Folgen Sie uns

Indizes

Aktienmärkte: Gibt es rationale Gründe für das Irrationale?

Wenn man sich die extremen Bewertungen der Aktienmärkte ansieht, so könnte man sich ernsthaft fragen: Haben die Anleger nichts aus der Vergangenheit gelernt? Eine Spurensuche

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Wenn man sich die Entwicklung der Aktienmärkte in den letzten Monaten ansieht und die daraus resultieren extremen Bewertungen, so könnte man sich ernsthaft fragen: Haben die Anleger nichts aus der Vergangenheit gelernt, trotz vieler unemotional reagierender Computersysteme? Frisst Gier immer Hirn? Oder gibt es vielleicht doch einen kleinen Unterschied zu den Bubbles der Vergangenheit? Eine kleine Ursachensuche..

Aktienmärkte, Notenbanken und die Zinslandschaft

Ohne jetzt das vielfach beschriebene Argument für den jetzigen Zustand unendlich breit treten zu wollen, ja es sind erster Linie die Notenbanken verantwortlich für ein gestörtes Verhältnis zwischen Anleihe- und Aktienmärkten, welches jahrzehntelang ein korrektives Wechselspiel darstellte, um Übertreibungen an den Märkten zu korrigieren. Wo lagen die Zinssätze bei den letzten beiden Aktienmarkt-Bubbles 2000 und 2009 in den USA? Bei 6% beziehungsweise bei 4,7%. Dies bedeutete ein KGV der Anleihen von 16,6 und 21,2, überteuerte Aktienmärkte zu meiden war damals durchaus eine renditeträchtige Option. Und heute?

Was sollen denn Vermögensverwalter tun, denen täglich Millionen Dollar an frischem Kapital auch auf verschiedensten Sparplänen von Konsumenten anvertraut wird? Was sollen sie mit dem Geld machen? Auf dem Geldmarkt parken, um dann hoffnungslos hinter passiven Märkten hinterherzulaufen?

Das wird nicht lange klappen – und der Kunde wird sein Geld abziehen. Was haben wir in den letzten Monaten sehen müssen? Pain Trades ohne Ende, nicht zuletzt wird diese Rally als die „meistgehasste“ Hausse der Aktienmärkte in der Geschichte bezeichnet. Geldverwalter, Ökonomen, Analysten und selbst der fachkundige Kleinanleger verzweifeln an einer Lage, für die es seit dem Weltkrieg keine Blaupause gibt.

Und das in zweierlei Hinsicht: Noch nie lagen die Zinsen weltweit auf einem so tiefen Niveau, mit erst kürzlich erreichten 15 Billionen Dollar an Anleihen, die mit einem Negativzins notierten. Und noch nie gingen Notenbanken so aggressiv vor und kauften Anleihen aller Güteklassen und sogar Aktien (Japan und die Schweiz).

Hier der letzte Stand der gigantischen Ausweitung der Notenbanken-Bilanzen (Quelle statista):

Europäische Zentralbank: 7684 Mrd. Dollar
Federal Reserve: 7011 Mrd. Dollar
Bank of Japan: 6305 Mrd. Dollar
Insgesamt über 20 Billionen USD und nur von drei Notenbanken.

Aktienmärkte und künftig abdiskontierte Gewinne

Damit senkten die Notenbanken nicht nur den Zins, sie zertrümmerten diese Anlageklasse sogar regelrecht. Zudem nahmen die großen westlichen Notenbanken unmittelbar Einfluss auf die Aktienmärkte. Zinsen haben seit immer Effekte auf die Aktienmärkte, da sie zur Abdiskontierung künftiger Gewinne und Dividenden verwendet werden. Fallen die Zinssätze, steigen die Gegenwartswerte und damit die Aktienkurse. Besonders in diesem Jahr und speziell in den USA, nach dem Auftauchen von COVID-19.

Die Rendite der zehnjährigen US-Treasury ist 2020 bis auf fast 0,50 Prozent gefallen (aktuell 0,73 Prozent), noch vor zwei Jahren bekamen Anleger teilweise mehr als drei Prozent. Das bedeutet:

Das KGV des wichtigsten Zinssatzes der Welt ist von 33 auf derzeit fast 140 gestiegen. Damit erscheinen die KGVs der Aktienmärkte (Einzelwerte wie etwa Tesla ausgenommen) fast schon moderat.

Da der Zins den Preis für die Zeit darstellt, verzerrt sich diese Korrelation bei Nullzinsen ins Absurde. Zukunftserträge müssen nicht mehr teuer abgezinst werden, künftige Erträge über die Aktienmärkte werden immer wertvoller. Für mich ist das das entscheidende Argument, warum gerade die Wachstumswerte in so schwindelige Höhen gelaufen sind.

Das Dilemma der Vermögensverwalter in anderen Worten:

Wenn es also keinen Zins mehr gibt, dann werden künftige Gewinne durch Aktien immer wertvoller. Ein Vergleich mit der Vergangenheit mit Zinssätzen von fünf Prozent am Kapitalmarkt muss hinken, ein Ratio Aktienmärkte – Realwirtschaft von 190 Prozent ist dabei eine zwangsläufige Folge.

Die einzige Frage, die sich dabei stellt ist, wie lange so etwas gutgehen kann?

Viele „historisch“ argumentierende Anleger haben in den letzten Monaten „zunächst“ einmal für die Datenvergleiche bluten müssen, vor allem mit Put-Spekulationen. Selbst Warren Buffet hat mit seinen „wachstumsschwachen“ Value-Werten Tribut zollen müssen, allerdings hat er einen der großen Nutznießer der Zinsanomalie, Apple, in seinem Depot –  mit einer allerdings auch schon wieder ungesunden Gewichtung.

Fazit

Wir leben zweifelsohne in einer Phase der Übertreibung. Perioden, in dem Anleger wie einige RobinHooder über Wochen hinweg mit gehebelten Produkten auf exponentiell gestiegenen Aktien zweistellige tägliche Gewinne einfahren konnten, werden immer korrigiert – dafür sorgen schon Faktoren wie Gier, Spekulation auf Kredit, Margin Calls und die unbarmherzig zuschlagende Finanzmathematik beim Einsetzen einer Korrektur. Aber die Gesamtheit der Aktienanlage von mindestens 91 Billionen Dollar nur der Unvernunft der Investoren weltweit zuzuschreiben, wird der gegenwärtigen Lage auch nicht gerecht. Wir haben derzeit eine unheimlich manipulierte Situation an den Anleihemärkten, dem Konkurrenzprodukt zu den Aktienmärkten und deren natürliches Korrektiv.

Ich weiß, es klingt geradezu hirnrissig: aber unter diesen Rahmenbedingungen sind Aktien gar nicht so überteuert (ausgenommen Tesla und Co.). KGV S&P 500 versus KGV 10-jährige US-Treasury. Gesund ist das nicht und auch nicht auf Dauer haltbar. Aber wer kennt Zeitpunkt und Anlass des Game Changers?

 

 

Sind die Kursanstiege der Aktienmärkte wirklich irrational?

7 Kommentare

7 Comments

  1. Avatar

    Marko

    1. September 2020 12:42 at 12:42

    „Ich weiß, es klingt geradezu hirnrissig: aber unter diesen Rahmenbedingungen sind Aktien gar nicht so überteuert (ausgenommen Tesla und Co.). KGV S&P 500 versus KGV 10-jährige US-Treasury. Gesund ist das nicht und auch nicht auf Dauer haltbar. Aber wer kennt Zeitpunkt und Anlass des Game Changers?2

    Richtig, Herr Müller, das mit den Anleihemärkten, die für die meisten wohl überhaupt nicht überteuert sind, das ist der Key. Zum Aktienmarkt : der Dax stand im April 2015 (!) bei 12500 Indexpunkten !?!

