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Aktienmärkte: Atempause, aber keine Trendwende

Gibt es Signale für ein Ende der momentanen Börsenhausse?

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Die Aktienmärkte der USA stehen auf Allzeithoch, auch der Dax hat zuletzt stark zugelegt – und nicht wenige Investoren durchstöbern derzeit den Wust an Wirtschaftsnachrichten nach Signalen für ein Ende der momentanen Börsenhausse. Schließlich ist der Dax in diesem Jahr schon um 25 Prozent gestiegen, das meiste schon im Frühjahr, aber nach dem Sommerloch bis Mitte August steht bereits wieder ein Kursanstieg von fast 2000 Indexpunkten an der Kurstafel. Man blickt deshalb mit Argusaugen auf die Positionierung der Anleger – Profis und Private – und auf deren Stimmung. Extreme Positionierungen sind dabei erfahrungsgemäß ein guter Kontraindikator.

Aktienmärkte: Die aktuelle Umfragen

Bereits seit ein paar Wochen mahnt die wöchentliche Umfrage des Handelsblatts (AnimusX) zur Vorsicht, aufgrund des Optimismus der befragten Anleger, aber gleichzeitig betonend, dass die Euphorie eine zähe Kämpferin sei. Auf mögliche Extreme habe ich erst gestern im Fazit zu „Aktienmärkte: Was könnte die aktuelle Rally stoppen?“ hingewiesen.

Gleichwohl kommt der Herausgeber der Auswertung, Stephan Heibel, wieder zu dem Ergebnis „Dax vor fälliger Verschnaufpause“ – aber er sieht auch eine ziemliche Polarisierung der Anlegergruppen.

Fast 25 Prozent der befragten Anleger wollen in den kommenden zwei Wochen Aktien zukaufen. Gleichzeitig wollen 20 Prozent verkaufen, ein Plus von drei Prozentpunkten gegenüber der Vorwoche,

Aus seiner Erfahrung fasst der Sentimentexperte zusammen: „Dieses Verhalten ist häufig ein Vorläufer einer stärkeren Kursbewegung: Eines der beiden Lager wird falsch liegen und muss seine Fehlallokation später auflösen.“

An der Stuttgarter Börse Euwax, der Börse für Privatanleger und der Frankfurter Terminbörse Eurex, dem Handelsplatz für Profis, zeigen sich unterschiedliche Positionierungen:

Institutionelle Anleger sind derzeit neutral aufgestellt, Privatanleger haben ihre Positionen mit zahlreichen Short-Hebelprodukten stark abgesichert. Daraus schließt Heibel: Ein Ausverkauf an den Märkten würde frühzeitig abgefangen werden: zum einen durch institutionelle Anleger, die sich in den vergangenen Wochen nur wenig engagiert haben, und zum anderen durch Privatanleger, die ihre Absicherungspositionen durch Käufe auflösen würden.

Aktuell sieht auch ein zweiter Sentimentexperte keine Bedrohung für die deutschen Aktienmarkt.

Joachim Goldberg, bereits seit 30 Jahren mit der Sentimentanalyse beschäftigt (Behavioral Finance), sieht keine größere Bedrohung für den deutschen Aktienmarkt. Anlageprofis würde schon bei kleineren Rücksetzern ab etwa 12.900 Punkten als Käufer bereitstehen. Ein Gefahr ergäbe sich aus dem Abzug der langfristig orientierten internationalen Investoren, meint der Verhaltensökonom. Aber haben nicht erst kürzlich amerikanische Banken für eine Investition in europäischen Aktienmärkten getrommelt?

Aktienmärkte: Die USA auf Investitionswolke sieben

Die amerikanischen Anleger sind nach wie vor berauscht vom Vertrauen auf den Fed-Put und der Annahme, dass es im Handelsstreit keine weiteren Eskalationen im Verlauf der nächsten Woche mehr geben sollte – Prämisse: Trump möchte wiedergewählt werden.

Die Fondsmanager haben ihre Investitionsquote auf 92 Prozent (plus drei Prozentpunkte) weiter hochgefahren. Nach 57, 60, 65, und 89 Prozent in den Vorwochen schon eine gewaltige Zunahme an Zuversicht. Aber auch die Privatanleger setzen auf Fortsetzung der Hausse. Eigentlich sind das richtige Kontraindikatoren – und das gilt erst recht die technischen Marktindikatoren. Der viel zitierte Fear&Greed- Index von CNN Money liegt beharrlich in der Zone von extremer Gier bei 91 Punkten, während das Angstbarometer VIX sich weiter im Keller und damit im Stadium der Sorglosigkeit tummelt.

Fazit

Jahresendrally hin oder her: Nach dem 2000-Punkte-Sprung beim Dax sollte aus vielerlei Gründen eine Verschnaufpause anstehen. Was Sie auslösen wird, steht wie immer in den Sternen – Zufallstreffer von Prognostikern (Random Walk) einmal ausgenommen. Aber es wartet schon eine gewaltige Marke auf den Index: sein Allzeithoch von 13559 Punkten vom 23. Januar 2018. Bei Erreichen dieser Marke entstünde ein sehr beachtetes Doppel-Top, das von Vielen zum Ausstieg oder zur Gegenpositionierung genutzt werden könnte. Wie oft hatte Markus Fugmann über die Schwierigkeiten des amerikanischen Leitindex S&P 500 berichtet, die Widerstandszone von 3030 Punkten zu überwinden, wie viele Versuche hatte man dafür gebraucht?

