Folgen Sie uns

Devisen

Angela Merkel, der schwache Euro und die Rückkehr der echten Inflation

Es mag perfide klingen, aber die internationalen Devisenhändler scheinen wenig Rücksicht auf emotionale Befindlichkeiten zu nehmen. Brutale und sofortige Effizienz ist ihr Spiel. Jede Nachricht wird…

Redaktion

Veröffentlicht

am

FMW-Redaktion

Es mag perfide klingen, aber die internationalen Devisenhändler scheinen wenig Rücksicht auf emotionale Befindlichkeiten zu nehmen. Brutale und sofortige Effizienz ist ihr Spiel. Jede Nachricht wird unmittelbar in den Devisenkursen eingepreist. So hört man heute aus Traderkreisen, dass der gestrige Terroranschlag in Berlin im allgemeinen Empfinden vor allem im Ausland so gesehen wird, dass Angela Merkels Chancen zur Wiederwahl im nächsten Jahr wieder ein Stück geschwunden sind – wohl nach dem Motto „je mehr Terror, desto weiter sinkt Merkel in der Wählergunst“. Ob man es sich wirklich so einfach machen kann, sei dahingestellt.

eurusd
EURUSD seit gestern früh.

Aber viele Forex-Trader scheinen sich heute einig zu sein: Dieser Anschlag, zumal der erste in dieser Form in der Bundeshauptstadt, lässt ihre Wiederwahlchancen deutlich sinken. Das bedeutet: Angela Merkel, die weltweit als der „Hauptanker der Verlässlichkeit“ in Europa betrachtet wird, geht von Bord, was Europa als Ganzes und damit auch den Euro als Währung weiter destabilisiert. Dieses Szenario, was natürlich noch weit weg ist, und auch in Wahrscheinlichkeiten noch gar nicht richtig gemessen werden kann, bilden die Devisenmärkte aber jetzt schon ab.

So fällt der Euro gegen den US-Dollar seit gestern Abend von 1,0447 auf aktuell 1,0356 -Tendenz weiter fallend, so wie der Chart aussieht! Und immer mehr Beobachter nehmen den Spruch „Parität zum Jahresende“ in den Mund, also den Stand von 1 Euro = 1 Dollar. Der Dollar wird in den letzten Tagen eh schon stetig stärker aufgrund der auseinander driftenden Zinspolitik in den USA und Europa. Der vermeintliche „Merkel-Abgesang“ verstärkt aktuell lediglich diesen Trend als wohl gut ins Bild passendes Argument.

Die Rückkehr der echten Inflation

Warum schreiben wir „echte“ Inflation? Nun, die Erzeugerpreise, also die Preise, die die Industrie für ihre Vorprodukte erhebt, bevor sie beim Endverbraucher landen, sind eine Art vorlaufender Indikator für die letztliche Inflation, die in den Verbraucherpreisen (also beim Endkunden) gemessen werden. Und wie das Statistische Bundesamt heute mitteilt, drehen die monatlich verkündeten deutschen Erzeugerpreise bei Vergleichsbetrachtung zum Vorjahresmonat zum ersten Mal seit 3 1/2 Jahren ins Plus (Grafik). Das ist ein äußerst positives Zeichen für eine „echte“ Inflation, die uns bevorsteht. Wir reden natürlich nicht von brutal hoher Inflation. Aber wenn sie nach aktuell +0,7% nächstes Jahr über die 1% läuft, scheint sie wohl von real steigenden Erzeugerpreisen untermauert zu sein! Zitat Statistisches Bundesamt:

