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Aktienmärkte: Wieder auf dem Weg zu Rekorden?

Warum die Aktienmärkte schlechte Nachrichten ignorieren!

Aktienmärkte - kommen neue Rekorde?

Fast neun Tage in Folge steigende Kurse, unterbrochen nur von einer Minikorrektur mit 0,11 Prozent beim S&P 500 am Freitag und auch gestern ein neues Allzeithoch: Als ob man vor zwei Wochen einen Schalter umgelegt hatte, die Zuversicht der Aktienmärkte ist zurückgekehrt! Eigentlich ohne konkreten Auslöser, aber wahrscheinlich spielt das nahende Jahresende eine so dominante Rolle (strong seasonal pattern), dass die Investoren nicht außen vor sein können – Stichwort FOMO. Und natürlich spielen auch die Untenehmensergebnisse eine Rolle, die in etwa zu 80 Prozent die Erwartungen übertreffen. Aber in dieser Woche liegt noch viel im Köcher – ganze 160 Unternehmen im S&P 500 berichten, darunter auch die Big Five.

Aktienmärkte: Eine goldene zweite Oktoberhälfte?

„Es riecht nach Ausbruch. Welche Richtung? – Ist die Bodenbildung nun abgeschlossen? – Enttäuschungen oder Same procedure as every quarter?“ – so lauteten ein paar Überschriften an dieser Stelle. Und wie es aussieht, lassen sich die Investoren von keiner schlechten Konjunkturnachricht beeindrucken. Nicht einmal am Tag der Facebook-Zahlen, von denen man sich angesichts der schweren Vorwürfe gegen das Unternehmen und der zuletzt schlechten Kursentwicklung nichts Gutes erwarten konnte. Aber wie so oft hatte man schon vorher die Kurse nach unten gebracht, die Erwartungen zurückgeschraubt (hammered expectations), so dass die Zahlen nicht mehr enttäuschen konnten. Umsatz leicht unter den Prognosen, Gewinn leicht darüber, die Reaktion der Märkte war zunächst leicht positiv.

Aber was wieder einschlug, war die Ankündigung eines Aktienrückkaufprogramms von 50 Milliarden Dollar, einer der ganz großen Treiber für die Märkte.

Dabei hatten sowohl Dow Jones, als auch S&P 500 schon vor den Facebook-Zahlen auf neuen Allzeithochs geschlossen, gestiegen ist auch der Nasdaq und der Russel 2000. Sogar die Anleihekurse bei den 10-jährigen US-Staatsanleihen gingen nach oben, sprich die Rendite fiel auf 1,634 Prozent. Gestern stieg fast alles, so ein Kommentator von der Börse. Ja, und um es nicht zu vergessen: Tesla wurde von der Meldung des Autovermieters Hertz, 100.000 Model 3 erwerben zu wollen, richtiggehend nach oben katapultiert. 12,6 Prozent plus, die Eine-Billion-Dollar-Grenze überschritten und im Ranking auf Nummer fünf vor Facebook geklettert.

Am heutigen Tag melden Microsoft und Alphabet, die im Gegensatz zu Facebook in letzter Zeit sehr gut gelaufen waren.

Woher kommt der Optimismus der Investoren?

Wie bereits gestern im Wochenausblick erwähnt, hat sich die Stimmung bei den Investoren sehr stark und in kurzer Zeit ins Positive gewandelt. Selbst die bisher bärische US-Bank Morgan Stanley ist ins Lager der Bullen gewandert. Man verkündet Kursziele für das Jahresende beim S&P 500 von 4700 Punkten, im Falle guter Zahlen der Big Five sogar von 5000 Punkten. Scheinbar ist das Tapering der US-Notenbank ab Dezember bereits in den Kursen der Aktienmärkte verarbeitet, schließlich würde dies immer noch einen Zufluss von 400 Milliarden Dollar an die Märkte bedeuten.

Anscheinend übt die aktuelle Rally einen so großen Druck auf die Institutionellen vor dem Jahresende aus (vor allem auf die Unterinvestierten), dass Vielen gar nichts anderes übrig bleibt, als auf den fahrenden Zug aufzuspringen. Außerdem warten am Ende eines starken Jahres der Aktienmärkte die Bonuszahlungen – und da muss man auch die Aktien im Jahresbericht stehen haben, die im Jahresverlauf gut performt haben.

Ein Einstieg ist derzeit nicht ungefährlich, nach fast zehn Tagen steigender Kurse, aber die Stärke der Aktienmärkte ist anscheinend so ausgeprägt, dass nicht einmal eines der vier entstandenen Gaps beim S&P 5000 bisher geschlossen wurde.

Die Buybacks are back

Schon in diesen Tagen endet die Blackout Period – und von den über 800 Milliarden Dollar an angekündigten Rückkäufen steht noch mindestens ein dreistelliger Milliardenbetrag aus:

Aktienmärkte blackout period

Auch sonst gibt es hohe Zuflüsse im November an die Aktienmärkte, historisch betrachtet:

Aktienmärkte Zuflüsse

Gestern die Nummer 56..

Wer hätte das nach all den Meldungen über Lieferengpässe, Materialmangel, Inflation und Stagflation gedacht? Der S&P 500 ist nur noch wenige Hochs von seinem Rekord in diesem Jahrhundert entfernt:

Allzeithochs S&P500 Rekord

Fazit

Natürlich gibt es keine Gewissheiten an der Börse und eine durchgehende Jahresendrallye ist bestimmt nicht ausgemacht. Aber es ist beileibe nicht, so, dass die Investoren jedes Quartalsergebnis eines S&P-Unternehmens schlucken. Denn dann dürfte es die zweistelligen Kurseinbrüche bei Intel, IBM, Snap oder Pinterest nicht geben.

Aber derzeit überwiegt der Glaube der Aktienmärkte an:

  • die Fed als Schutzpatron für die Märkte, für die Konjunktur und vor allem für den US-Konsum
  • an ein absehbares Ende der Lieferkettenschwierigkeiten und der überbordenden Inflation.

Realistisch?

Das Damoklesschwert für die Wirtschaft und Börse ist ein Psychologisches – nämlich in Gestalt von verankerten Inflationserwartungen der Konsumenten. Wenn der Glaube an eine dauerhafte Inflation das Verhalten der Marktteilnehmer in dem reflexiven Umfeld an Relevanz zunähme, wären die Notenbanken mit ihrer Handlungsfähigkeit am Ende, der Werkzeugkasten geleert.

Aber zunächst geht es um die Berichte von Big Tech, ohne positive Markreaktion kann es kaum mit den Indizes weiter nach oben gehen.

Die Nummer sechs und fünf (Facebook und Tesla) haben schon einmal vorgelegt.



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