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Börse: Korrektur sollte sich fortsetzen – Warnzeichen

„Der Coronavirus könnte die Börsenparty abrupt beenden“

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Wird sich die am Freitag gestartete Korrektur der Börse fortsetzen?

Geschichte wiederholt sich nicht, sagt man. Manchmal schon, wie zum Beispiel bei der Entwicklung der Aktienmärkte diesseits und jenseits des Atlantiks zu sehen ist. Fast auf den Tag genau vor zwei Jahren (26. Januar 2018) brachen die Kurse der US-Indizes ein sowie bei unserem Dax, der am 23. Januar sein bis heute gültiges Schlusskurs-Rekordniveau von 13559 Punkten erreicht hatte. Auch wenn sich in diesem Jahr urplötzlich so etwas wie ein schwarzer Schwan in Gestalt des Coronavirus entwickelt hat, war die Stimmung damals genauso euphorisch wie in diesen Tagen und Wochen. Was sagen uns die aktuellen Sentimentindikatoren an der Börse?

Die Stimmung der Anleger an der Börse

Aus der letzten Auswertung des Sentiments der Anleger von den Analysehäusern AnimusX und Sentix gab es bereits am Wochenende eindeutige Einschätzungen. Die derzeitige Euphorie solle genutzt werden, um Positionen zu verkaufen, es genüge bereits eine kleine Warnung, um die Börsenparty zu beenden, so die Analyse von Stephan Heibel.

Wenn das keine negativen Meldungen sind, die uns im Stundentakt aus China erreichen. Die Werkbank der Welt, die für einen Großteil des Wirtschaftswachstums der Welt in einer ganzen Dekade gesorgt hatte, wird bis deutlich in den Februar hinein stillgelegt.

Bis vor wenigen Tagen schien die schönste aller Welten an der Börse vorzuherrschen. „Dovishe“ Notenbanken, eine Entspannung im Handelsstreit und Anzeichen aus der Wirtschaft, dass sich die Konjunkturen weltweit erholen könnten. Dies alles hatte zu einer seltenen Sorglosigkeit der Anleger geführt und zu einem deutlichen Warnsignal aus Sicht der Sentimenttheorie. Diese Stimmung hält nun schon ein paar Wochen an, es wurden mehr und mehr Käufer angelockt, so dass bei einer überraschenden Korrektur Kapital fehlt, welches dann als Schutzschirm eingesetzt werden könnte. Man hatte bei einem Allzeithoch sogar neue Engagements in Erwägung gezogen.

Sehr gut erkennbar bei institutionellen Anlegern, die sich über die Frankfurter Terminbörse Eurex absichern: Das Put/Call-Verhältnis von unter 0,6 zeigte zum Wochenschluss eine extrem bullisch Positionierung der Professionellen an.

Vorsichtiger sind die Privatanleger, denn das Euwax-Sentiment der Börse Stuttgart wies auf eine neutrale Verfassung an.

Und die Amerikaner?

Die USA könnte man als so etwas als das Mekka der Euphorie betrachten, bis vor dem Wochenende.

Das Put/Call-Ratio der Chicagoer Terminbörse CBOE stand auf einem extrem niedrigen Niveau, dem niedrigsten seit zwei Jahren. Dieses Gefühl der absoluten Sicherheit sei ein starkes Warnsignal für die Börse, so der Experte Heibel.

Noch deutlicher zu sehen am Put/Call-Ratio, welches für Aktientransaktionen in den USA extra ausgewiesen wird, denn dieses ist mit einem Wert von 0,5 auf dem niedrigsten Stand seit vier Jahren gefallen.

