Folgen Sie uns

Anleihen

Anleihen mit 100 Jahren Laufzeit: Das sind die Gründe ihres Booms!

Avatar

Veröffentlicht

am

Negative Zinsen haben einen Boom für 100-jährige Anleihen ausgelöst. Denn das sind eine der letzten verbliebenen Bastionen positiver Zinsen. Der Nachteil: Die Zinsen sind trotz der langen Laufzeit erstaunlich niedrig und für 100 Jahre festgeschrieben. Gibt es in der Zwischenzeit Inflation oder geht der Schuldner pleite, haben Sie als Anleger Pech gehabt!

Die Bundesrepublik Deutschland beschränkt sich bis jetzt auf eine maximale Laufzeit von 30 Jahren bei neu emittierten Anleihen. Die Rendite liegt dabei derzeit bei nur 0,31%. Angesichts dieser historischen Niedrigzinsen haben aber bereits einige andere staatliche und private Emittenten begonnen, Anleihen mit 100-jähriger Laufzeit auszugeben. Die Zinsen sind dabei zwar deutlich höher als bei 30-jähriger Laufzeit, aber im historischen Maßstab niedrig. Der Emittent sichert sich damit das derzeit niedrige Zinsniveau für die kommenden 100 Jahre, während Anleger deutlich höhere Zinsen bekommen, als es bei Anleihen mit kürzerer Laufzeit möglich wären.

So erzielen Sie überproportionale Kursgewinne bei weiter fallenden Zinsen!

Solange die Zinsen weiter sinken, können Anleger sogar überproportionale Kursgewinne mit den lang laufenden Anleihen erzielen. Denn Kurse und Renditen sind bei Anleihen negativ miteinander gekoppelt. Anleihen des gleichen Emittenten mit gleicher Laufzeit haben stets die gleiche Rendite. Eine im Jahr 2005 herausgegebene Anleihe der Bundesrepublik Deutschland mit Fälligkeit im Jahr 2030 wirft pro Jahr 6,25% Zinsen ab. Eine neue Anleihe mit Fälligkeit im Jahr 2030 bringt hingegen nur noch 0% Zinsen. Wäre der Kurs beider Anleihen gleich, würden alle Anleger die Anleihe aus dem Jahr 2005 kaufen, die 6,25% Zinsen abwirft. Dadurch steigt der Kurs dieser alten Anleihe. Derzeit müssen Sie für diese alte Anleihe 165,81% des Nennwerts bezahlen.

Sie bezahlen also heute 1.658,10 Euro, bekommen aber nur auf 1.000 Euro 6,25% Zinsen und im Jahr 2030 auch nur 1.000 Euro Rückzahlung. Alle Zahlungsströme zusammengerechnet ergibt das ein Nullsummenspiel: 0% Rendite. Genauso wie die heute neu emittierte Anleihe mit 0% Zinsen und 10 Jahren Laufzeit.

Sinken also die Zinsen am Markt, müssen die Kurse bereits emittierter Anleihen steigen, um die niedrigere Marktrendite zu reflektieren. Je länger die Restlaufzeit einer Anleihe und je höher deren Zins ist, umso stärker steigen die Kurse, um die sinkende Marktrendite zu reflektieren. Es ist dieser Effekt, der die überdurchschnittlich gute Rendite von Anleihefonds und Rentenversicherungen in den vergangenen Jahren erzeugte.

Doch es ist nur ein temporärer Effekt. Bis zur Endfälligkeit der Anleihen sinkt der Kurs wieder auf 100%. Rentenfonds haben also heute eine gute Performance, dafür in den kommenden Jahren eine schlechtere. Mit möglichst lang laufenden Anleihen kann dieser Effekt noch ein wenig in die Zukunft verschoben werden. Denn bei den Langläufern wie den 100-jährigen Anleihen sind die Kursgewinne exorbitant, solange die Zinsen weiter fallen. Eine im September 2017 mit 2,1% Zinsen herausgegebene Anleihe Österreichs erzielte bis heute fast 61% Kursgewinn. Denn der Marktzins für 100-jährige Anleihen Österreichs sank in diesen nicht einmal 30 Monaten von 2,1% auf 1,04%.

Eine vor zehn Monaten herausgegebene 100-jährige Anleihe Nordrhein-Westfalens bringt es auf 36,7% Kursgewinn. Und behält der Wirtschaftswissenschaftler, über den ich gestern berichtete, Recht, dann wird diese Entwicklung auch noch in den kommenden Jahrzehnten weitergehen. Denn er geht davon aus, dass bis zum Ende des Jahrhunderts auch die Mehrheit der lang laufenden Anleihen weltweit negative Renditen aufweisen wird.

Langläufer-Anleihen haben auch große Risiken!

Die Sache hat nur zwei Haken:

1)
Kehrt sich der Zinstrend wider Erwarten um, werden diese Anleihen überproportionale Kursverluste aufweisen, um den steigenden Marktzinsen zu folgen.
2)
Geht der Emittent in diesem für Menschen unüberschaubaren Zeitraum pleite, ist das Geld zum Großteil bis vollständig verloren.

Und so sicher auch Emittenten wie Österreich oder Deutschland wirken, sie sind es nicht. In den vergangenen 102 Jahren fiel das Deutsche Kaiserreich, es gab Hyperinflation, den 2. Weltkrieg, die DDR entstand und ging unter. Wer eine Deutsche 100-jährige Anleihe im Jahr 1918 zeichnete, weil er von sinkenden Zinsen in den kommenden 100 Jahren ausging, hatte also gleich mehrmals die Chance, damit all sein Geld zu verlieren.

Wie schnell das gehen kann, erleben gerade diejenigen Anleger, die erst Ende Dezember 2017 100-jährige Anleihen Argentiniens zeichneten. Die warfen schon damals 7,125% Zinsen ab. Heute liegt die Rendite schon bei 15,6% und der Kurs sank um 52,5%! Denn die Bonität Argentiniens wird heute, kaum mehr als zwei Jahre nach der Emission, deutlich schlechter eingeschätzt.

Der morbide Charme von Anleihen mit 100 Jahren Laufzeit

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    Bond-Kenner 007

    16. Januar 2020 12:39 at 12:39

    Also das Märchen mit den immer fallenden Zinsen stimmt also nicht ,wie man am Beispiel Argentinien sieht,
    irgendwann spielt die Bönität auch wieder eine Rolle. Auslaufende Anleihen von Zombifirmen werden das auch wieder bestätigen.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Anleihen

Zinssenkung voraus – Anleihemarkt in den USA sendet klares Signal

Avatar

Veröffentlicht

am

Federal Reserve in Washington DC - Zinssenkung voraus?

Die flache und in Teilen bereits inverse Zinsstrukturkurve in den USA sowie drohende Kreditausfälle dezimieren die Kreditmargen der US-Banken. Nur durch eine weitere Zinssenkung kann die Situation verbessert werden.

Die Banken und der Kapitalmarkt werden eine Zinssenkung erzwingen

Bedingt durch die Eigentümerstruktur bei der Fed of New York haben die Großbanken einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Geldpolitik der US-Notenbank (Buch: Die Kreatur von Jekyll Island: Die US-Notenbank Federal Reserve – Das schrecklichste Ungeheuer, das die internationale Hochfinanz je schuf). Die sich weiterhin stark gen Süden bewegenden Zinsen am amerikanischen Kapitalmarkt führen zu der gefürchteten Invertierung der Zinsstrukturkurve. Um die Kreditvergabefreudigkeit der Banken nicht zu belasten, muss die Fed, auch im Interesse ihres offiziellen dualen Mandats, kurzfristig mindestens eine Zinssenkung vornehmen. Nur durch eine Absenkung des Leitzinses kann die für das Kreditgeschäft der Banken wichtige Versteilerung der Zinsstrukturkurve wieder erreicht werden. Die dritte und bislang letzte Zinssenkung im aktuellen Zyklus erfolgte am 30. Oktober letzten Jahres um 25 Basispunkte (0,25 Prozent) aus genau diesem Grund. Der effektive Leitzins liegt seitdem in den USA bei 1,55 Prozent. Die rote Linie in der unteren Grafik zeigt die erneut flache bzw. zu Teilen bereits invertierte Zinsstrukturkurve in den USA.

Zinssenkung? Hier die Zinsstrukturkurve als Chart

Die US-Notenbank kommt um eine weitere Zinssenkung nicht herum

Noch erwartet die Mehrheit der Marktteilnehmer in den USA erst für Ende Juli die erste von zwei Zinssenkungen in diesem Jahr. Doch diese Erwartungshaltung wird sich im Zuge der in den nächsten Wochen zur Veröffentlichung anstehenden Konjunkturdaten auf der Zeitebene nach vorn verlagern und auch die Anzahl der Zinsschritte wird sich weiter erhöhen. Sehr wahrscheinlich wird die Fed bereits am 18. März oder spätestens am 29. April eine weitere Zinssenkung vornehmen. Bereits jetzt deuten erste Daten auf einen signifikanten Einbruch des Welthandels und des Weltwirtschaftswachstums hin. Die jüngste Umsatzwarnung des Börsen-Highflyers Apple ist ein Indiz dafür, dass sich auch die US-Wirtschaft diesem Einbruch nicht wird entziehen können.

Das gilt zum Beispiel auch für die US-Autobauer von General Motors bis Tesla, für die China der zweitwichtigste Absatzmarkt ist. Mit einem Wirtschaftswachstum von 2,1 Prozent im Schlussquartal 2019 und einer erwarteten Expansionsrate von nur noch 1,5 Prozent für das Auftaktquartal 2020 schreitet die Konjunkturabkühlung auch in den USA voran. Verstärkt wird dieser Trend nun durch die noch nicht quantifizierbaren Schäden durch die Coronavirus-Epidemie. Eines kann man aber schon seriös prognostizieren: Die negativen Wachstumseinflüsse sind signifikant.

Die bereits zu Jahresbeginn gedämpften Aussichten für die US-Konjunktur, also noch vor dem Covid-19 Ausbruch, hatten mehrere Gründe:

1) Der Produktionsstopp bei Boeing
2) Die erneut massiv gestiegenen Beiträge für Krankenversicherte
3) Auslaufende Effekte aus der Steuerreform von 2018
4) Die Rekordverschuldung bei den Unternehmen und Verbrauchern
5) Der starke US-Dollar mit wieder aufflammender Schwellenländer-Dollar-Krise
6) Die flache bis inverse US-Zinsstrukturkurve

Für die Banken bedeutet dieses Umfeld einerseits drohende Anstiege bei den Kreditausfällen und anderseits sinkende Margen im Kreditgeschäft. Bekanntermaßen leihen sich die großen Geschäftsbanken (Primary Dealer) bei der US-Notenbank Fed kurzfristig Geld und verleihen es langfristig an Staaten, Unternehmen und Verbraucher weiter (Fristentransformation). Die Kapitalmarktzinsen sind dabei die Benchmark für die Zinsen der kurz-, mittel- und langfristigen Ausleihungen.

Die heute veröffentlichten Zahlen der auch in den USA, speziell an er Ostküste, vertretenden Großbank HSBC, zeigen exemplarisch, wie stark die Margen bereits unter Druck kommen. Die Bank will nach eigenen Angaben das in den USA eingesetzte Kapital bis 2022 um 45 Prozent reduzieren, über 30 Prozent der US-Filialen sollen geschlossen werden und die Aktivitäten des in New York angesiedelten Investmentbankings sollen deutlich zurückgefahren werden. Die Bank erwartet auch wegen der Folgen des Covid-19 steigende Kreditausfälle und ein bereits jetzt spürbar rückläufiges Kreditgeschäft, speziell in Asien. Die angestrebte zweistellige Eigenkapitalrendite rückt damit weiter in die Ferne.

Fazit und Ausblick

Lange kann die Fed auf ihrer aktuellen Position des Nichtstuns und Abwartens nicht mehr verharren. Zu stark wird sich auch in den USA die konjunkturelle Dynamik abkühlen – mit negativen Effekten auch auf die Preisstabilität und den Arbeitsmarkt. Womit dann auch das offizielle duale Mandat der Fed tangiert wäre. Die Geschäftsbanken werden zusätzlichen Druck auf die Fed ausüben, da sie eine Verschlechterung ihrer Kreditportfolios fürchten und bereits jetzt unter schwindsüchtigen Margen im Kreditgeschäft leiden (abgesehen vom Kreditkarten-Geschäft). Perspektivisch kommt die Fed auch um den erneuten Ankauf von gebündelten Kredit- und Hypothekenpapieren nicht herum, da die Banken, wie z. B. die HSBC, ihre Bilanzen reduzieren als weiter aufblähen wollen. Daher muss die Fed ihre Bilanz umso stärker ausweiten, um das für die US-Wirtschaft essenzielle Kreditrad in Schwung zu halten.

weiterlesen

Anleihen

Griechenland und die Zinsen – das Symbol für den Anlagenotstand

Avatar

Veröffentlicht

am

Die Akropolis ist das Symbol für Griechenland

Erfahrene Ökonomen schütteln nur noch den Kopf. 0,902 Prozent, das war die Rendite, die man gestern am Markt bekam, wenn man sich eine 10-jährige Staatsanleihe aus Griechenland ins Depot holte. Zum Vergleich: die wohl sicherste und liquideste Staatsanleihe der Welt, die 10-jährige US-Treasury, notierte gestern Abend bei 1,61 Prozent. Die Welt der Zinsen ist aus den Fugen geraten, ganz besonders in Europa.

Die schützende Hand über Griechenland

Wie kann ein Land wie Griechenland, dessen Staatsschulden 180 % zum Bruttoinlandsprodukt ausmachen, sich langfristig zu einem solchen Zinssatz verschulden? Man muss einen gewaltigen Schutzpatron oder sagen wir Sponsor haben, der nicht nur für das Land gewisse Sicherheiten gewährleistet, sondern auch für ein Zinsklima in mehr als zwei Dutzend EU-Staaten sorgt, damit diese Anomalie zustande kommt. Es ist die Europäische Zentralbank (jüngst mit klarer Warnung an die Politik), die mit ihren Leitzinssenkungen und den Anleihekaufprogrammen eine Zinslandschaft kreiert hat, in der es für die großen Kapitalsammelstellen (Pensionskassen, Versicherungen) kaum noch renditebringende Anlagenöglichkeiten gibt. Also weicht man in den Not auf die Länder aus, die noch etwas Zinsen bringen.

Griechenland war 2019 nicht nur der Star an den weltweiten Aktienmärkten mit einem Plus von 49 Prozent, auch die Anleihekäufer griffen beherzt zu. Die Zinsen fielen so rapide, dass die Kurse der Bonds um 30 Prozent nach oben schossen. Investoren verlassen sich auf die EU-Staaten, die mit ihren Garantien dem Land mindestens für die nächsten acht Jahre den Rücken freihalten.

Es läuft für Griechenland im Sinne der internationalen Investoren. Eine stabilere Regierung und ein Abbauprogramm der faulen Kredite bei den Banken in Höhe von 71 Milliarden Euro haben dazu geführt, dass die Ratingagentur Fitch im Januar Griechenlands Rating auf BB hochgestuft hat, gerade noch zwei Stufen unter Investmentgrade. Diese Entwicklung könnte dazu führen, dass das Land bald wieder so stabil eingestuft wird, dass es einen neuen und überaus zahlungskräftigen Käufer für die Staatspapiere geben könnte: Griechenland würde ins Anleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank rücken. Darauf hoffen die Investoren und kaufen „Ouzo-Bonds“. Eigentlich unglaublich für ein Land, dass so tief in den Schulden steckt.

Der einmalige Anlagenotstand

Das gerade geschilderte Phänomen beschränkt sich natürlich nicht nur auf Griechenland und ganz Europa. Japan hat vor mehr als zwei Jahrzehnten den Anfang gemacht. Jetzt läuft eine riesige Zinssenkungswelle über den Planeten mit über 100 Zinssenkungen weltweit im Jahr 2019, aber es ist noch nicht das Ende. Die weltweite Verschuldung erlaubt keinen Zinsanstieg derzeit. Dabei sind fallende Zinsen keine Spezialität des 21. Jahrhunderts. Eine wissenschaftliche Langzeit-Studie des Harvard-Wissenschaftlers Paul Schmelzing hat gezeigt. (siehe Artikel vom 11. Januar): Die Zinsen fallen in ihrer Tendenz schon seit dem Jahr 1300, aber jetzt ist ein kritischer Punkt erreicht. Wir sind Teil eines riesigen Experiments geworden.

Bitte klicken Sie hier um Teil 2 des Artikels zu lesen
weiterlesen

Anleihen

Anleihemärkte: Niedriges Zinsniveau in EU lockt US-Firmen

Avatar

Veröffentlicht

am

Die Anleihemärkte in Europa rücken zunhemend in den Fokus von US-Firmen – in der EU kann man aus US-Sicht nämlich aufgrund der Niedrigzinsen besonders billig an frisches Geld kommen!

US-Präsident Trump hat sich schon mehrfach darüber beschwert, zuletzt beim World Economic Forum in Davos: Die US-Notenbank solle endlich die Zinsen radikal senken, es sei ein Witz, dass sich Länder wie Deutschland verschulden könnten und dabei noch Geld verdienen würden. Zahlreichen US-Firmen ist das nicht verborgen geblieben, sie wenden sich schon länger in Richtung europäische Anleihemärkte, um sich mit milliardenschweren Bondemissionen im Euroland niedrige Zinssätze zu sichern. Eine Strategie mit Risiken.

Gesponserter Inhalt

Wollen Sie aktiv Devisen oder Rohstoffe handeln? bietet ein besonders hochwertiges Trading-Tool für Sie! Je enger die Spreads sind, also je geringer der Abstand zwischen Kauf- und Verkaufskurs, desto schneller kommen Sie bei einem positiven Trade in die Gewinnzone. Sichern Sie sich für bestimmte Märkte besonders günstige Sonderkonditionen für ihren aktiven Börsenhandel, . Eröffnen Sie hier ein Konto und starten Sie Ihr Trading. Viel Erfolg!

Die EZB und die Anleihmärkte

Bereits im Mai 2010 hat die EZB mit der Rettung um Griechenland begonnen Staatsanleihen der Südländer zu kaufen – und dieses Programm seither ständig ausgeweitet mit der Folge, dass sie langsam an ihre gesetzlich erlaubte Grenze von 33 Prozent der erwerbbaren Anleihen pro Land kommt. Besonders bedeutsam ist das für Deutschland, wo der Finanzierungsbedarf aufgrund des ausgeglichenen Haushalts sinkt: insgesamt werden in Deutschland weniger neue Anleihen aus- als alte zurückgegeben.

Dazu ein Vergleich mit den USA: Zuletzt betrug das ausstehende Volumen bei US-Staatsanleihen umgerechnet 13,944 Billionen Euro. In den kommenden fünf Jahren werden davon 9,837 Billionen Euro fällig. Und Donald Trump sorgt kräftig dafür, dass das Volumen hierfür weiter steigen wird.

Unterm Strich wird es also kaum Bundesanleihen auf dem Markt geben – oder zumindest weniger als noch 2019. Die Zentralbank weicht daher mehr und mehr auf Unternehmensanleihen aus, um die 20 Milliarden Euro pro Monat im Rückkaufprogramm umzusetzen.

An den Anleihemärkten herrscht bei Unternehmensanleihen nicht gerade ein Mangel: wie eine Studie der Landesbank Baden-Württemberg feststellt, wurden bereits in den ersten Januartagen die Anleihemärkte mit (Unternehmens-)Anleihen in Höhe von 16 Milliarden Euro am Markt geflutet, vorwiegend von großen Dax-Konzernen wie Fresenius, BMW und E.on. Die beiden Letztgenannten konnten dies sogar zu einem Kupon von null Prozent bewerkstelligen, also ohne Zinsbelastung bis zur Fälligkeit.

Damit setzt sich ein Trend fort, nach 2019, bei dem es zu der Rekordsumme von 400 Milliarden Euro an Neuemissionen von Unternehmensanleihen kam. Das hat natürlich auch Firmen außerhalb Europas, vorwiegend aus den USA an die europäischen Anleihemärkte gelockt.

Europäische Anleihemärkte: US-Firmen auf dem Vormarsch

Was Donald Trump nicht bekannt sein dürfte: Bereits im letzten Jahr gab es einen Rekord für amerikanische Unternehmen, die günstige Finanzierungsbedingungen in Europa nutzen. Laut der Studie der LBBW haben 2019 US-Konzerne 90 Milliarden Euro an Unternehmensanleihen begeben, deutsche Firmen 80 Milliarden, gefolgt von Frankreich mit 78 Milliarden Euro. Für die Amerikaner bedeutet dies eine glatte Verdoppelung gegenüber dem Vorjahr. 2020 setzt sich dieser Trend fort. Mit IBM, Comcast und Dow Chemical kommen in diesen Tagen drei US-Konzerne, die ihren Umsatz in den Staaten machen, mit milliardenschweren Neuemissionen auf die europäischen Anleihemärkte.

Der Lockruf der niedrigen Zinsen

„Reverse Yankees“ lautet in den USA der Begriff für in ausländischer Währung aufgelegte Anleihen von US-Konzernen. Das Maß für die Renditen der in Dollar notierenden Zinspapiere ist die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe. Diese beträgt derzeit um die 1,6 Prozent, während in der Eurozone die 10-jährige Bund den Ton angibt, mit aktuell minus 0,36 Prozent. Das macht die europäischen Anleihemärkte für US-Firmen interessant, auch wenn diese Kosten haben, um sich gegen Währungsschwankungen abzusichern.

Dass es am Anleihemarkt für Unternehmen so günstige Bedingungen gibt, ist maßgeblich auch auf die Europäische Zentralbank zurückzuführen. Mario Draghi hat 2016 ein Aufkaufprogramm für Euroanleihen begonnen, parallel dazu ging es auch mit den ausländischen Neuemissionen in Europa los.

Aufgrund des Engpasses mit den Staatsanleihen kauft die EZB immer mehr Unternehmenspapiere. Durch das neue Anleihekaufprogramm von monatlich 20 Milliarden Euro fließen 4,6 Milliarden in neue Unternehmensanleihen, zudem werden fällige Firmenanleihen in Höhe von etwa 2,5 Milliarden Euro monatlich ersetzt. Schreibt man diese Entwicklung fort, so könnte die EZB in diesem Jahr bis zu 20 Prozent aller neuen Unternehmensanleihen aufkaufen. Eine starke Hilfe für die Unternehmensfinanzierung, von denen auch die außereuropäischen Firmen profitieren. Mario Draghi als Initiator für das amerikanische Programm der „Reverse Yankees“! Und die Investoren reißen sich um die US-Rapiere, für die acht- und 20-jährigen IBM-Anleihen (Zinskupons mit 0,3 bzw. 1,2 Prozent) gab es eine deutlich höhere Nachfrage, als das Angebot hergab.

Fazit: Europas Anleihemärkte sind attraktiv – aber es gibt auch Risiken

Während man im Warenaustausch so etwas wie eine De-Globalisierung registrieren kann – Zölle und Protektionismus -, so ist an den Kapitalmärkten das Gegenteil der Fall – wie die Anleihemärkte zeigen. Selbst China will sich im Anleihe- und Aktienmarkt viel stärker international aufstellen.

Meldungen über Details im Handelskrieg, Zunahme der Virusinfektionen oder ganz besonders die weltweiten synchronen Zinssenkungen der Notenbanken führen zu raschen Reaktionen, im Gleichschritt und manchmal in Minutenschnelle. Dabei hat sich der Einfluss der Amerikaner in letzter Zeit noch vergrößert, durch ihre Währung und ihren Aktienmarkt, der im MSCI World den gewaltigen Anteil von 63 Prozent einnimmt, aber speziell auch am Zinsmarkt. Die Abhängigkeit der internationalen Notenbanken voneinander konnte man schon an der globalen, sychronisierten Zinssenkungsorgie 2019 feststellen.

Das bedeutet für Investoren, dass es an den Anleihemärkten schwieriger geworden ist, ein Portfolio zu diversifizieren. Die Korrelation zwischen der Anleihemärkte diesseits und jenseits des Atlantiks hat zugenommen, die Wirksamkeit von EZB-Maßnahmen könnte abnehmen. Das BBB-US-Anleiherisiko hat sich etwas nach Europa verlagert, für die Investoren könnte sich ein Problem dadurch ergeben, da die US-Firmen lange Laufzeiten bei ihren Anleihen bevorzugen.

Erkennbar ist das an den letzten Emissionen von IBM und Comcast mit zum Teil 20-jähriger Laufzeit. Dies generiert ein Problem durch die Duration, also der erhöhten Kursschwankung langer Laufzeiten bei Zinsänderungen. Aber so etwas soll es ja in Europa nie mehr geben (zu Lebzeiten) – höhere Zinsen. Das sagen sogar manche Analysten, von denen man annehmen kann, dass sie sich in den nächsten 20 Jahren noch nicht verabschieden werden.

Anders ausgedrückt: Steigen Inflation und Kapitalmarktzinsen, rumpelt es synchron an mehreren Märkten!

Die Anleihemärkte Europas rücken immer mehr in den Fokus von US-Firmen

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 30 Tage

Wenn Sie diese Webseite weiter verwenden, stimmen Sie automatisch der Verwendung von Cookies zu. Zur Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen