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Börse absurd – oder sind die ersten Reaktionen nicht doch sehr nachvollziehbar?

Die heutige Kursreaktion an den Börsen ist wieder einmal ein Beispiel dafür, warum eine normale logische Denkweise an der Börse zu Fehleinschätzungen führen muss

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Die heutige Kursreaktion an den deutschen Börsen ist wieder einmal ein Beispiel dafür, warum eine normale logische Denkweise an der Börse zu Fehleinschätzungen führen muss. Die Möglichkeit der Einführung von Zöllen ist seit dem Trump-Tweet am Montag bekannnt geworden und sie wurde von Tag zu Tag wahrscheinlicher. Nach der „efficient market theory“ werden Fakten sofort eingepreist und darauf zu hoffen, dass man sie bei Bekanntwerden anlagetechnisch versilbern kann, ist äußerst selten. Außer, es werden neue Umstände bekannt, die noch eingepreist werden müssen.

Deshalb konnte man heute von der Frankfurter Börse vernehmen:

„Außerdem ist mit der Zollerhöhung und der Drohung mit Gegenmaßnahmen bereits gerechnet worden“, sagt ein Händler. Eine Überraschung sei das nicht mehr gewesen. Deshalb sorgen Shorteindeckungen von vorsichtigen oder auch ängstlichen Investoren erstmal für eine Stabilisierung der Indizes und nicht für den befürchteten Einbruch.

 

Was heißt das jetzt für die nahe Zukunft?

Es liegt so Vieles im Unklaren, was die Zölle und Gegenzölle aus China betrifft. Also kann es auch noch nicht eingepreist sein und eine weitere Börsenreaktion nach unten ist alles andere als unwahrscheinlich. Zudem werden ganze Handelsabteilungen zu rechnen begonnen haben, was es für die US-Konjunktur bedeutet, sollten die Zölle länger Bestand haben und eventuell ausgeweitet werden. Das ist auch das Besondere an der jetzigen Börsensituation.

Nach 10 Jahren Aufschwung kann ein US-Präsident allein mit seinen einsamen Entscheidungen die Weltwirtschaft ins Straucheln bringen. Ein Mann, der immer autokratischer regiert und, Insidern zufolge, immer weniger auf den Rat seiner Berater hört und aus dem Bauch heraus entscheidet. Da liegt die besondere Situation. Die Reaktionen eines so sprunghaften Menschen vorauszusagen, dafür bräuchte man etwas ganz Neues – Tausende von Anlegern könnten kurzfristig damit weit überfordert sein.

 

Foto: Deutsche Börse AG

6 Kommentare

6 Comments

  1. Unwissender

    10. Mai 2019 11:34 at 11:34

    Hallo Wolfgang, Sie führten folgendes aus: „Deshalb sorgen Shorteindeckungen von vorsichtigen oder auch ängstlichen Investoren erstmal für eine Stabilisierung der Indizes und nicht für den befürchteten Einbruch.“
    Können Sie das bitte näher erläutern? Sollte nicht der Dax z.B. fallende Kurse zeigen, wenn sich viele Händler Short eindecken? Weshalb sorgt das für eine Stabilisierung? Dies würde ja bedeuten, dass auf der Käuferseite eine erhöhte Nachfrage vorhanden ist. Wer kauft in diesem Umfeld heite Vormittag denn?
    Danke schon mal!

    • Gixxer

      10. Mai 2019 13:09 at 13:09

      Shorteindeckung bedeutet, dass Leute, die short sind wieder kaufen müssen.
      Die Leute müssen also etwas, was sie früher mal verkauft haben, weil sie davon ausgingen, das es noch billiger zu haben ist, nun wieder zurück kaufen. Diese Rückkäufe bewirken dann, dass der Markt steigt.

      Ich hoffe, ich habe das so einigermaßen richtig und verständlich ausgedrückt.

  2. Wolfgang M.

    10. Mai 2019 12:47 at 12:47

    @Unwissender. Die Käufer von Verkaufsoptionen rechnen mit fallenden Kursen und sichern ihre Bestände ab. Wenn es aber zu keinem Kursrutsch kommt (weil viele Anleger mit dem Ereignis gerechnet haben), liegen diese auf der falschen Seite, die Position gerät ins Minus und muss zur Verlustbegrenzung zurückgekauft werden. Dabei wird die Gegenseite, welches Underlying auch immer, gekauft, was stabilisierend wirkt. Eine starke Neigung zur Absicherung führt regelmäßig zur Kursstabilität, auch wenn das Ereignis negativ ist. Die Positionierung der Anleger löst eine Short Squeeze aus, die im Lichte der Fundamentaldaten absurd wirkt. Das bedeutet, dass selbst bei fallenden Kursen diese Shorteindeckungen (dann Gewinnmitnahmen) immer wieder zu Gegenreaktionen führen – temporär.
    Viele Grüße

  3. Robert Daney

    10. Mai 2019 13:14 at 13:14

    es ist nichts eingepreist, außer die Hoffnung, daß man sich bald doch einigt! Diese Hoffnung könnte sich noch Monate hinziehen und in der Zwischenzeit hofft man auf Geldschwämme der Notenbanken. Diese beiden Hoffnungen sind sehr Rational, eigentlich zu rational und deshalb werden sie enttäuscht werden

  4. Halbwissender

    10. Mai 2019 14:20 at 14:20

    @Unwissender, als selbsternannter Assistent von Wolfgang M. kann ich Ihnen den Tipp geben.
    Googeln – Short covering oder Short Eindeckung oder Short Squeeze.

  5. Unwissender

    10. Mai 2019 14:34 at 14:34

    Danke @all!!! Ich hab’s verstanden!

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