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Betriebliche Altersvorsorge: Europaweit Deckungslücken in Kassen – Zinsproblem!

Claudio Kummerfeld

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Symbolbild Altersvorsorge und Betriebliche Altersvorsorge

Die betriebliche Altersvorsorge ist ein ziemlich wichtiger Bestandteil der gesamten Altersvorsorge. Denn wie immer deutlicher wird, kann die gesetzliche Rente für einen bedeutenden Teil der heutigen Beitragszahler nicht für ein normales Auskommen im Alter reichen! Das Thema Betriebliche Altersvorsorge wird aber in der medialen Öffentlichkeit so gut wie gar nicht wahrgenommen. Wo gerade kleine Volksbanken und Sparkassen immense Probleme haben wegen den abgeschafften Zinsen, da haben die betrieblichen Pensionskassen genau die selben Probleme.

Betriebliche Altersvorsorge vor Problem

Denn normalerweise müssen jede Menge Zinserlöse anfallen, damit die Pensionskassen für die Betriebliche Altersvorsorge überhaupt die laufenden Ausgaben bedienen können. Aktuell schreibt die deutsche Aufsichtsbehörde BaFin über eine aktuelle Studie der europäischen Versicherungsaufsicht, Zitat auszugsweise:

Die Kapitalanlagen europäischer Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung (EbAV) reichen teilweise nicht aus, um deren Verpflichtungen zu bedecken. Das ergab der diesjährige europaweite EbAV-Stresstest der Europäischen Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung (EIOPA). Sollte das Niedrigzinsumfeld weiter bestehen, könnten auf einen Teil der Arbeitgeber, die EbAV für die betriebliche Altersversorgung ihrer Beschäftigten nutzen, höhere finanzielle Aufwendungen zukommen. Dadurch könnten sich unter Umständen negative Auswirkungen auf die Realwirtschaft ergeben.

Dr. Frank Grund, Exekutivdirektor der Versicherungs- und Pensionsfondsaufsicht der BaFin, urteilt: „Der EIOPA-Stresstest hat gezeigt, dass Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung nicht nur in Deutschland, sondern auch in zahlreichen anderen Mitgliedstaaten vor erheblichen Herausforderungen stehen, die insbesondere auf das Niedrigzinsumfeld zurückzuführen sind.

Milliarden nachschießen?

Die Lage ist wohl dramatisch, auch wenn sich die Aussagen von BaFin und europäischen Aufsehern eher nüchtern anhören. Das Problem dabei ist: Kommt es bei den Geldanlagen der Pensionskassen zu einem Schock durch besondere Marktereignisse, müssten die Betriebe, die für die Pensionskassen garantieren (also zum Beispiel große Konzerne oder Mittelständler), Milliardensummen in ihre Pensionskassen nachschießen.

Die europäischen Aufseher haben einen Stresstest durchgeführt (70 Seiten lange Studie hier einsehbar). Dabei geht es eine mögliche ruckartige neue Bewertung von Risikoprämien, um starke Schwankungen am Aktienmarkt, und um einen Zinsschock bei Anleihen mit kurzen Fälligkeiten. Untersucht hat man mögliche Auswirkungen auf 176 Pensionskassen in 19 Ländern in Europa. 2% des BIP der im Stresstest einbezogenen Länder könnten durch das Stresstest-Szenario der Aufseher verloren gehen. In der Folge müssten die Pensionskassen für die betriebliche Altersvorsorge einen eher kurzfristigen Einbruch von 173 Milliarden Euro erleiden, und ihre Träger (also die Unternehmen) müssten 49 Milliarden Euro einschießen.

Wir meinen dazu (ganz platt gesagt): Letztlich kann man sich so einen Stresstest ja genau so zurecht basteln, wie man ihn gerade braucht. Fällt ein Crash im Stresstest-Modell etwas kleiner aus, sinken auch die Milliardenbeträge, welche die Träger nachschießen müssten. Wie groß ein Marktschock ausfällt, weiß vorher ja eh niemand genau. Aber wichtig ist die Botschaft so eines Stresstests. Das Finanzsystem ist durch die abgeschafften Zinsen ziemlich instabil geworden. Erst durch die Null- und Negativzinsen wurde offenkundig, dass die Profitabilitätsmodelle der Banken und die Zahlungsverpflichtungen von Pensionskassen etc am Zins hängen. Fällt der Weg, gibt es massive Probleme.

