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Aktienmärkte: Der Lackmustest für den Fed-Put

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Downtown Manhattan in New York

Die relative Gelassenheit der Marktteilnehmer im aktuellen Umfeld hat einen entscheidenden Grund: das geldpolitische Sicherheitsnetz, das die Notenbanken weltweit unter die Aktienmärkte gespannt haben. Doch wird es halten?

Der Aufwärtstrend der Aktienmärkte gerät in Gefahr

Noch sind die Verluste beim S&P 500 in Anbetracht der heraufziehenden wirtschaftlichen Risiken äußerst moderat. Der US-Leitindex hat zwar mit dem recht dynamischen Kursrückgang am Freitag seinen kurzfristigen Aufwärtstrend nach unten gebrochen, aber mehr als Gewinnmitnahmen sind das noch nicht. Erst am 22. Januar erreichte der heimliche Weltleitindex mit in der Spitze 3.338 Punkten den höchsten Stand aller Zeiten. Seitdem korrigierten die Kurse der größten 500 US-Aktiengesellschaften lediglich um gut drei Prozent.

Lackmustest für Aktienmärkte? S&P 500 Chart

Etwas deutlicher fielen die Kursrückgänge in den letzten Tagen in Europa und Asien aus. Die Marktteilnehmer zeigten hier schon erste Anzeichen von latenter Panik. Der deutsche Leitindex DAX 30 verlor von der Spitze bei 13.640 Punkten ganze 700 Punkte, also gut fünf Prozent (hier geht es zum 1 x 1 der Geldanlage). Gleichzeitig durchbrach der Index die psychologisch relevante Marke von 13.000 Punkten. Im längerfristigen Bild sieht es nun zumindest kurzfristig nach einer Doppeltopbildung aus. Vor genau zwei Jahren hatte der DAX sein bis dahin höchstes Niveau bei in der Spitze 13.600 Punkten erreicht, das er nun wieder deutlich unterschritten hat.

Dax Chart

Aktienmärkte in den USA verlassen sich auf Uncle Sam

Noch scheint den Marktteilnehmern nicht bewusst zu sein, welch signifikante Folgen die durch die Coronavirus-Epidemie bedingte Abschottung der zweitgrößten Volkswirtschaft und „Werkbank“ der Welt für die globale Konjunktur hat. Noch ist die überwiegende Mehrheit der Marktteilnehmer für die Aktienmärkte optimistisch. Die Portfolios weisen geringe Cashbestände auf und sind kaum abgesichert. Die Bewertungen sind historisch hoch, und das, obwohl knapp 40 Prozent der US-Unternehmen Verluste produzieren. Der sehr marktbreite Wilshire 5.000 Total Market Index wird aktuell mit dem 1,5-Fachen des US-BIP bewertet. Das ist das höchste Ratio seit Beginn der Datenaufzeichnung im Jahr 1971.

Doch das Vertrauen in die im Sinne der Aktienmärkte alles kontrollierende US-Notenbank Fed ist vor allem in den USA noch voll intakt. Zumal auch der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika höchst persönlich über den Zustand des Aktienmarkts wacht und immer ein Auge auf den Stand seines Lieblingsindex Dow Jones Industrial Average hat. Sollte es in den kommenden Handelstagen zu heftigeren Kurseinbrüchen im insgesamt zweistelligen Prozentbereich kommen oder der Handel sogar an einem Tag „Limit-Down“ ausgesetzt werden, dann, so die Erwartung, würden der Präsident Donald J. Trump zusammen mit dem Fed-Chef Jerome „Jay“ Powell sofort zugunsten der Aktienmärkte intervenieren. Und ja, diese Hoffnung ist in Anbetracht der extremen Abhängigkeit des Konsumverhaltens und der gesamten US-Ökonomie von der Entwicklung der Vermögenspreise an den Aktienmärkten absolut berechtigt.

Wie schnell greift der Fed-Put?

Die Frage, die sich eigentlich stellt, ist nicht die, nach der realen Existenz des sogenannten Fed-Puts, sondern die, ab welcher Verlustschwelle der Fed-Put greift. Da die Aktienmärkte in den letzten Monaten nahezu senkrecht und vor allem in den USA auf ständig neue Höchststände angestiegen sind, ist die Gefahr eines Rückschlags ohnehin sehr groß – allein schon wegen der nun einsetzenden Gewinnmitnahmen.

