ein Bullenmarkt im Schnitt gut acht Jahre gehalten hat, ein Bärenmarkt mit Rezession aber nur etwa eineinhalb Jahre, im Durchschnitt wohlgemerkt. Wann war das Hoch des deutschen Aktienmarkt? Am 23. Januar des Jahres 2018 – schon eine Zeit her.

Aber noch ist es nicht soweit und für eine Rezession sind die Aktienkurse noch deutlich zu hoch.



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