Dax: Die neue Bescheidenheit – und sind Aktien wirklich alternativlos?

FMW-Redaktion

Inzwischen freuen sich jene schon, dass der Dax sich an der 12.000er-Marke halten kann, die vor kurzem noch inbrünstig predigten, dass Aktien doch nur steigen können, schon weil es keine Alternative zu eben diesen Aktien gäbe. Aber die gibt es offenkundig doch – etwa amerikanische Staatsanleihen, die zuletzt stark gesucht waren. Warum sucht man nach Alternativen zu Aktien? Einerseits, weil diese Aktien vor allem in den USA alles andere als günstig sind. Ein Paradebeispiel dafür ist IBM, das gestern den Dow Jones nach unten zog: das Unternehmen verzeichnet seit sage und schreibe 20 Quartalen rückläufige Umsätze und Gewinne – was den Aktienkurs jedoch nicht hinderte, trotzdem zweistellig zu steigen (17% seit dem Vorjahr). Mit anderen Worten: das Geschäft wird immer schlechter, die Aktie aber steigt einfach weiter und wird damit immer teurer, koppelt sich immer mehr von den Fundamentaldaten ab.

Das alles hat man in der Trump-Euphorie einfach verziehen – macht nix, dachte man sich, wir haben doch den Wunder-Trump, der die beste aller Unternehmenswelten erzeugen wird. Nun aber stellt man langsam, dafür um so sicherer fest, dass Trump erstuanlicherweise doch nicht zaubern kann. Wer hätte das bloß ahnen können? Dabei hatte Trump doch so schöne Dinge versprochen – und endet jetzt als Bettvorleger, der im politischen Geschäft ein Lehrgeld nach dem anderen bezahlen muss. Die Steuersenkung ist für 2017 inzwischen abgeschrieben, wie Goldman Sachs zuletzt konstatierte. Daher haben die Goldmänner übrigens auch ihre Dollar-bullische Grundhaltung aufgegeben.

Weil der Donald aber kein Bettvorleger sein will, der er derzeit ist, wird er den dicken Mann spielen. Und da kommt ein raktenebauender Mini-Diktator eines völlig verarmten Landes gereade recht. Es ist also die derzeitige Machtlosigkeit im Bereich der Innenpolitik, die Trump in der Aussenpolitik aggressiver werden lässt – wir hatten schon mehrfach auf den 25.April hingewiesen, an dem Nordkorea seine Gründung feiert und dabei traditionellerweise auch die eine oder andere Sache in die Luft steigen lässt, die nicht ein konventionelles Feuerwerk ist.

Zurück zu der Alternativlosigkeit der Aktien: klar sind die Aktien faktisch weniger teuer als (durch Notenbanken manipulierte) Staatsanleihen, was aber nicht bedeutet, dass sie in irgendeiner Form billig oder ein „must buy“ wären. Erstens sind die Zahlen der US-Unternehmen nicht so wirklich gut, zweitens deutet manches daraufhin, dass die USA ihren Höhepunkt überschritten haben konjunkturell. Und Europa? Erst wieder attraktiv, wenn die anstehenden Event-Risiken (vor allem Wahl in Frankreich) nicht ungünstig ausfallen.

Zum Dax: der Index kam gestern kaum vom Fleck, also keine Gegenreaktion der Bullen. Irgendwie scheint da der Deckel drauf zu sein, heute startet der Dax als Zeichen der neuen Bescheidenheit mit einem Mini-Aufwärtsgap, welches aber schnell wieder zunichte gemacht wurde im frühen Handel:

Viel mehr als der Bereich 12100 bis 12120 dürfte vor US-Eröffnung für den Dax kaum drin sind, eher deutlich weniger. Es ist vielmehr zu erwarten, dass der Index noch einmal die Bereiche 11915 und 11850/60 sehen wird – vielleicht nicht heute, aber vermutlich doch in nicht allzu weiter Ferne..


Kommentare

Dax: Die neue Bescheidenheit – und sind Aktien wirklich alternativlos? — 16 Kommentare

  1. FMW:
    „Ein Paradebeispiel dafür ist IBM, das gestern den Dow Jones nach unten zog..“
    „…das Geschäft wird immer schlechter, die Aktie aber steigt einfach weiter und wird damit immer teurer, koppelt sich immer mehr von den Fundamentaldaten ab.“
    Gerd:
    Hä?

    FMW:
    „…Es ist vielmehr zu erwarten, dass der Index noch einmal die Bereiche 11915 und 11850/60 sehen wird – vielleicht nicht heute, aber vermutlich doch in nicht allzu weiter Ferne..“

    Gerd:
    Wenn nicht heute oder morgen, wann dann?
    Ab Montag nach der Frankreich-Wahl werden die Kurse nach oben schießen. Das Allzeithoch wird evtl noch nicht in der nächsten Woche geknackt werden, weil die Defizit-Genehmigung in USA noch etwas dämpfend wirken könnte. Aber dann.
    Sollte Macron im Mai Präsident werden, kratzt der DAX an der 13000.

    Für den total unwahrscheinlichen Fall, am Sonntag würde Frau LePen derart hohe Werte bekommen, dass sie sehr wohl auch die Stichwahl gewinnen k ö n n t e , wäre die Prognose von FMW zwar nicht falsch, aber viel zu vorsichtig – denn dann stünden wir bei 10800. Und sollte Frau LePen im Mai tatsächlich gewinnen, steht der DAX bei 8700. Aber wie gesagt, völlig unwahrscheinlich.
    Entfernt ähnlich sähe das Szenario übrigens aus, falls am Sonntag die Kandidaten LePen und Melenchon sich für die Stichwahl qualifizieren würden.

    Ansonsten gilt, dass Aktien nach wie vor alternativlos sind. Wenn ich das sage, beziehe ich das immer auf den DAX und nur unter Renditegesichtspunkten.
    Und dass es nicht jetzt schon weiter nach oben geht, ist nur den v o r ü b e r g e h e n d e n Unsicherheiten geschuldet.

  2. Was ist denn los, Gerd ?

    So eine flammende Rede ? Schön.

    Aktien sind in derzeitigen Situatiuon alternativlos, das könnte sich ändern, sollte die EZB in ihrem Glitzerpalast „aufwachen“. Aber man in Frankfurt sagt : ja, das wird noch laaange lange dauern, ehe wir „aufwachen“. 😀

    Vg

    Marko

  3. Nein, ich werde meine Verluste ggf. bis zum bitteren Ende aussitzen.
    Und ich habe immerhin Knock-Outs, von denen die ältesten (kleineren Positionen) im Schnitt immerhin schon von 10600 aus Dezember 2016 herrühren. Danach aber kamen weitere bei ungefähr 11400 und dann wieder ab 11600 alle Hunderter bis 12000.
    Und dass, obwohl ich auch im Dezember 2016 schon der Meinung war, dass Aktien alternativlos sind – wobei ich damals auch noch nicht glaubte, dass die 12000 nochmal überschritten werden würden.
    Heute gilt für mich die 13000 als locker machbar.
    So betrachtet müsste ich spätestens ab Montag wirklich raus aus allen Shorts und mit dem Restkapital volle Pulle in Longs – mit starkem Hebel. Und sei es nur für ein paar Tage. Ich mach das trotzdem nicht!
    Also bin ich masochistisch? Schizophren?
    Könnte man meinen.
    Aber mir steckt die leidvolle Erfahrung in den Knochen, dass jederzeit mit einem nichtvorhersagbarem Ereignis gerechnet werden muss, was den Aktienmarkt in die Knie zwingt.
    Und das wirkt dann stärker als die Alternativlosigkeit aufgrund der super Rendite.
    Mich hat sowas als L o n g – Spekulant schon oft meinen Kragen gekostet und auch den Kopf. Zumindest lief ich dann lange Zeit kopflos, tief deprimiert durch die Gegend.

    An vier Ereignisse erinnere ich mich spontan:
    die Sintflut in Zeiten Nohas, x-Tausend Jahre vor Christus (o.k. da war ich nicht engagiert)
    der Einmarsch von Saddam Hussein nach Kuwait 1990
    den Angriff auf die USA im September 2001 und
    Fukushima 2011.

    Und leider sehe ich für Deutschland sehr schwarz – nicht was die Wirtschaft angeht. Allerdings würde ggf. im Verlauf die Wirtschaft und das Finanzwesen davon nicht verschont bleiben. Es tut mir selbst sehr weh, dass ich überhaupt so pessimistisch denke. (Der einzige Mist, auf dem nichts wächst, ist der Pessimist)
    Einerseits weil es meine innere Harmonie stark beeinträchtigt und andererseits weil es mir herbe Verluste beschert auf der Short-Seite und zusätzlich sehr viel entgangenen Gewinn bei einer doch an und für sich alternativlosen Aktienanlage.

    Ich sehe gerade, dass LOSSLESS in seinem letzten Kommentar die Zukunft auch nicht gerade rosarot darstellt. Ganz unabhängig davon, was die Technik sagt.

    • @Gerd
      So wie ich das verstehe, sind Sie im DAX seit 10.600 in Short-Positionen engagiert und haben dann zusätzlich ab 11.400 den größten aller Trading-Fehler begangen, nämlich bis 12.000 konstante Jetzt-erst-Recht-Kaskaden aufzubauen, ohne alte miserable Fehltrades glattzustellen.
      Und nun hoffen Sie, dass alles Mögliche an politischen Katastrophen bis hin zum Zerfall von Europa geschehen möge, nur damit Ihre komplette Fehlinvestition und -einschätzung nicht zum (eigentlich selbst verschuldeten) persönlichen Frust führen möge.
      Was Sie mit dem „zusätzlich sehr viel entgangenen Gewinn bei einer doch an und für sich alternativlosen Aktienanlage“ meinen, lässt sich nur mehr erahnen. Sind Sie dann deutlich über 12000 aus Verzweiflung zum Bullen mit höchsten noch möglichen Einsätzen mutiert, haben Sie die fetten Gewinne bei der Bullenparty (12400) im Rausch zu verkaufen versäumt und hängen nun mit beiden Engagements (Long und Short) in der Verlustzone fest? Das wäre dann der zweite fatale Fehler.
      Aus Fehlern lernen wir, nicht aus Erfolgen. Somit sollte sich Ihre innere Harmonie wieder irgendwann ins Gleichgewicht einpendeln. Und glauben Sie mir: Nur Vollidioten machen zweimal denselben Fehler. Und so einer scheinen Sie mir absolut nicht zu sein!

    • Halte durch, Gerd!
      Die Zeit der Bären wird kommen so sicher wie das Amen in der Kirche.
      13.000 DAX-Punkte wird es irgendwann geben, aber ganz bestimmt erst nach einer heftigen Korrektur oder einem Crash.
      Natürlich sind Aktien alternativlos. Auf lange Sicht. Zwischendurch hatte es sie jedoch noch nie daran gehindert, kräftig abzustürzen.
      Ich mache mir nicht die geringsten Sorgen, dass die derzeitigen Kursniveaus nicht wieder beträchtlich unterschritten werden. Wenn US-Aktien weiter steigen sollten, was ich für unwahrscheinlich halte, aber natürlich keineswegs ausgeschlossen ist, so wird der künftige Absturz nur umso heftiger ausfallen.
      Eine starke Korrektur oder ein Crash sind für mich schon lange eine ausgemachte Sache. Die einzig schwierige Frage für mich lautet: Wann steige ich aus, wenn die Kurse nach unten abrauschen. Das ist die wahre Königsdisziplin an der Börse.

      • Oh weh, was habe ich schon geblutet mit Put-Optionen, Knockout-Puts, LevDax(minus), die ich zu früh gekauft hatte, auch wenn Monate später der Einbruch kam. Entweder war die Knock-out-Schwelle zu niedrig oder der Hebel zu hoch, auf alle Fälle sind die Scheine durch die Finanzmathematiker so konstruiert, dass man durch den Zeitwertverlust bei Schieflage viel Geld oder alles verliert, wenn kein großer Crash folgt. Aussitzen hat sich bei mir nicht rentiert. Gruß

          • Das ist wahr! Man sollte mit Short-Positionen sehr vorsichtig umgehen und meiner Meinung nach sollte man sie auch nur eingehen, wenn man sie finanziell auch dann noch gut aushalten kann, wenn sich die Kurse in die falsche Richtung verdoppeln. Es ist ziemlich unwahrscheinlich, dass sich z. B. der Dow Jones noch einmal verdoppeln wird, bevor der nächste Crash kommt.

        • Oh ja, mit Put-Optionen hatte ich mir 1991 mal ganz heftig die Finger verbrannt. Ich gehe nur mit CFD’s short. Da kann ich Short-Positionen so lange halten, wie mir das gefällt. Da laufen keine Termine ab.

  4. Hallo Gerd,

    keiner kann die Zukunft voraushersagen, dann wäre man nämlich Gott.

    Bei dem Aktienmarktmarkt/Rentenmarkt besteht ein Problem :
    Die Rentenmärkte verzerren den Markt. Dass wir in Sachen Rentenmarkt in einem „Downzyklus“ angekommen sind, sollte spätestens nach der Wahl Donald Trumps angekommen sein ?

    VG

    Marko

    • Und, den Startschuss

      sehen wir dann, sollte die EZB aus dem „Schlaf der EZB“, „aufwachen“. 😀

      Na ja, ist Ihnen schon aufgefallen, dass es wohl nelmals einen deutschen EZB-Präsidenten geben wird ?

      Sollte die EZB , endlich mal, „aufwachen“, wäre dies für die Märkte (die Aktienmäkrte !) gut.
      Als, Beispiel : den – 0,4 % Einlagezinssatz auf NULL zurückfahren.

  5. Der Bufu : -0.4 %, Frankreich über 1 % im Plus
    Die Amis im Euphoriemodus, der Yen mit Vollgas hoch. Schon wieder eine Bullenparty, trotz der Wahlen in Frankrech… Ja, wenn Miss Börse einfach wäre….

  6. @Lars
    Jetzt antworte ich Ihnen, meinem „Lieblingsgesprächspartner“ schon wieder. Und die Antwort fängt sogar mit einem Kompliment an.
    …“seit 10.600 in konstante Jetzt-erst-Recht-Kaskaden aufzubauen…“
    Den Ausdruck finde ich super. Denn das scheint tatsächlich dahinter zu stecken. Jetzt erst Recht. Ein Trotzverhalten. Ich hielt zwar den Markt für unterbewertet, aber da der es ja war, der mich beim Aufstieg einfach nicht mitgenommen hatte(haha), weil er shorties einfach stehen lässt, fühl ich mich von diesem beleidigt.

    „Und nun hoffen Sie, dass alles Mögliche an politischen Katastrophen ….geschehen möge, nur damit Ihre komplette Fehlinvestition nicht zum persönlichen Frust führen möge.“
    Das wiederum schätzen Sie mich allerdings völlig falsch ein. Ich erhoffe mir inständig das Gegenteil von dem, was ich befürchte.
    Die mir verloren gegangene innere Harmonie, die ich erwähnte, resultiert bei mir nämlich nicht aus dem finanziellen Verlust. Das mag man nicht glauben, aber diesbezüglich habe ich schon Schwielen auf meiner Seelenoberfläche und bin ich abgehärtet.
    Dass ich wegen haushoher Verluste schon mal für ein paar Tage danach deprimiert war, wie ich auch erwähnte, ist schon sehr lange her. Das zieht mich eigentlich nur noch kurz runter unmittelbar vor dem eventuellen Berühren einer Knock-Out-Schwelle. Diese spannende Ungewissheit. Klar bin ich nicht begeistert, wenn der Knockout eintritt. Aber dann ist es wenigstens vollzogen.

    Nein, es ist das, was ich für das wirkliche Leben befürchte. Diese politischen und andere Katastrophen. Wobei der Zerfall der EU – nicht Europas- für mich persönlich in der Tat nichtmal eine Katastrophe wäre.

    Übrigens mit den shorts – der erst schon im Dezember bei bei rund 10600 – kann man sich ungefähr so vorstellen:
    Ich bin glücklich verheiratet und bin willens eine Ehe zu führen, die auf Ewigkeit oder zumindest für sehr sehr lange Zeit ausgelegt ist. Weil ich genau weiß, mit keiner anderen Frau ginge es mir besser.
    Und doch fährt auf einmal ein kleines Teufelchen in mich und veranlasst mich einen kurzen Seitensprung zu begehen. Das Teufelchen behauptete, das könnte eine Bereicherung sein und danach könne ich ja wieder ein treuliebender Ehemann sein. Sogar noch besser als vorher, weil ich ja jetzt so eine bereichernde Erfahrung in mir rum trage.
    Aber siehe da, so einfach ist das gar nicht. Obwohl ich zu niemanden anderen stehe als zu meiner rechtmäßig Angetrauten, ertappe ich mich alle paar Wochen wieder, dass mich da was in den Fingern juckt. Zupp. Und schon habe ich es wieder gemacht. Und zwei Wochen später schon wieder. U.s.w.
    Jedenfalls habe ich nicht vor, in den nächsten Monaten noch mal fremdzugehen und meiner alternativlosen Ehefrau untreu zu werden. Auch nicht oberhalb von 12000. Und erst recht nicht bei einem Wahlsieg von Macron. Dann eher im Gegenteil, vielleicht gehe ich dann eine zeitlang wieder nur noch händchenhaltend und engumschlungen mit meiner Ehefrau durchs Börsenleben.
    Mein Fazit: Fremdgehen, ein kurzer Seitensprung kann durchaus bereichernd sein, kann aber auch zum Zwang werden. Und ob am Ende was Gutes rauskommt, ist eher zweifelhaft.

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