Der für die Aktienmärkte sukzessive an Bedeutung gewinnende externe Schock durch die Coronavirus-Epidemie kann daher schnell in einen selbst für die US-Notenbank unkontrollierbaren Sell-Off münden. Daher ist die aktuelle Situation so brisant, weil die Marktteilnehmer schlicht nicht wissen können, wie schnell und wie effektiv der Fed-Put zum Einsatz kommt. Wobei es mit reiner Verbalakrobatik und medialen Beruhigungspillen vom Präsidentenberater Larry Kudlow, wie am Donnerstagabend, nicht getan sein dürfte. Da müssen schon Aktionen vom Kaliber Liquiditätsflutung oder Stützungskäufe via Plunge Protection Team (PPT) oder gleich Notzinssenkungen her.

Fazit und Ausblick

Die sich bereits abzeichnenden negativen ökonomischen Folgen der Coronavirus-Epidemie und die zunehmenden Gewinnmitnahmen an den Aktienmärkten können aufgrund der hohen Bewertungen schnell in Panik umschlagen. Vor allem dann, wenn nicht zeitnah Signale der Unterstützung von der US-Notenbank kommen, die den Markt stützen. In Anbetracht der Fallhöhe des Marktes und des damit einhergehenden Vernichtungspotenzials von Aktienvermögen in Billionenhöhe, wird es interessant sein zu sehen, wie schnell der Fed-Put greift und ob er ausreicht.

18 Kommentare

18 Comments

  1. Avatar

    Beobachter

    1. Februar 2020 17:54 at 17:54

    Aktien sollten nach 400 bis 700% Gewinn eine kleine Korrektur aushalten ,aber wer entschärft die BBB- Bomben u.
    die High Yield – Anleihen bei einem Wirtschaftsrückgamg ?
    Aktien oder Unternehmensanleihen oder beides wird kollabieren u.Staatsanleihen könnten noch mehr steigen.
    Das Märchen von TinA wäre dann auch wieder zu Ende.

    • Avatar

      Nico

      2. Februar 2020 08:58 at 08:58

      @Beobachter. Was heißt denn hier (TINA) = Märchen? Das ist doch seit Jahren Fakt. Märchen wird nur jemanden behaupten, der nicht davon profitiert hat. Auch wenn TINA irgendwann zu Ende gehen muss.

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    PK

    1. Februar 2020 18:29 at 18:29

    ein nahezu 100% Short wäre es, wenn die FED interveniert und der Markt nach einer Erholung ein neues Low markiert. Bis dahin ist es mit Short in der Tat bisserl riskant, weil völlig klar ist, daß Trump und FED mitspielen werden.

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    schwarze_pille

    1. Februar 2020 20:05 at 20:05

    Die Märkte können eigentlich nur hoffen, dass die Regierungen passiv bleiben. Die chinesische reißt bei sich gerade die Wände runter.

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    Marko

    1. Februar 2020 20:40 at 20:40

    Na ja Herr Zipfel, von Euphorie ist bei dem ganzen Kuddelmudelle nix zu sehen .

    Hier mal was zum Brexit, die Bild-Zeitung.

    https://www.bild.de/politik/ausland/politik-ausland/brexit-fans-feiern-schon-in-london-grossbritannien-verlaesst-um-mitternacht-die-68523352.bild.html

    Die große Gefahr: Es gibt keine Einigung bis Ende des Jahres. Dann kommt der harte Brexit. Bedeutet: Kein Aufenthaltsrecht für EU-Bürger in Großbritannien und umgekehrt, Zölle auf Wirtschaftsgüter, abgeschottete Grenzen.

    Bis 31. Dezember gilt aber erst einmal eine Übergangsregelung.

    Für GB würde die bedeuten : Der Sprung über die Klippe, also das wäre es dann für GB.
    Schottland würde dann sofort „rüber“ gehen zur EU, und GB wäre dann „klinisch tot“.

    Und der Key ist die EZB, wenn man im September 2020 (endlich) loslege sollte…. die Amis danach sowiso…

    Da hier ist immer noch Lehman… !