Die Erzeugerpreise gewerblicher Produkte lagen im November 2016 um 0,1 % höher als im November 2015. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, war dies die erste positive Veränderungsrate gegenüber dem Vorjahr seit Juni 2013 (+ 0,1 %). Gegenüber dem Vormonat Oktober stiegen die Erzeugerpreise um 0,3 %. Die Preise für Energie sanken im November 2016 gegenüber dem Vorjahresmonat um 1,7 %. Gegenüber Oktober 2016 stiegen sie um 0,3 %. Elektrischer Strom war 5,4 % teurer als im November 2015, hingegen waren Mineralölerzeugnisse 1,9 % billiger, Erdgas sogar 10,4 %. Ohne Berücksichtigung von Energie lagen die Erzeugerpreise um 0,8 % höher als im November des Vorjahres. Gegenüber Oktober 2016 stiegen sie um 0,3 %.

inflation-erzeugerpreise

erzeugerpreise

4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    Mulinski

    20. Dezember 2016 14:58 at 14:58

    „dass Angela Merkels Chancen zur Wiederwahl im nächsten Jahr wieder ein Stück geschwunden sind“
    Quatsch, Merkel ist doch alternativlos, zur Not wird halt eine ganz große Koalition aus Schwarz-Rot-Grün gebildet, ist ja alles alternativlos.

  2. Avatar

    Dieselknecht

    20. Dezember 2016 16:20 at 16:20

    Stellt sich die Frage: Wie will Super Mario nun die Druckerpresse begründen?

  3. Avatar

    Marko

    20. Dezember 2016 19:44 at 19:44

    Nein, ganz klar : Nein.

    das hat null mit Angela Merkel zu tun, das in Berlin ist die Normalität, seitdem wir die „Zeitenwende“ 2001 sahen.

    Wieso sonst wohl sind die Börsen nicht gefallen, gnz im gegensatz zu den damaligen Vorfallen in Madrid und London?

    VG

    Marko

  4. Avatar

    Marko

    20. Dezember 2016 19:51 at 19:51

    Und, das da

    „Die Rückkehr der echten Inflation

    Warum schreiben wir „echte“ Inflation? Nun, die Erzeugerpreise, also die Preise, die die Industrie für ihre Vorprodukte erhebt, bevor sie beim Endverbraucher landen, sind eine Art vorlaufender Indikator für die letztliche Inflation, die in den Verbraucherpreisen (also beim Endkunden) gemessen werden. Und wie das Statistische Bundesamt heute mitteilt, drehen die monatlich verkündeten deutschen Erzeugerpreise bei Vergleichsbetrachtung zum Vorjahresmonat zum ersten Mal seit 3 1/2 Jahren ins Plus (Grafik). Das ist ein äußerst positives Zeichen für eine „echte“ Inflation, die uns bevorsteht.“

    Warum sollte die FED die Zinsen nicht weiter erhöhen ??? Die Dollarstärke entsteht durch die möglicherwiese steigenden Zinsen der Amis… Das mit mit der „echten inflation“ fand ich interssant … :) Sehr schön… Wirtschaft doch nicht so schlecht ?

    VG

    Marko

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Devisen

Türkische Lira: Neues Rekordtief – kein Ende in Sicht?

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von

Türkei Flagge

Die türkische Lira fällt aktuell gegen den US-Dollar auf ein neues Rekordtief. Ist kein Ende in Sicht? Es gibt an den Aktienmärkten den Spruch „Die Hausse nährt die Hausse“. Die Rallye wird immer weiter verstärkt durch immer neue Spekulanten, die auf den fahrenden Zug aufspringen und auch kaufen. Beim derzeitigen Lira-Absturz könnte dies zu einem guten Teil auch zutreffen. Je weiter die türkische Lira fällt, desto mehr Short-Spekulanten springen auf den Zug auf.

Gesponserter Inhalt

Wollen Sie aktiv Devisen oder Rohstoffe handeln? bietet ein besonders hochwertiges Trading-Tool für Sie! Je enger die Spreads sind, also je geringer der Abstand zwischen Kauf- und Verkaufskurs, desto schneller kommen Sie bei einem positiven Trade in die Gewinnzone. Sichern Sie sich für bestimmte Märkte besonders günstige Sonderkonditionen für ihren aktiven Börsenhandel, . Eröffnen Sie hier ein Konto und starten Sie Ihr Trading. Viel Erfolg!

