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Wie Belarus das eigene Finanzsystem zerstört!

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Waren in der vorletzten Woche lediglich Devisen knapp, ist das Banksystem in Belarus inzwischen in den Panikmodus übergegangen. Kredite für Privatpersonen gibt es nicht mehr, der Interbankenhandel ist tot und im Gegensatz zum Rest der Welt stellt die belarusische Nationalbank dem eigenen Bankensystem KEINE Liquidität zur Verfügung. Der Zusammenbruch des Banksystems liegt in der Luft.

Devisenknappheit, Inflation und abwertende Währung sind die Belarusen gewöhnt. Es ist schließlich bereits die dritte Rubel-Währung seit dem Ende der Sowjetunion, mit der derzeit in Belarus bezahlt wird. Selbst wer Devisenkonten besitzt, kann sich derzeit keine Devisen auszahlen lassen. Nur wer schon vor der Krise Devisen in Form von Banknoten bei sich zu hause oder in Schließfächern einlagerte, hat jetzt noch Zugriff auf die in Belarus dringend gesuchten Rubel-Alternativen. Es gibt Berichte, dass Banken Unternehmenskunden anrufen und hohe Zinsen bieten, wenn die Unternehmen ihre Devisenreserven herausrücken sollten. Wie hoch, zeigt die Interbankenmarkt-Statistik vom 25. August. Da hatte eine Bank sich 2 Millionen Euro oder US-Dollar für 2% geliehen, während der Zinssatz in der Eurozone bei -0,47% lag. Eine Zinsdifferenz von fast 2,5 Prozentpunkten für zweitätige Kredite ist enorm. Doch ob die Banken überhaupt in der Lage sein werden, das geliehene Geld zurückzuzahlen, ist zweifelhaft, weshalb es kaum jemanden gibt, der Devisen hergeben möchte.

Ein Bankrun in Belarus ist bereits gestartet

Denn befeuert vom Nexta Telegram-Channel, der immerhin 2,2 Millionen Follower bei einer Bevölkerung von 9,5 Millionen auf sich vereint, wird seit Wochen für das Abheben von Kontoguthaben getrommelt. Das Vorrätighalten von Bargeld hat solange keine Auswirkungen, wie Sie und ich das einem kleinen Zuhörerkreis raten. Wenn jedoch mehr als 20% der Bevölkerung diese Aufrufe hören und nebenbei eine Revolution im Land tobt, dann führt das zu einem Bankrun. Banken haben die kurzfristig kündbaren Kundenguthaben in langfristig gebundene Anlagen gesteckt. Will nun ein zu großer Teil der Kunden Geld vom Konto abheben, mangelt es den Banken an Liquidität.

Schon seit dem 11. August, also zwei Tage nach der gefälschten Präsidentschaftswahl in Belarus, steigen die Zinsen auf dem Interbankenmarkt. Also dem Markt, auf dem die Banken sich gegenseitig mit Liquidität versorgen. Der Zinssatz für Übernacht-Kredite in belarusischen Rubeln stieg von 4% auf 13,9% am Freitag, was deutlich oberhalb des Leitzinssatzes von 8,75% liegt. Schlimmer noch ist aber die Tatsache, dass zu diesem Zinssatz kaum noch Geschäfte abgewickelt werden. Wurden vom 1. bis 10. August täglich rund 149 Millionen Rubel über Nacht verliehen, stieg das Volumen vom 11. bis 17. August auf durchschnittlich 341 Millionen Rubel. Am 19. August folgte der Bruch: Der Zinssatz explodierte von 4,82% während das Volumen auf nur noch 29 Millionen Rubel einbrach. Bis zum Freitag stieg der Zinssatz auf 13,89%, während das Volumen auf 18 Millionen Rubel fiel. Für eine Volkswirtschaft mit einem Bruttoinlandsprodukt von mehr als 120 Milliarden Rubel pro Jahr ist das ein Tropfen auf den heißen Stein.

