Folgen Sie uns

Allgemein

BaFin bestätigt: Banken müssen Kreditstundungen wieder als Ausfälle deklarieren!

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Hochhäuser von Banken in Frankfurt

Im März hatten die europäischen Bankenaufseher (EBA) sowie die BaFin verkündet, dass für die Banken eine Ausnahmeregel in der Coronakrise gelten sollte, und zwar bis zum 30. September. Was auf den ersten Blick ziemlich langweilig und unbedeutend wirkt, bot wohl eine gigantische Erleichterung für die Banken, und quasi eine Verdeckung großer Probleme gegenüber der Öffentlichkeit. Denn man beschloss von Seiten der Aufseher, dass ein Schuldner „nicht mehr zwingend als ausgefallen einzustufen war, wenn bei einem Kredit Kapitaldienst und Zinsen in Folge des Corona-Virus gestundet“ wurden.

Im Klartext: Erhält eine Bank vom Kunden keine monatliche Kreditrate mehr gezahlt, kann die Bank den Kredit weiterhin in ihren Büchern als vollwertige Kreditforderung stehen lassen. Vor Corona (in den normalen Zeiten) hätten Banken so einen nicht mehr bedienten Kredit als Kreditausfall abschreiben müssen. Aber die letzten Monate war dies nicht der Fall. Nun hatten wir bei FMW uns die letzten Wochen bereits gefragt, ob die Aufseher nicht doch noch schnell vor Ablauf der Frist im September diese Sonderregel verlängern, vielleicht bis Jahresende? Dies hätte den Banken die Gelegenheit geboten womöglich gigantische Berge an nicht bedienten Krediten weiterhin als vollwertige Kreditforderung im Buch zu führen – womit auch keine Milliardenabschreibungen für das Geschäftsjahr 2020 nötig gewesen wären.

BaFin bestätigt Ende von wichtiger Ausnahmeregel für Banken

Aber heute hat die BaFin offiziell verkündet, dass eben diese Sonderregel tatsächlich mit Wirkung zum 30. September ausläuft. Die BaFin begrüße die Entscheidung der EBA, so der Infotext. Ab 1. Oktober müssen Banken dann wieder diese gestundeten Kredite entsprechend in ihren Büchern ausweisen als Komplettverlust oder Sonstiges. Wie hoch dann Abschreibungen ausfallen werden? Wer kann das schon sagen, denn die letzten Monate, wo diese Stundungen nicht als Kreditausfälle sichtbar waren, konnten externe Beobachter das ja nicht erkennen. Man darf gespannt sein. Hier die BaFin heute im Wortlaut:

Die Europäische Bankenaufsichtsbehörde EBA lässt ihre Leitlinien zu allgemeinen Zahlungsmoratorien vom 2. April 2020 (siehe „EBA veröffentlicht Leitlinien zu allgemeinen Zahlungsmoratorien“) Ende September 2020 auslaufen. Laut EBA sind die Zahlungsmoratorien ein wirksames Instrument gewesen, um kurzfristige Liquiditätsengpässe von Schuldnern der Institute infolge der Corona-Pandemie und die große Zahl der daraus folgenden Stundungsbegehren zu bewältigen. Die überwiegende Mehrheit der EU-Banken hat an allgemeinen Zahlungsmoratorien teilgenommen und Stundungen zwischen sechs und zwölf Monaten gewährt. Auch nach dem 30. September 2020 können Institute neue Stundungen gewähren. Diese fallen aber nicht mehr unter ein allgemeines Zahlungsmoratorium. Vielmehr muss das Institut den gestundeten Kredit jeweils im Einzelfall der einschlägigen aufsichtlichen Kategorie zuordnen. Die BaFin begrüßt die Entscheidung der EBA.

9 Kommentare

9 Comments

  1. Avatar

    sabine

    22. September 2020 19:55 at 19:55

    Wer regiert in Europa? Die EU und ihre „Ministerien“, heißen halt anders. Kommissariat, Europäische Bankenaufsichtsbehörde usw.
    Nur einige kleine Länder können sich dem entziehen. England, Schweiz, teilweise Dänemark.
    stupid germans natürlich nicht. Hauptsache brav und nicht schief angeguckt vom Nachbarn oder in der Firma.

  2. Avatar

    Frank Mertens

    23. September 2020 23:22 at 23:22

    Sehr geehrter Herr Kummerfeld,

    vielen Dank für Ihre differenzierte und informative Berichterstattung.

    Wenn ich mir dass BAFIN Statement durchlese stellt sich mir eine Frage. Müssen Stundungen nur als Kreditausfall angezeigt werden wenn diese nach dem 30.09 gewährt werden, oder betrifft dies auch Stundungen die zuvor gewährt wurden aber über den 30.09 hinaus weiter laufen?

    Haben Sie hierzu Informationen. Vielen Dank für Ihre Antwort im voraus.

    • Avatar

      dontspeak

      24. September 2020 08:55 at 08:55

      Hallo,

      genau diese selbe Frage habe ich mir beim Lesen auch gestellt, und zwar beim Satz „Auch nach dem 30. September 2020 können Institute neue Stundungen gewähren. DIESE(!) fallen aber nicht mehr…“

      Wörtlich verstanden gilt die Regelung also nur für neue Stundungen. Hr Kummerfeld, könnten Sie das bitte nochmals recherchieren, danke.

      Viele Grüße

  3. Avatar

    Peter

    24. September 2020 10:07 at 10:07

    Laufende Stundungen sind durch die alte Regelung abgedeckt. Für prolongierte oder gänzlich neue Stundungen gelten die alten Regelungen nicht mehr. Zumindest für die laufenden Stundungen dürfte es eng werden. Die Geschäfte laufen ja noch nicht wirklich gut. D. H. Es wird kaum Prolongationen geben können….

  4. Avatar

    Peter

    24. September 2020 10:31 at 10:31

    Für die laufenden Stundungen gilt diese Regel nicht. Jedoch für prolongierte (verlängertel und natürlich für neue. Praktisch wird dies bedeuten, dass es kaum Prolongationen geben wird… Den Rest kann sich jeder ausdenken..

    • Avatar

      Peter

      24. September 2020 10:32 at 10:32

      An Redaktion.. Bitte löschen… Danke Sie haben eine tollen Blog

      • Markus Fugmann

        Markus Fugmann

        24. September 2020 10:50 at 10:50

        @Peter, was genau löschen?

        • Avatar

          sabine

          6. Oktober 2020 16:58 at 16:58

          Wohl seinen 2. Beitrag. Ging mir am Anfang auch so. Da war mein Beitrag auf einmal weg, und nach einer Zeit war er online….

  5. Claudio Kummerfeld

    Claudio Kummerfeld

    24. September 2020 11:06 at 11:06

    Wir werden das nochmal nach-recherchieren!

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Allgemein

Markus Krall über das große Debakel als Resultat der Gelddruck-Orgie

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Dunkle Wolken über Frankfurt

Markus Krall erlebt man in letzter Zeit leider öfters vor allem bei Twitter mit zweifelhaften Äußerungen zu Corona-Themen. Aber dennoch wollen wir seine hochinteressanten Aussagen zur Geldpolitik und Wirtschaftsordnung präsentieren. Denn seine inhaltlichen Aussagen zu diesen Themen sind bestechend. Sicherlich kann man bei einigen seiner Aussagen anderer Meinung sein, dennoch erweitern seine Thesen den Horizont und regen zum Nachdenken an.

Der folgende gestern veröffentlichten Vortrag stammt zwar schon vom 24. Oktober 2020, dennoch ist er auch heute noch aktuell. Die wirtschaftlichen und geldpolitischen Folgen der Coronakrise werden besprochen. Dabei zeichnet Markus Krall ein düsteres Bild über eine bevorstehende massive Inflation und das Ende des Euro. Richtig los geht es ab Minute 12:40 im Video. Banken und Zombieunternehmen sind Klassiker-Themen in seinen Vorträgen, die auch dieses Mal zur Sprache kommen. Auf jeden Fall ist dies mal wieder ein spannender Vortrag von Markus Krall.

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

weiterlesen

Allgemein

Dirk Müller über das Börsenjahr 2021: „Mit Gas und Bremse durch den Markt“

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Bulle und Bär - Dirk Müller will mit Gas und Bremse durchs Jahr kommen

Dirk Müller hat in einem aktuellen Interview über das Börsenjahr 2021 gesprochen, aber auch über die Corona-Restriktionen und den Bitcoin. Beim Thema Corona ist er der Meinung, dass die Beschränkungen nach einer flächendeckenden Impfung und rückläufigen Infektionszahlen nicht verschwinden würden. In welcher Form genau es weitergehe, könne er auch nicht sagen, aber gewisse Arten von Einschränkungen im Alltag würden dauerhaft bestehen bleiben. Dirk Müller erwähnt in dem Zusammenhang die auch bei der Grippe ständigen Mutationen und jährlich neuen Impfungen, um sich dagegen zu schützen. Corona käme dauerhaft als neues Risiko hinzu.

Dirk Müller über das die Aktienmärkte in 2021

Immer weiter steigende Börsenkurse sind laut Dirk Müller auch im Börsenjahr 2021 möglich, auch dank der Notenbanken. Aber, so seine Worte, alle Welt glaube es gehe an der Börse jetzt nur noch nach oben. Man frage sich nur noch, wie kräftig die Kursgewinne im Jahr 2021 ausfallen werden. Aber ein großer Börsencrash sei jederzeit möglich. Was dafür exakt der Auslöser sei, könne man vorher nie sagen. Ein Problem für die Aktienmärkte sei aktuell das Ansteigen der Anleiherenditen in den USA (aktuell 1,09 Prozent). Diese würden laut Dirk Müller unabhängig von der Politik der Notenbanken anziehen, weil die Inflationserwartungen in den USA zunehmen. Es stehe für 2021 eine Sektorenrotation bevor. Das Anlegergeld verlasse die Tech-Aktien. US-Banken würden interessanter werden, aber auch Branchen wie der Flüssiggas-Sektor. Er gehe mit Gas und Bremse durch das kommende Börsenjahr. Man solle für weiter steigende Kurse offen sein, aber mit Absicherung.

Bitcoin

Und was ist mit dem Bitcoin? Wochenlang war der Kurs ja kräftig gestiegen, dann wieder deutlich gefallen (hier unsere aktuellste Berichterstattung). Dirk Müller bleibt bei seiner bisherigen Meinung. Der Bitcoin sei eine eindeutige Zockerei, dahinter stehe kein echter Wert. Er könnte kräftig verlieren, aber auch unendlich weiter steigen.

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

weiterlesen

Allgemein

EZB: Auf der Spur der wahren Gründe für das große Gelddrucken

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Die EZB-Zentrale in Frankfurt

Wir alle hören es seit Jahren und nehmen es zur Kenntnis. Offiziell betreibt die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Geldpolitik (Zinsen und Anleihekäufe), um die Inflation von der Null-Linie in Richtung 2 Prozent zu bekommen. Und Bürger und vor allem Unternehmen sollen durch die Banken in der derzeitigen Krise günstige Finanzierungsbedingungen erhalten. Daher flutet man alles und jeden mit Notenbank-Euros, und die Banken können dem braven Mittelständler noch günstigere Kredite anbieten? So kommt die Wirtschaft in Schwung, und letztlich auch die Inflation? So geht natürlich die offizielle Story. Und tatsächlich?

Viele Beobachter der EZB-Politik behaupten oder meinen erkannt zu haben, dass es Frau Lagarde und vorher Mario Draghi in Wirklichkeit darum ging, mit günstigen Finanzierungskonditionen und mit massiven Anleihekäufen die Südländer in der Eurozone am Leben zu erhalten. So wolle man die Eurozone als Konstrukt zusammenhalten. Auch wir bei FMW haben uns in den letzten Jahren diverse Mal zu diesem Thema geäußert. Nach der gestrigen PK von Christine Lagarde ist uns der Kommentar von Dr. Jörg Krämer aufgefallen, dem Chefvolkswirt der Commerzbank. Man kann ihn also ruhig als seriöse Quelle bezeichnen.

EZB hält Bedingungen für Südländer günstig

Er hat seinen Kommentar betitelt mit der Headline „Was Günstige Finanzierungsbedingungen wirklich bedeuten“. Er zielt auch auf die oberflächlichen Gründe der EZB ab, nämlich Kreditkunden in der Wirtschaft zu günstigen Konditionen zu verhelfen. Es sei interessant zu beobachten, wie stark Christine Lagarde das Konzept der „günstigen Finanzierungsbedingungen“ betont habe. Sie folge dabei einem „holistischen Ansatz“ und habe verschiedene Zinsen im Blick – etwa die für Kredite an Unternehmen oder private Haushalte. Tatsächlich aber (so Jörg Krämer) dürfte es der EZB aber vor allem darum gehen, die Renditeaufschläge der Anleihen der besonders hoch verschuldeten Staaten zu begrenzen. So lasse sich beobachten, dass die EZB im Rahmen ihres PEPP-Programms immer dann mehr Staatsanleihen kaufe, wenn die Risikoaufschläge steigen (siehe Grafik). Zitat Jörg Krämer:

Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg habe ein EZB-Vertreter gesagt, dass die EZB sogar bestimmte Höchstwerte für die Risikoaufschläge einzelner Staatsanleihen bestimmt habe. Offenbar sieht es die EZB als ihre Aufgabe an, die Währungsunion zusammenzuhalten, solange die hoch verschuldeten Staaten nicht ihre Hausarbeiten machen und damit latent die Existenz der Währungsunion gefährden.

Endet diese Politik der EZB, wenn das Corona-Aufkaufprogramm PEPP Anfang 2022 endet? Nein, Jörg Krämer glaubt, dass das Aufkaufen auch danach weitergeht, optisch eben nur über ein andere Vehikel. Die EZB werde dann das „normale“ Kaufprogramm namens APP aufstocken, und zwar von 20 auf 30 bis 40 Milliarden Euro pro Monat. Begründen dürfte sie dies unter anderem mit einer merklich unter zwei Prozent liegenden Inflation. Und ja, so möchten wir von FMW anmerken: So läuft es schon seit Jahren. Die Inflation, die ist einfach zu niedrig, deswegen muss man Billionen an Euros drucken und immer weitere Teile der Anleihemärkte aufkaufen. In Wirklichkeit will man, so nehmen wir es auch an, nur weiterhin gewährleisten, dass Italien, Griechenland, Spanien und Co sich so günstig wie nur irgend möglich immer weiter verschulden können.

EZB kauft mehr Anleihen um Spreads zu senken

Hier klicken, um den Inhalt von Twitter anzuzeigen

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage