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Der Optionsmarkt treibt die Kurse Abseits des Krypto-Crashs erschüttert ein Squeeze die Aktienmärkte

Abseits des Krypto-Crashs erschüttert ein Squeeze die Aktienmärkte

Wer diese Woche von den Krypto-Nachrichten gefesselt war, hat die abenteuerlichen Geschehnisse an den Anleihe- und Aktienmärkten verpasst, die zwar nicht so dramatisch waren, aber in Bezug auf das eingesetzte Geld mindestens genauso viel Brisanz geboten haben. Das Thema Nummer eins unter Anlegern war die Pleite der Kryptobörse FTX und deren Auswirkungen auf den gesamten Kryptomarkt. Bei all den Schlagzeilen rund um das Thema ging der große Short-Squeeze, ausgelöst durch die Inflationsdaten, an den Märkten fast unter.

Auslöser für die heftigen Kursausschläge an den Aktienmärkten waren die Inflationsdaten vom 10. November, die bei den Händlern, die mit einer höheren Teuerungsrate gerechnet hatten, einen Short-Squeeze auslöste. Der Nachhall war sogar eine Woche später noch zu spüren, sei es bei der Positionierung, dem Handel mit Derivaten und wahrscheinlich auch bei falsch zusammengestellten Portfolios.

Optionen beeinflussen die Aktienmärkte

Wie üblich im Jahr 2022 war der US-Aktienoptionsmarkt der größte Schauplatz der Auswirkungen, wo die Handelsvolumina Rekorde brechen, da sich Anleger aller Art in kurzfristige Kontrakte stürzen, um ihren Performance-Rückstand aufzuholen. Das machte dem großen Inflations-Trade einen Strich durch die Rechnung, denn der zuletzt starke Dollar schwächelt und Technologieaktien erobern ihre lange verlorene Führungsposition zurück, zumindest kurzzeitig.

Optionsmarkt: Trading-Volumen steigt auf ein rekord Niveau

Die Neukalibrierung an den Aktienmärkten wurde ausgelöst, als die geringer ausgefallenen Verbraucherpreisdaten Hoffnung auf eine Neuausrichtung der Geldpolitik der Federal Reserve auslösten. Verschärft wurde die Situation durch die Vermögensverwalter, die während der Baisse ihr Aktienengagement bis aufs Minimum reduziert hatten und sich nun überrumpelt sahen. Da fast alle Marktteilnehmer auf einer Seite des Bootes saßen und auf einmal ausstiegen, wurde ein ohnehin schon turbulenter Markt noch unruhiger.

„Krypto ist nur ein Teil eines breiteren Mosaiks eines fast dysfunktionalen Marktes“, sagte Doug Fincher, Hedgefonds-Manager von Ionic Capital Management, im Telefonat mit Bloomberg. „Ich will nicht zynisch sein, aber schauen Sie sich den Verbraucherpreisindex vom letzten Donnerstag an. Der Index war gerade mal zwei Basispunkte besser als erwartet, und die Aktienmärkte explodierten. Es gibt eine massive Rotation der technischen Faktoren. Es gibt einfach eine Menge Querströmungen in einem wirklich volatilen, seltsamen Markt.“

Der Trend an den Aktienmärkten schwächte sich im Laufe der Woche etwas ab, und der S&P 500 fiel von seinem Wochenhoch zurück. Die Renditen kurzfristiger Staatsanleihen legten indessen wieder leicht zu, und der Dollar stieg ein wenig an, da diverse Fed-Mitglieder ihre Absicht bekräftigten, die Zinsen weiter anzuheben.

Inflationsdaten haben die Märkte durchgeschüttelt

Ob die Inflation ihren Höhepunkt erreicht hat, ist jedoch umstritten. Ein weiterer Messwert wird erst in mehr als drei Wochen vorliegen. Sowohl die Anleger als auch die Währungshüter selbst haben die Preisentwicklung seit dem Ausbruch der Pandemie falsch eingeschätzt. Da die Inflationsdaten in diesem Jahr meist über den Erwartungen lagen, rechneten alle, von Devisenhändlern bis zu Anleiheinvestoren, in der vergangenen Woche mit einer höheren Teuerungsrate, so Bloomberg.

Als die Erwartungen nicht erfüllt wurden, kam es zu einer Kaskade von Rücksetzern. Der Dollar, der Liebling der Inflationshändler, gab kräftig nach. Mit einem Rückgang von mehr als 4 % im November steht die US-Währung vor dem schlechtesten Monat seit zwei Jahren. Zweijährige US-Staatsanleihen, bei denen große Spekulanten vor der Veröffentlichung der Inflationsdaten Rekord-Leerverkaufspositionen aufgebaut hatten, erlebten eine Rallye, die die Renditen anschließend um 25 Basispunkte nach unten drückte, so viel wie seit mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr.

