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Banken drängen Unternehmen Kredite für die Krise aufzunehmen

Skyline von New York - Sitz zahlreicher großer Banken in den USA

Der Nasdaq-100-Index notiert auf Allzeithochs. Viele andere Indizes sind nur wenig von ihren Hochs entfernt. Also alles in Ordnung in der Börsenwelt, Krise vergessen? (hier der aktuellste Marktkommentar von Markus Fugmann) Keineswegs! In den USA drängen Banken ihre Kunden inzwischen dazu, Kredite aufzunehmen, solange es noch möglich ist. Offensichtlich denken die Investmentbanken, dass sich das Investitionsklima an der Börse massiv verschlechtern wird und es zu einer Kreditklemme kommen könnte.

Die Kreditpolitik der Großbanken unterliegt aktuell größeren Schwankungen. Zu Beginn des Shutdowns in vielen Volkswirtschaften wollten viele Unternehmen ihre Kreditlinien auszureizen, um für den Fall der Fälle benötigtes Cash parat zu haben. Da diese gewährten Kredite jedoch auf die Bankbilanzen genommen und mit Eigenkapital unterlegt werden mussten, waren die Banken davon wenig begeistert. Schließlich sahen die sich in der Krise auch dem Risiko von Verlusten ausgesetzt, die das Eigenkapital verringern würden. Auf der einen Seite steigende Eigenkapitalanforderungen wegen ausgeweiteter Kreditvergabe und auf der anderen Seite sinkendes Eigenkapital aufgrund von Abschreibungen auf Wertpapierbestände – das würde nicht lange gut gehen.

Unternehmen sollen Kredite aufnehmen, aber bitte nicht bei den Banken!

Daher gab es vor einigen Wochen Berichte, dass die Banken ihre Kunden darum baten, andere Finanzierungsquellen in Betracht zu ziehen. Für Großkonzerne ist es relativ einfach, börsengehandelte Anleihen zu platzieren, statt gewöhnliche Bankkredite aufzunehmen. Für die Investmentbanken hat das den Vorteil, dass ihre Bilanz geschont wird und sie trotzdem bei der Platzierung der Anleihe eine Provision verdienen können. Auch dieses Mittel wurde in der Krise intensiv genutzt. So begab Chiphersteller Intel am 25. März beim Beginn der Coronakrise einige Anleihen zu Zinssätzen, die aus heutiger Sicht schmerzen. Man nahm acht Milliarden US-Dollar neuen Kredit auf:

eine 40-jährige Anleihe mit 4,95% Zins, heutiger Marktzins sind 3,06%
eine 30-jährige Anleihe mit 4,75% Zins, heutiger Marktzins sind 2,92%
eine 20-jährige Anleihe mit 4,6% Zins, heutiger Marktzins sind 2,72%
eine 10-jährige Anleihe mit 3,9% Zins, heutiger Marktzins sind 1,8%
eine 7-jährige Anleihe mit 3,75% Zins, heutiger Marktzins sind 1,21%
eine 5-jährige Anleihe mit 3,4% Zins, heutiger Marktzins sind 1,31%

Aus heutiger Sicht würde Intel während der Laufzeit der Anleihen also volle 2,9 Milliarden US-Dollar Zinsen sparen, hätte man die Emission nur um etwas mehr als zwei Monate verschoben. Doch Ende März war völlig unklar, ob wir in ein 2008er Finanzkrisenszenario mit völlig lahmgelegter Kreditversorgung und völlig crashender Wirtschaft schliddern würden. Dass die Kapitalmärkte nur wenige Tage nach der Emission wieder Richtung Allzeithochs streben würden, hat wohl niemand erwartet. Und genauso wenig scheinen jetzt viele zu erwarten, dass der Markt doch noch einmal crashen könnte.

Anleihe-Emissionen auf Rekord-Niveau – als Krisenvorsorge!

Außer den Banken selbst. Aus den USA kommen Berichte, dass Investmentbanken ihre Kunden zu vermehrten Anleihe-Emissionen drängen und darauf hinweisen, welche ökonomischen Risiken in den kommenden Krisen-Monaten auf die Unternehmen zukommen könnten. Und die Unternehmen tun, was man ihnen riet. Das Emissionsvolumen für Unternehmensanleihen in den USA ist etwa doppelt so hoch wie im vergangenen Jahr zur gleichen Zeit und erreichte bereits eine Billion US-Dollar. Im vergangenen Jahr wurde diese Marke erst im November erreicht. Dabei spielt es keine Rolle, in welcher finanziellen Situation sich die Unternehmen tatsächlich gerade befinden. Sowohl das Volumen bei Anleihen von Unternehmen mit Investment-Grade Rating als auch denen mit Junk-Rating steigt. Der Mai war der Monat mit dem drittgrößten Junkbond-Emissionsvolumen aller Zeiten.

Tesla sieht wohl keine Krise, trotz kollabierender Verkaufszahlen

Übrigens: Eines der wenigen Unternehmen, das sich scheinbar die derzeit rosige Lage am Aktienmarkt nicht zunutze macht, ist Tesla. Die Aktie notiert nahe des Allzeithoch und die Anleihe-Zinsen für Tesla sind fast auf einem historischen Tiefstand. Gleichzeitig verkauft Tesla derzeit kaum Autos, plant aber den Bau diverser Fabriken, obwohl sich ausrechnen lässt, dass das Unternehmen kaum noch genügend frei verfügbares Cash auf dem Konto hat, um das laufende Jahr durchzustehen. Und doch gibt es weniger eine Kapitalerhöhung, noch eine neue Anleihe-Emission. Vielleicht hat doch nicht jedes Unternehmen unabhängig von der Bonität Zugang zum Kapitalmarkt?



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1 Kommentar

  1. Da wird doch wohl jemand in Zukunft nicht etwas anderes erwarten… ?

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