Türkische Lira auf dem Weg nach unten nicht zu halten?

Anfang der Woche hatten wir die Gründe für die immer weiter fallende türkische Lira bereits besprochen. Leitzinsen deutlich tiefer als die Inflationsrate, ein Präsident auf Konfrontationskurs im Mittelmeer in Sachen Gas-Bohrungen, zunehmend mehr politische Einflussnahme auf die Zentralbank uvm. Nach mehreren Höchstständen des US-Dollar gegen die Lira bei 7,35 diese Woche liegt der Wechselkurs jetzt auf Rekordhoch bei 7,37. Im Chart sieht man den USDTRY-Kursverlauf in den letzten zwölf Monaten. Auch Euro vs Lira liegt aktuell mit 8,71 direkt am Rekordhoch!

Solange die türkische Zentralbank nicht den großen Schritt einer Zinsanhebung macht, wird sich wohl kaum etwas ändern an der Lira-Schwäche. Denn Präsident Erdogan wünscht keine steigenden Zinsen. Ganz im Gegenteil! Auch müsste grundsätzlich das Vertrauen in ihre Unabhängigkeit gestärkt werden, aber dank der politischen Einflussnahme sieht es nicht danach aus.

Aktualität

Aktuell wird der Verfall der Lira noch durch verschiedene Entwicklungen verschärft. Denn oft ist es so: Versucht eine Institution einen Preisverfall durch künstliche Eingriffe zu begrenzen, bekommen die Menschen noch mehr Panik, und der Preisverfall beschleunigt sich. So auch diesem Fall? So gibt es aktuell Berichte (siehe hier FAZ), dass türkische Banken wegen des Kursverfalls der Lira inzwischen damit begonnen haben, Gebühren für Barabhebungen ausländischer Devisen zu verlangen. Alle Institute würden dem wahrscheinlich folgen. Versucht man so etwas die Bürger davon abzuhalten, sich Geld in ausländischer Währung auszahlen zu lassen?

Und gerade erst bot die Zentralbank in Ankara heimischen Geschäftsbanken teurere Finanzierungen an, in einem neuen Versuch den Rückgang der Lira zu stoppen, ohne den Leitzinssatz erhöhen zu müssen. Die Zentralbank führte am Donnerstag eine einmonatige Repo-Auktion über 20 Milliarden türkische Lira durch (2,7 Milliarden US-Dollar). Der durchschnittliche einfache Zinssatz für Kreditgeber, die Mittel erhielten, lag bei 10,96 Prozent. Das sind satte 271 Basispunkte mehr als die Benchmark der Zentralbank. Da die Bereitstellung von Liquidität zu ihrem günstigsten Zinssatz von 8,25 Prozent eingestellt wurde, indem in der vergangenen Woche einwöchige Repo-Auktionen aussetzt wurden, nahmen türkische Banken die Lira benötigten, an dieser Auktion teil und trieben mit ihren Geboten die Kosten in die Höhe.

Wie geht es weiter?

Spekulation, zu niedrige Zinsen, ein grundsätzlicher Vertrauensverlust, fehlende Touristen in der Türkei und stark schwindende Devisenreserven bilden einen Mix, der für die türkische Lira alles andere als gut ist. Es scheint zumindest derzeit so, als könne die Abwertung der Lira so weitergehen. Aber bekanntlich sind solche Szenarien ja nie dauerhaft in Stein gemeißelt.

Chart zeigt Kursverlauf von US-Dollar gegen Türkische Lira

weiterlesen

Devisen

US-Dollar gegen Euro, Yen und Pfund – was ist zu erwarten?

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von

Obwohl die Devisenmärkte in den vergangenen Wochen einen kontinuierlichen Rückgang des US-Dollar verzeichneten, konnte der Greenback zuletzt wieder zulegen. Zuvor allerdings war der US-Dollar sieben Wochen in Folge gefallen.

