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Aktienmärkte: Der Lackmustest für den Fed-Put

Hannes Zipfel

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am

Downtown Manhattan in New York

Die relative Gelassenheit der Marktteilnehmer im aktuellen Umfeld hat einen entscheidenden Grund: das geldpolitische Sicherheitsnetz, das die Notenbanken weltweit unter die Aktienmärkte gespannt haben. Doch wird es halten?

Der Aufwärtstrend der Aktienmärkte gerät in Gefahr

Noch sind die Verluste beim S&P 500 in Anbetracht der heraufziehenden wirtschaftlichen Risiken äußerst moderat. Der US-Leitindex hat zwar mit dem recht dynamischen Kursrückgang am Freitag seinen kurzfristigen Aufwärtstrend nach unten gebrochen, aber mehr als Gewinnmitnahmen sind das noch nicht. Erst am 22. Januar erreichte der heimliche Weltleitindex mit in der Spitze 3.338 Punkten den höchsten Stand aller Zeiten. Seitdem korrigierten die Kurse der größten 500 US-Aktiengesellschaften lediglich um gut drei Prozent.

Lackmustest für Aktienmärkte? S&P 500 Chart

Etwas deutlicher fielen die Kursrückgänge in den letzten Tagen in Europa und Asien aus. Die Marktteilnehmer zeigten hier schon erste Anzeichen von latenter Panik. Der deutsche Leitindex DAX 30 verlor von der Spitze bei 13.640 Punkten ganze 700 Punkte, also gut fünf Prozent (hier geht es zum 1 x 1 der Geldanlage). Gleichzeitig durchbrach der Index die psychologisch relevante Marke von 13.000 Punkten. Im längerfristigen Bild sieht es nun zumindest kurzfristig nach einer Doppeltopbildung aus. Vor genau zwei Jahren hatte der DAX sein bis dahin höchstes Niveau bei in der Spitze 13.600 Punkten erreicht, das er nun wieder deutlich unterschritten hat.

Dax Chart

Aktienmärkte in den USA verlassen sich auf Uncle Sam

Noch scheint den Marktteilnehmern nicht bewusst zu sein, welch signifikante Folgen die durch die Coronavirus-Epidemie bedingte Abschottung der zweitgrößten Volkswirtschaft und „Werkbank“ der Welt für die globale Konjunktur hat. Noch ist die überwiegende Mehrheit der Marktteilnehmer für die Aktienmärkte optimistisch. Die Portfolios weisen geringe Cashbestände auf und sind kaum abgesichert. Die Bewertungen sind historisch hoch, und das, obwohl knapp 40 Prozent der US-Unternehmen Verluste produzieren. Der sehr marktbreite Wilshire 5.000 Total Market Index wird aktuell mit dem 1,5-Fachen des US-BIP bewertet. Das ist das höchste Ratio seit Beginn der Datenaufzeichnung im Jahr 1971.

Doch das Vertrauen in die im Sinne der Aktienmärkte alles kontrollierende US-Notenbank Fed ist vor allem in den USA noch voll intakt. Zumal auch der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika höchst persönlich über den Zustand des Aktienmarkts wacht und immer ein Auge auf den Stand seines Lieblingsindex Dow Jones Industrial Average hat. Sollte es in den kommenden Handelstagen zu heftigeren Kurseinbrüchen im insgesamt zweistelligen Prozentbereich kommen oder der Handel sogar an einem Tag „Limit-Down“ ausgesetzt werden, dann, so die Erwartung, würden der Präsident Donald J. Trump zusammen mit dem Fed-Chef Jerome „Jay“ Powell sofort zugunsten der Aktienmärkte intervenieren. Und ja, diese Hoffnung ist in Anbetracht der extremen Abhängigkeit des Konsumverhaltens und der gesamten US-Ökonomie von der Entwicklung der Vermögenspreise an den Aktienmärkten absolut berechtigt.

Wie schnell greift der Fed-Put?

Die Frage, die sich eigentlich stellt, ist nicht die, nach der realen Existenz des sogenannten Fed-Puts, sondern die, ab welcher Verlustschwelle der Fed-Put greift. Da die Aktienmärkte in den letzten Monaten nahezu senkrecht und vor allem in den USA auf ständig neue Höchststände angestiegen sind, ist die Gefahr eines Rückschlags ohnehin sehr groß – allein schon wegen der nun einsetzenden Gewinnmitnahmen.