Belarusische Zentralbank sabotiert das eigene Banksystem

Im Rest der Welt würden Zentralbanken angesichts dieses dysfunktionalen Interbankenmarkts sofort in den Krisenmodus schalten und den Banken notfalls unbegrenzte Liquidität zur Verfügung stellen. In Belarus geschah das Gegenteil: Die Zentralbank kündigte an, Übernacht-Geldgeschäfte mit Banken des eigenen Landes einzustellen und die Banken somit sprichwörtlich auf dem Trockenen sitzen zu lassen. Grund für die Einstellung der Liquiditätsmaßnahmen sei, dass man befürchte, die Banken würden die Zusatzliquidität nutzen, um dafür ohnehin knappe Devisen zu kaufen, was den Rubelkurs weiter schwächen würde. Lieber nimmt die Zentralbank also ein crashendes Finanzsystem in Kauf, als einen eventuell weiter abwertenden Rubel. Ob die Zentralbank diese Entscheidung selbst traf, darf bezweifelt werden. In der Vergangenheit tauschte Diktator Lukaschenko die Zentralbankführung nach Belieben aus. Gut möglich, dass er dieses Mal ohne weiteres Verständnis für die Zusammenhänge ein Verbot für Liquiditätsversorgung aussprach.

Während in der Eurozone und den USA in solchen Krisenmomenten soviel Geld wie angefragt zum Leitzinssatz zur Verfügung gestellt wird, will die belarusische Zentralbank Geld nur noch in längerfristigen Geschäften verauktionieren. Die Banken müssen also um begrenzte Ressourcen bieten – das Gebot ist der Zinssatz. Das treibt erstens die Refinanzierungskosten nach oben und hält das jetzt dringend benötigte Geld knapp – die Banken können also ihren Bedarf nicht zur Gänze decken. Für fünftägige Kredite mussten Banken am Freitag bereits 18,6% Zinsen bieten, um zum Zuge zu kommen. Welche Summen dabei vergeben wurden, nennt die Zentralbank nicht.

Zum Vergleich: Bis vor kurzem wurden 20-jährige Immobilienkredite für 20% Zinsen an Privatpersonen vergeben.Kredite gibt es für Privatpersonen in Belarus kaum noch.

Für Belarusen hat der Zusammenbruch des Interbankenmarktes verbunden mit einem schleichenden Bankrun unmittelbare Folgen: Inzwischen haben sieben Banken angekündigt, die Kreditvergabe an Privatpersonen teilweise oder sogar vollständig zu stoppen. Schon seit April haben die größten Banken des Landes keine Kredite mehr für Bestandsimmobilienkäufe gewährt. Die letzte große Bank, die solche Kredite noch vergab, beendete die Vergabe nun auch. Autokredite in Belarus gibt es jetzt ebenso wenig wie Konsumentenkredite. Den Handel trifft das hart, sind doch Phasen schneller Abwertung in der Regel verbunden mit einer Sonderkonjunktur für den Handel. Die Menschen kaufen lieber Konsumprodukte aus dem Ausland, als auf die Abwertung ihres Geldes zu warten – und das gern auch auf Kredit. In der Vergangenheit war das möglich.

Von einer Bekannten war nun zu hören, dass ein Elektronikgeschäft in Minsk in den vergangenen Tagen 23 Kreditanträge für umgerechnet rund 600 Euro teure Kaffeemaschinen ablehnen musste. 23 Maschinen seien nach Aussage des Verkäufers ein halber Jahresumsatz mit diesem Produkt. Obwohl die Nachfrage nach Autos derzeit sehr hoch ist, berichten auch Autohändler, dass fehlende Kredite das Geschäft in Belarus negativ beeinträchtigen. Diese verpassten Geschäfte wird der Handel aller Wahrscheinlichkeit nach nicht nachholen können.

Finden Sie beim Klick an dieser Stelle die Erklärung, warum es in Belarus zwei Wechselkurse gibt.

Proteste in Belarus am 23. August
Straßenproteste in Minsk am 23. August. Foto: Homoatrox CC BY-SA 3.0

Ein Kommentar

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    Hans K

    1. September 2020 13:33 at 13:33

    Ein Kreditboom in Rubel, wo die eigentliche Währung der US Dollar ist, macht nicht so viel Sinn. Rubel Kredite dürften sich dann durch die Inflation und der Währungsabwertung von selbst zurück zahlen. Wohl auf Kosten des Staates. Die Protest Bewegung hat ihren Schwung verloren. Die Politische Substanz fehlt dort wohl auch komplett. Da kann man schon vermuten, dass Westliche NGOs die Massenproteste gekauft haben, um mehr Spendengelder für den Umsturz zu bekommen. Die Weißrussen werden sicher ihre Devisenkredite nicht mehr gegenüber den Westen bedienen können. Könnte auch das Problem sein, warum das Momentum weg ist.

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Arbeitsmarkt nach Corona: Mehr Staatswirtschaft, weniger Industrie

Redaktion

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Büro-Arbeitsplatz

Verschwörungstheorie? Oder nur eine Vermutung? Das „übliche“ neo-liberale Gelaber, welches den Staat verteufelt, und vor noch mehr Staat warnt? Nein, offizielle staatliche Aussagen vom heutigen Tage zeigen, dass am deutschen Arbeitsmarkt in die Staatswirtschaft deutliche Stellenzuwächse erleben wird, während produzierende Betriebe nicht nur jetzt, sondern auch in 2021 weiter Stellen abbauen wird.

Staatswirtschaft im Aufwind, Industrie im Rückzug?

De facto heißt das: Die Angestellten in der Privatwirtschaft müssen (insgesamt gesehen) durch Steuern und Abgaben immer mehr, mehr und noch mehr erwirtschaften und abführen, damit die immer größere Zahl der Arbeitsstellen im Rahmen der Staatswirtschaft auch bezahlt werden kann! Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute ihre Prognose für den deutschen Arbeitsmarkt für die Jahre 2020 und 2021 veröffentlicht. Und genau aus diesen Aussagen geht folgendes hervor, auszugsweise im Wortlaut:

Die Zahl der Arbeitslosen steigt laut der IAB-Prognose im Jahresdurchschnitt 2020 um 440.000, im Jahr 2021 könnte sie wieder um 100.000 zurückgehen.

Im Produzierenden Gewerbe gab es insbesondere im zweiten Quartal 2020 einen deutlichen Stellenabbau, der auch 2021 anhalten wird. Im Jahresdurchschnitt 2020 fallen hier 160.000 und 2021 nochmal 60.000 Stellen weg.

Beschäftigungszuwächse erwarten die IAB-Forscher dagegen vor allem im Bereich „Öffentliche Dienstleister, Erziehung und Gesundheit“ (jeweils +190.000 in beiden Jahren).

Wird man im Detail die Neueinstellungen bei Staat und öffentlichen Betrieben (zusammen nennen wir das mal die „Staatswirtschaft“) durchgehen, dann wird man im Einzelfall sicher sagen: Ja, diese neue Stelle ist sinnvoll, und die auch, und die auch, und die da… ja dieser neue Job bei dieser Behörde ist auch notwendig. Zum Beispiel mehr Polizisten, mehr Lehrer, mehr Personal für die Gesundheitsämter, mehr Personal für den Zoll für die Kontrollen bei Schwarzarbeit und Einhaltung der Vorschriften bei Fleischbetrieben, mehr Sozialarbeiter etc. Und so könnte man die Liste sicher endlos fortsetzen.

Nur irgendwer muss all das ja auch bezahlen, zusätzlich zu der immens steigenden Staatsverschuldung, die irgendwann ja auch irgendwer mal bezahlen soll. Unterm Strich, da darf man sich sicher sein, wird es heißen: Wir müssen leider, leider die Steuern erhöhen. Geht eben nicht anders? Oder wird man anstatt die Steuern raufzuschrauben, eher auf indirekte Steuern und Sozialabgaben setzen? Was der Bürger nicht so offensichtlich sieht, tut auch nicht so sehr weh?

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Baugewerbe mit Einbruch bei den Auftragseingängen – kein Grund zur Sorge!

Claudio Kummerfeld

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Baugewerbe mit Rückgang bei den Aufträgen

Das deutsche Baugewerbe verzeichnet einen Rückgang der Auftragseingänge. Krise? Weit gefehlt, so möchten wir meinen. Wie heute offiziell vermeldet wurde, sind die Auftragseingänge im Juli im Vergleich zu Juni um 5,6 Prozent gesunken, und im Vergleich zu Juli 2019 um 4,9 Prozent. In den ersten sieben Monaten des Jahres 2020 sank der reale Auftragseingang im Baugewerbe gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 3,7 Prozent. Warum diese Rückgänge noch kein Problem sind? Nun, die Aussagen der Statistiker deuten dies an.

Denn der Auftragseingang im Juni 2020 war aufgrund von Großaufträgen ungewöhnlich hoch ausgefallen. Und der Auftragseingang im Juli 2019 war der höchste jemals in einem Juli gemessene Wert. Von daher war es für den Juli 2020 auch schwer, im Vergleich zu diesem Rekord-Ausgangswert noch mal eine Steigerung hinzulegen. Und aktuell darf man ja auch noch ergänzen, dass im Zuge der Coronakrise verständlicherweise einige wirtschaftliche Abläufe wie Bauaufträge oder Bauanträge bei Ämtern verschoben werden oder sich verzögern. Wenn man das bedenkt, dann sind diese Auftragsrückgänge im Baugewerbe noch eher mild ausgefallen. So schreiben die Statistiker vom Statistischen Bundesamt auch Zitat „Gründe für diese negative Entwicklung sind neben möglichen Einflüssen der Corona-Pandemie auch das sehr hohe Niveau des Vorjahres“.

Die am Anfang des Artikels genannten Prozentveränderungen waren real, saison- und kalenderbereinigt gerechnet. Die nominalen Veränderungen fielen noch viel kleiner aus. Der Auftragseingang im Baugewerbe betrug im Juli 2020 rund 7,5 Milliarden Euro. Das waren nominal (nicht preisbereinigt) 2,5 % weniger gegenüber dem Höchststand im Juli 2019. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sanken die Auftragseingänge in den ersten sieben Monaten 2020 nominal um 0,5 %.

Grafik zeigt Verlauf der Auftragseingänge im Baugewerbe

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Coronakrise und Insolvenzen: Ab 01.Oktober kommt die Pleite-Welle

Markus Fugmann

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Aufgrund der Coronakrise hat die Bundesregierung bekanntlich beschlossen, das Insolvenzrecht zeitlich begrenzt auszusetzen und damit die Pflicht zur Anmeldung einer Insolvenz ausser Kraft zu setzen – gleichwohl droht nun bereits in der nächsten Woche eine massive Pleite-Welle. Denn ab 01.Oktober müssen jene Unternehmen wieder Insolvenz anmelden, die zahlungsunfähig sind – während überschuldete Firmen erst ab 01.Januar 2021 die Pflicht zur Insolvenz-Anmeldung haben.

Wie viele der von der Coronakrise betroffenen Unternehmen in Deutschland müssen dann als ab nächster Woche Insolvenz anmelden? Volker Römermann, unter anderem Fachanwalt für Insolveznrecht, sagt: über 90% der betroffenen Firmen werden dann ab 01.Oktober Insolvenz anmelden müssen, denn so hoch sei die Zahlungsunfähigkeits-Quote bei allen Insolvenzen – Überschuldung und damit die Pflicht zur Insolvenzanmeldung erst ab 01.Januar 2021 sei dagegen bei weniger als 10% der Fall.

Coronakrise: Jetzt kommt der Schmerz!

Das bedeutet: hunderttausende Firmen in Deutschland werden wohl zeitnah Insolvenz anmelden! Das wird viele Arbeitsplätze kosten. Der durch die Coronakrise ausgelöste Schmerz wurde also lediglich in die Zukunft verschoben – und diese Zukunft und damit der große Schmerz kommt nun also im Oktober, „buchstäblich am 01.Oktober“, sagt Römermann im Interview mit Florian Homm. Zwischen Januar und August diesen Jahres war die Zahl der Insolvenzen in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr sogar rückläufig – da hat sich nun viel aufgestaut, was sich nun in einer Pleite-Welle entladen dürfte!

Und der Schmerz geht dann ab 01.Januar 2021 weiter, denn viele Firmen haben in der Coronakrise noch einmal Kredite aufgenommen, seien aber nicht zuletzt dadurch aussichtslos überschuldet, sagt Volker Römermann:

Ab 01.Oktober schlägt die Coronakrise voll durch - es droht eine Welle von Insolvenzen

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