Interessant auch die hohe Investitionsquote der Fondsmanager mit 93 Prozent. Heibel bringt dazu auch einen Vergleich: Diese Investitionsquote lag Ende 2017, bei Ankündigung der US-Unternehmenssteuerreform durch Donald Trump bei 120 Prozent, dem jemals höchst gemessenen Wert. Die Folge war im Januar darauf die heftige Korrektur, als sich die Großen über Produkte auf den VIX absichern wollten. Auch lag die Bullenquote am Freitag in den USA bei hohen 21 Prozent. Nur der Fear&Greed-Index war zum Wochenschluss schon rückläufig und ist am gestrigen Tag sogar richtig abgestürzt.

Alles in allem haben die Sentimentindikatoren von AnimusX schon aus der Umfrage zum Wochenende auf eine Korrektur der Börse hingewiesen, auch bei der zweiten Analysefirma Sentix, die zu einem ähnlichen Ergebnis kam.

Der Coronavirus als kleiner schwarzer Schwan für die Börse

Bei all der Euphorie an den Märkten genügt oft nur ein kleiner Anlass, der das Fass zum Überlaufen bringt – oder die Stimmung zum Kippen.

Enantiodromie ist dann die Folge, also das plötzliche Umschlagen der Stimmung in ihr Gegenteil. Ein abrupter Wechsel, den wir sonst beim Wetter des Öfteren beobachten können. Die Entwicklung in China ist aber schon eine richtige Hausnummer. Wenn die zweitgrößte Volkswirtschaft mit einem Bruttoinlandsprodukt von 14 Billionen Dollar – was immerhin einem Sechstel der gesamten Weltwirtschaft entspricht mit fast einem Fünftel der Weltbevölkerung – lahmgelegt wird, so muss das Auswirkung auf die Wirtschaftswelt haben. Ein Ereignis, welches kein Indikator an der Börse antizipieren könnte und das damit ganz eindeutig die Bedingungen eines „Schwarzen Schwans“ erfüllen könnte, den der Risikoforscher Nassim Nicolas Taleb in vielen seiner Bücher beschrieben hat.

Fazit

„Der Coronavirus könnte die Börsenparty abrupt beenden“, so lautete die Einschätzung der Sentimentspezialisten schon am Wochenende – und der gestrige Montag scheint dies voll zu bestätigen. Nach einer euphorischen Stimmung wie im Januar 2018, ohne Absicherung und dazu noch ein exogener Schock für die Weltwirtschaft durch das Erstarren Chinas – der perfekte Sturm für die Börse und für eine Korrektur. Und für eine Episode in der Geschichte, die sich tatsächlich wiederholen könnte..

Die Stimmung an der Börse war zuletzt extrem euphorisch

12 Kommentare

12 Comments

  1. Avatar

    Columbo

    28. Januar 2020 10:13 at 10:13

    @Wolfgang Müller

    Ich freue mich immer wieder über Ihre Beiträge!
    Wenn Gold und Franken nicht fallen wollen, ist das in meinen Augen verdächtig. Das sind doch auch Absicherungsinstrumente, oder?

    • Avatar

      BrettonWood

      28. Januar 2020 11:10 at 11:10

      Beide massiv manipulierbar, nehmen wir doch mal die Derrivate der Comex aus dem Spiel und erlauben nur noch physische Lieferungen, und lösen die SNB auf….denken Sie Gold und Franken würden sich immer noch nicht bewegen, der Franken hat sich wieder weit weit von der Wunschgrenze der SNB entfernt….der Franken ist sowieso Wertlos….was denken Sie was mit all den Franken passiert wenn der Euro Zusammenbricht? Sie werden sofort eine Realanlage in der Schweiz suchen, welche dann mit Hyperinflation bedacht wird, den pltözlich ist all das viele Geld in der Realwirtschaft im Umlauf, da man noch was kriegen will dafür bevor es eben Wertlos wird, da die hälfte der SNB Bilanz ja aus Euro Positionen besteht….

      400-500 Mrd zusätzliche Franken welche plötzlich irgendwrwas in der Schweiz kaufen wollen…in der Schweiz sagen wir dazu prostnägeli….

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      Wolfgang M.

      28. Januar 2020 12:09 at 12:09

      @Columbo. Danke für die Wertschätzung. Ja es ist erstaunlich, auf der einen Seite preist man bereits die möglichen wirtschaftlichen Schäden ein – dazu morgen ein Beitrag von mir – und auf der anderen Seite reagieren die von Ihnen angeführten Absicherungsassets noch sehr moderat. Vielleicht fürchtet man, dass die Fed morgen unterstützend (verbal) in die Märkte eingreift. Da will man sich (noch) nicht zu weit aus dem Fenster lehnen.
      Meine Vermutung
      Viele Grüße vom nördlichen Alpenrand

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    BrettonWood

    28. Januar 2020 11:05 at 11:05

    Frage des unwissenden…wie kann die Investitionsqoute bei 121% liegen? Egal wie ich es drehe (in einer von Vernuft gezeichneten Welt) ich habe das einfach nie mehr als 100% auch mach 7000% Gewinn habe ich nicht mehr als 100%….

    Man kann viele tausend Prozent gewinnen aber nie mehr als 100% verlieren….den 100% ist alles, wie also kann ich 100% + 20% verlieren? In dem ich noch 20% auf Pump gekauft habe? Oder wie muss ich das verstehen? Wie wird das gemessen? Und sind diese 120% eigentlich nicht auch 100%?

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      Wolfgang M.

      28. Januar 2020 12:18 at 12:18

      @BrettonWood. Gute Frage. Da ich davon ausgehe, dass im Handelsblatt belastbare Fakten veröffentlicht werden, kann eine Quote von über 100 Prozent nur mit Inanspruchnahme von Kredit u.o. mittels Einsatz von Derivaten generiert worden sein. Man ging „all in“, weil die Steuerreform einen „windfall profit“ in Billionenhöhe für die Unternehmen versprach.
      Gruß

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      Petkov

      28. Januar 2020 15:02 at 15:02

      Hallo Brettonwood, eine Investitionsquote von 120% bei Fonds bzw. Vermögensverwaltern ist in der aktuellen Situation nichts Besonderes und zeigt an, dass gewisse Teile des Kapitals in gehebelte Produkte investiert sind. Profis nennen es auch Leverage Effekt. Hebel eben.

      Übrigens: dass Anleger maximal 100% Verlust machen können, ist nicht richtig. Dies gilt für Aktien und auch Zertifikate und sogar für exotische Optionsscheine etc. Aber nicht für Produkte mit Nachschusspflicht, z. B. CFDs. Sobald Sie ein Margin Konto haben, insbesondere wenn Sie institutioneller Anleger sind, können Sie durchaus mehr als 100% Verluste machen. Leverage Effekt in die doofe Richtung eben. Wofür CFD steht weiß ich nicht mehr so genau, aber bei Privatpersonen bedeutet es wahrscheinlich Contract with Fucking Devil. 😉 Grüße

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    Petkov

    28. Januar 2020 15:14 at 15:14

    @Wolfgang: großartiger Beitrag wie immer.

    • Avatar

      Wolfgang M.

      28. Januar 2020 20:53 at 20:53

      @Petkov. Danke. Wissen Sie eigentlich noch, dass Sie es waren, der Markus Fugmann aufgefordert hat, mir einen Platz für meine Börsenkommentare bei FMW zu reservieren? Damals hatte ich noch wöchentlich meine Einschätzung zur Lage an den Börsen anhand der Headwinds and Tailwinds in der Kommentarspalte zum Besten gegeben und jetzt müssen die Leser mein tägliches Geschreibsel auf der Hauptseite ertragen.😜
      Grüße

      • Avatar

        Petkov

        31. Januar 2020 00:00 at 00:00

        Wolfgang, deine Beiträge sind da, wo sie hingehören. Das hat sicherlich herzlich wenig mit mir zu tun. Du bist gewiss der Letzte hier, der sein Licht unter den Scheffel stellen sollte.
        Aber mal was ganz anderes: hast du immer noch die Slack App? Habe dir eine private Nachricht geschrieben. Oder wie können wir wieder in Kontakt treten? Wollte dir was vorschlagen…
        Schöne Grüße

