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Börse: Prognosen – und Erfahrungen aus der Geschichte

Wolfgang Müller

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am

Wie jedes Jahr gibt es Prognosen für die Börse. Ein uralter Kalauer aber lautet: „Prognosen sind schwierig, vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen.“ Trotzdem werden diese immer wieder abgegeben, der Mensch giert danach.

Aber Wissenschaftler, wie der Nobelpreisträger für Wirtschaftspsychologie Daniel Kahnemann, hat in seinem Lebenswerk schon lange Voraussagen in Politik und Wirtschaft als unseriös bezeichnet in einem Umfeld, welches er als „Zero-Validity Environment“ bezeichnet hat. Auch historische Vergleiche hinken immer mehr, gerade Corona hat gezeigt, dass es für diese Phase keine ökonomische, historische Blaupause gibt. Immer wieder werden auch Vergleiche mit den 1920-er-Jahren herangezogen (roaring 2020s), was ziemlich unsinnig ist, wie auch Professor Straubhaar, ein Volkswirt der Universität Hamburg betont. Prognosen der Ökonomen seien immer weniger von Wert, sagt einer, der selbst in diesem Umfeld lehrt. Nachfolgend ein paar Auszüge aus seinem Essay in der „Welt“ in der Silvesterausgabe.

Corona und der Wert von Prognosen

Bereits im Frühling habe ich in Artikeln bei FMW darauf hingewiesen, dass wir nach dem Lockdown die ungewöhnlichsten Entwicklungen bei Wirtschaftsparametern aller Zeiten sehen werden. Grund war zum einen der globale Lockdown, der zeitweise vier Milliarden werktätige Menschen in eine häusliche Quarantäne gezwungen hatte – und die Finanzmathematik. Abstürze über 50/70 oder gar 95 Prozent (Fluggesellschaften) müssen selbst bei moderaten Erholungen zu astronomischen Wachstumswerten führen. Mein damaliges Lieblingsbeispiel: Der Einbruch der Passagierzahlen um 95 Prozent bedingt in der Zukunft gigantische Wachstumszahlen, selbst bei plus 500 Prozent ist man noch lange nicht bei den Vorjahreswerten angelangt. Corona-bedingte Einbrüche in Freizeit, Kultur und Tourismus gab es in dieser Größenordnung nicht einmal während des Zweiten Weltkriegs.

Viele haben nicht an eine rasche Erholung in Teilbereichen geglaubt, vor allem, weil das menschliche Gehirn Entwicklungen linear weiterschreibt. Wie oft von Anthropologen in Zusammenarbeit mit Mathematikern in der Corona-Krise dargelegt, das Exponentielle ist nichts für den Menschen.

Aber bereits bei der Vorhersagen von niedrigen Prozentwerten im Wachstum der BIP-Quartalszahlen war „heiteres Beruferaten“ angesagt.

Das Ausnahmejahr 2020 und die unsinnigen Prognosen

Professor Straubhaar, ein Mann der Volkswirtschaft, geht in seinem Kommentar hart mit der eigenen Zunft ins Gericht. Er nennt selbst die Prognosen von Sachverständigen als eine Selbstüberschätzung der eigenen Möglichkeiten. Manche Prognosen basierten auf reinen Vermutungen und ähnelten eher Horoskopen. Hier einige weitere Schlagsätze über die Probleme, die sich aus einer Gesundheitskrise für die eigene Zunft ergeben haben:

  • Niemand hat auch nur im Entferntesten kommen sehen (können!), was Corona verursacht. Ebenso wusste und weiß keiner, wie lange die Pandemie und vor allem deren Bekämpfung die Welt noch in Atem halten wird und was die Folgen für Politik, Gesellschaft und Wirtschaft sein werden.
  • Die Kritik an der Prognosequalität zielt jedoch nicht auf Personen – auch nicht auf Sachverständigenräte oder Wirtschaftsforschungsinstitute. Es geht um die Methoden und Verfahren, mithilfe derer die Voraussagen getroffen werden.
  • Alle gängigen Prognosen basieren auf einer Extrapolation der Vergangenheit. Das geht aber nur, wenn das Vergangene zumindest als grobe Näherung für das Kommende Bestand hat. Eine gewisse Stabilität der politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Strukturen gegeben ist. Diese Voraussetzung war lange erfüllt.
  • Was ist aber, wenn der Wandel rasend schnell erfolgt, nichts und niemanden verschont und über Nacht alles ändert – so wie es 2020 mit der Pandemie der Fall war? Dann sind Erfahrungswerte kein guter Kompass. Das Beispiel Digitalisierung mit Homoffice, Onlinehandel, Videokonferenzen, Fernunterricht, Datenbearbeitung
  • Die Pandemie sollte eigentlich auch den Prognostikern die Augen öffnen, dergestalt, dass die Vergangenheit immer weniger in der Lage ist, sinnvolle und brauchbare Erkenntnisse für die Zukunft zu liefern.

