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Wie eine Zinsanhebung der EZB die Energiepreise absenken soll

EZB-Zentrale in Frankfurt

Wie schafft man es mit einer Zinsanhebung die Energiepreise in Europa abzusenken? Auf den ersten Blick erschließt sich das nicht, aber nach ein klein wenig Überlegen kommt man drauf. Durch höhere Zinsen wird der Euroraum attraktiver, der Euro steigt. Dementsprechend wird alles, was der mit Euro bezahlende europäische Importeur in Übersee in Dollar einkauft, billiger. Und so könnte auch vor allem Öl, das auf dem Weltmarkt in US-Dollar gehandelt wird, hierzulande billiger werden, wenn der Euro aufwertet.

Dieses Szenario hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) heute näher erläutert. Die Analyse des DIW trägt den Namen „EZB vor Dilemma: Zinserhöhung würde Energiepreise senken, aber Wirtschaft belasten“. Heizpreise würden um zwei Prozent sinken, Benzin und Diesel um vier Prozent. Grund ist der steigende Wert des Euro, der insbesondere den Import von Öl verbilligt – eine Zinserhöhung belastet aber laut DIW auch die Industrieproduktion und könnte Arbeitslosigkeit erhöhen.

Die EZB könnte laut DIW mit einer restriktiveren Geldpolitik versuchen die Inflation zu dämpfen. Doch hätte eine Zinsanhebung – zumindest indirekt – überhaupt einen Effekt, die Energiepreise für deutsche Unternehmen und VerbraucherInnen zu senken? Ganz klar JA, so kann man die Aussagen des DIW werten. Denn eine Zinsanhebung, die die Rendite der einjährigen Bundesanleihe um 25 Basispunkte steigen lässt, mache sich besonders bei den Kraftstoffen wie Benzin und Diesel in der Komponente „Verkehr“ bemerkbar. Hier würden die Preise um 4 Prozent zurückgehen. Wertet der Euro gegenüber dem US-Dollar auf, sinken die Verbraucherpreise für Kraftstoffe und Heizkosten in Deutschland signifikant, so die klare Aussage des DIW.

Zwar beeinflusse die EZB mit ihrer Zinsentscheidung nicht wesentlich den Preis auf dem Weltmarkt für Öl und Gas, aber durchaus den Wert des Euro, der durch eine Zinsanhebung für Investoren attraktiver wird. Die Kraftstoffpreise sinken, weil ein großer Teil davon in US-Dollar gepreist wird, so die DIW-Analyse. Dies lasse sich an den unterschiedlichen Reaktionen des Gas- und des Heizölpreises ablesen. Weil der größte Anteil von Gas in Euro gehandelt wird, verbilligt sich dieses nach einer Zinserhöhung nur um ein Prozent, Heizöl gebe dagegen um fast zehn Prozent nach und kehrt erst nach zwei Jahren wieder auf seinen Ausgangswert zurück. Mit der Zinsanhebung hätte die EZB demnach theoretisch ein wirkungsvolles Instrument in der Hand, die Energiepreise im Euroraum etwas zu senken, so das DIW. Dabei gelte es auch zu berücksichtigen, dass die Finanzmärkte bereits einen Zinsanstieg von 50 Basispunkten für die EZB in diesem Jahr eingepreist haben. Somit könnte sich eine Aufwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar in dem Modell nur dann ergeben, wenn die EZB die Zinsen noch stärker als die bereits erwarteten 50 Basispunkte anhebt.



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8 Kommentare

  1. Wenn die EZB die Zinsen anhebt, gehen Griechenland, Portugal, Spanien, Italien und Frankreich in dieser Reihenfolge pleite.

    1. Eben! Ich weiß gar nicht, warum deswegen immer diskutiert wird, wenn man eh weiß, dass es UNMÖGLICH ist, die Zinsen anzuheben. Da komm ich mir schön langsam echt veräppelt vor von den Herrschaften…

      1. Super Idee vom DIW.

        Dann muss nur die FED die Füße still halten und die US Inflation laufen lassen und sie darf auf keinen Fall die Zinsen anheben.

        Problem gelöst 👍Spritt wird wieder günstig 😋

        1. Geschissen auf die „Südländer“. Wir müssen endlich wiesder eigene, deutsche Interessen vertreten. Die Weltpolitik ist kein Ponyhof und wir haben keine Freunde in Europa. Es geht um Interessen! Außerdem müssen wir so schnell wie möglich raus aus dieser DrecksEU und endlich konsequent die Bezahlung der Target II Salden. einfordern. Schluss mit diesem „Wir haben uns alle lieb Getue“!

    2. @Thomas Koch

      Ach was, keiner geht pleite. Es gibt es tausend Möglichkeiten, das zu verhindern. Wir haben in den letzten Jahren ja alle mitgekriegt, wie das geht.
      Wenn die „Südländer“ pleite gehen, gehen alle pleite. Darauf warten die drei großen Häuptlinge ja nur. So mancher „Nordländer“ versteht nicht oder will nicht verstehen, daß er dann mit untergeht.

  2. Mein Vorschlag, dem Staatsappparat in der Arsch treten und den Unmut auf die Straße tragen. Anders versteht es das Pack nicht. Der raubt nämlich 80% des Preises. Bei einem Literpreis von 2,00 Euro/Liter gehen 1,60 Euro an den Staat. Die paar Cent durch die Zinserhöhung im Artikel sind dagegen ein Witz.

    1. @Marco Polqnzke
      Warum müsst ihr eigentlich immer lügen, um eure Wut und euren Staatshass unter die Leute zu bringen? Weil die Wahrheit nicht so überzeugend populistisch klingt?

      Bei Super E10 sind es etwa 1,05 Eur, bei Diesel etwa 0,89 Eur. Im Schnitt also 48,5%, das klingt natürlich fürs Märchen vom plündernden Staat nicht so gut, wie 80%.

      https://www.deutsche-handwerks-zeitung.de/so-setzt-sich-der-spritpreis-zusammen-205948/
      https://de.statista.com/statistik/daten/studie/29999/umfrage/zusammensetzung-des-benzinpreises-aus-steuern-und-kosten/

  3. Totaler Schwachsinn. Das würde nur wieder alle Kapitalgeier zurückkommen lassen.
    Eine Zinserhöhung würde unsere Wirtschaft hart treffen, da unsere Exporte Weltweit teurer werden würden. Im Umkehschluss würde wirklich die Arbeitslosigkeit zunehmen.
    Dann denkt an die vielen Menschen die günstige Zinsen für Ihr Eigenheim bekommen haben, nach den Klauseln der Banken dürfen diese die Zinsen erhöhen bei einer Erhöhung des Leitzins.
    Was wiederum viele private in die Insolvenz führen würde und eine Krise in die Baubranche bringen würde.
    Die Lösung für günstigeren Energien wäre eher ein Verzicht auf die Steuern, das die letzten Jahre von den Grünen Herren und Damen „oben“ beschlossen wurde.
    Zudem eine Rücknahme des „freien“ Handel für Strom.
    Auch eine Regulierung der Gier der Broker die damit handeln.

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