Der für die Aktienmärkte sukzessive an Bedeutung gewinnende externe Schock durch die Coronavirus-Epidemie kann daher schnell in einen selbst für die US-Notenbank unkontrollierbaren Sell-Off münden. Daher ist die aktuelle Situation so brisant, weil die Marktteilnehmer schlicht nicht wissen können, wie schnell und wie effektiv der Fed-Put zum Einsatz kommt. Wobei es mit reiner Verbalakrobatik und medialen Beruhigungspillen vom Präsidentenberater Larry Kudlow, wie am Donnerstagabend, nicht getan sein dürfte. Da müssen schon Aktionen vom Kaliber Liquiditätsflutung oder Stützungskäufe via Plunge Protection Team (PPT) oder gleich Notzinssenkungen her.

Fazit und Ausblick

Die sich bereits abzeichnenden negativen ökonomischen Folgen der Coronavirus-Epidemie und die zunehmenden Gewinnmitnahmen an den Aktienmärkten können aufgrund der hohen Bewertungen schnell in Panik umschlagen. Vor allem dann, wenn nicht zeitnah Signale der Unterstützung von der US-Notenbank kommen, die den Markt stützen. In Anbetracht der Fallhöhe des Marktes und des damit einhergehenden Vernichtungspotenzials von Aktienvermögen in Billionenhöhe, wird es interessant sein zu sehen, wie schnell der Fed-Put greift und ob er ausreicht.

18 Kommentare

18 Comments

  1. Avatar

    Beobachter

    1. Februar 2020 17:54 at 17:54

    Aktien sollten nach 400 bis 700% Gewinn eine kleine Korrektur aushalten ,aber wer entschärft die BBB- Bomben u.
    die High Yield – Anleihen bei einem Wirtschaftsrückgamg ?
    Aktien oder Unternehmensanleihen oder beides wird kollabieren u.Staatsanleihen könnten noch mehr steigen.
    Das Märchen von TinA wäre dann auch wieder zu Ende.

    • Avatar

      Nico

      2. Februar 2020 08:58 at 08:58

      @Beobachter. Was heißt denn hier (TINA) = Märchen? Das ist doch seit Jahren Fakt. Märchen wird nur jemanden behaupten, der nicht davon profitiert hat. Auch wenn TINA irgendwann zu Ende gehen muss.

  2. Avatar

    PK

    1. Februar 2020 18:29 at 18:29

    ein nahezu 100% Short wäre es, wenn die FED interveniert und der Markt nach einer Erholung ein neues Low markiert. Bis dahin ist es mit Short in der Tat bisserl riskant, weil völlig klar ist, daß Trump und FED mitspielen werden.

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    schwarze_pille

    1. Februar 2020 20:05 at 20:05

    Die Märkte können eigentlich nur hoffen, dass die Regierungen passiv bleiben. Die chinesische reißt bei sich gerade die Wände runter.

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    Marko

    1. Februar 2020 20:40 at 20:40

    Na ja Herr Zipfel, von Euphorie ist bei dem ganzen Kuddelmudelle nix zu sehen .

    Hier mal was zum Brexit, die Bild-Zeitung.

    https://www.bild.de/politik/ausland/politik-ausland/brexit-fans-feiern-schon-in-london-grossbritannien-verlaesst-um-mitternacht-die-68523352.bild.html

    Die große Gefahr: Es gibt keine Einigung bis Ende des Jahres. Dann kommt der harte Brexit. Bedeutet: Kein Aufenthaltsrecht für EU-Bürger in Großbritannien und umgekehrt, Zölle auf Wirtschaftsgüter, abgeschottete Grenzen.

    Bis 31. Dezember gilt aber erst einmal eine Übergangsregelung.

    Für GB würde die bedeuten : Der Sprung über die Klippe, also das wäre es dann für GB.
    Schottland würde dann sofort „rüber“ gehen zur EU, und GB wäre dann „klinisch tot“.

    Und der Key ist die EZB, wenn man im September 2020 (endlich) loslege sollte…. die Amis danach sowiso…

    Da hier ist immer noch Lehman… !

