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Aktienmärkte: Ausbruch nach oben bisher missglückt

Stehen die Aktienmärkte vor einer Korrektur? Mehrfach haben die Investoren vergeblich versucht, das Hoch im S&P 500 von 3027 Punkten zu überwinden. Wenn so etwas öfters geschieht, kommt es meist zu einer Richtungsänderung, sprich die Anleger setzen auf fallende Notierungen. Aber wie wahrscheinlich ist derzeit ein größerer Kursrutsch?

 

Aktienmärkte in USA: Trump und der Fed-Put

Es ist längst keiner Betonung mehr wert darauf hinzuweisen, dass Donald Trump in seinen Zolleskalationen große Rücksicht auf den Dow Jones – den er ständig im Auge hat – und die US-Wirtschaft nimmt. Zu bedeutend sind diese für sein großes Ziel, die Wiederwahl 2020. Wie bereits mehrfach beobachtet, fängt er bei einem Rückschlag seines Index um ein paar 100 Punkte schon an heftig zu deeskalieren und Hoffnungszeichen im Handelsstreit zu setzen. Dies ist so etwas wie eine Art Schutzmechanismus für die Märkte, der aber bisher immer funktioniert hat. Erst gestern gab es wieder ein kleines Anschauungsbeispiel.

Es gibt aber noch eine andere Größe, die bei Rückschlägen in den Wirtschaftsdaten, insbesondere wenn es den Arbeitsmarkt und den Konsum betrifft, zum Tragen kommen könnte. Es ist die noch recht zurückhaltend kommunizierende US-Notenbank Federal Reserve, die in ihrer letzten Sitzung die Tür für weitere Maßnahmen zumindest verbal schon geöffnet hat.

Sollten sich die angesprochenen Konjunkturdaten verschlechtern, könnte Fed-Chef Powell tätig werden, in Form der Andeutung weiterer Zinssenkungen und eines Starts des „offiziellen“ neuen Anleiheaufkaufprogramns QE 4. Er könnte sich auf seinen gesetzlichen Auftrag berufen, datenabhängig (data driven) agieren und müsste sich nicht dem Vorwurf aussetzen, wegen Donald Trumps Äußerungen eingeknickt zu sein. Also das Wiederaufleben eines Fed-Puts, welches die Märkte nach unten abstützt. Es gibt nichts was die Aktienmärkte mehr schätzen als billiges Geld, zumindest in der jetzigen Phase des Anlagenotstandes. Alles in allem Argumente gegen eine großen Kurseinbruch, nicht aber gegen einen in einer gemäßigten Form.

 

Die Situation beim Dax

Im deutschen Leitindex hat sich die Situation nach dem Ifo-Geschäftsklimaindex nicht wirklich verbessert. Auch wenn er sich scheinbar stabilisiert hat, sind die Aussichten noch nach unten gegangen. Im letzten Vierteljahr haben Analysten aufgrund der Quartalsergebnisse und der Ausblicke der Unternehmen die Gewinnprognosen für das Gesamtjahr 2019 um acht Prozent zurückgesetzt, zudem gab es von 22 der 30 Dax-Unternehmen Gewinnwarnungen. Auch wenn die Indizes schon ein halbes Jahr in die Zukunft blicken, bräuchte es für einen Aufschwung schon eine Stabilisation der Frühindikatoren für die Produktion und für den Ifo-Index. Nach unten ist die Börse aber auch ziemlich gestützt, schließlich gibt es für Versicherer und Pensionsfonds in Europa als Alternative keine Minizinsen, sondern sogar Strafzinsen.

 

Fazit – Aktienmärktre vor Korrektur?

Das Aktienpendel könnte aus technischen und saisonalen Gründen nach unten ausschlagen. Es gibt neben den genannten Argumenten auch noch das Cash, welches die großen Anleger in den USA an der Seitenlinie geparkt haben. Dies alles spricht derzeit aus meiner Sicht für eine ausgedehnte Seitwärts-Range. Außer die Aussichten für eine Rezession verstärken sich, auch in den USA, in einem solchen Fall nehmen die Investoren reißaus, denn dann wirken die Kursverluste erheblich schlimmer als die Inkaufnahme von Niedrig- oder sogar Minuszinsen.

Oder es kommt zu einem irgendwie gearteten Deal mit China, zu den man sich notgedrungen entschließt. Wer weiß denn wirklich Bescheid über das chinesische Wachstum und die Schwierigkeiten im Reich der Mitte, einem Staat der Zensur?

Und wer glaubt in der Lage zu sein, die Befindlichkeiten Donald Trumps zu verstehen, in seinen impulsiven Reaktionen? Er hat 80 Prozent des Führungspersonals im Weißen Haus in seiner kurzen Amtszeit ausgetauscht, wie noch kein Präsident zuvor. Die einzige Konstante in seinem Handeln ist der Drang nach einer zweiten Amtszeit „Whatever it takes!“ – und da liegt der Haken.

Stehen die Aktienmärkte jetzt vor einer Korrektur?



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4 Kommentare

  1. Ausbruch nach oben missglückt, komischer Titel, gibt es irgendwo einen Grund für noch höhere Kurse.
    Sollte es nicht eher heissen: Wer verhindert den längst fälligen Crash?

  2. hallo herr Müller, ich habe da mal ne frage. unzwar, gibts eine korrelation zwischen den ami märkten und dem dollar. ich frage deshalb, weil sie in einem bericht erläutert haben das die ami märkte eine weltweite marktkapitalisierung von ca 40% haben. und wenn gleichzeitig der dollar stärker wird, fällt im umkehrsxhluss auch die marktkapitalisierung der ami indizes höher aus, oder ?
    also ist es nicht absurd das die märkte eines landes soviel wert ist wie die marktkapitalisierung vom rest der welt. gibts hierfür ne grafik.
    abschließend meine frage, müsste nicht entweder der dollar mal abwerten oder die ami märkte. ansonsten werden die aktien von dow s&p und nasdag zum luxusgut.
    danke vorab für ne rückantwort oder dzgl einen analyse.

    1. Hallo @md. Zu Ihrer Frage. Der Anteil der US-Aktien am MSCI wird minütlich berechnet und zwar anhand seiner Marktkapitalisierung (Streubesitz), das bedeutet am aktuellen Wert der an den Börsen gehandelten Titeln. In diesem Weltindex befinden sich ca. 1650 Aktien aus 23 Industrieländern, zudem wird der Index in Dollar berechnet. Damit haben Sie als Deutscher zwei Risiken: Zum einen die 60 Prozent-Gewichtung der US-Werte – wenn die schwergewichtigen FAANG-Aktien einbrechen, geht es auch mit dem MSCI World nach unten und zum anderen den Wechselkurs zum Euro. Aber: Der Wert eines MSCI World ETF liegt seit 20 Jahren in Dollar und Euro gerechnet in etwa auf demselben Niveau. An der Dominanz der Amerikaner lässt sich also ohne Kurseinbruch der US-Indizes wenig ändern. Allein der S&P 500 hat eine MK von 22 Billionen Dollar, die Welt-MK lag meines Wissens nach zuletzt in etwa bei 86 Billionen $.
      Viele Grüße

  3. bei 2950 war auch ein Widerstand…der wurde im 5. oder 6. Anlauf genommen…so wird es auch diesmal sein…es wird jetzt kurz- mittelfristig in der Range 2950 – 3030 seitwärts laufen, bis dann der Ausbruch kommt…dann geht es nochmal richtig schön hoch (Euphorie) und erst dann wird es zu einer Bereinigung kommen…ohne Euphorie kein Crash…

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