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Wenn alles so toll ist – warum kollabieren dann die Rohstoffepreise?

Die Preise für Roshtoffe sind derzeit im freien Fall. Wer verstehen will, warum das so ist, sollte nach China blicken – dort kollabiert derzeit die Kreditvergabe, und das wird Konsequenzen für die globale Konjunktur haben!

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am

Von Markus Fugmann

Die Aktienmärkte handeln auf Allzeithochs, die Volatilität jener Aktienmärkte in der Nähe von Allzeittiefs – die Stimmung ist vielleicht nicht komplett euphorisch, aber doch sehr positiv. Bleibt aber nur eine Frage: warum fallen dann die Rohstoffpreise derzeit in den Keller? Zum Beispiel heute Nacht in China:

Normalerweise sind steigende Aktienmärkte auch gut für Rohstoffpreise – wenn die Märkte an Wachstum glauben, steigen Aktien und Rohstoffe meist im Tandem. Warum aber passiert das derzeit nicht, warum werden Rohstoffe abverkauft, während die Aktienmärkte fröhlich klettern?

Sehen wir uns einmal vor allem jene Rohstoffe an, die in der Industrie oder beim Bau gebraucht werden:

Kupfer:

Platin:

Eisenerz:

Silber:

Es rumpelt also in der Kiste, könnte man sagen. Aber warum? Ein Grund ist sicher die Erwartung steigender Zinsen in den USA, die gestern durch die Aussagen der Fed noch einmal Auftrieb erhalten hat. Ein starker Dollar, tendentiell höher verzinster Dollar bedeutet naturgemäß eher schwächere Preise für unverzinste Rohstoffe.

Ein weiterer Grund aber scheint wesentlich wichtiger, und der heißt China. Aus dem Reich der Mitte kommen zuletzt sehr schwache Konjunkturdaten, so heute Nacht etwa der Caixin Einkaufsmanagerindex mit dem schwächsten Wert seit elf Monaten und nur noch ganz knapp über der entscheidenden 50er-Marke, die Wachstum von Kontraktion trennt.

Vielleicht noch wichtiger aber ist, dass Peking derzeit auf dem Bremspedal steht: man will das Problem der Schattenbanken ernsthafter angehen als zuvor (weil die Hebelung des kreditfinanzierten Finanzsystems im Reich der Mitte ausufert), und die Restriktionen gegen diese Schattenbanken hat deutliche Einbußen an Liquidität zur Folge – viele dieser Schattenbanken waren auch am Rohstoffmarkt aktiv. Sie waren und sind aber auch Kreditgeber – häufig verliehen sie Geld gegen die Hinterlegung von Rohstoffen als Sicherheit (fallen Rohstoffpreise, fallen damit die Sicherheiten im Wert und bringen damit sowohl Kreditgeber als auch Kreditnehmer unter Druck!). Das ist besonders wichtig und problematisch für nicht-staatliche Firmen, die von der Kreditvergabe der offiziellen Banken weitgehend abgeschnitten sind.

Die UBS spricht daher davon, dass der „globale Kreditimpuls“, der bislang weitgehend von der exzessiven Kreditvergabe in China befeuert wurde, „plötzlich kollabiert“ sei. Es waren und sind aber vor allem Kredite, die Wachstum ermöglichen – weniger Kredite heißt also auch, mit zeitlicher Verzögerung von sechs bis neun Monaten, weniger Wachstum.

Der herbe Abverkauf der Rohstoffe ist also eine Art Warnzeichen und Frühindikator zugleich. Denn die Bedeutung der exzessiven Kreditvergabe Chinas für die globale Wirtschaft wird meist unterschätzt: China pumpte in Reaktion auf die Finanzkrise des Westens massiv Geld in die eigene Infrastruktur und sorgte damit für den Aufschwung der Rohstoffpreise nach deren Kollaps während der Finanzkrise.

Die Geldflutung Pekings war damals auch eine entscheidende Vorbedingung dafür, dass Deutschland dann gestärkt aus jenem Beinahe-Zusammenbruch des Finanzsystems im Gefolge der US-Immobilienkrise hervorgehen konnte und zum „Exportweltmeister“ wurde. Mithin half China also entscheidend mit, den fast schon gezogenen Stecker des Finanzsystems wieder in die Steckdose zu stecken! Genauso gut aber kann China eben auch den Stecker für das Wachstum der globalen Wirtschaft ziehen – und die Rohstoffpreise zeigen an, dass genau das derzeit passiert. Es wird dauern, bis das an den Aktienmärkten realisiert wird, aber es wird realisiert werden!

Weiterführende Informationen zu dem Thema Kreditvergabe in China und ihre Bedeutung für die globale Wirtschaft finden Sie hier und hier..