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    Lausi

    1. Februar 2020 21:07 at 21:07

    Die Frage ist, in wieweit sich die Aktienmärkte von der konjunkturellen Entwicklung abkoppeln können, und in wieweit die Zentralbanken Einfluss auf die Konjunktur haben. Die berühmte Hundeleine wird sicherlich nicht unendlich lang sein…

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    Hesterberg

    2. Februar 2020 01:11 at 01:11

    Wo ist Sven? Fahnenstangen-Sven könnte hier sicher Aufklärung liefern und alle Argumente entkräften. Ich will mich einmal an seiner Stelle versuchen.

    Die Fed hat doch letztlich unbegrenzte Feuerkraft. Sie kann die Zinsen nicht nur sofort auf null, sondern auch sofort auf -2,5% senken. Sie kann alle(!) amerikanischen Aktien, die die Märkte verkaufen, sofort selbst wieder kaufen und somit jeden US-Aktiencrash verhindern. Sie kann sogar darüber hinaus noch weitere Aktien kaufen, so dass die US-Indizes monatlich um 5% steigen. Das hätte zur Folge, dass alle Marktteilnehmer wieder all in gehen müssten, weil sie sonst nicht mehr dabei wären. Und es hätte weiter zur Folge, dass alle Investoren in den US-Aktienmarkt umschichten und nur die Aktienmärkte aller anderen Länder crashen würden. Die Fed könnte dann aus allen Hilfen komplett aussteigen und ihre Bilanz zurückfahren, weil die Entwicklung zur größten Party aller Zeiten sich selbst trägt. Die Fed kann auch Gold kaufen so viel sie will und natürlich kann sie auch alle Frachtschiffe weltweit anmieten und den Baltic Dry Index innerhalb von Tagen auf Allzeithoch bringen und so weiter und so fort. Die Fed kann alles kaufen und stützen und wenn Gesetze dem entgegenstehen, werden sie eben geändert oder aufgehoben.

    China und Europa wären am Ende und die USA für mindestens weitere 100 Jahre die Nummer 1 und Donald Trump würde als erster US-Präsident auf Lebenszeit ernannt werden.

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    Beobachter

    2. Februar 2020 11:36 at 11:36

    @ Nico,ich habe mit sehr tiefen Hypozinsen sehr stark vom Notenbankzauber profitiert u.werde dies noch mindestens 10bis 15 Jahre tun. ( Festhypotheken) Für 80 bis 90% der Bevölkerung, die in 10 oder 20Jahren mit stark fallenden Altersrenten leben müssen wird das Märchen nicht mehr so märchenhaft aussehen u.sich in Wirklichkeit als grösste je dagewesene Umverteilung entpuppen.

    • Avatar

      Nico

      2. Februar 2020 12:11 at 12:11

      @Beobacter. Sie tun ja so, als ob es den Deutschen verboten sei, Aktien für die Altersvorsorge zu erwerben. So wie viele Staatsfonds es tun. Selbst nach einem 2020-er oder 2021-er Crash könnte man billiger einsteigen und aufbauen. Aber viele Bären halten Aktien für Teufelszeug, welche bald ins Uferlose stürzen und sich nie mehr erholen. Wenn die Weltwirtschaft so kollabiert, haben Sie mit keiner anderen Anlage Glück. Auch nicht mit Gold, denn dessen Besitz würde dann sicher verboten werden.

      • Avatar

        tomgala

        3. Februar 2020 00:03 at 00:03

        In einer stofflich begrenzten Welt ist ein unbegrenztes Wachstum absurd.
        Aus diesem Grund können Aktien nicht Gewinnbasiert unbegrenzt steigen.

  8. Avatar

    Fetttony

    2. Februar 2020 15:46 at 15:46

    Chinesen pumpen bereits ordentlich Monetas rein

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    Torsten

    3. Februar 2020 07:08 at 07:08

    Dow Future 200 Punkte vorbörslich im Plus, Aktuell 361 Tote durch Corona Virus ( erwartet 380 ). Besser als erwartet!

