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Value gegen Growth: Die Nöte des Warren Buffett

Wolfgang Müller

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Warren Buffett

Bereits seit 55 Jahren leitet Warren Buffett die Holdinggesellschaft Berkshire Hathaway, und der Anstieg der Aktie von etwa 12 Dollar im Jahr 1965 bis auf aktuell 286.000 Dollar machte ihn zum erfolgreichsten Investor der modernen Wirtschaftsgeschichte und zum drittreichsten Menschen der Welt. Er schlug mit einer Rendite von über 20 Prozent jährlich über Jahrzehnte den S&P 500 mit seiner Valuestrategie, was ihm in letzter Zeit aber immer öfter nicht mehr gelang. Ist die Zeit der Überlegenheit der Substanzwerte vorbei und hat Growth das Zepter übernommen?

Die letzte Bilanz zu Zeiten von Covid-19

Bei der kürzlichen Jahresversammlung von Berkshire Hathaway, nicht das übliche Pilgerspektakel, sondern eine Art Videoversammlung, konnte auch der legendäre Investor keine üblichen Rekordzahlen verkünden. Er konnte zwar einen Quartalsgewinn von sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr vermelden, aber nicht beim Nettoergebnis, bei dem ein Verlust von fast 50 Milliarden Dollar zu Buche stand (Vorjahr Gewinn 21,6 Mrd. Dollar). Dies als Folge einer Bilanzregel, bei der auch unrealisierte Aktienverluste zu berechnen sind. Hier schlägt natürlich Corona ins Kontor und einige Investments, die sich ganz anders als im Sinne von Warren Buffett entwickelt haben.

Die Aktienverkäufe von Warren Buffett

Zwar konnte auch ein Investor wie Warren Buffett nicht im entferntesten das Auftreten einer Pandemie und einen weltweiten Lockdown antizipieren, aber dummerweise hatte er einige Titel im Depot, beziehungsweise sogar noch nachgekauft, die besonders unter Covid-19 gelitten haben. Über den 2-Milliarden Dollarverlust bei Delta Airlines, United Airlines, Southwest Airlines und American Airlines hatten wir schon bei FMW berichtet. Hinzu kamen Reduktionen und Verkäufe bei Goldman Sachs, der Versicherungsgesellschaft Travelers und der Ölfirma Philipps 66. Ausgerechnet Substanzwerte verloren in der Krise mehr als Growth-Titel, früher immer die Outperformer in solchen Zeiten.

Das Jahrzehnt der Wachstumstitel

Dass dies keine neue Entwicklung ist, zeigt ein Vergleich der verschiedenen Anlagestrategien in den letzten zehn Jahren.  Der S&P-Value-Index brachte es hierbei nur auf eine durchschnittliche Rendite von zehn Prozent, der Gesamtindex S&P 500 kam hingegen auf über 13 Prozent, der S&P-Growth-Index sogar auf knapp 16 Prozent. Jährlich wohlgemerkt, was sich auf Sicht einer Dekade gewaltig bemerkbar macht.

Immer wieder wird in Anlegerkreisen die Frage gestellt, ob das Konzept des Value Investings heutzutage noch so funktioniert. Und dann hatte Hedgefonds-Manager Bill Ackman auch noch in der letzten Maiwoche bekanntgegeben, seine Beteiligung an Berkshire Hathaway verkauft zu haben, was immerhin den Gegenwert von fast einer Milliarde Dollar darstellte. Immer wieder, jetzt bereits schon über vier Jahre, wurde die Frage gestellt, warum Warren Buffett seine zuletzt 137 Milliarden Dollar große Cash-Position nicht für Investments eingesetzt hat. Immer die gleiche Antwort des Investors, er fände keine günstigen Firmen, die eine Aquisition wert seien. Dabei hatte der Blitzabsturz im Februar/März doch für günstige Gelegenheiten gesorgt. „Be greedy when others are fearful“, lautet die legendäre Maxime Buffetts, doch nicht im Winter 2020.

Manager glauben noch nicht an Value

Während es der große S&P 500 in den letzten 10 Jahren auf gut 150 Prozent brachte, kam der marktbreiteste Index, der Russel-3000 nur auf 80 Prozent. Wer waren die großen Renditebringer? Natürlich, die um Microsoft erweiterten FAANG-Titel Facebook, Amazon, Apple, Netflix und Google. Kein Wunder also, dass eine Umfrage der Bank of America bei Fondsmanagern ergab, dass diese wie auch 2007 darauf setzen, dass Wachstum besser abschneidet als Substanz. Dies hat sich zwar in Zeiten von Covid-19 eindeutig bewiesen, aber sind die Vorzeichen von Regulierung und Kampfansagen (Trump) gegen diese Unternehmen, die oligopolartige Strukturen aufweisen, wirklich so harmlos? Immerhin ist Warren Buffett mit fünf Prozent der größte Anteilseigner an Apple, mit einer gewaltigen Wertentwicklung in den letzten Jahren. Ohne diesen Highflyer sähe die Bilanz von Berkshire Hathaway allerdings auch etwas anders aus.

Fazit

Noch ist es nicht ausgemacht, dass die Zeit der Substanzwerte vorbei ist. Bisher wurde Buffett schon vor mehreren Rezessionen als „Ehemaliger“ der Investmentszene verspottet, der die Zeichen der Zeit nicht erkannt hat. Mit dem bekannten Ergebnis. Und haben die Value-Aktien aus dem Energie-, dem Finanz- und dem Einzelhandelssektor in den letzten Tagen nicht zum ersten Mal seit langer Zeit die Growth-Titel outperformt? Fünf zu 2,5 Prozent. Die Stärke von Warren Buffett ist seine Disziplin, seine Geduld, seine Fähigkeit sich nicht von Angst und Gier infizieren zu lassen. Daher auch sein Spruch: Das meiste Geld habe ich auf meinem Hintern verdient! Auch in der Ära von Covid-19?

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Torsten

    4. Juni 2020 18:23 at 18:23

    Buffets Zeit oder die seiner Nachfolger kommt noch. Er lässt sich nicht von den FED Billionen beeindrucken, vom Finanzschwindel. Respekt.

    Nach der nächsten Korrektur kauft er, das kann noch Oktober 20 oder März 21 werden. Und dann ist alles so richtig günstig.

    • Avatar

      Hesterbär

      5. Juni 2020 01:01 at 01:01

      Genau, das wird ein Einkaufsspaß der Sonderklasse, der da auf uns zukommt.

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„Die Coronakrise ist für die Aktienmärkte vorbei“, sagt der Mathematiker und Vermögensverwalter Andreas Beck. Diese Aussage überrascht, schließlich stecken wir mitten im zweiten, diesmal „differenzierten Lockdown“ (O-Ton Markus Söder) mit enormen wirtschaftlichen Folgeschäden. Andreas Beck rechnet aber dennoch mit einem guten Jahrzehnt für die Aktienmärkte – schon mangels Alternative angesichts der von den Notenbanken manipulierten Anleihemärkte. Die Nullzinsen, so Beck, hätten sich bereist bei Immobilien niedergeschlagen, es sei nur eine Frage der Zeit, bis das auch die Aktienmärkte vollständig einpreisen.

Aktienmärkte und Coronakrise: Das Jahrzehnt der Aktie?

Seit dem 09.November – der Meldung von BioNTech/Pfizer – haben die Aktienmärkte einen Paradigmenwechsel vollzogen: Man kauft die „Corona-Verlierer“. Für Andreas Beck bedeutet das: die Aktienmärkte blicken schon auf die Zeit nach der Coronakrise (auch die Rohstoff-Märkte, siehe etwa die Rally bei Kupfer, das für die Industrie sehr wichtig ist). Man preist also eine vollständige Erholung der Wirtschaft ein, eben weil die Coronakrise vorbei doch vorbei sei. Der Wirtschaft sei der zweite Lockdown faktisch „egal“ – sie habe sich an die neuen Umstände angepaßt.

Nun ist Andreas Beck Vermögensverwalter und Mathematiker, kein Epidemologe. Nun hat kürzlich der britische Epidemologe und Berater des britischen Premiers Boris Johnson, Jonathan Van-Tam, kürzlich davon gesprochen, dass die Coronakrise „niemals“ vorbei gehen werde (hier seine Aussage im Video). Ist es vielleicht doch so, dass Andreas Beck und mit ihm die Aktienmärkte die Coronakrise zu früh abhaken, also das Fell des Bären schon verteilen, bevor er erlegt ist?

Eines ist für Andreas Beck klar: die Schulden der Staaten werden niemals zurück gezahlt werden können – daher weredn sich die Staaten am Privatvermögen sener Bürger bedienen (müssen). Auch klar für Beck ist weiterhin: die demokratischen Länder werden sich die Dominanz der US-Tech-Unternehmen nicht mehr lange gefallen lassen. Er geht daher davon aus, dass in diesem Jahrzehnt daher dann „value“ besser laufen sollte als „growth“ und erklärt, wie er selbst investiert ist:

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Für die Aktienmärkte ist die Coronakrise vorbei, sagt Vermögensverwalter Andreas Beck

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