    Mir kanns nur Recht sein, klar eine Tesla-Aktie ist zu teuer, akzeptiere ich. außerdem sollte man schon sagen, dass der Ami-Aktienmarkt die Europäer locker geschlagen hat.Jetzt kommt noch die Eur-Stärke hinzu, dann der Donald, dann der Brexit.

  2. Avatar

    Marko

    1. September 2020 12:58 at 12:58

    Und durch Corana wird die digitale Transformation unseres Lebens beschleunigt, 5G , Industrie 4.0, Homeoffice usw.

    Wer am Ende das Spiel gewinnt, ob Curevac, Biontech oder die Amis/Chinesen, werden wir wohl im Frühjahr sehen, wobei ich die Deutschen im Vorteil sehe, aber gut schaun´n mer mal.

    Und klar, Corona hat die Wirtschaft ziemlich zertrümmert, aber im März 2019 haben wohl einige gedacht, das wird für uns eine einfache Nummer.

    Die haben gedacht, den Aktienmarkt shorten, und wir verdienen Geld.
    Da haben einige der Big-Boys richtig, richtig heftig bluten müssen, deshalb „meistgehasste Ralley aller Zeiten“.

    Eben weil sie vergessen hatten, dass es noch den Anleihemarkt/die Notenbanken gibt…

  3. Avatar

    Mike Lohmann

    1. September 2020 15:15 at 15:15

    Notenbanken sind schon längstens ein politischer Faktor geworden, völlig abgekoppelt von der ursprünglichen Aufgabe, die Geldstabilität zu sichern. Nun wird offen der gesamte Markt völlig verzerrt und politischer Einfluss genommen. Was hat das mit der Geldstabilität zu tun, wenn Anleihen von Unternehmen und indirekt Staaten aufgekauft werden und somit diese Geldflut selektiv die Wettbewerbsmechanismen des Marktes völlig verzerren. Das hat mit normaler Wirtschaft nur noch rudimentär etwas zu tun. Noch ganz zu schweigen von Konsequenzen der reinen Luftnummer durch die Notenbanker. Was nicht mehr ansteht ist die Frage des ob, sondern nur noch das wann und wie sich die Geldflut zur Implosion des Systems führt.
    Deshalb suchen immer mehr Anleger nach Modellen die eine Absicherung gegen den drohenden Fall ermöglichen und gleichzeitig die noch verbleibenden Chancen nutzen lassen. Diese Diskussion hat bereits in allen Fachmedien einen hohen Stellenwert eingenommen und dürfte in Kürze bald auch in den Standardmedien einen Platz einnehmen. Das ist dann der Punkt wo es kein zurück mehr gibt.

  4. Avatar

    Prognosti

    2. September 2020 06:44 at 06:44

    Wieder sehr gut, aber bei diesen Kursen sind doch die Dividenden bei vielen Aktien auch sehr tief oder Null.So müssen Aktien dauernde Kursgewinne machen um die Anleihen zu schlagen, was jetzt aber mehr und mehr ein grosses Rückschlagsrisiko beinhaltet. Bei einer Korrektur der Aktien steigen die Anleihenkurse kurzfristig normal stark an ( Flucht aus Aktien , siehe anfangs Jahr) Das heisst auf 3 bis 6 Monate ( wenn die Korrektur kommt) wären die Anleihen die bessere Anlage.
    Frage an FMW. Wie hoch sind die S&P Dividenden – Renditen im Moment und wo kann ich diese einsehen.

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      2. September 2020 07:22 at 07:22

      @Prognosti, Dividendenrendite im S&P 500 bei 1,7% – so wenig wie seit der Finanzkrise nicht mehr..

  5. Avatar

    Forexli

    2. September 2020 07:03 at 07:03

    Ja Japan und die Schweiz kaufen Aktien , aber der Grund ist absurd, im Gegenatz zu den Amis geht es nicht um die Aktien zu pushen . Um ihre starken Währungen nicht ins uferlose steigen zu lassen, kaufen sie mit gedrucktem Geld Euros und Dollars. Diese Gelder werden dann bestmöglichst investiert und landen damit zwangsweise auch in US- Aktien. Damit befeuert auch diese Währungsmanipulation zusätzlich den Aktienmarkt. Somit ist die Fehlkonstruktion Euro auch ein Grund dieser Misere.

  6. Avatar

    Prognosti

    2. September 2020 09:27 at 09:27

    @ M.Fugmann. Vielen Dank, ist also keine grosse Differenz zu 30Jahre US Bonds.Nicht zu vergessen, beim
    kommenden Weltmarktführer China gibt es meines Wissens noch Zinsen über 4%.
    Zudem muss nicht alles Geld nach Amerika, ES GIBT AUCH NOCH ANDERE SCHWELLENLÄNDER mit besseren Renditen in aufsteigenden Märkten.
    Wäre ein Thema für FMW :Anlagealternativen zum hochbewerteten US – Aktienmarkt. Wie wäre es z.B. mit Japan , wo der Nikkei noch ca.40% unter dem 1990 Stand ist. Buffet hat den Pfeffer schon geschmeckt,
    auch ander DICKE haben schon bemerkt das man nicht unbedingt überbewertete US- Luftaktien kaufen muss. Denn beim Geldsack hört der Patriotismus vor allem bei den GIERIGEN auf.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Finanznews

Inflation und das Paradox der Erwartungen! Marktgeflüster (Video)

Eines scheint für die Investoren klar zu sein: wenn die Coronakrise überwunden ist, kommt die Inflation. Aber das wäre besonders schlecht für den Reflations-Trade!

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Eines scheint für die Investoren klar zu sein: wenn die Coronakrise überwunden ist, kommt die Inflation – deshalb spielen alle Investoren den „Reflations-Trade“ und kaufen vor allem Aktien aus den Sektoren Energie, Industrie und Materialien. Es sind aber vor allem diese Sektoren, die eine besonders hohe Verschuldung aufweisen – und aufgrund der Politik der Notenbanken dennoch derzeit extrem günstig Schulden machen können. Aber wenn die Inflation wirklich steigt, dann beginnen die Kapitalmarkt-Zinsen zu steigen – und das erschwert die Tragfähigkeit der Schulden jener Unternehmen, die derzeit im Reflations-Trade gekauft werden. Im Grunde ist das ein Paradox: wenn die Inflation wirklich käme, wären diejenigen Aktien die Verlierer, die im Reflations-Trade derzeit immens nach oben gekauft werden..

Werbung: Traden Sie smart mit Capital.com: https://bit.ly/316AkWq

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

weiterlesen

Indizes

Rüdiger Born: Nachbesprechung für Nasdaq-Szenario

Rüdiger Born

Veröffentlicht

am

Gestern hatte ich im Video und im Trade des Tages ein Aufwärtsszenario im Nasdaq besprochen. Heute folgt sozusagen die Nachbesprechung. Wie geht es weiter im Nasdaq? Mehr dazu in diesem Video.

Wollen Sie meine täglichen Analysen im „Trade des Tages“ erhalten? Dieses Angebot ist für Sie völlig kostenfrei! Melden Sie sich dafür einfach hier an.

BORN-4-Trading – Trading-Ideen kostenfrei aufs Smartphone! Aktuelle Trading-News, Handelsideen und Trader-Know-how, Rüdiger Born sendet seine Einschätzungen direkt auf Dein Smartphone, entweder als Video- oder Voice-Nachricht oder einfach als schneller Text mit Bild. Welche Märkte kann man handeln, wo gibt es interessante aktuelle Trading-Setups, wo wären Einstiege möglich oder aber Stopps sinnvoll? Brandaktuell, überall und in gewohnt professioneller und spritziger Art. Klicke dazu einfach an dieser Stelle.

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

weiterlesen

Allgemein

Biden sei dank: Märkte glauben an die große Rettung – Risiko war gestern

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Joe Biden tritt heute sein Amt als US-Präsident an. In Windeseile wird er sich offenkundig daran machen sein 1,9 Billionen US-Dollar schweres Stimulus-Paket durch den US-Kongress zu bekommen. Die dortige Mehrheit ist zwar hauchdünn. Aber die Märkte sind frohen Mutes. Woran man das sieht? Schauen wir auf den folgenden Chart im Tweet. Er zeigt die Rendite für US-Schrottanleihen (Junk Bonds). Dies sind Anleihen, bei denen das Ausfallrisiko besonders hoch ist. Da Anleger für ein hohes Risiko entschädigt werden wollen und müssen, erhalten sie höhere Renditen als Inhaber von (vermeintlich sicheren) Staatsanleihen. Die Rendite fungiert hier also als Risikoprämie.

Die Höhe der Risikoprämie zeigt an, für wie ausfallgefährdet der Markt diese Anleihen hält. Je höher die Rendite, desto höher ist in den Augen des Kapitalmarkts das Risiko, dass die begebende Firma dahinter pleite geht, und somit die Anleihe nicht zurückzahlen kann. Im Chart sehen wir seit dem Jahr 2010 den Verlauf der Rendite bei US-Schrottanleihen. Zum Start der Coronakrise im März 2020 schoss die Rendite von 5 Prozent auf über 11 Prozent in die Höhe. Und danach beruhigte sich die Lage wieder, aktuell auf nur noch 4,13 Prozent – ein Rekordtief! In den letzten Monaten kamen die Impfstoff-Hoffnungen auf. Und jetzt seit einigen Tagen wird der große Stimulus in den USA immer konkreter. Wie gesagt, Joe Biden wird heute vereidigt. Und wie seine neue Finanzministerin Janet Yellen gestern klar machte, wird man die US-Volkswirtschaft kräftig mit Geld fluten.

Und wie sie sagte, sei das kräftige Schuldenmachen im Augenblick wichtiger als der Blick auf eine zu hohe Staatsverschuldung. Die müsse man zwar später mit höheren Unternehmenssteuern wieder abbauen, aber kurzfristig müsse man sich stark neu verschulden und die Konjunktur anfeuern. Und ja, der Kapitalmarkt scheint fest daran zu glauben, dass somit die Schrottunternehmen weiterhin im Spiel bleiben, und ihre Schulden weiterhin bedienen können. Wenn nur genug frisches Geld vom Staat kommt, geht die Party also weiter? Dieser Chart zeigt es jedenfalls an. Die Risikoprämie sinkt immer weiter, auf wie gesagt ein Rekordtief von nur noch 4,13 Prozent.

Hier klicken, um den Inhalt von Twitter anzuzeigen

Blick nach Deutschland

Aber schauen wir auch mal nach Deutschland. Hier sehen wir im folgenden Langfristvergleich seit dem Jahr 2010, wie die Rendite für deutsche Staatsanleihen immer weiter fällt, und der Dax (orange) immer weiter steigt. Das immer weiter sinkende Zinsniveau (in Deutschland dank hoher Bonität deutliche Negativrendite) treibt die Anleger in Aktien, Immobilien etc. Aktuell notieren die Aktienmärkte an ihren Allzeithochs. Heute hat auch der deutsche Staat mal wieder für 30 Jahre laufende Anleihen verkauft, mit einem Bruttovolumen von 1,5 Milliarden Euro. Die Nachfrage lag bei einem Volumen von 1,79 Milliarden Euro.

Und (wie gesagt 30 Jahre Laufzeit) die Emissionsrendite lag bei minus 0,13 Prozent, nach minus 0,06 Prozent im November. Immer weiter sinkende Zinsniveaus, immer mehr Stimulus – da wird die Lücke doch gut aufgefangen oder besser gesagt aufgefüllt, die Corona gerissen hat? Und diese Rettungsorgie wird vor allem in den USA kräftig weiter gehen, davon darf man ausgehen. Und so könnte man glatt sagen, dass „Risiko“ bei Anleihen irgendwas war, dass man mal kannte – aber heute gibt es das nicht mehr?

Chart zeigt Vergleich von Dax gegen Anleiherenditen

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage