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Athen: „Linke Tasche 1,6 Mrd Euro rüber in die rechte Tasche“

Von Claudio Kummerfeld

Die griechische Schuldenagentur hat für den Staat heute erneut kurzfristige Anleihen (T Bills mit 26 Wochen Laufzeit) im Wert von 1,6 Mrd Euro „am Markt platziert“. Der Markt besteht aus griechischen Geschäftsbanken, die noch vorhandene Cash-Reserven zum Kauf dieser Anleihen zusammengekratzt haben… sollte man meinen – falsch! Übermorgen hätte Griechenland an die selben Banken auslaufende T Bills im Wert von 2 Mrd Euro zurückzahlen müssen. Man hat einfach beidseitig auf die Rückzahlung am Freitag verzichtet. Stattdessen haben die Banken ihre am Freitag auslaufenden T Bills heute gegen neue T Bills mit 26 Wochen Laufzeit eingetauscht. „Linke Tasche Rechte Tasche“ um ein halbes Jahr verlängert!

Der Grund für diese finale Buchung bereits nach dem „de facto“ Staatsbankrott vom 1.7. (ausgebliebene IWF-Rate): Der IWF ist eine öffentliche Institution. Die großen drei US-Ratingagenturen bewerten den Zahlungsausfall gegenüber dem IWF nicht als Staatspleite. Hätte Griechenland am Freitag die T Bills nicht zurückzahlen können, wären Moodys und Co gezwungen gewesen für Griechenland offiziell die Staatspleite zu erklären. Heute war das ein reiner Buchungsschritt, der aber offiziell so durchgezogen werden muss um das Wort „Staatspleite“ offiziell zu verhindern.

Eigentlich würde man denken gerade Alexis Tsipras würde es völlig egal sein, wie die Ratingagenturen sein Land bewerten. Aber anscheinend ist dem nicht so. Irgendwer hat ihm wohl gesteckt, dass durch eine „Staatspleite“-Bewertung der Ratingagenturen die Zinsen für alle zukünftigen Staatsanleihen drastisch teurer werden würden. Sonst hätte Tsipras die anstehende T Bill-Rückzahlung ja genau so ausfallen lassen können wir die IWF-Rate am 30.06., die Griechenland nicht zurückgezahlt hat.



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