11 Kommentare

11 Comments

  1. Hondo

    4. Mai 2017 17:17 at 17:17

    Ja aber nur wann???

    • vogel

      4. Mai 2017 18:01 at 18:01

      „China pumpte in Reaktion auf die Finanzkrise des Westens massiv Geld in die eigene Infrastruktur und sorgte damit für den Aufschwung der Rohstoffpreise nach deren Kollaps während der Finanzkrise.“

      China pumpt bis heute massiv Geld in das System.
      Wie man sieht, ist auch in China die M1- Geldmenge im März 2017 auf absolutem Rekordstand:

      http://de.tradingeconomics.com/china/money-supply-m1

      Das ist, wie sich inzwischen herumgesprochen haben dürfte, der eigentliche Kurstreiber der Aktienbörsen.

      Chinas Führung wird ihre Machtposition wohl kaum durch einen gezielt herbeigeführten Wirtschaftsabschwung mit Veredelung und sozialen Unruhen gefährden, indem „…China eben auch den Stecker für das Wachstum der globalen Wirtschaft“ zieht.

      • gerd

        4. Mai 2017 18:23 at 18:23

        Sie hatten schon mal eine Geldmengenstatistik (USA) angeführt, bei einem Kommentar Leser/Jens Ehrhard.

        Die Zahlen werden heute anscheinend (leider) kaum noch beachtet. Sollte man tatsächlich hin und wieder mal draufschauen.
        Es gab vor 15-20 Jahren mal eine Periode, da wartete man als Börsianer höchst gespannt jedesmal auf die Veröffentlichung seitens der Deutschen Bundesbank.

        • vogel

          4. Mai 2017 21:14 at 21:14

          @Gerd
          Richtig.
          Die Datenmüll-Inflation heutzutage versperrt den Blick auf die wichtigen Informationen.
          Es ist wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen, nur daß man inzwischen oft noch nicht mal mehr den richtigen Heuhaufen findet… 🙂

  2. Walter Schmid

    4. Mai 2017 18:38 at 18:38

    „Es wird dauern, bis das an den Aktienmärkten realisiert wird, aber es wird realisiert werden!“
    Sehe ich ganz genauso.

  3. johann.k

    4. Mai 2017 19:10 at 19:10

    Interessant!

  4. Robert14021984

    4. Mai 2017 19:50 at 19:50

    Vielleicht passt das auch ganz gut dazu..

    https://www.bloomberg.com/news/videos/2017-05-02/hayman-cio-sees-beginning-of-credit-crisis-in-china-video

    das letzte mal soweit ich gesehen hab, hat der gute Kyle auf fallenden Yuan gesetzt und mehr als nur richtig gelegen.. da kann man schon mal zuhören wenn Kyle Bass was sagt…

  5. Robert14021984

    4. Mai 2017 19:53 at 19:53

  6. Flachwitz

    4. Mai 2017 20:24 at 20:24

    Manche munkeln ja schon seit langem, dass sich China zu einem schwarzen Schwan entwickeln könnte. Bevor es aber zu einem Kollaps kommt, wird die chinesische Führung wohl die Daumenschrauben wieder lockern, und dann wird nicht Deflation sondern Inflation exportiert, und meine geliebten Edelmetalle wieder steigen… 🙂

  7. Hinterfrager

    4. Mai 2017 21:26 at 21:26

    Schon mal ’ne richtige Blase gesehen? Absolut par excellence dieser Tage in China…

    https://www.cashkurs.com/kategorie/hintergrundinfos/beitrag/heute-journal-china-entfesselter-immobilien-run/

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Aktien

Bayer: Schwere Prozessniederlage zwingt Aktie in die Knie

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am

Eine herbe Schlappe in einem richtungweisenden Monsanto-Prozess in den USA hat Bayer-Aktionäre am Mittwoch verschreckt. Der Aktienkurs brach intraday um über 12 Prozent ein.

So befand eine Geschworenen-Jury des zuständigen Bundesbezirksgerichts in San Francisco einstimmig, dass beim Unkrautvernichter Roundup mit dem umstrittenen Wirkstoff Glyphosat ein Auslöser für die Krebs-Erkrankung des Klägers Edwin Hardeman gewesen ist. Der Prozess geht nun mit derselben Jury in eine zweite Phase, in der die Haftungsfragen geklärt werden sollen.

Auf die immensen Gefahren einer Klagewelle und damit einhergehenden Risiken für Bayer wurde bereits im Vorfeld hingewiesen. Nur wenig später erreicht die Bayer-Aktie das anvisierte Kursziel bei 59,00 Euro und schlug anschießend eine Erholungsbewegung ein. Diese reicht nicht ganz an das Niveau von rund 75,00 Euro heran, bereits bei 73,17 Euro geriet der Wert wieder unter Druck. Heute sacken die Notierungen um über 12 Prozent durch, weil der letzte hoffnungsvolle Prozess zur Feststellung der Karzinomen Wirkung von Glyphosat verloren wurde. Das könnte nun weitere Schadensersatzforderungen nach sich ziehen – derzeit sind bereits 11.000 und mehr Klagen anhängig.

