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Trotz Konflikt Iran-Saudi-Arabien – warum steigt der Ölpreis nicht?

Markus Fugmann

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am

Von Markus Fugmann

Normalerweise müßte man erwarten, dass ein Konflikt zwischen den beiden großen OPEC-Mitgliedern Saudi-Arabien und dem Iran zu einem Anstieg des Ölpreises führen müßte. Und kurzfristig war das auch der Fall, aber dann drehten die Preise sowohl für das amerikanische WTI als auch für Brent wieder nach unten:

oilus050116
(WTI-Februar-Kontrakt)

Brent
(Brent, continious-Future)

Dass die Öpreise wieder fallen, zeigt, wie „abnormal“ die Lage am Ölmarkt derzeit ist – und das obwohl sich beide Mächte nur durch den Persischen Golf, der weltweit wichtigsten Wasserstraße für den Transport von Öl, getrennt sind und ein militärischer Konflikt eben diesen Persischen Golf faktisch unpassierbar machen könnte.

Dies „Abnormalität“ am Ölmarkt ist das derzeitige Überangebot am „schwarzen Gold“. Derzeit besteht also nicht die Gefahr, dass die globale Ölnachfrage nicht bedient werden könnte, da die Ölproduktion bislang nicht ernsthaft gefährdet ist. Und da der Ölpreis auch auf die Entwicklung der Aktienmärkte reagiert, die gestern und heute stark unter Druck gekommen sind, steigt der Ölpreis nicht nachhaltig.

Hinzu kommt, dass der Konflikt eine einheitliche OPEC-Politik weiter erschwert. Der Iran wird, sobald die Sanktionen aufgehoben sind (was vermutlich noch im Januar der Fall ist), soviel Öl exportieren, wie es nur geht, um die angeschlagenen Staatsfinanzen zu sanieren. Das war schon vor dem Ausbruch des Konflikts klar, aber nun wird der Iran alles tun, um die Ölpolitik der Saudis zu torpedieren. Die Saudis wiederum versuchen die US-Shale-Produktion aus dem Markt zu drängen und produzieren weiter auf Anschlag. Das einizge, was den Ölpreis wirklich nach oben bringen könnte, wären Unruhen im östlichen Teil Saudi-Arabiens. Hier nämlich leben die meisten saudischen Schiiten, hier auch sind die ergiebigsten Ölfelder der Saudis. Man kann davon ausgehen, dass die Machthaber in Riad daher alles tun werden, um solche Unruhen schon im Keim zu ersticken.

Es ist fast schon ein Treppenwitz der Geschichte, dass an diesem Ausbruch des Konflikts indirekt auch wieder die Amerikaner beteiligt sind. Schon in den späten 80er-Jahren nämlich drohte eine Konfrontation zwischen beiden Regimen (damals war bei der Erstürmung der saudischen Botschaft in Teheran ein Botschaftsangehöriger ums Leben gekommen, worauf beide Mächte schon an der Schwelle eines Krieges standen), doch dann sorgte die Kuwait-Invasion Saddam Husseins dafür, dass der Konflikt in den Hintergrund geriet. Mit der Invasion der Amerikaner und der Absetzung Saddam Husseins nämlich ist dem Iran und den Saudis ein gemeinsamer Feind abhanden gekommen – und dieser gemeinsame Feind war eine Art Konfliktbremse. Nun aber stehen sich beide Mächte wieder direkt gegenüber, glauben sich alleine im Besitz der religiösen Wahrheit und beanspruchen die Führerschaft nicht nur über die beiden Hauptströmungen des Islam, sondern auch für den Nahen Osten insgesamt..

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    Matthias

    6. Januar 2016 11:42 at 11:42

    Warum Abnormalität am Ölmarkt?
    Egal ob Saudis, Rußland o. ISIS-Terroristen, alle müssen ihre Kriege finanzieren u. Staatsdefizite in den Griff bekommen. Ihnen bleibt keine andere Wahl als weiter Öl zu pumpen u. zu verkaufen. Hinzu kommen noch US- u. China-Rezessionsgefahren, 0% Inflation in Euro-Zone. Wenn die Fed nicht bald ein weißes Kaninchen ala Qualitativ Easing (analog ETF-Aufkaufprogramm in Japan) aus dem Hut zaubert, gehts in 2016 eher Richtung 8000 als 11000 Punkte.

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