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Banken in der Krise – Fluch und Segen der neuen Generation

Die Tatsache, dass die deutschen Banken und Sparkassen unter besonders hohem Wettbewerbsdruck leiden, ist seit Langem bekannt. Doch eine neue Generation privater Hightech-Banken wächst rasant im Bereich der Privatkunden und greift damit genau die Geschäftssparte an, über die sich die Platzhirsche gerade sanieren wollten.

Banken in der Krise – das Sterben in Deutschland geht weiter

Noch vor zwei Jahrzehnten gab es in Deutschland über 3.500 Banken mit ca. 60.000 Filialen. Heute sind es noch 1.600 Institute mit unter 30.000 Filialen. Laut der Studie „Bankenreport Deutschland 2030“ von Oliver Wayman (Marsh & MacLennan Companies) wird es in 10-15 Jahren nur noch 150 bis 300 Banken mit einem tragfähigen Geschäftsmodell hierzulande geben. Die Anzahl der Filialen wird bis dahin vermutlich noch einmal um ca. 90 Prozent sinken. Damit steht den Schalterhallen der Kreditinstitute das gleiche Schicksal bevor, wie einst den Telefonhäuschen. Heute hat jeder sein eigenes mobiles Telefon in der Tasche und diese „Smart-Phones“ beheimaten immer öfter auch eine digitale Bankfiliale.

Neue Trends und Technologien

Direkt-Banken und Handy-Banken, das sind die neuen Konkurrenten, die den Platzhirschen der Branche das Geschäft streitig machen. Unbelastet von exorbitanten Bilanzrisiken, ausgestattet mit den neuesten Technologien, hoher operativer Effizienz und niedrigen Kostenstrukturen greifen diese FinTechs immer aggressiver an. Die Innovationsfähigkeit der neuen „Player“ am Markt ist dabei ungleich höher und ähnelt eher denen von High-Tech Start-Ups aus dem Silicon Valley. Und so ist es auch kein Zufall, dass ausgerechnet Peter Thiel Kapitalgeber eines der erfolgreichsten deutschen FinTechs ist – der N26 Bank. Der deutschstämmige Risikokapitalgeber, der einst zusammen mit Elon Musk PayPal gründete, hat dabei ein ganzes Netzwerk von Kapitalgebern inkl. politischer Kontakte bis ins Weiße Haus im Rücken.

Anstatt sich gesundzuschrumpfen, startet das deutsche Einhorn unter den FinTechs gerade international durch. Das Gegenteil geschieht beim ehemaligen Branchenprimus Deutsche Bank, die erst Anfang Juli mit einer internationalen Kündigungswelle Schlagzeilen machte, als Mitarbeiter unter Tränen von heute auf Morgen ihre Arbeitsplätze räumen mussten. 18.000 Stellen will die „Deutsche“ bis 2022 abbauen, ein Viertel der Belegschaft. Stimmen die Prognosen in der Studie von Oliver Wayman, wird es dabei wohl längst nicht bleiben.

Ganz anders das digitale Pendant N26, dass bei aller berechtigten Kritik in Sachen digitale Sicherheit und Kundenservice sich gerade zum Global Player aufschwingt. Im Juli startete die Bank ihren Service auch in den USA. Spricht man mit Managern digitaler Banken wie Revolut oder N26, haben diese ganz klare Vorstellungen, wie Banking 2.0 für Privatkunden aussehen muss: die Fusion von sozialen Netzwerken und Banking, Peer-to-Peer-Kredite, Echtzeit-Überweisungen, Crypto-Konten, Community-Sparen und das alles nahezu papierlos. Anstatt Bankgebühren zu erheben, werden digitale Mehrwerte und schicke metallische Kreditkarten angeboten, als hippes Abonnement verpackt.

Deutsche Bank – überholen ohne einzuholen?

Es mutet daher schon fast tragisch an, wenn der Vorstandschef der Deustchen Bank Christian Sewing (hier unser aktuellster Artikel zur DB) die Präsentation seines Sanierungsplans im Juli mit den Worten einleitet: „Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass wir die Deutsche Bank neu erfinden“ und mit dem Hinweis fortfährt, dass man nicht mehr überall mitmischen möchte, sondern sich wieder stark auf den Privatkunden fokussieren will. Die Manager bei N26 sprechen intern von „Hyper-Growth“ und meinen damit eine Vervielfachung der Kundenzahl in wenigen Jahren, von aktuell ca. 3,5 Millionen auf 50 Millionen Kunden weltweit. Zum Vergleich: In der Geschäftssparte Private & Business Clients hat die Deutsche Bank momentan weltweit ca. 25 Mio. Kunden. Im Jahr 2008 waren es noch fast 30 Millionen. Geld für den Angriff auf die etablierten Banken und für die internationale Expansion spielt dabei für die digitalen Youngster keine Rolle. Die Berliner Handy-Bank konnte Mitte Juli erneut erfolgreich eine Finanzierungsrunde mit zusätzlichen 150 Millionen Euro Eigenkapital abschließen und operiert jenseits der Kosten für die Expansion bereits profitabel. Der Gesamtwert des Unternehmens beträgt bereits über 3,5 Milliarden Euro.

Anders als bei der Deutschen Bank, wo Milliardenverluste die Innovations- und Restrukturierungsmöglichkeiten limitieren, soll das frische Geld bei N26 genau dort investieret werden, wo Wachstum generiert wird: bei Produktinnovationen, beim Kundenservice, den Mitarbeitern und der nationalen sowie internationalen Expansion.

Da sollte den heimischen Banken und Sparkassen angst und bange werden, denn irgendwoher müssen die Millionen Kunden ja kommen. Oft ist es zwar nur ein Zweitkonto, das bei den FinTechs geführt wird. Aber wie die Vergangenheit an Hand der Direktbanken zeigt, gewöhnt sich eine neue Generation Bankkunden schnell an das digitale Angebot, sodass Hauptkonten (Gehaltskonten) bei der Consorsbank oder bei der DKB mittlerweile selbstverständlich sind. Dieser Trend hin zum Hauptkonto ist auch bei den Handybanken bereits in vollem Gange. Damit wird die Strategie der alten Banken, wie z. B. der Deutschen Bank konterkariert oder besser gesagt: brutal kannibalisiert.

Fazit

Der deutsche Bankenmarkt steht vor historischen Umwälzungen: Filialschließungen, Digitalisierung und Bilanzrisiken sind dabei nur drei der großen Herausforderungen, mit denen die lange verwöhnte Branche konfrontiert ist. Es liegt aber auch eine Chance in diesem aufgezwungenen Wandel: Die Schumpetersche kreative Zerstörung kann man gerade lehrbuchmäßig an Hand der deutschen Finanzhäuser beobachten. Es ist nicht unrealistisch, dass am Ende eine neue, gesündere Bankeninfrastruktur das Ergebnis dieser Umwälzung ist – vielleicht sogar mit neuen deutschen globalen Champions.

Deutsche Banken - Frankfurter Skyline
Frankfurter Skyline. Foto: pixabay / Inactive account – ID 12019



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1 Kommentar

  1. Was nützen Direkt-Banken und Handy-Banken wenn das Fiatmoneyponzimindestreservesystem immer noch das selbe ist?
    Am Ende steht die totale Kontrolle und Versklavung der Massen.
    Da bringt es auch nichts wenn jeder seine Platinkreditkarte im Geldbeutel hat.
    Sklave bleibt Sklave. Und wer nicht kooperiert wird einfach abgestellt. Punkt.

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