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    Lausi

    1. Februar 2020 21:07 at 21:07

    Die Frage ist, in wieweit sich die Aktienmärkte von der konjunkturellen Entwicklung abkoppeln können, und in wieweit die Zentralbanken Einfluss auf die Konjunktur haben. Die berühmte Hundeleine wird sicherlich nicht unendlich lang sein…

  6. Avatar

    Hesterberg

    2. Februar 2020 01:11 at 01:11

    Wo ist Sven? Fahnenstangen-Sven könnte hier sicher Aufklärung liefern und alle Argumente entkräften. Ich will mich einmal an seiner Stelle versuchen.

    Die Fed hat doch letztlich unbegrenzte Feuerkraft. Sie kann die Zinsen nicht nur sofort auf null, sondern auch sofort auf -2,5% senken. Sie kann alle(!) amerikanischen Aktien, die die Märkte verkaufen, sofort selbst wieder kaufen und somit jeden US-Aktiencrash verhindern. Sie kann sogar darüber hinaus noch weitere Aktien kaufen, so dass die US-Indizes monatlich um 5% steigen. Das hätte zur Folge, dass alle Marktteilnehmer wieder all in gehen müssten, weil sie sonst nicht mehr dabei wären. Und es hätte weiter zur Folge, dass alle Investoren in den US-Aktienmarkt umschichten und nur die Aktienmärkte aller anderen Länder crashen würden. Die Fed könnte dann aus allen Hilfen komplett aussteigen und ihre Bilanz zurückfahren, weil die Entwicklung zur größten Party aller Zeiten sich selbst trägt. Die Fed kann auch Gold kaufen so viel sie will und natürlich kann sie auch alle Frachtschiffe weltweit anmieten und den Baltic Dry Index innerhalb von Tagen auf Allzeithoch bringen und so weiter und so fort. Die Fed kann alles kaufen und stützen und wenn Gesetze dem entgegenstehen, werden sie eben geändert oder aufgehoben.

    China und Europa wären am Ende und die USA für mindestens weitere 100 Jahre die Nummer 1 und Donald Trump würde als erster US-Präsident auf Lebenszeit ernannt werden.

  7. Avatar

    Beobachter

    2. Februar 2020 11:36 at 11:36

    @ Nico,ich habe mit sehr tiefen Hypozinsen sehr stark vom Notenbankzauber profitiert u.werde dies noch mindestens 10bis 15 Jahre tun. ( Festhypotheken) Für 80 bis 90% der Bevölkerung, die in 10 oder 20Jahren mit stark fallenden Altersrenten leben müssen wird das Märchen nicht mehr so märchenhaft aussehen u.sich in Wirklichkeit als grösste je dagewesene Umverteilung entpuppen.

    • Avatar

      Nico

      2. Februar 2020 12:11 at 12:11

      @Beobacter. Sie tun ja so, als ob es den Deutschen verboten sei, Aktien für die Altersvorsorge zu erwerben. So wie viele Staatsfonds es tun. Selbst nach einem 2020-er oder 2021-er Crash könnte man billiger einsteigen und aufbauen. Aber viele Bären halten Aktien für Teufelszeug, welche bald ins Uferlose stürzen und sich nie mehr erholen. Wenn die Weltwirtschaft so kollabiert, haben Sie mit keiner anderen Anlage Glück. Auch nicht mit Gold, denn dessen Besitz würde dann sicher verboten werden.

      • Avatar

        tomgala

        3. Februar 2020 00:03 at 00:03

        In einer stofflich begrenzten Welt ist ein unbegrenztes Wachstum absurd.
        Aus diesem Grund können Aktien nicht Gewinnbasiert unbegrenzt steigen.

  8. Avatar

    Fetttony

    2. Februar 2020 15:46 at 15:46

    Chinesen pumpen bereits ordentlich Monetas rein

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    Torsten

    3. Februar 2020 07:08 at 07:08

    Dow Future 200 Punkte vorbörslich im Plus, Aktuell 361 Tote durch Corona Virus ( erwartet 380 ). Besser als erwartet!

    *Satire*

  10. Avatar

    Satiri

    3. Februar 2020 10:05 at 10:05

    @ Torsten,Bei Aktienrückkäufen steigen die Aktienkurse weil sich die Gewinne auf weniger Anteile verteilen.
    LOGIK: Wenn eine Epidemie ein Teil der Bevölkerung dahinrafft steigt das Vermögen pro Kopf der Überlebenden . Somit könnte das positiv für die Aktienkurse sein. ( auch Satire))
    Tesla ist wieder einmal eine Ausnahme, bei Rückgang der Verkäufe = weniger Verlust = höhere Kurse
    ( keine Satire)

    • Avatar

      Torsten

      3. Februar 2020 10:51 at 10:51

      Tesla- also weniger Umsatz, weniger Verlust , höherer Kurs

      mathematisch bedeutet ( Limes ) das bei Null Umsatz, Null Verlust , Tesla Aktie könnte dann Unendlich viel Wert sein

      ( Satire )

      :)

  11. Avatar

    Marko

    3. Februar 2020 15:37 at 15:37

    „Noch ist die überwiegende Mehrheit der Marktteilnehmer für die Aktienmärkte optimistisch. Die Portfolios weisen geringe Cashbestände auf und sind kaum abgesichert. Die Bewertungen sind historisch hoch, und das, obwohl knapp 40 Prozent der US-Unternehmen Verluste produzieren.“

    Wenn ich das hier sage, muss (!!!) ich sagen, die Anleinemärkten sind NICHT manipuliert…

    So, Thema beendet, liebe Bären.

    BTW, . wohin soll der Bufu noch steigen, Minuszinzen um die 3 % …? vielleicht – 6 %, – 10 % … ?? , an Sie , die Wahl.. ?

    Macht Euch doch nicht lächerlich ?

    Ja…. ich weiß, das ist eine „Bärenseite“, aber : man kann es auch übertreiben.. ?

    Vg

    marko

  12. Avatar

    DAX 15000

    3. Februar 2020 18:58 at 18:58

    @Marko, ich finde deine erfrischenden Kommentare u.kritischen Anmerkungen sehr gut.Leider hat auf dieser Bärenseite niemand den Mut u,das Wissen dir kompetente Anrworten zu geben.

  13. Avatar

    Lausi

    3. Februar 2020 19:46 at 19:46

    @ DAX 15000: Für kompetente Antworten muss man erstmal den kryptischen Schreibstil von Bufu-Marko verstehen. Ich habe da so meine Schwierigkeiten – vor allem mit seinen unendlich vielen Fragezeichen. Aber schön, dass es auf FMW auch Bullen bzw. konträre Meinungen gibt – sonst wäre es ja total langweilig. Und was den Bufu betrifft weiß ich nur eins – wenn die Konjunktur abschmiert geht der Bufu hoch. Das reicht mir für’s Long-Gehen.

  14. Avatar

    DAX 15000

    3. Februar 2020 21:02 at 21:02

    @ Lausi, ich oute mich mit meinem vorigen Kommentar,der als Witz -Kommentar gedacht war.Ich verstehe Marko auch nicht, der schreibt in einer anderen Liga.Die unermüdlichen Bullen bereichern die Plattform in dem Sinne, dass sie einige lustige Namen kreierten.
    So der Fahnenstangen Sven, der Bufu-Marko, der Betongoldi, der Wischi-Waschi Bär, lustig wird’s aber erst wenn der Zimmermann bei einem Crash endlich zum Buhmann wird.

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Zinsen und Banken – „Verwahrentgeld“ auf dem Vormarsch

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Wer glaubt, sich der finanziellen Repression so leicht entziehen zu können, irrt vermutlich: Immer mehr Banken verlangen negative Zinsen für Bankeinlagen, auch „Verwahrentgelt“ genannt. Hat man auch seine Reservegeldhaltung zurückgeschraubt, wird man von der Anhebung der Gebühren betroffen.

Negative Zinsen: Immer mehr Banken..

Still und leise erhöht sich die Zahl der Kreditinstitute, die von ihren Kunden Strafzinsen oder so genanntes Verwahrentgelt für ihre Einlagen verlangen. War bisher eine Summe von 100.000 Euro davon nicht betroffen, so ist das nicht mehr allzu oft der Fall. Allerdings dürfen die Banken nicht so einfach negative Zinsen erheben, sondern sie brauchen zunächst die Einwilligung ihrer Kunden. Ja wohin ausweichen, wenn es immer mehr Banken gibt, die aufgrund der Zinsssituation auf diese Einnahmequelle zurückgreifen?