Aber wenn es tatsächlich überwunden werden könnte, befände man sich in „uncharted territory“, es entstünde ein weiteres Kaufsignal, so unglaublich es auch klingen mag. Aber mit allerlei heftigen Konsequenzen, über die ich mir aus der Erfahrungen der letzten Zyklen seit den frühen Neunzigern auch schon meine Gedanken gemacht habe. Dazu später einmal mehr..

Die Aktienmärkte steigen, aber die Stimmung ist inzwischen zu euphorisch

Foto: Deutsche Börse AG

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Marko

    12. November 2019 11:35 at 11:35

    hallo herr müller,

    „Schließlich ist der Dax in diesem Jahr schon um 25 Prozent gestiegen,“ – so ! Und was denken die meisten denn, das „Ding“ muss fallen ! :D

    „Aus seiner Erfahrung fasst der Sentimentexperte zusammen: „Dieses Verhalten ist häufig ein Vorläufer einer stärkeren Kursbewegung: Eines der beiden Lager wird falsch liegen und muss seine Fehlallokation später auflösen.““

    na dann,… wir freuen uns ;D :D

    Und genauso, genauso funktioniert „Miss Börse“… ;D :D

    „Jahresendrally hin oder her: Nach dem 2000-Punkte-Sprung beim Dax sollte aus vielerlei Gründen eine Verschnaufpause anstehen. Was Sie auslösen wird, steht wie immer in den Sternen – Zufallstreffer von Prognostikern (Random Walk) einmal ausgenommen. Aber es wartet schon eine gewaltige Marke auf den Index: sein Allzeithoch von 13559 Punkten vom 23. Januar 2018. Bei Erreichen dieser Marke entstünde ein sehr beachtetes Doppel-Top, das von Vielen zum Ausstieg oder zur Gegenpositionierung genutzt werden könnte. Wie oft hatte Markus Fugmann über die Schwierigkeiten des amerikanischen Leitindex S&P 500 berichtet, die Widerstandszone von 3030 Punkten zu überwinden, wie viele Versuche hatte man dafür gebraucht?“

    Ja und dann, eines sollte doch klar sein : Wann einer hier „zu teuer“ bewertet ist, dann ist der ganze „Amiladen“ da drüben, welche Korrektur ? Und dazu noch eine massive, kurzfristige ?

    Seid Ihr short, vom Sentiment her ?

    Also echt, liebe Bären… Wann fällt der Dax ? Wenn Ihr sagt…

    Vg
    Marko

  2. Avatar

    Marko

    12. November 2019 11:56 at 11:56

    „Die amerikanischen Anleger sind nach wie vor berauscht vom Vertrauen auf den Fed-Put und der Annahme, dass es im Handelsstreit keine weiteren Eskalationen im Verlauf der nächsten Woche mehr geben sollte – Prämisse: Trump möchte wiedergewählt werden.

    Die Fondsmanager haben ihre Investitionsquote auf 92 Prozent (plus drei Prozentpunkte) weiter hochgefahren. Nach 57, 60, 65, und 89 Prozent in den Vorwochen schon eine gewaltige Zunahme an Zuversicht. Aber auch die Privatanleger setzen auf Fortsetzung der Hausse. Eigentlich sind das richtige Kontraindikatoren – und das gilt erst recht die technischen Marktindikatoren. Der viel zitierte Fear&Greed- Index von CNN Money liegt beharrlich in der Zone von extremer Gier bei 91 Punkten, während das Angstbarometer VIX sich weiter im Keller und damit im Stadium der Sorglosigkeit tummelt.“

    So ! was würde ein Ende der „Hausse“ eigentlich bedeuten, der Anleihemarkt wüßte gar nicht mehr wohin mit dem Geld ?

    Negativzinsen noch und nöcher, und bei einem einzigen Punkt stünden wir wie damals beim gleichen Punkt wie Lehman 2009, bei Negativzinsen für Giralgeld !

    – Das wäre der Zusammenbruch des ganzen Finanzmarktes !!

    diese Negativzinsen würden uns alle „killen“, Bullen wie Bären ! Danach könnten wir den Laden „zumachen“ (!)

    Und deshalb ist es wichtig, dass beide Notenbanken aus dem „Zinssumpf“ herauskommen, geschuldet durch die Lehman-Amis ! Das geht nur „GEMEINSAM“ (!)- da kann die FED „nach vorne preschen“ wie sie will, ohne die EZB geht da gar nix, und das hat die FED wohl verstanden.

    D.h., 0,25 % Zinserhöhungen, dosiert, pro Quartal. Und Zinserhöhungen wären diesmal alles, aber nicht negativ für den Markt !

    Schon mal darüber nachgedacht ?

  3. Avatar

    Timo Bücker

    11. September 2020 22:03 at 22:03

    Sehr schöner Bericht. Top!

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