    *Satire*

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    Satiri

    3. Februar 2020 10:05 at 10:05

    @ Torsten,Bei Aktienrückkäufen steigen die Aktienkurse weil sich die Gewinne auf weniger Anteile verteilen.
    LOGIK: Wenn eine Epidemie ein Teil der Bevölkerung dahinrafft steigt das Vermögen pro Kopf der Überlebenden . Somit könnte das positiv für die Aktienkurse sein. ( auch Satire))
    Tesla ist wieder einmal eine Ausnahme, bei Rückgang der Verkäufe = weniger Verlust = höhere Kurse
    ( keine Satire)

    • Avatar

      Torsten

      3. Februar 2020 10:51 at 10:51

      Tesla- also weniger Umsatz, weniger Verlust , höherer Kurs

      mathematisch bedeutet ( Limes ) das bei Null Umsatz, Null Verlust , Tesla Aktie könnte dann Unendlich viel Wert sein

      ( Satire )

      :)

  11. Avatar

    Marko

    3. Februar 2020 15:37 at 15:37

    „Noch ist die überwiegende Mehrheit der Marktteilnehmer für die Aktienmärkte optimistisch. Die Portfolios weisen geringe Cashbestände auf und sind kaum abgesichert. Die Bewertungen sind historisch hoch, und das, obwohl knapp 40 Prozent der US-Unternehmen Verluste produzieren.“

    Wenn ich das hier sage, muss (!!!) ich sagen, die Anleinemärkten sind NICHT manipuliert…

    So, Thema beendet, liebe Bären.

    BTW, . wohin soll der Bufu noch steigen, Minuszinzen um die 3 % …? vielleicht – 6 %, – 10 % … ?? , an Sie , die Wahl.. ?

    Macht Euch doch nicht lächerlich ?

    Ja…. ich weiß, das ist eine „Bärenseite“, aber : man kann es auch übertreiben.. ?

    Vg

    marko

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    DAX 15000

    3. Februar 2020 18:58 at 18:58

    @Marko, ich finde deine erfrischenden Kommentare u.kritischen Anmerkungen sehr gut.Leider hat auf dieser Bärenseite niemand den Mut u,das Wissen dir kompetente Anrworten zu geben.

  13. Avatar

    Lausi

    3. Februar 2020 19:46 at 19:46

    @ DAX 15000: Für kompetente Antworten muss man erstmal den kryptischen Schreibstil von Bufu-Marko verstehen. Ich habe da so meine Schwierigkeiten – vor allem mit seinen unendlich vielen Fragezeichen. Aber schön, dass es auf FMW auch Bullen bzw. konträre Meinungen gibt – sonst wäre es ja total langweilig. Und was den Bufu betrifft weiß ich nur eins – wenn die Konjunktur abschmiert geht der Bufu hoch. Das reicht mir für’s Long-Gehen.

  14. Avatar

    DAX 15000

    3. Februar 2020 21:02 at 21:02

    @ Lausi, ich oute mich mit meinem vorigen Kommentar,der als Witz -Kommentar gedacht war.Ich verstehe Marko auch nicht, der schreibt in einer anderen Liga.Die unermüdlichen Bullen bereichern die Plattform in dem Sinne, dass sie einige lustige Namen kreierten.
    So der Fahnenstangen Sven, der Bufu-Marko, der Betongoldi, der Wischi-Waschi Bär, lustig wird’s aber erst wenn der Zimmermann bei einem Crash endlich zum Buhmann wird.

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Immobilien: Nach der Coronakrise wird es einen Gewinner geben!

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Mieter von gewerblichen Immobilien sind wohl die Gewinner nach der Krise

Alle Bereiche des Lebens und der Wirtschaft sind derzeit von der Coronakrise betroffen, so auch die Immobilien. So hört man die letzten Tage, dass zahlreiche gewerbliche Großmieter wie Adidas, Deichmann und Co einfach Mietzahlungen für ihre Ladengeschäfte aussetzen. Aber wie wird die Lage bei Immobilien nach der Coronakrise aussehen? Wird alles weitergehen wie bisher? Ich möchte hier ein Szenario besprechen, dass nicht mit hundertprozentiger Garantie so eintreten muss. Aber die im folgenden Text beschriebene Auswirkung der Coronakrise auf die Branche scheint mir logisch.