Das Verbraucherportal Biallo (ebenso Verivox) hat 1300 Banken untersucht und festgestellt, dass 214 Kreditinstitute in bestimmten Fällen Verwahrentgelt verlangen – 20 mehr als vor Monatsfrist, seit Jahresanfang haben sich 150 Geldinstitute zu diesem Schritt entschieden.

Gab es zunächst überall den Freibetrag von 100.000 Euro, so wird dieser schrittweise abgesenkt, auf 50.000, 10.000 oder sogar auf 0 Euro, auch von Volksbanken. Bisher beläuft sich der Minuszins auf 0,5 Prozent, aber es gibt bereits eine Sparkasse, die bei minus 0,75 Prozent angekommen ist.

Die Ursache für das Verhalten der Banken ist schon ein paar Jahre alt.

Bereits im Jahre 2014 hat die Europäische Zentralbank begonnen Negativzinsen von den Geschäftsbanken zu verlangen und diesen Zinssatz für kurzfristige Einlagen im vergangenen Jahr auf minus 0,5 Prozent gesenkt. Aus den letzten Äußerungen seitens der Notenbanker ist nicht zu erwarten, dass die Zinsen angehoben, sondern die Geldpolitik eher noch gelockert wird. Damit dürfte der Trend zum Verwahrentgelt noch zunehmen.

Jetzt auch Direktbanken

Bisher lehnten sich manche Bankkunden locker zurück, angesichts der neuen Konkurrenz für die alten Geldinstitute – filiallose Direktbanken. Doch ausgerechnet die Handybank N26 verkündete jüngst, Strafzinsen für das Girokonto einführen zu wollen. Zunächst erst ab 50.000 Euro, aber dieses Vorhaben steht im krassen Widerspruch zu dem vor Jahresfrist geäußerten Versprechen auf Negativzinsen zu verzichten. Wird dies eine Welle auslösen, bei der Konkurrenz wie ING, DKB, Consorsbank, Flatex u.a., die als Ausweichsort gesehen wurden, um den Gebühren von Genossenschaftsbanken und Sparkassen zu entgehen? Ein bisschen Verwahrentgelt, was soll’s?

Eine ganze Menge, sollte sich dieser Trend durchsetzen. Schließlich liegen derzeit gigantische 2,489 Billionen Euro auf Giro- oder Tagesgeldkonten. Für diese Summe nur 0,5 Prozent einbehalten – und schon wäre man bei einer zweistelligen Milliardensumme.

Wie lautet seit Langem eine Empfehlung der Vermögensberater für die Reservegeldhaltung der Konsumenten? Man solle auf dem Girokonto eine Notreserve halten, die etwa drei Monatsgehälter beträgt. Und zwar nicht nur für ein paar Wochen, sondern länger und für etwaige größere Anschaffungen.

Die Neigung des Deutschen zur großen Geldhaltung mit ihrem obersten Befürworter, Bundesfinanzminister Olaf Scholz, hat zu einem gewaltigen Depotvolumen geführt.

Die oben genannte Verfügungsmasse liegt im Wert höher als alle deutschen Aktien zusammen und sogar doppelt so hoch wie die Bewertung des deutschen Leitindex, Dax. Damit sieht man auch, dass ein Crash am deutschen Aktienmarkt wesentlich weniger Vermögensschäden hervorrufen würde, als bei den Amerikanern, wo allein die über 28 Billionen Dollar des S&P 500 einen weit höheren Wert repräsentieren, als das gesamte Bruttoinlandsprodukt der USA.

Fazit

Die finanzielle Repression schlägt hierzulande weiter zu. Nach und nach werden die Freibeträge für die Geldkonten abgesenkt.

Da die Europäische Zentralbank ihre Geldpolitik eher noch lockert – bei der Sitzung im Dezember? – aber bestimmt nicht die Zinsen erhöht, dürfte die Zahl der Banken, die negative Zinsen weiterreichen, noch größer werden.

Keine Zinsen mehr am Anleihemarkt, Strafzinsen auf dem Geldkonto, wozu führt das? Nicht schon wieder das Akronym „TINA“..

Immer mehr Banken verlangen negative Zinsen auf Einlagen

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Gold, Dollar, Öl, Aktienmärkte: Was passiert nach der US-Wahl?

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Das Thema, wie sich die bevorstehenden US-Präsidentschaftswahlen auf den Gold auswirken werden, wird viel diskutiert und ist mit Unsicherheit behaftet. Wenn die Ergebnisse zu einem stärkeren Dollar führen, bedeutet dies einen niedrigeren Preis für Gold, und ein schwächerer Dollar bedeutet (in der Regel) einen höheren Goldpreis. Das Wahljahr verursacht mit Sicherheit viel Volatilität, und die Anleger erwägen derzeit drei mögliche Szenarien für den Goldpreis nach dem Wahltag.

In einem dieser Szenarien muss der US-Wahltag für einen Anstieg des bei Gold dazu führen, dass Biden Präsident wird, da viele glauben, dass der Dollar dann fallen wird (aufgrund des größeren Stimulus). Und im Gegenteil, bei einem sinkenden Goldpreis wird der Wahltag mit der Wiederwahl von Trump enden müssen, was zu einem stärkeren Dollar führen sollte. Die Ergebnisse der Wahlen im Jahr 2020 könnten jedoch genau den gegenteiligen Effekt haben – und das ist es, was die Marktsituation noch spannender macht.

Der Ölpreis ist vom Wahlergebnis genauso abhängig wie so ziemlich alle anderen Rohstoffe. Und laut Goldman Sachs müssten die US-Wahlen Biden als neuen POTUS hervorbringen, damit wir einen Anstieg des Ölpreises erwarten können (weil dann die Produktions-Kosten für Öl steigen würden). Aber selbst wenn das Gegenteil der Fall sein sollte, drückte der Investmentbankgigant sein Vertrauen in einen steigenden Ölpreis aus – Wahlergebnisse beiseite.

Und wie wird sich die US-Wahl auf den Aktienmarkt auswirken? David Jones, chief market strategist bei capital.com, blickt auf den S&P 500, auf Gold, den Dollar (Euro-Dollar) und schließlich auf den Ölpreis – und analysiert, welche Auswirkungen ein Sieg von Biden oder von Trump haben würde:

 

 

 

 

Was passiert nach der US-Wahl mit Gold?

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Brexit: Wem schadet er mehr, der EU oder den Briten?

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Angesichts des Anschwellens der Coronazahlen und der großen Spannung vor den US-Wahlen, sind die Verhandlung um den Brexit der Briten ein wenig in den Hintergrund gerückt. In dieser Woche läuft wieder einmal ein Ultimatum aus. Kommt es noch zu einer Einigung vor dem endgültigen Datum, dem 31. Dezember? Und gibt es schon Fakten zu den Frühschäden des Austritts der Briten?

Brexit: Was für Folgen hätte ein No-Deal?

Darüber wird schon seit dem Referendum über den Brexit von 2016 gemutmaßt. Fakt ist bereits, dass bis zum Ende des letzten Jahres Ende 2019 die Investitionen bereits um mehr als 15 Prozent hinter dem Durchschnitt der Vorjahre zurückgeblieben sind. Doch sollte es bis zum 31. Dezember keinerlei Vereinbarung geben, wird dies in jedem Fall wirtschaftliche Auswirkungen auf beiden Seiten haben. Wie waren die bisherigen Wirtschaftsbeziehungen?

Der Export von Gütern und Dienstleistungen der Briten in die EU betrug bislang etwa 14 Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes, im Falle der EU in Richtung GB betrug der Anteil nur ganze drei Prozent.

Von Seiten deutscher Unternehmen hat man die lange Zeit seit dem Referendum nicht untätig verstreichen lassen. So ist der Export von Deutschland auf die Insel von 2016 bis vor Kurzem von 7,5 auf 5,6 Prozent gefallen. Gerade in letzter Zeit haben die hiesigen Unternehmen registriert, mit welcher Verbissenheit Boris Johnson den harten, kompromisslosen Brexit vorantreibt. Es ist wie zumeist an der Börse: Was man lange hat kommen sehen, wird versucht zu antizipieren, um den schweren Folgen entgegenzuwirken. Schocks entstehen immer durch das Unerwartete aus heiterem Himmel oder gar durch den berühmten „Schwarzen Schwan“. Klar wird ein harter Brexit beide Seite treffen, mancher Ökonom rechnet für Großbritannien mit einem Rückgang des Trendwachstums um 1,5 Prozent.

Aber wird es keinerlei Vereinbarungen auf dem so bedeutsamen Finanzsektor oder im Güter- und Reiseverkehr geben oder gar beim Handel mit Medikamenten? Zu Zeiten von Corona, wo dem schwedisch-britischen Pharmakonzern AstraZeneca mit seiner Impfstoffentwicklung eine entscheidende Rolle zukommen könnte? Die Pandemie jedenfalls kommt für Großbritannien mit seinem Austrittsvorhaben praktisch zur Unzeit.

Die aktuelle Coronakrise

Was die Covid -19-Infektionen betrifft, hat Großbritannien bereits eine schwere Zeit hinter sich. Nachdem man es zunächst mit einer Herdenimmunisierung versuchte, rückte Boris Johnson entsetzt davon ab, als ihm Wissenschaftler die mögliche Zahl an Todesopfern nahegelegt hatte. Trotz der Wende steht die Nation mit 894.000 Infektionen und fast 45.000 Corona-Toten (an oder mit Corona), der höchsten Zahl an Opfern in Europa derzeit in den Statistiken. Dies findet auch in den Wirtschaftszahlen der zweitgrößten Ökonomie Europas seinen Widerhall.

In den Monaten April bis Juni brach die Wirtschaft Großbritanniens um -20,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal ein. Das war der schlimmste Absturz seit Beginn der britischen Quartalsstatistik im Jahr 1955. Das Land war damit das Schlusslicht Europas, noch vor Spanien, welches den Negativrekord mit einem Einbruch um 18,5 Prozent erleiden musste. Durch die Coronakrise wird Großbritannien wirtschaftlich auf den Stand von 2003 zurückgeworfen.

Das einst so stolze britische Pfund

Das Pfund Sterling, einst der Stolz der Briten und die älteste noch bestehende Währung, hat längerfristig schon eine Entwicklung erlebt, die durch den Brexit noch deutlich beschleunigt werden könnte. Bis in die Hälfte des letzten Jahrhunderts hinein, war das Pfund die globale Leitwährung, die Hälfte der weltweiten Währungsreserven bestand aus der britischen Währung und die Bank of England hatte weltweit sehr großen Einfluss. Dann begann der Abstieg, Mitte der 1970-er-Jahre hatte die britische Währung nur noch einen Anteil von vier Prozent an den globalen Währungsreserven, dabei ist es bis heute geblieben.

Und der Außenwert des GDP?

Das britische Pfund kostete vergangene Woche nur noch 1,10 Euro. Vor gut vier Jahren und dem überraschenden Brexit-Referendum im Juni 2016 musste man noch über 1,30 Euro dafür bezahlen. Auch eine Folge des ewigen Hickhacks um den Sonderweg der britischen Regierung.

Fazit

Aus den bisherigen Fakten ist zu schlussfolgern, dass der ungeregelte Brexit den Briten mehr schaden sollte, als der EU. Aber haben sich die Unternehmen in der langen Zeit der Austrittsverhandlungen nicht schon auf das Austrittsszenario vorbereitet, die Börsen das Ergebnis eingearbeitet? Wann hat denn je ein absehbares Ergebnis Investoren wirklich beim Eintritt noch geschockt – Einzelfälle ausgeschlossen? Aber will Boris Johnson wirklich auf Biegen und Brechen den No-Deal-Austritt Großbritanniens durchziehen, auch wenn sich die Pandemie in der zweiten Welle noch verstärken sollte? Wo Zusammenarbeit in Europa gefragt ist, weiland sich Chinas Aufschwung weiter fortsetzt und auch den USA mit ihrer „America-First-Politik“ ein geschwächtes Europa gar nicht so ungelegen käme?

Es sind für gewöhnlich immer die externen Schocks, die Gewitter aus heiterem Himmel, die für Ungemach sorgen. Aber das Pokern des Boris Johnson – wem hängt das mittlerweile nicht schon zum Halse heraus?

Wem wird der Brexit mehr schaden?

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