Short-Chance:

Ein Blick auf den Kursverlauf seit Anfang 2003 offenbart in dem Wertpapier von Bayer noch einen intakten Aufwärtstrendkanal. Doch mit jedem weiteren Euro Kursabschlag nährt sich die Aktie einem potenziellen Verkaufssignal und könnte hierdurch den langfristigen Aufwärtstrendkanal verlassen. Unterhalb von 55 Euro müssten anschließend Kurzrücksetzer auf ein vorläufiges Niveau von 43,50 Euro einkalkuliert werden, darunter könnte es sogar bis an die Jahrestiefs aus 2011 bei 35,36 Euro weiter abwärts gehen. In jedem Fall ist mit größeren Kursbewegungen bei entsprechender Nachrichtenlage zu rechnen, tendenziell sind – wenn nötig – kleinere Handelspositionen einzugehen.

Allerdings besteht noch die realistische Chance einer positiven Trendwende und Stabilisierung an 59 Euro. Dann könnte die Bayer-Aktie wieder sukzessive zulegen, höher als die aktuellen Jahreshochs von 73,17 Euro dürfte es dabei aber nicht mehr rauf gehen. Spätestens am 50-Wochen-Durchschnitt bei aktuell 77,09 Euro ist wieder mit größeren Gewinnmitnahmen zu rechnen. Maßgeblich hängt der Kursverlauf jedoch von der weiteren Entwicklung der Prozesse im Fall Monsanto ab.
_____________________________________________________________________
Einstieg per Stop-Sell-Order : 55,00 Euro
Kursziel : 43,50 / 35,36 Euro
Stop : > 62,00 Euro
Risikogröße pro CFD : 7,00 Euro
Zeithorizont : 2 – 3 Monate

 

Wochenachrt:

 

 

Tageschart:

 

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Finanznews

Beste aller Welten inzwischen eingepreist? Videoausblick

Gestern hat der an den Märkten eingepreiste Glaube, man lebe in der besten aller möglichen Welten, einen ersten Kratzer bekommen..

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Gestern hat der an den Märkten eingepreiste Glaube, man lebe in der besten aller möglichen Welten, einen ersten Kratzer bekommen mit der Meldung, dass offenkundig der Deal zwischen den USA und China doch nicht ganz so sicher und nah ist wie erwartet. Dann gestern die nachbörslich schwächer als erwartet ausgefallenen Zahlen von FedEx, das als „bellwether“ für die Weltkonjunktur geltende US-Transportunternehmen sieht (im Gegensatz zu den Aktienmärkten!) keine Erholung der Weltwirtschaft. Nach diesen ersten Rückschlägen für die Dauer-Optimisten sollte besser die Fed die sehr hohen Erwartungen an die Fed besser erfüllen – heute Abend dazu ein Live-Webinar ab 18.55Uhr, das Sie über folgenden Link live mitverfolgen können:
https://www.youtube.com/watch?v=DkIKInaSAjQ

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Foto: Avarice (2012), by Jesus Solana / Wikipedia (CC BY 2.0) – Ausschnitt aus Originalfoto

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Finanznews

Das Wichtigste kommt heute nachbörslich! Marktgeflüster

Warum der Dax heute steigt – aber das Wichtigste noch vor uns liegt!

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am

Die Wall Street tut das, was typisch ist vor einer Fed-Sitzung: die Kurse steigen (seit dem Jahr 1994, so eine Untersuchung der Fed selbst, stiegen die Kurse durchschnittlich in den 24 Stunden vor der Fed-Ergebnis um +0,5%. Besonders der Dax heute stark (auch eine Folge eines Short-Squeezes laut Daten der Bank of America Merrill Lynch), nachdem er lange lethargisch vor sich hin gedämmert hatte und dem Tempo der US-Indizes nicht hat folgen können. En Auslöser für den Anstieg des Dax war der weniger schlecht als erwartete ZEW-Index (den wir jedoch für nicht sehr aussagekräftig halten im Gegensatz zum ifo Index). Wie es um die Weltwirtschaft (die für den exportlastigen dax bekanntlich zentral ist) wirklich steht, werden heute Abend nachbörslich (wie berichten ab 21.00Uhr) die Zahlen von FedEx zeigen..

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By Peter Bakema – Gallery page https://www.jetphotos.com/photo/6924213Photo https://cdn.jetphotos.com/full/2/25885_1282748710.jpg, GFDL 1.2, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=29059333

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