Die Lage am Markt für Immobilien wird sich nach der Krise ändern

Bislang war es so: Die Eigentümer von Immobilien waren die Gewinner. Egal ob gewerblich oder privat, wer besitzt und vermietet, konnte jahrelang immer höhere Mieten kassieren. Und die jahrelange Flutung der Märkte mit Notenbankgeld und die abgeschafften Zinsen trieben Assets wie Aktien und Immobilien immer weiter nach oben. Die Käufer von Wohnungen und Projektentwickler von Gewerbeimmobilien mussten immer höhere Grundstückspreise und Erstellungskosten zahlen – und waren somit gezwungen die Mietpreise immer weiter hochzuschrauben, wenn sie denn noch eine nennenswerte Rendite auf ihren Kapitaleinsatz erzielen wollten. Aber jetzt wird sich einiges ändern. Womöglich nicht für private Mieter.

Aber die Mieter von Gewerbeimmobilien im Bereich Einzelhandel und in der Gastronomie, die werden nach der Coronakrise die großen Gewinner sein. Natürlich meine ich diejenigen Mieter, die diese aktuelle Durststrecke finanziell überleben werden, und auch danach ihre Cafes, Restaurants und Bekleidungsgeschäfte weiter betreiben. Bisher war es so: Der Immobilien-Eigentümer konnte bei Auslauf des Mietvertrags für den nachfolgenden Zeitraum stets kräftige Mietpreissteigerungen verlangen. Aber was passiert jetzt? Selbst nach gigantischen Rettungspaketen und KfW-Kreditprogrammen werden zahlreiche Gastronomen und Bekleidungsgeschäfte nicht überleben. By the way… viele kleine Unternehmer werden diese Kredite wohl gar nicht erhalten (mehr dazu hier). Entweder gehen zahlreiche Unternehmer in den nächsten Monaten pleite, oder dank der KfW-Kredite werden sie vielleicht erst in einem Jahr überschuldet aufgeben und ihren Laden dicht machen.

Angebot und Nachfrage

Dadurch, dass zahlreiche dieser Mieter aus dem Markt ausscheiden, verschiebt sich das Machtgefüge zwischen Mietern und Vermietern bei Immobilien im gewerblichen Bereich. Es wird viel Leerstand geben. Die Entwicklung hatte ja schon vor der Coronakrise in Innenstädten und Einkaufszentren eingesetzt. Zu viel Fläche, zu hohe Ladenmieten und immer mehr Online-Konkurrenz machen den Mietern schon seit Jahren zunehmend das Leben schwer. Nach und nach gaben einige auf und machten ihre Läden dicht. Dieser Trend wird nun durch die Coronakrise massiv beschleunigt werden. Der Leerstand wird deutlich zunehmen. Und die Eigentümer der Flächen werden auf einmal den bestehenden Mietern entgegenkommen. Ja, diese Prognose wage ich, auch wenn ich selbst kein Experte für Immobilien bin. Es geht um das Grundprinzip von Angebot und Nachfrage.

Mieter werden nach Auslauf der Verträge womöglich günstigere Anschlussverträge aushandeln können, weil die Vermieter sehen, wie links und rechts schon Flächen leer stehen. Da hat man Angst seinen noch vorhandenen Bestandsmieter zu verlieren, denn der hat nun die freie Auswahl. Und ganz schnell werden wohl auch die Neuvermietungspreise für Flächen im gewerblichen Bereich purzeln. Wer also die Coronakrise finanziell überlebt, und/oder wer nach der Krise ganz neu mit einer Geschäftsidee im Einzelhandel oder in der Gastronomie startet, der wird womöglich spürbar geringere Mietkosten erwarten dürfen, oder aushandeln können! Vielleicht noch nicht Ende April oder im Mai. Aber wohl in sechs Monaten, wenn nach und nach andere Gewerbemieter pleite gehen und ihre Läden dicht machen. Die letzten Tage haben Restaurantketten wie Maredo und Vapiano bereits Insolvenz angemeldet. Ob und wie viele dieser Läden fortbestehen werden nach einer möglichen Restrukturierung? Unklar, aber die Pleitewelle wird wohl kommen. Was man jetzt in Einzelfällen sieht, ist erst der Anfang.

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Schwellenländer drohen durch die Pandemie im Chaos zu versinken

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Christus-Statue in Rio - Schwellenländer hart getroffen durch Pandemie

Aufgrund ihrer wirtschaftlichen Bedeutung schauen die Märkte zur Zeit vor allem auf die dramatischen Entwicklungen in den USA und Europa. Doch für die Schwellenländer, die bereits vor der Pandemie angeschlagenen waren, droht nun der ökonomische Super-GAU.

Schwellenländer leiden bereits unter dem Abzug von Kapital

Wie wir schon vor der Pandemie berichteten, bewegten sich wichtige Schwellenländer bereits vor der Pandemie in schwerem Fahrwasser. Einige Länder, wie Argentinien, Brasilien, die Türkei, Venezuela, Südafrika oder Chile haben bereits Schlagseite. Die sich jetzt bereits in Ansätzen abzeichnenden globalen Verwerfungen drohen diese Staaten ökonomisch zum Kentern zu bringen. Die Schwellenländer sind besonders abhängig von Mittelzuflüssen aus den Industriestaaten und reagieren in einer Krise wie jetzt sehr sensibel auf eine Umkehr der Kapitalströme. Doch genau das passiert bereits, wie das Institute of International Finance (IIF) berichtet: Seit Ende Januar 2020 sind 95 Mrd. USD aus Aktien und -Anleihen der Emerging-Markets von ausländischen Investoren abgezogen worden.

Damit sind in dieser relativ kurzen Zeitspanne deutlich mehr Gelder rapatriiert worden als in der Finanzkrise ab September 2008. Die Kapitalflucht der Investoren aus Nordamerika und Europa aus den Schwellenländer-Märkten ist in weltweit unruhigen Zeiten ein bekanntes Phänomen. Gerade dann stellen stark überschuldete und politisch instabile Länder ein besonderes Verlustrisiko dar, das es zu meiden gilt. Kommt es zeitgleich zu Turbulenzen an den großen Finanzmärkten in New York, Tokio und London, wird die Liquidität dringend zu Hause benötigt, um Vermögenslöcher zu stopfen oder Margin-Calls zu bedienen.

Für eine Pandemie schlecht gewappnet

Im speziellen Fall der COVID-19-Pandemie befürchten die Investoren wahrscheinlich zu Recht, dass die Gesundheits- und Sozialsysteme einiger Schwellenländer mit der Seuche überfordert sein könnten. Eine Befürchtung, die in Indien bereits Realität ist. Dort sind soziale Sicherungssysteme kaum vorhanden, das Gesundheitssysteme ist extrem fragil und die Bevölkerungsdichte sehr hoch. Die jetzt eingeleiteten Maßnahmen zum Schutz der Menschen verursachen Chaos im indischen Verkehrssystem und bringen die Menschen ohne jeden Schutz noch dichter zusammen. In Brasilien, wo das Virus mittlerweile ebenfalls angekommen ist, folgte die Regierung um Präsident Jair Bolsonaro zunächst der Strategie Londons und Washingtons und verharmloste das Virus. Jetzt rudert die Staatsführung in Brasília zurück, wahrscheinlich wie in den USA und England viel zu spät.

Die bereits getätigten und sich aktuell verstärkenden Kapitalabflüsse werden die fiskalpolitischen Möglichkeiten in den Schwellenländern stark beeinträchtigen. Zum einen wird weniger Geld für die Seuchenbekämpfung und zur Abmilderung der ökonomischen und sozialen Folgen mobilisiert werden können. Zum anderen steigen die Kosten für die Kreditaufnahme ausgerechnet jetzt deutlich an. Gleichzeitig schwinden auch die Devisenreserven, die nicht nur für die hohen Zinslasten der zum Teil hoffnungslos in US-Dollar überschuldeten Länder benötigt werden, sondern auch für den Ankauf von Schutzkleidung, Test-Kits und teuren medizinischen Geräten. Staaten wie Venezuela, Brasilien, Südafrika oder Argentinien sind zudem wichtige Rohstofflieferanten. Die Preise für natürliche Ressourcen waren in den letzten Wochen stark rückläufig, was die Ökonomien dieser Staaten zusätzlich belastet. Außerdem müssen viele Förderstätten zum Schutz der Arbeiter vorübergehend stillgelegt werden. In Südafrika für mindestens drei Wochen. Es ist daher zu befürchten, dass die Schwellenländer die Pandemie noch schwerer werden bewältigen können als die Industriestaaten.

Schwellenländer bekommen den Stress im Finanzsystem zu spüren

Seit Mitte März bekommen die Schwellenländer die Krise bereits an den Finanzmärkten zu spüren. Die Zinsaufschläge, die Entwicklungsländer aktuell gegenüber zehnjährigen US-Staatsanleihen zahlen müssen, sind seitdem stark angestiegen. Besonders hart trifft es die Ukraine. Der osteuropäische Pleitestaat muss nun statt 400 Basispunkten Zinsaufschlag über 1.200 Basispunkte mehr bezahlen. Der Risikoaufschlag türkischer Staatsanleihen hat sich von 352 Anfang März auf aktuell über 700 erhöht. Russland steht trotz des Ölpreisverfalls mit 350 Basispunkten aufgrund der niedrigen Staatsverschuldung von lediglich 12,5 Prozent des BIP noch vergleichsweise gut da. Deutlich dramatischer stellt sich die Lage für den afrikanischen Ölproduzenten Nigeria dar, der nach einer Verdreifachung der Zinsaufschläge nun ebenfalls bei über 1.200 Basispunkten Zinsaufschlag gegenüber US-Anleihen angekommen ist. Auch Südafrika ist mit in den Aufwärtssog bei den Renditen geraten und muss aktuell 1.120 Basispunkte Zinsaufschlag bezahlen. Argentinien, dass seinen Schuldendienst bereits ausgesetzt hat, ist sogar gezwungen, für seine stark ausfallgefährdeten Anleihen (S&P-Rating: CCC-) Mehrkosten in Höhe von 2.640 Basispunkten am Kapitalmarkt zu akzeptieren. Das Land ist bereits de facto bankrott.

Die Kapitalflucht und die steigenden Risikoprämien werden auch in den Währungsentwicklungen der Schwellenländer sichtbar. Seit der verstärkten Ausbreitung des SARS-CoV-2-Virus Anfang Februar über die Landesgrenzen Chinas hinaus, kam es auch an den Devisenmärkten zu heftigen Bewegungen. Der mexikanische Peso verlor seitdem 23 Prozent, der russische Rubel über 20 Prozent (was übertrieben scheint), der argentinische Peso von niedrigem Niveau aus nochmals 5 Prozent und der südafrikanische Rand 16 Prozent.

Fazit und Möglichkeiten der Stabilisierung

Die bereits sichtbaren Folgen für die Schwellenländer sind wahrscheinlich nur der Beginn schwerer ökonomischer, sozialer und politischer Verwerfungen. In den kommenden Wochen und Monaten könnten sich die Turbulenzen infolge der Rezession in den USA und Europa, der zunehmenden Anzahl von COVID-19-Fällen auch in den Schwellenländern, einer fortschreitenden Unterbrechung der Lieferketten und einer sinkenden Nachfrage nach Rohstoffen, Waren und Dienstleistungen noch vergrößern. Der für viele Entwicklungsländer als Devisenquelle enorm wichtige Tourismus ist bereits weitgehend kollabiert.

Ein Großteil der Schwellenländer hat keine ausreichenden Rückstellungen oder fiskalischen Spielräume, um die heimische Wirtschaft mit großen Konjunkturpaketen á la USA oder Deutschland zu unterstützen. Würde die Zentralbank Argentiniens vergleichbar der US-Notenbank Fed eine staatliche Schuldensause von 10 Prozent des BIP durch Gelddrucken finanzieren, würde sich der Restwert des argentinischen Peso in Luft auflösen. Der makroökonomische Handlungsspielraum der Schwellenländer ist generell im Vergleich zu fortgeschrittenen Volkswirtschaften aufgrund der begrenzten Glaubwürdigkeit ihrer Währungen stark limitiert. Selbst Staaten mit niedriger Verschuldung, wie Russland, bekommen dies bereits durch die massive Abwertung ihrer Währung zu spüren. Daher sind die Schwellenländer auf externe Hilfe mittels harter Devisen angewiesen.

Die Fed hat diesem Bedürfnis bereits Rechnung getragen und ihre Dollar-Swap-Linien geografisch stark ausgeweitet und bietet nun auch Entwicklungsländern über diesen Weg einen Zugang zu US-Dollar-Liquidität. Bereits 80 Länder haben zudem den Internationalen Währungsfonds (IWF), gemäß dessen Direktorin Kristalina Georgiewa, um finanzielle Hilfe gebeten. Der supranationalen Institution stehen zur Zeit dafür 1 Billion US-Dollar zur Verfügung. Dieser Betrag muss dringend in Anbetracht der Vielzahl der Hilfegesuche aufgestockt werden.

Auf Ebene der G20-Staaten wurde beim jüngsten virtuellen Sondergipfel ebenfalls über Hilfen für Entwicklungsländer diskutiert – allerdings sehr abstrakt. So sollen Handelsbeschränkungen abgebaut und die Entwicklungshilfe ggf. aufgestockt werden. Dem Rest der Welt sollten die Schwellenländer nicht egal sein. Wenn diese im Zuge der jetzt bevorstehenden Weltrezession noch tiefer in finanziellem Chaos versinken, würde dies für die gesamte Weltwirtschaft einen zusätzlichen Schock bedeuten. Eine schnelle wirtschaftliche Erholung exportorientierte Länder wie Deutschland nach dem Abebben der Pandemie wäre dann unwahrscheinlich.

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Dirk Müller über die dramatischen Folgen der Corona-Krise

„Unser Finanzsystem hat fertig“

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Die Corona-Krise nimmt immer dramatischere Foolgen für die Wirtschaft an – der Einbruch ist heftiger als in der Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929, sagt Dirk Müller. Eigentlich sollte „Mr. Dax“ bei einer Finanzmesse auftreten – aber da das aufgrund der Corona-Krise nicht möglich ist, hielt Dirk Müller seinen Vortrag von zuhause aus per Video.

Corona-Krise schlimmer als Weltwirtschaftskrise 1929

Der Crash der Aktienmärkte passierte sogar schneller als in der Weltwirtschaftskrise der Jahre 1929 (und folgende). Und das wird bedeuten, dass da viele Finanz-Player erwischt wurden – daher sind viele Pleiten im Finanzsektor wahrscheinlich, von denen wir in den nächsten Wochen und Monaten erfahren werden. Das gilt auch und vor allem für Banken – Dirk Müller erwartet daher Banken-Pleiten. Wenn aber Banken pleite gehen, werden auch die Gelder auf deren Konten in Gefahr sein, sagt Dirk Müller – denn faktisch ist ein Kontoguthaben bei einer Bank eine Art Kredit, den man der Bank gibt.

Dirk Müller über den Crash des Kreditsystems

„Unser Finanzsystem hat fertig“, so Dirk Müller – wir erleben jetzt einen reset des Systems. Das Coronavirus sei nur der Auslöser für diesen reset – und die Ausrede zugleich, warum eben dieser „reset“ nun vermeintlich nötig sei. Bisher haben die Notenbanken es nicht geschafft, die Märkte zu beruhigen, was aber eigentlich durch das „plunge protection team“ der Amerikaner möglich gewesen, aber eben nicht erfolgt sei, meint Dirk Müller.

Das eigentliche Problem könnten die Notenbanken so oder so nicht lösen, so „Mr. Dax“: den „Credit Crunch„. Alle brauchen nun Liquidität, um Kredite und Zahlungsverpflichtungen zu erfüllen. Cash ist King im deflationären Schock.

Dirk Müller über die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Gesellschaft

Was fast noch schlimmer ist: die Menschen haben Angst um ihre Jobs und damit um ihre Zukunft. Dazu kommt noch die Angst um die Gesundheit der eigenen Familie – Müller spricht daher von einer so noch nie dagewesenen „Angstkombination“, die massive und bisher unkalkulierbare Auswirkungen auf die psychische Verfassung der Gesellschaft haben dürfte. Es könne daher zu sehr häßlichen Szenen kommen, die wir bisher nicht für möglich halten. Diese „Angstkombination“ in der Gesellschaft verstärke dann die Neigung der Menschen, Sündenböcke zu suchen – vielleicht die Flüchtlinge, die mit der einheimische Bevölkerung etwa um Arztbesuche konkurrieren?

Sehen Sie hier das Szenario von Dirk Müller über die Auswirkungen der Corona-Krise:

Dirk Müller über die Folgen der Corona-Krise

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