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Aktienmärkte gestern: Inflation – als wäre nichts gewesen..

Das Problem der Angebotsverknappung

Vor einem Monat gab es an den Märkten das große Thema Bauholz. Der gewaltige Preisanstieg und die Verteuerung der Herstellungskosten für Häuslebauer in den USA. Aber die Lieferanten richten sich auf eine solche günstige Einnahmemöglichkeit ein. Nicht nur an den Aktienbörse korrigieren exponentielle Entwicklungen rasch.

Das große Problem für die Inflation waren aber schon zu allen Zeiten die Energiepreise, speziell für Rohöl. Aber sollte der Preis für das US-Öl noch über 70 Dollar hinaus zulegen, wie kann man da annehmen, dass Hunderte von Frackern in den USA ihre Bohrlöcher nicht wieder in Betrieb nehmen, wenn es endlich wieder eine auskömmliche Marge gibt? Noch vor zwei Jahren waren die USA der größte Ölproduzent der Welt. Ich denke, für das schwarze Gold wird sich rasch ein Gleichgewicht einstellen. Der Preis für WTI war in der Finanzkrise bis 140 Dollar gestiegen und lag auch von 2011 bis 2014 länger über 100 Dollar.

Seltsam finde ich es auch, dass man in der heutigen Zeit glaubt, dass sich Mangelzustände an den Märkten längere Zeit halten können. Wie war es denn 2020 mit der schnellsten Entwicklung aller Zeiten eines hoch komplexen Impfstoffs gegen ein Virus und dessen Produktion mit Milliarden Dosen binnen eines guten Jahres oder der Hickhack um fehlende Atemmasken? Lagern nicht bereits Abermillionen von Ihnen (leider FFP1) in einer Münchener Lagerhalle, nachdem sie von MP Markus Söder so medienwirksam in Empfang genommen worden sind? Übrigens sind die USA jetzt bereit 500 Millionen Impfdosen weiterzureichen, weil man eben absolut gesehen viel zu viele geordert hat.

Man muss kein Fan von Cathie Wood (ARK Investments) sein, um ein bisschen ihrer These zu glauben, dass viele Firmen derzeit das Mehrfache von dem bestellen, was sie aktuell benötigen, um nicht in einen Zustand der Unterversorgung zu geraten. Was das mit den Lieferketten anrichtet – zumindest für eine gewisse Zeit – ist leicht nachvollziehbar.

Sicherlich ist das Problem der Chip-Produktion weitaus schwieriger, mit der Monopolstellung von Taiwan und Südkorea. Das könnte tatsächlich länger dauern, aber hat nicht gestern Volkswagen davon gesprochen, dass sich der Chip-Nachschub im dritten Quartal bereits verbessern solle?

Ergo: Ich glaube nicht an eine längere Phase des Ungleichgewichts von Angebot und Nachfrage, schließlich sind die wirtschaftlich orientierten Firmen äußerst flexibel, wenn es um Gewinnmöglichkeiten geht, wie sie einmal in einem Jahrzehnt auftreten. Man wird produzieren, was das Zeug hält.

Fazit

Das Thema Inflation wird uns noch eine Zeit lang begleiten und es ist auch noch nicht ausgemacht, dass diese nur transitorisch sein wird. Vor allem wenn Löhne und Mieten tatsächlich stark steigen sollten. Die nächsten Monate werden es zeigen.

Aber ein Fehler wurde schon im letzten Jahr bei der Beurteilung des Anstiegs der Aktienmärkte gemacht. Man vergleicht heute die Situation mit genau vor einem Jahr, mit einer Phase, in der es einen Lockdown gab, wie noch nie in der Geschichte der Menschheit. Bei der sich bis zu vier Milliarden Menschen in die häusliche Quarantäne begeben hatten. Dafür gibt es keine Modellrechnung, alle Ökonomen müssen quasi überrascht sein, von der mathematisch begründbaren Gegenreaktion auf eine noch nie erlebt Phase, zumindest zu Lebzeiten der handelnden Akteure.

Vieles ist unvorhersehbar, aber dass es in der heutigen Zeit mit ihrer Digitalisierung, Robotisierung und Automatisierung länger dauern sollte als in früheren Dekaden, um Lieferketten wieder aufzubauen, das halte ich für wenig wahrscheinlich.

Jetzt warten wir auf die Fed-Sitzung am kommenden Mittwoch, aber es ist fast davon auszugehen, dass sich Jerome Powell verbal nicht in ein Minenfeld begeben wird.

Die größere Rückschlagsgefahr für die Aktienmärkte erwarte ich eher bei Enttäuschungen in der kommenden Berichtssaison, denn die Erwartungen für Q2 haben schon gigantische Höhen angenommen. Es könnte dies der inflationsbedingte Margendruck verursachen und zu einem „Peak Earnings“ führen.



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1 Kommentar

  1. Mit seinen beiden letzten Kommentaren hat W. Müller, auch im Gegensatz zu vielen institutionellen Investoren, die Reaktion des Marktes auf den Punkt gebracht und richtig vorausgesagt. In seinem Beitrag „Fed, Inflation, Bilanzsaison – über Peaks an den Märkten“ hatte er vorhergesagt, dass bei einer Inflationsrate bis 5% nichts passieren wird, und genau das ist eingetreten. Da wurden viele auf dem falschen Fuß erwischt. Auch wenn es scheint, als sei nicht viel los, so laufen die Märkte, jedenfalls bisher, weiter langsam nach oben.Und Korrekturen sind immer drin, das gehört einfach zum Geschäft. Wenn man das tägliche Börsenrauschen einmal ausblendet, dann bleibt TINA die Kernbotschaft. Außer bei Aktien und in gewissem Umfang auch bei ausgesuchten Immobilien ist derzeit einfach nichts zu holen, man verbrennt schlicht Geld. Wer breit gestreut investiert und mit ruhiger Hand agiert hat bereits in diesem Jahr schon über 10% „eingefahren“, keine schlechte Ausbeute wenn man an die Renditen von Anleihen jedweder Couleur denkt. Es gibt schlicht keine Alternative, das lese ich immer wieder aus den Kommentaren von Wolfgang Müller. Und damit bin ich bisher sehr gut gefahren. Wer dagegen setzt möge sich sein Portfolio ansehen.

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