Im Vergleich zu einem Korb von Währungen (Dollar-Index) schien die Performance des Dollar etwas stärker zu sein. Das am meisten gehandelte Devisenpaar, der Euro-Dollar, ist weiter gestiegen und markierte letzte Woche sogar ein Zweijahreshoch bei $1,1915. Dies hat sich nun als eine wichtige Widerstandsmarke erwiesen, mit einer Unterstützung bei etwa $1,1700-1,1720.

David Jones, chief market strategist bei capital.com, blickt auf Euro-Dollar, Dollar-Yen und Euro-Pfund – und zeigt seine konkrete Strategie, wie man diese Märkte nun handeln könnte:

Kommt nach dem Abverkauf eine Erholung beim US-Dollar?

weiterlesen

Devisen

Türkische Lira: Absturz geht weiter, neues Rekordtief gegen US-Dollar

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von

Türkei Flagge

Die türkische Lira notiert aktuell nicht nur mit einem neuen Rekordtief gegenüber dem Euro, sondern jetzt auch gegenüber dem US-Dollar. Die offenbar wochenlangen Interventionen von türkischen Geschäftsbanken vor allem bei US-Dollar gegen die türkische Landeswährung sind somit offenkundig erfolglos blieben. Die Devisenreserven schmelzen, was am Devisenmarkt für noch mehr Unsicherheit gegenüber der Türkei sorgt. Während der Euro gegen die türkische Lira letzte Woche bereits mehrere neue Rekordstände erreichte, notiert sie aktuell mit einem Wechselkurs von 8,60 fast am Hochpunkt. Bei US-Dollar vs TRY gab es im Mai bei 7,26 den Hochpunkt, der nun auch überschritten wurde mit einem aktuellen Wechselkurs von 7,32!

Die Gründe für diese Entwicklung hatten wir schon letzte Woche besprochen. Leitzinsen deutlich tiefer als die Inflationsrate, ein Präsident auf Konfrontationskurs im Mittelmeer in Sachen Gas-Bohrungen, zunehmend mehr politische Einflussnahme auf die Zentralbank uvm. Die Zentralbanker wollen vielleicht die Zinsen anheben? Aber es geht nicht. Präsident Erdogan will möglichst niedrige Zinsen, damit die Geschäftsbanken Wirtschaft und Verbraucher mit billigem Geld versorgen können. Und so ist der Weg für eine weiter fallende türkische Lira frei. Jüngst hat Goldman Sachs eine Prognose für die Lira erneuert. Für die zeitlichen Ziele 3, 6 und 12 Monate hat Goldman für US-Dollar vs Türkische Lira die Kursziele erhöht (Lira-Abwertung) von bislang 7, 7,50 und 8 auf jetzt 7,75, 8 und 8,25.

Was kann die türkische Lira retten?

Nun ja, Präsident Erdogan könnte die Zentralbank in Ankara aus dem politischen Würgegriff entlassen. Dann könnte/würde sie vermutlich den Leitzins anheben. Aber Erdogan wird das nicht tun. Auch könnte die Türkei Hilfe des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Anspruch nehmen, was die türkische Lira wohl stützen würde. Aber erstens wäre die Türkei dann Vorgaben des IWF unterworfen in Sachen Reformen. Und zweitens: Für Präsident Erdogan wäre diese Hilfe von außen wohl ein deftiger Gesichtsverlust, was er sich nicht antun möchte. Man kann es auch relativ einfach formulieren. Die türkische Lira ist derzeit einfach ein leichtes Opfer für die Spekulanten am Devisenmarkt. Es gibt gute fundamentale Gründe die Lira zu shorten, und die Spekulanten springen auf den Zug auf. Der folgende Chart zeigt US-Dollar vs Lira im Verlauf der letzten zwei Jahre.

Chart zeigt US-Dollar vs Lira im Kursverlauf seit 2018

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage

Wenn Sie diese Webseite weiter verwenden, stimmen Sie automatisch der Verwendung von Cookies zu. Zur Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um Ihnen das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen