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Neuordnung im Welthandel Welthandel steht vor Jahrzehnt der Stagnation mit höherer Inflation

Derzeit gibt es auf der Welt so viele Krisen gleichzeitig wie noch nie zuvor. Es geht die Sorge um, dass die Weltwirtschaft in eine Rezession abrutscht und ein Jahrzehnt mit nur winzigem Wachstum bevorsteht. Der Welthandel leidet dabei besonders unter der Deglobabilisierung und den geopolitischen Spannungen und steht vor einer Neuordnung. Laut einem neuen Bericht der Boston Consulting Group (BCG) wird der Welthandel im nächsten Jahrzehnt langsamer wachsen als die Weltwirtschaft, da der Krieg in der Ukraine strategische Allianzen neu formt und den grenzüberschreitenden Handel verändert.

Das Handelsumfeld ist im Wandel

Wie Bloomberg berichtet, wird den Prognosen der Boston Consulting Group zufolge die jährliche Wachstumsrate des Welthandels bis 2031 durchschnittlich 2,3 % betragen, verglichen mit einem Anstieg des globalen Bruttoinlandsprodukts von durchschnittlich 2,5 % pro Jahr im selben Zeitraum. In den zehn Jahren vor der Pandemie entsprach der Handel weitgehend der Wachstumsrate des weltweiten BIP. Der Bericht prognostiziert also die schlimmste Phase stagnierender Globalisierung seit der Gründung der Welthandelsorganisation vor mehr als einem Vierteljahrhundert.

„Nach fast 30 Jahren eines vergleichsweise sicheren Handelsumfelds befinden wir uns mitten in einer neuen Ost-West-Dynamik, mit einer von den USA und der EU geführten Gemeinschaft und einem chinesisch-russischen Gegenstück sowie dem potenziellen Entstehen einer dritten Gruppierung von blockfreien Nationen“, so Nikolaus Lang, Managing Director bei BCG und Mitverfasser des Berichts.

Vier große Lieferketten haben unter dem Krieg und den zunehmenden Spannungen zwischen den USA und China gelitten: Energie, Landwirtschaft, Industriemetalle und Halbleiter. Diese sind laut Lang für etwa 80 % des derzeitigen Preisdrucks verantwortlich.

„Der Übergang von einem globalen zu einem stärker regional ausgerichteten Handel führt auch zu Skaleneffekten, die höhere Preise auslösen“, so Lang in einer E-Mail. „Wir gehen davon aus, dass der Inflationsdruck im Zuge der weltweiten Anpassung nachlassen wird, aber insgesamt werden wir in den Jahren 2023 und 2024 in dieser Anpassungsphase weiterhin eine überdurchschnittlich hohe Inflation erleben.

Neuordnung im Welthandel

Nach der von BCG skizzierten Neuordnung im Welthandel werden die nächsten neun Jahre des Handelsumbruchs folgende Gewinner und Verlierer hervorbringen:

Die Europäische Union wird ihren Handel mit den USA um 338 Milliarden Dollar steigern, was vor allem auf die amerikanischen Energieexporte nach Europa zurückzuführen ist. Zudem wird sie auch ihren gemeinsamen Handel mit den ASEAN-Ländern, Afrika, dem Nahen Osten und Indien ausweiten.

Der Handel zwischen den USA und China wird um 63 Milliarden Dollar zurückgehen.

Zwischen der EU und China wird sich das Handelswachstum ebenfalls verlangsamen und nur um 72 Mrd. USD zunehmen, was BCG als „bescheidenen Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren“ bezeichnet.

Russlands Handel mit China und Indien wird um 110 Milliarden Dollar wachsen, „davon allein 90 Milliarden Dollar mit China“, so die Unternehmensberatung.

Südostasien wird der Hauptgewinner sein, mit einem geschätzten neuen Handelsvolumen von 1 Billion Dollar, das größtenteils auf den neuen Handel mit China, Japan, den USA und der EU zurückzuführen ist.

Der Handel der ASEAN-Staaten mit China wird um 438 Mrd. USD zunehmen und damit den größten interregionalen Zuwachs verzeichnen.

FMW/Bloomberg

Welthandel steht vor Jahrzehnt der Stagnation mit höherer Inflation
A tugboat operated by Svitzer A/S assists the CSCL Arctic Ocean container ship, operated by China Ocean Shipping Group Co. (COSCO), as it arrives at the Port of Felixstowe, owned by a unit of CK Hutchison Holdings Ltd., in Felixstowe, UK, on Friday, Jan. 13, 2023. Britain’s trade deficit narrowed sharply after a slump in natural gas prices reduced import costs and a flurry of exports of aircraft and cars. Photographer: Chris Ratcliffe/Bloomberg


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