Renditen und Dollar fallen nach Inflationsdaten - Anleger überrascht

Technologiewerte, die zu den größten Verlierern der aggressiven Inflationsbekämpfungsmaßnahmen der Fed gehörten, konnten sich erholen. Mit einem Anstieg von mehr als 9 % hat der Sektor alle anderen großen Kategorien im S&P 500 geschlagen und damit einen Teil der schwachen Renditen seit Beginn dieses Jahres wettgemacht.

„Diese Dinge passieren sicherlich an kritischen Punkten in der Wirtschafts- und Geldpolitik, an denen wir uns gerade befinden – die Fed geht von aggressiven Zinserhöhungen zu einer Verlangsamung der Zinsanhebungen über“, sagte Layla Royer, eine leitende Händlerin für Aktienderivate bei Citadel Securities. „Das ist eine bedeutende Verschiebung“.

Aktienmärkte: Short-Squeeze lässt Aktien steigen

Ein Korb der am stärksten geshorteten Aktien stieg in den vier Tagen bis Dienstag um 18 % und versetzte den Hedgefonds, die während einer zehnmonatigen Talfahrt an den Aktienmärkten auf fallende Kurse gesetzt hatten, einen erneuten Schlag und machte sie zu Zwangskäufern. Ihre gesamten Short-Eindeckungen während dieser Zeitspanne erreichten ein Niveau, das seit dem von Retail-Händlern ausgelösten Short-Squeeze im Januar 2021 nicht mehr erreicht wurde, wie die von JPMorgan zusammengestellten Daten zeigen.

Short-Squeeze - Short-Eindeckungen - S&P 500 steigt

Zum dritten Mal in diesem Jahr erholte sich der S&P 500 um mehr als 10 %. Die starke Erholungsbewegung, beschleunigt durch einen Short-Squeeze, hat die Nachfrage nach bullischen Call-Optionen bei denjenigen angekurbelt, die auf dem Markt defensiv positioniert waren. Infolgedessen ist der Skew-Index – ein Maß für das Risiko der Verteilung der Anlagerenditen des S&P 500 – in diesem Monat auf den niedrigsten Stand seit mehr als einem Jahrzehnt gefallen.

„Die Aktienmärkte stürmt wieder nach oben. Als Vermögensverwalter läuft man Gefahr, seinen Job zu verlieren, weil man schlechter abschneidet als der Markt, also als alle anderen“, sagt Dennis Davitt, Gründer von Millbank Dartmoor Portsmouth LLC, einer auf Volatilitätsstrategien spezialisierten Investmentfirma. „Das Mittel dagegen ist, einen Teil der Aktien in Cash umzuwandeln und dann als Ersatz für Aktien gehebelte Calls zu kaufen.

Anleger setzen auf Optionen

Die von der US-Notenbank ausgelösten Marktturbulenzen ermutigen die Anleger, sich voll und ganz auf Optionen einzulassen, um sowohl auf steigende als auch auf fallende Kurse zu wetten. Etwa 46 Millionen Kontrakte haben im November täglich den Besitzer gewechselt und sind damit auf dem Weg zum umsatzstärksten Monat aller Zeiten, wie die von Bloomberg zusammengestellten Daten zeigen.

Der Boom ist auch auf den rasanten Handel mit kurzlaufenden Derivaten zurückzuführen, die innerhalb von 24 Stunden fällig werden. Laut einer Schätzung von Goldman Sachs Group machten diese Kontrakte im vergangenen Monat satte 44 % des Volumens der S&P 500-Optionen aus.

Das Feuerwerk nach den Inflationsdaten scheint vorerst abgeklungen zu sein. Der S&P 500 hat sich auf Schlusskursbasis sechsmal in Folge um weniger als 1 % bewegt, die längste Ruhephase seit Januar.

Mike Bailey, Forschungsdirektor bei FBB Capital Partners, ist der Ansicht, dass die Ruhe nicht von Dauer sein wird. Zum einen hat die anlagenübergreifende Rallye zu einer Lockerung der Finanzkonditionen beigetragen, die dem Ziel des Fed-Vorsitzenden Jerome Powell, die Wirtschaft zu verlangsamen, zuwiderläuft.

„In den nächsten Wochen könnte es zu einer gewissen Reue der Käufer kommen, da sich die Anleger über eine potenziell heiße Arbeitsmarktzahl und falkenhaften Aussagen seitens Powell und der Fed aufregen“, so Bailey. „Nach einem schönen Lauf seit Mitte Oktober, müssen die Anleger erst einmal Luft holen. Die nächste Frage ist: Haben wir zu viele gute Nachrichten in die Aktienmärkte eingepreist?“

FMW/Bloomberg



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