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Ölpreis an der 30 Dollar-Schwelle: Future-Preise und reale Preise

FMW-Redaktion

Der Ölpreis notiert derzeit knapp über 30 Dollar, kann aber jederzeit kräftig durchsacken und dann die seit Neuestem erwarteten Anläufe Richtung 20 nehmen. Aber wer weiß das schon so genau in diesen Tagen. Das US-Öl WTI ist derzeit bei 30,80 Dollar im Februar-Terminkontrakt, das Nordseee-Öl Brent derzeit bei 30,40 Dollar im Februar. Das sind die beiden wichtigsten globalen Orientierungspunkte. Aber wie gesagt, hierbei geht es um den Februar, und um die Preise die über diese börslich gehandelten Terminverträge festgelegt werden.

Die derzeitige Marktlage bei den realen Lieferungen sieht anders aus. Saudi-Arabien als globale Nummer 1 pumpt nicht nur auf Rekordniveau um die amerikanische Konkurrenz kaputtzumachen. Man will auch den Iran als Öl-Konkurrenten fertigmachen bevor er überhaupt auf den Markt kommt (Sanktionen laufen noch). Um seinen Weltmarktanteil zu halten und noch auszubauen, gewähren die Saudis üblicherweise Rabatte auf ihre tatsächlichen Lieferungen.

Nach Asien verkaufen die Saudis derzeit für gut 26 Dollar pro Barrel – der tiefste Verkaufspreis seit mehr als 10 Jahren. Für Teile Europas hatten sie erst letzte Woche den aktuellen Discount um 60 Cents auf 4,85 Dollar erhöht für den Liefertermin Februar, so dass man auch auf ca. 26 Dollar kommt – der höchste Rabatt seit der Krise 2009. Es ist wie auf dem Wochemarkt für Obst und Gemüse: Wer mehr Kunden an seinen Verkaufsstand anlocken will, muss eben billiger anbieten als der Bauer am Stand nebenan. So ist es beim Öl auch. Jenseits vom global über Futures ermittelten Preis bietet man den Kunden sein Produkt billiger an, damit die Kunden nicht bei der Konkurrenz kaufen.

Neben dem „normalen“ leichten Öl gibt es da u.a. noch das schwerere Öl, welches aus dem klebrigen Ölsand in Kanada gewonnen wird (Bitumen). Hier verkaufen die Produzenten derzeit sogar unter 10 Dollar, obwohl die Förderkosten deutlich teurer sind als für Öl aus US-Fracking oder Öl aus den Golfstaaten. Öl aus Ölsand muss nämlich erst noch mit „normalen“ leichteren Öl vermischt werden um es verwertbar zu machen, und dann muss es noch aus dem weit entfernen Alberta weit nach Süden in die großen Verbrauchszentren der USA transportiert werden. Neue Projekte in Kanada wurden und werden reihenweise eingestampft, nur die bestehenden Großanlagen fahren weiter auf Voll-Auslastung, weil die teuren Anfangsinvestitionen ja schon getätigt wurden. Glücklich werden die Öl-Konzerne damit nicht sein, aber da muss man jetzt durch.



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