  4. Avatar

    Quintus

    29. Januar 2020 07:56 at 07:56

    @Wolfgang M.
    Auch von meiner Seite aus ein Lob für ihre Beiträge. Sie gehören zu den Wenigen, welcher Nassim Talebs Schwarzen Schwan in seine Betrachtungsweise miteinbezieht. Eine Erwägung diesbezüglich wäre nun angebracht, denn Das Biohazard Labor in Wuhan war wohl doch der Ausgangspunkt des
    Coronavirus 2019-nCoV.

    https://www.zerohedge.com/health/man-behind-global-coronavirus-pandemic
    Es ist eine gefälschte Farce, und der wahre Grund für die Virusverbreitung liegt darin, dass eine waffenfähige Version des Coronavirus (die ursprünglich aus Kanada stammen könnte) vom Institut für Virologie in Wuhan (ob versehentlich oder nicht), einem Spitzenlabor für Biogefährdung der Stufe 4, das „die gefährlichsten Krankheitserreger der Welt“ untersuchte, freigesetzt wurde, Vielleicht wäre es eine gute Idee, wenn dasselbe Wuhan-Institut für Virologie den folgenden, am 18. November 2019 veröffentlichten Hinweis „Hilfe gesucht“ entfernen würde, wonach das Institut ein oder zwei Post-Doc-Stipendiaten einstellen möchte, die „mit Fledermäusen den molekularen Mechanismus erforschen, der es Ebola- und SARS-assoziierten Koronaviren ermöglicht, lange Zeit zu schlummern, ohne die Krankheit zum Ausbruch zu bringen“.

    https://www.nytimes.com/2020/01/28/opinion/coronavirus-china.html
    So when you’re done worrying about this outbreak, worry about the next one…..

    • Avatar

      Lausi

      29. Januar 2020 09:07 at 09:07

      Die Sache wird ja immer verrückter: Ausbruch eines waffenfähigen Coronavirus aus einem Hochsicherheitslabor, Fledermäuse und vielleicht noch Graf Drakula. Hoch ansteckend scheint das Virus ja zu sein. Stellt sich noch die Frage wie hoch die Letaliät dabei ist, also wie viele Todesfälle auf 100 Infizierte kommen. Jedenfalls erklärt das Hochsicherheitslabor als Ursprung dieses Virus die Panik der chinesischen Behörden. Ein schwarzer Schwan wie er im Buche steht. Da wird die Fed wohl nicht viel gegen anstinken können.

  5. Avatar

    Thomas

    29. Januar 2020 10:26 at 10:26

    In einer Liquditätshausse interessieren sich die Investoren für die Auswirkungen der Schäden auf die Wirtschaft durch Krankheiten oder Naturkatastrophen nur marginal. Nach dem Iranabenteuer, ist es um so interessanter, dass die Kapitalmärkte über sowas wie Corona stolpern.
    Die Fahnenstangen und der Abstand zu der unter den Investoren vielbeachteter 200 Tage Linie bei den US-Indizes sind Einmalig. Auf dem Niveau zu investieren wird kein Fondsmanager verantworten wollen. Der Virus ist meiner Meinung nur der perfekte Vorwand um bei dieser Lage die Gewinnmitnahmen zu rechtfertigen. Die Abgabebereitschaft ist da.
    Sollte die heutige FED-Sitzung und die Frage nach der Bilanzausweitung die Märkte nicht wieder Trapp bringen, oder gar bei positiven Impulsen Abgaben auslösen, werden wir sehr schnell Überangebot sehen. Dann sind ca. 12600 im DAX und mehr sehr realistisch.
    Bin bereits Short investiert, auf die FED-Sitzung wird ein Straddle gesetzt, falls die FED die Runde für sich entscheiden wird.

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