Müssen bei einem Marktschock (also zum Beispiel ein Börsencrash) reihenweise Unternehmen Gelder in ihre Pensionskassen nachschießen, damit die Betriebliche Altersvorsorge weiter wie gewohnt zahlen kann, fehlt dieses Geld im aktuellen wirtschaftlichen Betrieb des Unternehmens.

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Shong09

    18. Dezember 2019 19:38 at 19:38

    Sehr geehrter Herr Kummerfeld,

    ich würde Sie vielmals bitten, nicht nur (schlechte) „Nachrichten“ mit Copy&Paste hier wiederzugeben, sondern sich um qualitative Wiedergabe dergleichen, d.h. inkl. einer qualitativ hochwertigen Interpretation hier zu veröffentlichen.

    Ihnen hätte mMn doch sofort ins Auge springen müssen, dass hier „Dabei geht es eine mögliche ruckartige neue Bewertung von Risikoprämien, um starke Schwankungen am Aktienmarkt, und um einen Zinsschock bei Anleihen mit kurzen Fälligkeiten“ die totale Irrationalität begangen wird, auf die kurzfristigen anstatt der langfristigen Anleihen abzustellen. Bei Zinserhöhungen sind die Kurswerte der kurzfristigen Anleihen quasi irrelevant (zudem auch noch gering), da diese recht schnell fällig werden, also zum Nominalbetrag zurückgezahlt werden. Die Aktien verlieren zwar, diese Anteilsklasse hat bei den europäischen Versicherungen aber meist eine niedrige einstellige %-Zahl als Portfoliogewichtung, stellt also vermutlich meist kein Problem dar, wie das bei den Pensionsfonds ist, weiss ich nciht genau. Aber das große Problem sind die langlaufenden Anleihen. Gucken Sie sich einfach den Kurs der 100-jährigen Anleihe Österreichs an, dann spiegelt man einfach den Chart der 24 Monate vor Juli/August 2019 nach rechts, und wenn das Zinsniveau über 2% steigen sollte, dann kann man den noch weiter dem Trend fortschreiben. Aber es gilt wie bei der Deutschen Bank, bei „0 there is a massive support“.
    Just my 2 Cents

    • Avatar

      Shong09

      18. Dezember 2019 19:41 at 19:41

      Fazit: Das Problem ist sehr viel größer und wurde sehr schön kachiert ;)
      Ich kenne auch einige UN, da kommen Sie fast schon an einer Hand auf die 50€ Mrd.!!! Pensionsrückstellungsunterdeckung.

  2. Avatar

    Gixxer

    20. Dezember 2019 16:39 at 16:39

    Das zeigt doch aber auch ganz klar, dass es keinen Einbruch der Börsen mehr geben darf. Denn dieser wäre nur der Stein, der alles andere ins Rollen bringt.
    Die EZB ist also auf Gedeih und Verderb dazu gezwungen dafür zu sorgen, dass es zu keinem Einbruch mehr kommt. Also daher All In? Ich weiß es nicht!

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Neofiskalismus – die Zeit für größere Regierungsaktivitäten ist gekommen

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Eine neue Ära vermehrter Regierungsaktivitäten hat begonnen und wird sich wahrscheinlich noch über Jahrzehnte fortsetzen, so die Analyse des Global Macro Research Teams von Insight Investment. Das Insight’s Global Macro Research Team hat für dieses Phänomen einen neuen Begriff eingeführt: „Neofiskalismus“. Damit soll eine sich abzeichnende Ära beschrieben werden, in der Regierungen durch ihre Finanzpolitik eine noch direktere und offensivere Rolle in der Wirtschaftspolitik und -steuerung ausüben. Dies steht in starkem Kontrast zu dem gegenwärtigen Modell, unter dem Zentralbanken weitestgehend in der Lage waren, geldpolitische Entscheidungen ohne politische Intervention zu treffen.

Das neoliberale Paradigma reduzierter Regierungsinterventionen in der Wirtschaft ist in Gefahr. Längerfristige Trends gingen bereits in diese Richtung, aber die Notfallpolitik, die zur Bewältigung der COVID-19-Krise angewandt wurde, hat einen möglichen Wendepunkt geschaffen. Das Global Macro Research Team hat fünf Folgen für die Märkte identifiziert:

1)
Die Anleihenmärkte könnten für einen langen Zeitraum ähnlich wie in Japan werden. Eine im historischen Vergleich relativ geringe Volatilität könnte dazu führen, dass die Suche nach Renditen die Spreads verringert und die Zinskurven abflacht.

2)
Ein Anstieg der Inflation könnte Anleiherenditen kurzfristig nach oben treiben, wenn sie eine Abschwächung der quantitativen Lockerung bewirkt. Solche Gelegenheiten dürften attraktive Einstiegspunkte sein, solange längerfristig erwartet wird, dass die Inflation nach den Finanzierungsengpässen in der Wirtschaft wieder auf den Zielwert zurückkehrt.

3)
Für Staaten ohne vollständige Kontrolle über die Währung, in der sie ihre Emissionen tätigen, sollte die Wirksamkeit der Regierung von entscheidender Bedeutung sein. Effektiv handelnde Regierungen, die in der Lage sind, die Produktivität und das Trendwachstum zu steigern, könnten das Verhältnis Schulden/BIP rascher reduzieren.

4)
Das Identifizieren von Regierungen, die in der Lage sind, das Trendwachstum zu maximieren, dürfte für die Aktienmärkte wichtig werden, da dies zu einem wichtigen Ertragsmotor wird.

5)
Unternehmen mit staatlicher Unterstützung dürften in Perioden mit Finanzierungsengpässen einen Vorteil haben.

Experte erklärt neues Phänomen des Neofiskalismus
Gareth Colesmith, Head of Global Rates and Macro Research bei Insight Investment

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Glas halb voll oder halb leer? 21 statt 33 Prozent der Betriebe stark von Corona betroffen

Claudio Kummerfeld

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Zahl von Corona stark beeinträchtigter Betriebe sinkt

Der eine sagt das Glas ist halb voll, der andere sagt es ist halb leer. Ansichtssache! So wohl auch in diesem Fall. Denn ab wann kann man sagen, dass sich die gesamtwirtschaftliche Lage so weit gebessert hat, dass die Coronakrise im großen Bild überstanden ist? Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute aktuelle Umfrageergebnisse veröffentlicht. Regelmäßig befragt man 1.500 Betriebe.

Demnach berichteten für den Monat Mai 33 Prozent der Betriebe von starken negativen Corona-Auswirkungen auf das eigene Geschäft. Heute meldet das IAB, dass noch 21 Prozent der Betriebe von starken negativen Auswirkungen sprechen. Also ein Fünftel der Unternehmen ist immer noch ernsthaft von Corona beeinträchtigt, und das laut Bundesregierung vier Monate nach dem wirtschaftlichen Tiefpunkt der Krise. Der eine erachtet dies als großen Schritt in die richtige Richtung, der andere sieht darin ein Desaster, dass immer noch so viele Betriebe ernsthafte Probleme haben. Dazu hier einige Aussagen des IAB im Wortlaut:

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die wirtschaftliche Situation der Betriebe sehr deutlich gegenüber dem Höhepunkt der Krise im Frühjahr verbessert hat“, erklärt IAB-Forscher Jens Stegmaier.

Von den im Mai stark negativ durch die Corona-Krise betroffenen Betrieben sind 49 Prozent weiterhin stark betroffen. 25 Prozent der im Mai stark negativ betroffenen Betriebe geben aktuell geringe negative Auswirkungen an, 23 Prozent keine oder gleichermaßen positive wie negative Auswirkungen und 3 Prozent überwiegend positive Auswirkungen.

Am heftigsten wurde das Gastgewerbe von der Corona-Krise getroffen: Im Mai lag der Anteil der Betriebe mit starken negativen Auswirkungen bei 78 Prozent und der Anteil mit geringen negativen Auswirkungen bei 17 Prozent. Aktuell sind 45 Prozent stark negativ betroffen und 17 Prozent gering negativ betroffen.

Im Bereich Information und Kommunikation waren im Mai dagegen nur 3 Prozent der Betriebe stark negativ betroffen. Gering negativ betroffen waren 25 Prozent. Aktuell sind 5 Prozent stark negativ und 29 Prozent gering negativ betroffen.

Das Verarbeitende Gewerbe liegt dazwischen: Für den Mai berichteten 37 Prozent der Betriebe von starken negativen und 28 Prozent von geringen negativen Auswirkungen. Aktuell sind 29 Prozent mit starken negativen Auswirkungen und 24 Prozent mit geringen negativen Auswirkungen konfrontiert.

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Geldpolitik: US-Notenbank macht Nullzins langfristig fest – Werbung

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Lieber Börsianer,

gestern haben sich im Rahmen ihres turnusmäßigen Treffens die US-Notenbanker nochmals zur Geldpolitik eingelassen. Dabei verzichtete man erstmals auf jede Geheimniskrämerei und garantierte dem Kapitalmarkt, den gegenwärtigen Leitzins von Null langjährig beizubehalten. Die Fed wird dabei auch zumindest vorübergehend Inflationsraten oberhalb der bisher starren Inflationsgrenze von 2 % akzeptieren.

Das war nicht der ganz große Wurf der Fed. Am Aktienmarkt hatte man doch auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik gehofft. So hofften die Börsianer, dass die Notenbanker nächstens ihre Anleihenkäufe nochmals ausweiten und künftig auch im Junk-Bereich (Anleihen mittlerer und schlechter Qualität) einkaufen werden. Diese Phantasie ist nach der gestrigen Notenbank-Sitzung erst einmal vom Tisch.

Trotzdem hatten die Währungshüter rund um Jerome Powell auch positive Nachrichten für uns. Mittlerweile wissen wir, die Pandemie hat sich nicht so zerstörerisch auf die US-Volkswirtschaft ausgewirkt wie zuvor befürchtet. So rechnen die Analysten der Fed nun damit, dass die Arbeitslosenrate in den USA Ende des Jahres zwischen 7 und 8 % liegen wird, aktuell übrigens 8,4 %. Zuvor war man noch von einer Rate in der Spanne zwischen 9 bis 10 % ausgegangen.

Vor diesem Hintergrund sah der Offenmarktausschuss – das oberste Gremium der Fed – keine Notwendigkeit, kurzfristig weitere Mittel in den Markt zu pumpen. Folglich schwächelten die Aktienmärkte rund um den Globus zum Wochenausklang.

Eine Frage: Warum ist eigentlich die Geldpolitik der Fed, aber auch der EZB so immens wichtig für uns als Anleger? Warum reagieren die Märkte jedes Mal nahezu prompt auf die Einlassungen der Geldpolitiker?

Hierzu einige Hintergrund-Informationen: Die Geldpolitik bestimmt vereinfacht gesprochen, wieviel Geld die Wirtschaftssubjekte wie Unternehmen, Verbraucher und auch Investoren in der Tasche haben. Und je lockerer oder expansiver eine Geldpolitik, desto mehr Kapital befindet sich im Wirtschaftskreislauf. Und viel Geld bedeutet letztlich immer steigende Aktienkurse.

Damit ist die Geldpolitik neben der fundamentalen Entwicklung in den Unternehmen der große und entscheidende Faktor für die Aktienmärkte. Ich behaupte, dass die Börsenhausse der vergangenen Jahre ganz wesentlich auf der lockeren…..

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