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Aktienmärkte: Der Lackmustest für den Fed-Put

Hannes Zipfel

Veröffentlicht

am

Downtown Manhattan in New York

Die relative Gelassenheit der Marktteilnehmer im aktuellen Umfeld hat einen entscheidenden Grund: das geldpolitische Sicherheitsnetz, das die Notenbanken weltweit unter die Aktienmärkte gespannt haben. Doch wird es halten?

Der Aufwärtstrend der Aktienmärkte gerät in Gefahr

Noch sind die Verluste beim S&P 500 in Anbetracht der heraufziehenden wirtschaftlichen Risiken äußerst moderat. Der US-Leitindex hat zwar mit dem recht dynamischen Kursrückgang am Freitag seinen kurzfristigen Aufwärtstrend nach unten gebrochen, aber mehr als Gewinnmitnahmen sind das noch nicht. Erst am 22. Januar erreichte der heimliche Weltleitindex mit in der Spitze 3.338 Punkten den höchsten Stand aller Zeiten. Seitdem korrigierten die Kurse der größten 500 US-Aktiengesellschaften lediglich um gut drei Prozent.

Lackmustest für Aktienmärkte? S&P 500 Chart

Etwas deutlicher fielen die Kursrückgänge in den letzten Tagen in Europa und Asien aus. Die Marktteilnehmer zeigten hier schon erste Anzeichen von latenter Panik. Der deutsche Leitindex DAX 30 verlor von der Spitze bei 13.640 Punkten ganze 700 Punkte, also gut fünf Prozent (hier geht es zum 1 x 1 der Geldanlage). Gleichzeitig durchbrach der Index die psychologisch relevante Marke von 13.000 Punkten. Im längerfristigen Bild sieht es nun zumindest kurzfristig nach einer Doppeltopbildung aus. Vor genau zwei Jahren hatte der DAX sein bis dahin höchstes Niveau bei in der Spitze 13.600 Punkten erreicht, das er nun wieder deutlich unterschritten hat.

Dax Chart

Aktienmärkte in den USA verlassen sich auf Uncle Sam

Noch scheint den Marktteilnehmern nicht bewusst zu sein, welch signifikante Folgen die durch die Coronavirus-Epidemie bedingte Abschottung der zweitgrößten Volkswirtschaft und „Werkbank“ der Welt für die globale Konjunktur hat. Noch ist die überwiegende Mehrheit der Marktteilnehmer für die Aktienmärkte optimistisch. Die Portfolios weisen geringe Cashbestände auf und sind kaum abgesichert. Die Bewertungen sind historisch hoch, und das, obwohl knapp 40 Prozent der US-Unternehmen Verluste produzieren. Der sehr marktbreite Wilshire 5.000 Total Market Index wird aktuell mit dem 1,5-Fachen des US-BIP bewertet. Das ist das höchste Ratio seit Beginn der Datenaufzeichnung im Jahr 1971.

Doch das Vertrauen in die im Sinne der Aktienmärkte alles kontrollierende US-Notenbank Fed ist vor allem in den USA noch voll intakt. Zumal auch der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika höchst persönlich über den Zustand des Aktienmarkts wacht und immer ein Auge auf den Stand seines Lieblingsindex Dow Jones Industrial Average hat. Sollte es in den kommenden Handelstagen zu heftigeren Kurseinbrüchen im insgesamt zweistelligen Prozentbereich kommen oder der Handel sogar an einem Tag „Limit-Down“ ausgesetzt werden, dann, so die Erwartung, würden der Präsident Donald J. Trump zusammen mit dem Fed-Chef Jerome „Jay“ Powell sofort zugunsten der Aktienmärkte intervenieren. Und ja, diese Hoffnung ist in Anbetracht der extremen Abhängigkeit des Konsumverhaltens und der gesamten US-Ökonomie von der Entwicklung der Vermögenspreise an den Aktienmärkten absolut berechtigt.

Wie schnell greift der Fed-Put?

Die Frage, die sich eigentlich stellt, ist nicht die, nach der realen Existenz des sogenannten Fed-Puts, sondern die, ab welcher Verlustschwelle der Fed-Put greift. Da die Aktienmärkte in den letzten Monaten nahezu senkrecht und vor allem in den USA auf ständig neue Höchststände angestiegen sind, ist die Gefahr eines Rückschlags ohnehin sehr groß – allein schon wegen der nun einsetzenden Gewinnmitnahmen.

Der für die Aktienmärkte sukzessive an Bedeutung gewinnende externe Schock durch die Coronavirus-Epidemie kann daher schnell in einen selbst für die US-Notenbank unkontrollierbaren Sell-Off münden. Daher ist die aktuelle Situation so brisant, weil die Marktteilnehmer schlicht nicht wissen können, wie schnell und wie effektiv der Fed-Put zum Einsatz kommt. Wobei es mit reiner Verbalakrobatik und medialen Beruhigungspillen vom Präsidentenberater Larry Kudlow, wie am Donnerstagabend, nicht getan sein dürfte. Da müssen schon Aktionen vom Kaliber Liquiditätsflutung oder Stützungskäufe via Plunge Protection Team (PPT) oder gleich Notzinssenkungen her.

Fazit und Ausblick

Die sich bereits abzeichnenden negativen ökonomischen Folgen der Coronavirus-Epidemie und die zunehmenden Gewinnmitnahmen an den Aktienmärkten können aufgrund der hohen Bewertungen schnell in Panik umschlagen. Vor allem dann, wenn nicht zeitnah Signale der Unterstützung von der US-Notenbank kommen, die den Markt stützen. In Anbetracht der Fallhöhe des Marktes und des damit einhergehenden Vernichtungspotenzials von Aktienvermögen in Billionenhöhe, wird es interessant sein zu sehen, wie schnell der Fed-Put greift und ob er ausreicht.

18 Kommentare

18 Comments

  1. Avatar

    Beobachter

    1. Februar 2020 17:54 at 17:54

    Aktien sollten nach 400 bis 700% Gewinn eine kleine Korrektur aushalten ,aber wer entschärft die BBB- Bomben u.
    die High Yield – Anleihen bei einem Wirtschaftsrückgamg ?
    Aktien oder Unternehmensanleihen oder beides wird kollabieren u.Staatsanleihen könnten noch mehr steigen.
    Das Märchen von TinA wäre dann auch wieder zu Ende.

    • Avatar

      Nico

      2. Februar 2020 08:58 at 08:58

      @Beobachter. Was heißt denn hier (TINA) = Märchen? Das ist doch seit Jahren Fakt. Märchen wird nur jemanden behaupten, der nicht davon profitiert hat. Auch wenn TINA irgendwann zu Ende gehen muss.

  2. Avatar

    PK

    1. Februar 2020 18:29 at 18:29

    ein nahezu 100% Short wäre es, wenn die FED interveniert und der Markt nach einer Erholung ein neues Low markiert. Bis dahin ist es mit Short in der Tat bisserl riskant, weil völlig klar ist, daß Trump und FED mitspielen werden.

  3. Avatar

    schwarze_pille

    1. Februar 2020 20:05 at 20:05

    Die Märkte können eigentlich nur hoffen, dass die Regierungen passiv bleiben. Die chinesische reißt bei sich gerade die Wände runter.

  4. Avatar

    Marko

    1. Februar 2020 20:40 at 20:40

    Na ja Herr Zipfel, von Euphorie ist bei dem ganzen Kuddelmudelle nix zu sehen .

    Hier mal was zum Brexit, die Bild-Zeitung.

    https://www.bild.de/politik/ausland/politik-ausland/brexit-fans-feiern-schon-in-london-grossbritannien-verlaesst-um-mitternacht-die-68523352.bild.html

    Die große Gefahr: Es gibt keine Einigung bis Ende des Jahres. Dann kommt der harte Brexit. Bedeutet: Kein Aufenthaltsrecht für EU-Bürger in Großbritannien und umgekehrt, Zölle auf Wirtschaftsgüter, abgeschottete Grenzen.

    Bis 31. Dezember gilt aber erst einmal eine Übergangsregelung.

    Für GB würde die bedeuten : Der Sprung über die Klippe, also das wäre es dann für GB.
    Schottland würde dann sofort „rüber“ gehen zur EU, und GB wäre dann „klinisch tot“.

    Und der Key ist die EZB, wenn man im September 2020 (endlich) loslege sollte…. die Amis danach sowiso…

    Da hier ist immer noch Lehman… !

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    Lausi

    1. Februar 2020 21:07 at 21:07

    Die Frage ist, in wieweit sich die Aktienmärkte von der konjunkturellen Entwicklung abkoppeln können, und in wieweit die Zentralbanken Einfluss auf die Konjunktur haben. Die berühmte Hundeleine wird sicherlich nicht unendlich lang sein…

  6. Avatar

    Hesterberg

    2. Februar 2020 01:11 at 01:11

    Wo ist Sven? Fahnenstangen-Sven könnte hier sicher Aufklärung liefern und alle Argumente entkräften. Ich will mich einmal an seiner Stelle versuchen.

    Die Fed hat doch letztlich unbegrenzte Feuerkraft. Sie kann die Zinsen nicht nur sofort auf null, sondern auch sofort auf -2,5% senken. Sie kann alle(!) amerikanischen Aktien, die die Märkte verkaufen, sofort selbst wieder kaufen und somit jeden US-Aktiencrash verhindern. Sie kann sogar darüber hinaus noch weitere Aktien kaufen, so dass die US-Indizes monatlich um 5% steigen. Das hätte zur Folge, dass alle Marktteilnehmer wieder all in gehen müssten, weil sie sonst nicht mehr dabei wären. Und es hätte weiter zur Folge, dass alle Investoren in den US-Aktienmarkt umschichten und nur die Aktienmärkte aller anderen Länder crashen würden. Die Fed könnte dann aus allen Hilfen komplett aussteigen und ihre Bilanz zurückfahren, weil die Entwicklung zur größten Party aller Zeiten sich selbst trägt. Die Fed kann auch Gold kaufen so viel sie will und natürlich kann sie auch alle Frachtschiffe weltweit anmieten und den Baltic Dry Index innerhalb von Tagen auf Allzeithoch bringen und so weiter und so fort. Die Fed kann alles kaufen und stützen und wenn Gesetze dem entgegenstehen, werden sie eben geändert oder aufgehoben.

    China und Europa wären am Ende und die USA für mindestens weitere 100 Jahre die Nummer 1 und Donald Trump würde als erster US-Präsident auf Lebenszeit ernannt werden.

  7. Avatar

    Beobachter

    2. Februar 2020 11:36 at 11:36

    @ Nico,ich habe mit sehr tiefen Hypozinsen sehr stark vom Notenbankzauber profitiert u.werde dies noch mindestens 10bis 15 Jahre tun. ( Festhypotheken) Für 80 bis 90% der Bevölkerung, die in 10 oder 20Jahren mit stark fallenden Altersrenten leben müssen wird das Märchen nicht mehr so märchenhaft aussehen u.sich in Wirklichkeit als grösste je dagewesene Umverteilung entpuppen.

    • Avatar

      Nico

      2. Februar 2020 12:11 at 12:11

      @Beobacter. Sie tun ja so, als ob es den Deutschen verboten sei, Aktien für die Altersvorsorge zu erwerben. So wie viele Staatsfonds es tun. Selbst nach einem 2020-er oder 2021-er Crash könnte man billiger einsteigen und aufbauen. Aber viele Bären halten Aktien für Teufelszeug, welche bald ins Uferlose stürzen und sich nie mehr erholen. Wenn die Weltwirtschaft so kollabiert, haben Sie mit keiner anderen Anlage Glück. Auch nicht mit Gold, denn dessen Besitz würde dann sicher verboten werden.

      • Avatar

        tomgala

        3. Februar 2020 00:03 at 00:03

        In einer stofflich begrenzten Welt ist ein unbegrenztes Wachstum absurd.
        Aus diesem Grund können Aktien nicht Gewinnbasiert unbegrenzt steigen.

  8. Avatar

    Fetttony

    2. Februar 2020 15:46 at 15:46

    Chinesen pumpen bereits ordentlich Monetas rein

  9. Avatar

    Torsten

    3. Februar 2020 07:08 at 07:08

    Dow Future 200 Punkte vorbörslich im Plus, Aktuell 361 Tote durch Corona Virus ( erwartet 380 ). Besser als erwartet!

    *Satire*

  10. Avatar

    Satiri

    3. Februar 2020 10:05 at 10:05

    @ Torsten,Bei Aktienrückkäufen steigen die Aktienkurse weil sich die Gewinne auf weniger Anteile verteilen.
    LOGIK: Wenn eine Epidemie ein Teil der Bevölkerung dahinrafft steigt das Vermögen pro Kopf der Überlebenden . Somit könnte das positiv für die Aktienkurse sein. ( auch Satire))
    Tesla ist wieder einmal eine Ausnahme, bei Rückgang der Verkäufe = weniger Verlust = höhere Kurse
    ( keine Satire)

    • Avatar

      Torsten

      3. Februar 2020 10:51 at 10:51

      Tesla- also weniger Umsatz, weniger Verlust , höherer Kurs

      mathematisch bedeutet ( Limes ) das bei Null Umsatz, Null Verlust , Tesla Aktie könnte dann Unendlich viel Wert sein

      ( Satire )

      :)

  11. Avatar

    Marko

    3. Februar 2020 15:37 at 15:37

    „Noch ist die überwiegende Mehrheit der Marktteilnehmer für die Aktienmärkte optimistisch. Die Portfolios weisen geringe Cashbestände auf und sind kaum abgesichert. Die Bewertungen sind historisch hoch, und das, obwohl knapp 40 Prozent der US-Unternehmen Verluste produzieren.“

    Wenn ich das hier sage, muss (!!!) ich sagen, die Anleinemärkten sind NICHT manipuliert…

    So, Thema beendet, liebe Bären.

    BTW, . wohin soll der Bufu noch steigen, Minuszinzen um die 3 % …? vielleicht – 6 %, – 10 % … ?? , an Sie , die Wahl.. ?

    Macht Euch doch nicht lächerlich ?

    Ja…. ich weiß, das ist eine „Bärenseite“, aber : man kann es auch übertreiben.. ?

    Vg

    marko

  12. Avatar

    DAX 15000

    3. Februar 2020 18:58 at 18:58

    @Marko, ich finde deine erfrischenden Kommentare u.kritischen Anmerkungen sehr gut.Leider hat auf dieser Bärenseite niemand den Mut u,das Wissen dir kompetente Anrworten zu geben.

  13. Avatar

    Lausi

    3. Februar 2020 19:46 at 19:46

    @ DAX 15000: Für kompetente Antworten muss man erstmal den kryptischen Schreibstil von Bufu-Marko verstehen. Ich habe da so meine Schwierigkeiten – vor allem mit seinen unendlich vielen Fragezeichen. Aber schön, dass es auf FMW auch Bullen bzw. konträre Meinungen gibt – sonst wäre es ja total langweilig. Und was den Bufu betrifft weiß ich nur eins – wenn die Konjunktur abschmiert geht der Bufu hoch. Das reicht mir für’s Long-Gehen.

  14. Avatar

    DAX 15000

    3. Februar 2020 21:02 at 21:02

    @ Lausi, ich oute mich mit meinem vorigen Kommentar,der als Witz -Kommentar gedacht war.Ich verstehe Marko auch nicht, der schreibt in einer anderen Liga.Die unermüdlichen Bullen bereichern die Plattform in dem Sinne, dass sie einige lustige Namen kreierten.
    So der Fahnenstangen Sven, der Bufu-Marko, der Betongoldi, der Wischi-Waschi Bär, lustig wird’s aber erst wenn der Zimmermann bei einem Crash endlich zum Buhmann wird.

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Daniel Stelter: Buchauszug über konkrete Lösungsansätze zur Coronakrise

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Typisches Bild in der Coronakrise

Diese Woche hat sich die Bundesregierung dazu entschieden, dass man die betroffenen Betriebe des zweiten Lockdowns im November mit einer Umsatzausfallzahlung unterstützen wird, und nicht mit Krediten. Genau diese jetzt beschlossene Maßnahme hatte der Buchautor und anerkannte Wirtschaftsexperte Daniel Stelter (hier finden Sie seine Webseite) schon vor Monaten im Detail erläutert und vorgeschlagen. An dieser Stelle drucken wir mit freundlicher Genehmigung einen Auszug seines hochinteressanten Buches Coronomics: Nach dem Corona-Schock: Neustart aus der Krise ab, welcher im „Campus Verlag Frankfurt/New York“ erschienen ist. Absolut empfehlenswert, nehmen Sie sich die Zeit!

Künstliches Koma für die Wirtschaft

Es mangelt nicht an Programmen, die Notenbanken und Staaten weltweit ankündigen, um die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie aufzufangen. Dabei kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Verantwortlichen die gewaltigen Schäden zwar erahnen und entsprechend großzügig und kämpferisch agieren, zu- gleich aber nicht so richtig wissen, wo sie ansetzen sollen. Einen Vorwurf kann man ihnen daraus nicht machen, ist es doch eine für uns alle neue Situation. Zwar gibt es die Lehren aus der Finanzkrise, doch diese passen nicht. Heute genügt es nicht, die Bilanzen der Banken zu sanieren – durch Kapitalzuschuss, durch Manipulation der Vermögenspreise nach oben und durch Schönen der Bücher. Stattdessen muss man echte Einnahmen ersetzen. Das ist ungleich schwerer zu organisieren und vor allem ungleich teurer.

Die Politik setzt auf Liquiditätshilfen

Die Politik setzt nicht nur in Deutschland auf Liquiditätshilfen. Als ich diese Zeilen schrieb, war Folgendes angekündigt:1

• Ein Hilfspaket von 50 Milliarden Euro für Soloselbstständige und andere Kleinstfirmen. Selbstständige und Unternehmen mit bis zu fünf Beschäftigten erhalten bis zu 9000 Euro, Selbstständige und Unternehmen mit bis zu zehn Beschäftigten erhalten bis zu 15000 Euro. Außerdem erhalten Selbstständige leichter Zugang zur Grundsicherung (Hartz IV), wobei die Vermögensprüfung für sechs Monate ausgesetzt wird.
•Anpassung der Kurzarbeiterregelung: Betroffene Unternehmen können Lohnkosten und Sozialabgaben von der Bundesagentur für Arbeit bezahlen lassen. Leiharbeitnehmer sind künftig einge- schlossen und es müssen nur zehn Prozent der Beschäftigten von Kurzarbeit betroffen sein, damit die Regelungen greifen. Zugleich wird eine Anhebung des Kurzarbeitergeldes diskutiert.
• Unbegrenztes »Milliarden-Schutzschild« für Betriebe und Unternehmen. Über ihre Hausbanken erhalten Unternehmen Zugang zu Krediten und Bürgschaften der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Dazu gründet der Staat einen »Wirtschaftsstabilisierungsfonds«, der 400 Milliarden Euro für Bürgschaften und 100 Milliarden Euro für »Kapitalmaßnahmen«, also direkte staatliche Beteiligungen, umfasst.
•Steuerstundungen auf Antrag, wenn Unternehmen »unmittelbar vom Corona-Virus betroffen sind«. Bis Ende des Jahres 2020 wird auf Vollstreckungsmaßnahmen und Säumniszuschläge verzichtet. Auch die Voraussetzungen, um Vorauszahlungen von Steuerpflichtigen anzupassen, werden »erleichtert«.

Abgesehen von den Direkthilfen für Kleinunternehmen und Selbstständige handelt es sich um Liquiditätshilfen in Form von Krediten und Staatsbeteiligungen. Diese laufen über die Hausbanken der Unternehmen, die die Finanzlage am besten kennen. Die Banken müssen jedoch bei der Vergabe der Kredite, die sie von der KfW durchreichen, darauf achten, dass der Schuldner kreditwürdig ist. Dies auch, weil sie zehn Prozent der Summe aus eigenen Mitteln ausreichen müssen. Die Folge: Es häufen sich die Probleme mit der Kreditvergabe, weil die Sicherheiten und die Ertragskraft der Unternehmen nicht ausreichen. Die Banken forderten deshalb schon Anfang April 2020 eine völlige Freistellung von den Risiken.2 Dies zu Recht, haben wir doch bereits gesehen, dass das europäische Bankensystem – und auch die deutschen Banken – durch Finanzkrise und Nullzinspolitik nachhaltig geschwächt sind.

Doch was bedeutet es, wenn Banken keine Kredite vergeben wollen, obwohl sie nur zehn Prozent des Risikos tragen sollen? Es bedeutet, dass die Banken es für äußerst unwahrscheinlich halten, dass die Unternehmen in der Lage sind, die Kredite zu bedienen. Wenn nun der Staat die Risiken zu 100 Prozent übernimmt, ändert das nichts am eigentlichen Kernproblem der Maßnahmen. Diese laufen darauf hinaus, dass die betroffenen Unternehmen Schulden machen und im Extremfall den Staat als stillen Eigentümer bekommen. Nicht selten dürften die Schulden den Unternehmer überlasten. Und wer hat schon gern den Staat als Eigentümer? Deshalb ist die rationale Entscheidung jedes Unternehmens, diesen Punkt so weit wie möglich zu vermeiden. Dies bedeutet: Kosten senken, so schnell es geht, also Entlassungen und Auftragsstornierungen, was den Abschwung verstärkt. Anders als es die Schlagzeilen zu den großen Beträgen suggerieren mögen, wirkt das Programm nicht, wie es sollte.

Ein Systemwechsel als unvermeidliche Folge?

Hinzu kommt, dass die staatliche Rettung, wenn sie in dieser Form organisiert wird, unsere Wirtschaftsordnung massiv verändert. Wir beschreiten einen Weg zu einer immer stärker staatlich dominierten Wirtschaft, was nur umso wahrscheinlicher wird, je länger die Krise andauert und je tiefer der Einbruch der Wirtschaftstätigkeit ist. Nicht wenige Beobachter sehen darin einen guten Weg, weil es ja nur richtig sei, dass der Staat als Gegenleistung für seine Hilfe einen Anteil an Unternehmen bekommt. Dabei wird gern auf die Finanzkrise Bezug genommen und angemerkt, dass es nur so möglich sei, sicherzustellen, dass wir nicht wieder eine Situation haben, in der wir Gewinne privatisieren und Verluste sozialisieren.

Diese Logik hinkt aber. Während die Unternehmen, die in der Finanzkrise in Schwierigkeiten gerieten, diese selbst zu verantworten hatten, ist es diesmal eine Krise, die alle unschuldig trifft, wenn auch unterschiedlich. Sollte hier nun der Staat zu einem wichtigen Akteur werden, so hat dies erhebliche negative Folgen:3

• Der Staat wird vor allem Großunternehmen helfen, einfach schon aus Effizienzgründen. Dabei ist das Rückgrat der deutschen Wirtschaft der Mittelstand. Diesem muss geholfen werden, und wenn dies über Kredite erfolgt, schwächt das die Unternehmen auf Jahre.
• Wettbewerbsverzerrungen sind ebenfalls zu erwarten. Unternehmen mit Staatsbeteiligung werden einen Vorteil gegenüber jenen haben, die mit eigenen Mitteln versuchen, über die Runden zu kommen. Damit werden diejenigen bestraft, die eigene Mittel in ihren Unternehmen einsetzen. So dürften die Finanzierungskosten der Unternehmen mit Staatsbeteiligung dauerhaft unter jenen der freien Wirtschaft liegen.
•Der Staat muss seine Beteiligungen kontrollieren und managen. Man darf skeptisch sein, ob es gelingt, ausreichend qualifizierte Beamte und Politiker für diese Aufgabe zu finden.
•Aus der Finanzkrise wissen wir – siehe Commerzbank –, dass es Jahrzehnte dauern kann, bis der Staat wieder aussteigt. Es droht ein Postenparadies für Politiker, was weder gut für die Unternehmen ist noch dafür spricht, dass sich der Staat schnell wieder zurückzieht.
• Auch droht der Erhalt von Unternehmen, die ohnehin keine Zukunft haben. Entweder weil sie schon vor der Corona-Krise nur dank Nullzinspolitik lebensfähig waren oder aber weil in der neuen Welt nach Corona ihre Dienstleistungen und Produkte nicht mehr wie zuvor nachgefragt werden. Ökonomen sprechen bei solchen Unternehmen von »Zombies« und der starke Anstieg des Anteils solcher Unternehmen wird als eine Ursache des Rückgangs der Produktivitätsfortschritte in den letzten Jahren gesehen.4 Eine weitere »Zombifizierung« würde das noch verstärken und so das künftige Wachstum hemmen.

Was droht, ist ein Systemwechsel durch die Hintertür. Die Öffentlichkeit steht – so zumindest das Stimmungsbild Anfang April 2020 –, hinter diesen Maßnahmen. Ohnehin zeigten Umfragen schon weit vor Corona, dass sich die Bürger eine größere Rolle des Staates wün- schen.5 Politiker träumten vom »demokratischen Sozialismus« und Enteignungen sowie Verstaatlichungen zur Verwirklichung einer »gerechten Gesellschaft«.6 Nun scheinen wir auf dem besten Weg in diese Richtung zu sein.

Hierin liegt eine enorme Gefahr, denn die Nebenwirkungen wären erheblich: zunehmende Konzentration und weniger Wettbewerb, Bevorzugung von Großunternehmen, staatliche Einflussnahme statt betriebswirtschaftlicher Effizienz. Kurzgefasst, ein Weg, der zwangs- läufig weniger Wachstum und damit Wohlstand bedeutet. Wir sollten einen anderen Weg gehen.

Ein künstliches Koma wäre die Lösung gewesen

Damit kommen wir zu der Frage, was denn zu tun wäre, um die Krise zu dämpfen und die Wiederholung der Großen Depression zu vermeiden. Die Maßnahmen müssen meiner Meinung nach am Existenzproblem der Unternehmen ansetzen, und zwar beginnend beim Einzelunternehmer und bis hin zum Weltkonzern. Das zeigt bereits, wie schwierig es für die Politik ist, sind doch Rettungsaktionen für große Unternehmen viel leichter zu organisieren als für viele kleine Unternehmer. Da kann es gut sein, dass die Hilfe zu spät kommt. Im März 2020 erklärte ich in verschiedenen Beiträgen, wie wir es machen könnten:7 Die Wirtschaft müsste in ein künstliches Koma versetzt werden. Aus der Medizin kennen wir das: »Ein künstliches Koma ist eine lange Vollnarkose, die über Tage – in seltenen Fällen über Wochen – eingesetzt wird. Mithilfe von Narkose- und Schmerzmitteln wird der Patient kontrolliert in einen Zustand versetzt, in dem Bewusstsein und Schmerz ausgeschaltet sind.«8 Bezogen auf die Wirtschaft würde das bedeuten, dass wir für eine bestimmte Zeit alles einstellen: Lohnzahlungen, Mieten, Zinszahlungen. Wir täten einfach so, als würde ein Quartal ökonomisch nicht stattfinden. Es gäbe keine Umsätze, aber es gäbe auch keine Verpflichtungen.

Beispiel Miete: Der Betreiber eines Kaffees kann die Miete nicht mehr bezahlen, weil er geschlossen hat. Der Vermieter verzichtet auf die Miete und im Gegenzug muss er keine Zinsen und keine Tilgung bezahlen und die Bank wiederum keine Löhne und keine Zinsen. Wir stellen alles ein und in drei Monaten – wenn wir annehmen, dass das Koma solange andauert – fangen wir dort an, wo wir aufgehört haben, und tun so, als hätte es die Zeit dazwischen nicht gegeben.

In diese Richtung ist die Bundesregierung gegangen, aber eben nur ein bisschen. So darf Mietern nicht gekündigt werden, wenn sie, bedingt durch den Kampf gegen COVID-19, ihre Mieten zwischen dem 1. April und dem 30. Juni nicht bezahlen können. Die Miete wird bis zum Juni 2022 gestundet. Eine Stundung ist allerdings nichts anderes als eine Art Zwangskredit des Vermieters und damit auch keine völlige Entlastung des Mieters. Zudem fehlt eine korrespondierende Entlastung des Vermieters, der ja ebenfalls finanzielle Verpflichtungen hat, beispielsweise für Zins und Tilgung. Um die Banken zu schonen, wird hier einseitig die Last auf die Vermieter verlagert, die – entgegen der allgemeinen öffentlichen Wahrnehmung – nach Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) meist mit geringen Renditen von ein bis zwei Prozent arbeiten.9

Das künstliche Koma wie oben beschrieben geht offensichtlich nur in der Theorie. In der Praxis haben wir keinen kompletten Shutdown der Wirtschaft, wir haben echte Ausgaben – zum Beispiel für Nahrungsmittel – und viele Menschen haben unabhängig von der Wirtschaftslage ein Einkommen, so Rentner.

Deshalb müssen wir uns mit den Maßnahmen in der Praxis so nah wie möglich an den Zustand des künstlichen Komas annähern. Für Menschen, die aufgrund des Virus weniger oder keine Einnahmen haben, muss es einen Ausgleich geben, der wirtschaftlich dem Gedanken des künstlichen Komas am nächsten kommt. Dieser Ausgleich muss dafür sorgen, dass es nach der Komaphase keine Schmerzen mehr gibt. Also auch keine zusätzlichen Verpflichtungen, die vor dem Koma nicht bestanden haben. Ich wiederhole es nochmals: Es muss so sein, als hätte es diese Monate nicht gegeben. Wenn nun von der Politik Liquiditätshilfen in Form von Darlehen oder direkten Beteiligungen des Staates an Unternehmen an- geboten werden, ist diese Bedingung nicht erfüllt. Wenn die Betroffenen nämlich aus dem Koma erwachen, sehen sie sich mit finanziellen Lasten konfrontiert, die sie vorher nicht hatten und die sie oftmals nicht abtragen können. Gerade Restaurants, Hotels, Reiseveranstalter und Kinos – um ein paar Beispiele zu nennen – können den verlorenen Umsatz nicht wieder wettmachen. Ein Auto mag man ein paar Monate später kaufen, aber in das Restaurant geht man nicht doppelt oder dreimal so häufig, um frühere Mahlzeiten nachzuholen.

Staatliche Umsatzausfallzahlung

Wir müssen also als Gesellschaft den Umsatzausfall ersetzen. Die künftigen Umsätze kennen wir nicht, aber wir kennen die Steuerzahler Deutschlands. Getrost dürfen wir davon ausgehen, dass nur Steuerzahler von dem Einbruch der Wirtschaft getroffen sind.
Dabei haben wir die folgenden verschiedenen Gruppen von Steuerzahlern auf Einkommen:

•Bei Arbeitnehmern wird die Lohn- und Einkommensteuer direkt an der Quelle abgezogen. Tritt Arbeitslosigkeit ein, wird Einkommen durch Sozialleistungen aufgefangen. Weitere unternehmerische Verpflichtungen sollten hier nicht bestehen, nur eventuelle private finanzielle Verpflichtungen aus Krediten.10 Hier wäre es denkbar, dass wir pauschal die Arbeitslosengelder und die Kurzarbeiterzahlungen (bereits teilweise geschehen) deutlich erhöhen. Diese sollten ab Tag eins gezahlt werden.
• Im Fall von Selbstständigen und Unternehmen, die Einkommensteuer zahlen, sind die Einkünfte der vergangenen Jahre bekannt. Das Finanzamt kennt diese aus den Steuererklärungen der vergangenen Jahre. Hier sollte das Finanzamt in jedem Monat, den die Komaphase andauert, einen Betrag in Höhe von einem Zwölftel des Jahresumsatzes des letzten verfügbaren Jahres auf das Konto des Unternehmens überweisen.
•Bei Unternehmen, die Körperschaftsteuer zahlen, wird genauso vorgegangen. Auch sie bekommen den geschätzten entgangenen Umsatz gutgeschrieben.

Entscheidend ist, dass dies ohne Antrag und ohne Bedürftigkeitsprüfung erfolgt. Alle werden so gestellt, als wäre nichts passiert. Im kommenden Jahr müssen dann alle Bürger, die Zahlungen vom Staat erhalten haben, dem Fiskus ihren Geschäftsverlauf des Jahres 2020 erklären. Davon ausgehend würden sich die folgenden Zahlungsverpflichtungen der Empfänger ergeben:

•Entspricht der erzielte Umsatz – inklusive der erhaltenen Umsatzausfallzahlungen des Staates – dem Umsatz im Jahr 2019, so behält der Empfänger die Zahlung und versteuert den sich ergebenden Gewinn.
•Liegt der erzielte Umsatz – inklusive der erhaltenen Umsatzausfallzahlungen – über dem Niveau von 2019, so ist der Teil der Ausfallzahlungen zu erstatten, der nicht erforderlich war, um das Umsatzniveau 2019 zu halten.
•Wenn ein Unternehmen einen Teil oder den gesamten Umsatzausfallzuschuss des Staates behält, darf der Gewinn ebenso wie der Umsatz nur auf dem Niveau des Vergleichsjahres liegen. Er- zielt ein Unternehmen einen höheren Gewinn, so wird die Differenz zu 100 Prozent besteuert. Damit gibt es auch einen Anreiz, Mitarbeiter nicht zu entlassen.

So oder so ist in diesem Modell der Umsatz auf dem Niveau von 2019 garantiert. Unternehmer können die Erstattung der Umsatz- ausfallzahlung umgehend leisten, wenn sie nicht auf die Zahlungen angewiesen sind; spätestens bei Abgabe der Steuererklärung für das Jahr 2020 wären die unnötig zugeflossenen Gelder zurückzuzahlen. Die Politik könnte auch einen Anreiz geben, unnötige Umsatzausfallzahlungen sofort zurückzuzahlen, zum Beispiel, indem bei Rückzahlung innerhalb eines Monats ein Skonto gewährt wird. Der Vorteil einer solchen Vorgehensweise liegt auf der Hand: Sie wirkt wirtschaftlich wie das Koma, ist einfach umzusetzen und kann im Nachhinein, wenn die Krise überwunden ist, korrigiert werden, indem jene, die die Zahlung des Staates nicht benötigen, den entsprechenden Betrag nach Abgabe der Einkommensteuererklärung erstatten müssen.

Wäre das gerecht? Im Einzelfall vielleicht nicht, in der Summe schon. Natürlich mag es Unternehmen geben, die auch ohne Corona einen Umsatzrückgang erlebt hätten. Es wird auch Fälle geben, in denen das Geld verloren ist, weil die Empfänger die Zahlungen falsch verwenden. Die korrespondierenden Beträge dürften aber relativ zum Gesamtvolumen vernachlässigbar sein. Ebenso mag die Gefahr bestehen, dass einzelne Empfänger sich über die Zahlung freuen und gar kein Interesse daran haben, zu arbeiten. Dies dürften aber vor allem Solo-Unternehmer sein – und auch diese nur in begrenzten Umfang. Unternehmer mit Angestellten und Infrastruktur – Büroräume oder Ladengeschäft – werden ei- nem solchen Modell nicht folgen, weil sie andernfalls ihr Unternehmen nachhaltig gefährden würden. Außerdem wäre der Gewinn auf dem Niveau von 2019 gedeckelt. In der Summe also ein vernachlässigbarer Punkt.

Kritiker dieses Vorschlags bemängelten, es sei nicht gut, den Unternehmen auch noch den Gewinn zu garantieren. Dieser Einwand kam von Nicht-Unternehmern, die meist keine Vorstellung davon haben, wie gering die Margen und Gewinne der meisten Selbstständigen sind. Wir haben das Beispiel des Restaurants aus Berlin gesehen. Bei einem Umsatz von rund 500 000 Euro im Jahr und immer- hin 13 Mitarbeitern bleiben den zwei Eigentümern nach Steuern jeweils nur rund 25000 Euro in der Tasche. Das ist wahrlich kein hohes Gehalt, wenn man an die erheblichen persönlichen Risiken (Haftung für Miete etc.) und die langen Arbeitszeiten denkt. Hier zu helfen, ist aus meiner Sicht gerechtfertigt.

Der entscheidende Vorteil ist, dass jedes Unternehmen weiß, welchen Umsatz es inklusive der staatlichenÜberweisung erzielt. Niemand muss sich Sorgen machen, zu viele Schulden anzuhäufen, niemand damit rechnen, dass sein Eigentum auf den Staat übergehen könnte. Vor allem ist das Verfahren unbürokratisch und transparent. Die Mitarbeiter des Finanzamts müssten sich für die Dauer der Krise auf diese Aufgabe konzentrieren.

Wir reden von einem theoretischen Maximalbetrag von 25 Prozent des deutschen BIP des Jahres, wenn wir davon ausgehen, dass die wirtschaftliche Aktivität drei Monate lang komplett brachliegt. Dem wird aber nicht so sein, weshalb wir eher mit einer Größenordnung von zehn Prozent des BIP rechnen sollten. Selbst bei 25 Prozent stiege die Verschuldung des deutschen Staates auf die Größenordnung von 90 Prozent des BIP. Dieser Satz liegt weit unter dem Niveau, das die meisten anderen EU-Staaten schon vor dem Corona-Schock zu verzeichnen hatten.

Ein »gedankliches Koma« ist effektiv und effizient

Wir haben verschiedene Probleme, die sich gegenseitig verschärfen und in der Summe zu einem sich verstärkenden Abschwung führen. Die Unternehmen wissen nicht, wie heftig und wie lange sie unter der Krise leiden werden. Sie wissen nicht, ob und wie die Hilfe des Staates wirkt, und sie fürchten die längerfristigen Konsequenzen. Wer künftig Schulden tilgen oder den Staat als Miteigentümer los- werden müsste, der setzt alles daran, erst gar nicht in diese Situation zu kommen, sondern sie zu verhindern. Also baut er Kosten um jeden Preis ab, und das verstärkt die Krise. Der Komaansatz ist im Vergleich damit besser.

Die kurzfristige Finanzierung der mit dem Komaansatzverbundenen Ausgaben ist im heutigen Nullzinsumfeld gar kein Problem. Die Bundesregierung dürfte die Gelder umsonst bekommen oder gar daran verdienen. Die langfristige Finanzierung sollten wir im Zusammenhang mit der Eurozone klären.

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Allgemein

Coronakrise: Die wirtschaftlichen Folgen des Lockdown

Markus Fugmann

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Die Coronakrise geht durch den „differenzierten Lockdown“ (O-Ton Markus Söder) in eine zweite Runde. Zwar erlebte die Wirtschaft nicht nur in Deutschland im 3.Quartal eine deutliche Erholung, aber mit den zunächst für November verfügten Maßnahmen kehrt die Coronakrise mit voller Wucht zurück. Das trifft bekanntlich die schon der ersten Welle betroffenen Branchen (Touristik, Veranstaltung, Gastronomie etc.) besonders hart – da werden auch Kompensationszahlungen der Bundesregierung nur wenig daran ändern.

Coronakrise – nach der vermeintlichen „V-Erholung“ der 2. Lockdown

Haben wir zuvor wirklich eine V-Erholung gesehen? Nicht wirklich, sagt etwa Clemens Fuest, Präsident des ifo Instituts – denn die V-Erholung in den Daten war wesentlich geprägt von der Hoffnung auf Besserung, also der Erwartungs-Komponente: Firmen werden befragt, ob es schlimmer, gleichbleibend oder besser wird. Wenn aber die Dinge schon extrem schlecht sind, sei es fast schon „mechanisch“, dass eine Besserung erwartet werde.

Was aber bedeutet nun der neue Lockdown? Fuest verweist auf die Studien, die zeigen, dass schnelle restriktive Maßnahmen zwar der Wirtschaft zunächst schaden, dann aber durch die bessere Beherrschung der Pandemie zu einer schnelleren und kräftigeren Erholung führt als in Ländern/Regionen, in denen solche Maßnahmen nicht ergriffen werden. Das gilt etwa cuh für Schweden: dort war in Gefolge der ersten Welle der Coronakrise die Wirtschaft trotz der weniger restriktiven Maßnahmen deutlich stärker eingebrochen als etwa in Norwegen, bei gleichzeitig sehr viel mehr Opfern in Schweden.

Clemens Fuest fasst in folgendem Vortrag die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise gleichsam kompakt und kompetent zusammen:

Die Coronakrise und die wirtschaftlichen Folgen des Lockdown

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Aktien

Experte Andre Stagge über die Tech-Zahlen, US-Wahl und EZB

Claudio Kummerfeld

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Der Tradingexperte Andre Stagge (hier mehr zu seiner Person) bespricht im folgenden Video mehrere aktuelle Börsenthemen. Vermutlich wird die EZB ab Dezember aktiver werden in Sachen Rettungsmaßnahmen. Gestern Abend haben die vier großen Tech-Konzerne Apple, Google, Amazon und Facebook ihre Quartalszahlen veröffentlicht. Andre Stagge weist darauf hin, dass alle vier zwar die Erwartungen bei Umsatz und Gewinn übertroffen haben – und er geht auf die Gründe ein, warum die Aktien nachbörslich nicht entsprechend positiv reagierten. Auch wirft Andre Stagge einen Blick auf die große Wahrscheinlichkeit, dass Joe Biden die US-Wahl nächste Woche gewinnen könnte.

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