Börse und Prognosen: Der Vergleich mit den 1920er-Jahren

Die jetzige Lage verleitet auch Nichtökonomen dazu, immer wieder Vergleiche zu früheren Krisen herzustellen – so etwa der Vergleich mit den 1920er-Jahren an der Börse. Straubhaar geht hier auf die Rolle der Notenbanken ein, die ein gewaltiges Experiment durchführen.

Niemand weiß, wie sich die Verhaltensweisen von Menschen und Gesellschaften ändern, wenn nicht wie bisher Millionen und Milliarden, sondern Billionen Eurobeträge zum Maß aller monetären Dinge werden, die Politik das Kommando über die Marktwirtschaft übernimmt und die Zentralbanken den Zinsmechanismus außer Kraft setzen.
Aber die Experten geben die Prognosen für die Weltwirtschaft selbst bis zur Nachkommastelle an. Die Zukunft wird anders sein, dafür könne es kein Vorwissen, keine Erfahrung geben.

Dazu Professor Straubhaar:

Um bei aller Ungewissheit dennoch eine Voraussage treffen zu können, bedienen sich viele Prognostiker gerne der Geschichte. Historische Ereignisse werden aus der Erinnerungskiste längst vergangener Tage hervorgekramt. Beispielsweise vergleichen viele die 2020er- mit den 1920er-Jahren.
Aus der Geschichte des 20. Jahrhunderts verallgemeinerbare Entwicklungen für das 21. Jahrhundert ableiten und prognostizieren zu wollen, sprengt jedoch jegliche wissenschaftliche Dimension.
Man kann aus der Geschichte Muster erkennen und Lehren ziehen. Sie ist aber immer weniger in der Lage, vorauszusagen, was sein wird. Deshalb führt eine naive Geschichtsgläubigkeit zu Fehlprognosen. Zu oft wird der Erkenntnisgewinn aus der Geschichte überschätzt. Zu häufig wird er von Interessenvertretern instrumentalisiert und manchmal auch missbraucht, um mit Verweis auf scheinbare Gesetzmäßigkeiten der Vergangenheit eigenes Tun zu rechtfertigen.
Geschichte wiederholt sich nicht. Vergangenheit ist kein Vorläufer der Zukunft. Alte Weisheiten helfen nicht weiter. Sie führen in die Irre. Viele Zusammenhänge verlaufen künftig völlig anders, als es früher der Fall war. Prognostiker stochern zunehmend nur noch im Nebel von Ungewissheit und Unsicherheit. Das gilt auch und gerade für die Börse!

Was meint Straubhaar zum Jahr 2021, zur Zukunft allgemein?

Zur Zeitenwende in eine Nach-Corona-Epoche der Digitalisierung und der Datenökonomie gehört eben auch eine Ideologiewende: weg von einer naiven quantitativen Zahlengläubigkeit hin zu einer qualitativen Abschätzung. Neue Zeiten bedürfen stärker denn je neuer Prognosemethoden. Es bedarf eher längerfristiger Vorausschau, was sein könnte, als einer kurzfristigen Voraussage, was sein wird.
Mehr Demut und weniger Selbstüberschätzung dürfte das Prognosependel von den Fakes wieder zu den Fakten zurückschwingen lassen.

Fazit

Die Aussagen über den (Un)Wert von historischen, ökonomischen Erfahrungen mag den ein oder anderen zu heftigem Widerspruch animieren. Schließlich ist der Mensch als handelndes Organ gleich geblieben, mit seiner Irrationalität, seiner Emotionalität (getrieben von Angst und Gier). Aber selbst die Boom-and-Bust-Zyklen hatten stets andere Kipp-Faktoren: Finanzkrise, Dotcom-Bubble, Zinsanhebungszyklen, Ölkrisen etc.

Auch der ständige Hinweis der Wirtschaftshistoriker mit der großen Verschuldung hat seine überragende Bedeutung verloren. Wie der Wirtschaftshistoriker Professor Schmelzing dargelegt hat, fallen die Zinsen in Schüben bereits seit dem 14. Jahrhundert und sind jetzt bei null Prozent angelangt. Natürlich kann es in einer Marktwirtschaft keinen „Free Lunch“ geben. Aber aus der jetzigen Verschuldung gleich einen nahen Kollaps zu prognostizieren? Siehe Japan..

Vergleiche mit 1929 müssen schon deshalb hinken, weil damals die Landwirtschaft der dominierende Faktor war, in einer Zeit weit vor dem Internet. Heute beträgt deren Anteil nicht einmal mehr ein Prozent am US- Bruttoinlandsprodukt. 1930 mussten in den USA Abertausende von Kindern auf den Feldern mitarbeiten, um nicht zu verhungern, während heutzutage Tausende Tonnen Lebensmittel bei Aldi und Co nach dem (engen) Verfallsdatum weggeworfen werden (müssen). Und der zweite Kernunterschied: Damals wurde die Geldmenge durch die Notenbank um 30 Prozent verknappt, vieles liquidiert, heute wächst M1 in den USA um 30 Prozent. Das hat natürlich Einfluß auf die Börse!

Der Wandel der Wirtschaft hat ein atemberaubendes Tempo angenommen, im Zeitalter der Digitalisierung, Robotisierung, beim Heranreifen von künstlicher Intelligenz und Kryptowährungen. Aber auch in der Medizin: Entwicklung eines Impfstoffs innerhalb eines Jahres. Stichwort: Noch nie ist es der Menschheit gelungen…..!

Wie Nobelpreisträger Kahnemann schon andeutete, ist niemand in der Lage hier noch vernünftige Prognosen abzugeben. Was sich durchsetzen wird z.B. E-Mobilität oder Wasserstoff, unterliegt auch oft dem Zufall.

Das gilt erst recht für Prognosen für die Börse. Wer in der ersten Februarhälfte das Beben der Börse hätte timen können, wäre mit simplen Hebelprodukten ganz schnell reich geworden, zumindest wenn er finanziell zumindest der Mittelkasse angehört hat. Der Schlusssatz von Professor Straubhaar hat es in sich: „Keine Prognose ist manchmal die beste Prognose!“

Machen Prognosen für die Börse und die Wirtschaft überhaupt noch Sinn?

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Mike

    4. Januar 2021 12:39 at 12:39

    Welche Methoden auch immer zur Prognostjik nun neu entwickelt werden, es wird immer die allumfassende Tatsache bleiben, dass der Handel nicht lange mit Luftnummern die Menschheit ernähren kann. Erstaunlich ist jedoch, dass Marktteilnehmer genau wissen, dass das Geld zusehends eine Luftnummer ist, aber noch solange daran festhalten, solange damit echte Werte ergaunert werden kann.

  2. Avatar

    Columbo

    4. Januar 2021 13:14 at 13:14

    @Mike

    Warum ist das erstaunlich? Mit einer „Luftnummer“ echte Werte kaufen, ist doch ziemlich vernünftig.

  3. Avatar

    Jakob Muschel

    4. Januar 2021 16:05 at 16:05

    @Mike, an der Börse kümmert man sich eher darum, ob der Kaviar beim nächsten Privatjetflug auch zum Champagner passt. Ob man Abends mit der Edel-Escort-Mitarbeiterin Austern schlürft oder lieber bodenständig bei Jakobsmuscheln bleibt. Ob man die Menschheit ernähren kann, ob alle 10 Sekunden ein Kind an Hunger stirbt, sind die weit entfernten Probleme Anderer. Und solange man mit dem Geld, dem Vermögen und dem Einsatz Anderer ohne nennenswertes Risiko den eigenen Hedonismus befriedigen kann, ist das alles weder erstaunlich, noch wird sich etwas ändern.

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Jerome Powell – seine Aussagen auf der PK + Live-Feed – Impressionen einer surrealen Veranstaltung..

Markus Fugmann

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am

Was wird Jerome Powell heute sagen? Im Statement der Fed kein Wort zu den jüngsten spekulativen Exzessen – werden die Journalisten diesmal nachhaken und die wirklich wichtigen Fragen stellen?

– Powell muss erstmal tiefer durchatmen..

– Wirtschaftsentewicklung hängt von Virus ab – Wirtschaft hat sich wieder abgeschwächt, Konsum hat sich abgeschwächt

– Immobilienmarkt hat sich erholt (FMW: eine Umschreibung für massiv steigende Preise..)

– Arbeitsmarkt bleibt schwach, Menschen mit geringem Einkommen am stärksten betroffen

– Inflation bleibt niedrig, aber könnte anziehen wegen Impfungen

– Wirtschaft aber robuster als zu befürchten war

Ups, das war kurz – Powell „hat schon fertig“, jetzt kommen Fragen..

—–

Und gleich die Frage nach Gamestop, wow.. Powell: ich äussere mich nicht zu bestimmten Firmen (FMW: sondern behaupte einfach, dass wir mit unserer Geldpolitik nicht Blasen begünstigen…)

– Powell: beobachten Finanzbedingungen sehr genau

– jetzt Steve Liesman von CNBC zu Bewertungen, am Beispiel von Bitcoin, Gamestop etc. (FMW: Liesman ist der einzige, der ernsthafte Fragen stellt!). Und sinngemäß sagt Powell: wir kümmern uns um die Wirtschaft, nicht um Blasen..

– Powell: es ist nicht die Geldpolitik der Fed, die Bewertungen der Märkte bedingt, sondern die Sache mit dem Impfstoff (FMW: viel dreister kann man eigentlich nicht die Unwahrheit sagen! Klar: der Impftstoff ist ein zentraler Treiber, aber wo stünden die Aktienmärkte ohne die Fed??)

– Powell zu Inflation: wird vielleicht vorübergehend steigen, aber nicht nachhaltig, weil deflationäre Trends seit langem bestehen. Es sei viel schwieriger, mit Deflation umzugehen als mit Inflation (FMW: puh..)

– jetzt die Frage, ob die Fed-Mitglieder bereits geimpft seien..Powell: ich wurde einmal geimpft und hoffe die zweite Dosis bald zu bekommen

– jetzt redet Powell über die Wirtschaft und Menschen – aber was hat die Fed mit Menschen und Wirtschaft zu tun??

– Frage von einem Bloomberg-Moderator: seid ihr als Fed überhaupt noch handlungsfähig, weil ihr die Zinsen weder senken noch anheben könnt? Powell: unsere Geldpolitik funktioniert, zum Beispiel am Immobilienmarkt

– Powell: es gibt keinen Grund. bei Erholung der Wirtschaft nicht die Zinsen anzuheben und unsere ultralaxe Geldpolitik einzustellen (FMW: is klar, Jerome..)

– Powell insistiert: nachhaltige Inflation unwahrscheinlich..

– Powell: werde gut mit Yellen zusammen arbeiten, habe aber mit ihr noch nicht gesprochen, auch nicht mit Biden

– Frage nach Furcht vor Immobilienblase oder Blase bei Unternehmensanleihen – Powell: extrem steigende Nachfrage nach Immobilien vorübergehend, bei Unternehmensanleihen sehe ich die Tatsache, dass es weniger Insolvenzen gibt (FMW: es wird immer surrealer, wie Powell versucht, die Blasen-Bildungen weg-zureden!)

FMW: bleiben sie dran bei FMW – wir bringen die Zahlen von Tesla, Facebook und Apple und die Marktreaktionen darauf!

Der Live-Feed:

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

Jerome Powell über das Evangelium der Fed

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Fed: Das sagt das Statement der US-Notenbank – weit und breit keine Blasen, nirgends..

Markus Fugmann

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Von der US-Notenbank Fed ist eigentlich heute nicht viel neues zu erwarten. Eigentlich. Aber wird dennoch etwas gesagt im Statement der Notenbank zur derzeitigen Spekulations-Euphorie? Hier die wichtigsten Aussagen der Notenbank in Stichpunkten:

– Wirtschaftswachstum hat sich abgeschwächt: „The pace of the recovery in economic activity and employment has moderated in recent months, with weakness concentrated in the sectors most adversely affected by the pandemic“
Beim letzten Statement hatte es noch geheißen in Sachen Wirtschaft: „Economic activity and employment have continued to recover but remain well below their levels at the beginning of the year.“

– keine Erwähnung spekulativer Exzesse (Gamestop!)

– wenn Situation verschlechtert, wird Notenbank handeln: „would be prepared to adjust the stance of monetary policy as appropriate if risks emerge that could impede the attainment of the Committee’s goals“

– Inflation bleibt moderat wegen Ölpreisen: „Weaker demand and earlier declines in oil prices have been holding down consumer price inflation“

FMW: Subtext der Fed – kauft alles, wir bailen euch aus. Gamestop ist cool!

Das Statement im Wortlaut:

The Federal Reserve is committed to using its full range of tools to support the U.S. economy in this challenging time, thereby promoting its maximum employment and price stability goals.

The COVID-19 pandemic is causing tremendous human and economic hardship across the United States and around the world. The pace of the recovery in economic activity and employment has moderated in recent months, with weakness concentrated in the sectors most adversely affected by the pandemic. Weaker demand and earlier declines in oil prices have been holding down consumer price inflation. Overall financial conditions remain accommodative, in part reflecting policy measures to support the economy and the flow of credit to U.S. households and businesses.

The path of the economy will depend significantly on the course of the virus, including progress on vaccinations. The ongoing public health crisis continues to weigh on economic activity, employment, and inflation, and poses considerable risks to the economic outlook.

The Committee seeks to achieve maximum employment and inflation at the rate of 2 percent over the longer run. With inflation running persistently below this longer-run goal, the Committee will aim to achieve inflation moderately above 2 percent for some time so that inflation averages 2 percent over time and longer‑term inflation expectations remain well anchored at 2 percent. The Committee expects to maintain an accommodative stance of monetary policy until these outcomes are achieved. The Committee decided to keep the target range for the federal funds rate at 0 to 1/4 percent and expects it will be appropriate to maintain this target range until labor market conditions have reached levels consistent with the Committee’s assessments of maximum employment and inflation has risen to 2 percent and is on track to moderately exceed 2 percent for some time. In addition, the Federal Reserve will continue to increase its holdings of Treasury securities by at least $80 billion per month and of agency mortgage‑backed securities by at least $40 billion per month until substantial further progress has been made toward the Committee’s maximum employment and price stability goals. These asset purchases help foster smooth market functioning and accommodative financial conditions, thereby supporting the flow of credit to households and businesses.

In assessing the appropriate stance of monetary policy, the Committee will continue to monitor the implications of incoming information for the economic outlook. The Committee would be prepared to adjust the stance of monetary policy as appropriate if risks emerge that could impede the attainment of the Committee’s goals. The Committee’s assessments will take into account a wide range of information, including readings on public health, labor market conditions, inflation pressures and inflation expectations, and financial and international developments.

Voting for the monetary policy action were Jerome H. Powell, Chair; John C. Williams, Vice Chair; Thomas I. Barkin; Raphael W. Bostic; Michelle W. Bowman; Lael Brainard; Richard H. Clarida; Mary C. Daly; Charles L. Evans; Randal K. Quarles; and Christopher J. Waller

Die Fed - was wird sie heute sagen?

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Aktien

Mit Zocken reich werden – der neue „American dream“ ersetzt den Traum vom eigenen Haus

Claudio Kummerfeld

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American Dream Symbolfoto

Man erinnere sich an die Zeiten von Bill Clinton und George Bush, und auch von Notenbank-Chefs wie Alan Greenspan. Die inoffizielle Staatsraison der 1990er und 2000er in den USA war (unter anderem): Jedem Amerikaner solle es möglich sein in seinem eigenen Haus zu leben. Das war der American Dream. Unterschwellig (so meine Meinung) war damit die Aussage an die eigene Bevölkerung verbunden, dass man sagen konnte: Schaut her, wir sind das größte, reichste und stärkste Land der Welt. Unsere Bürger können sich alle ein eigenes Haus leisten.

Die Regulierungen am US-Häusermarkt wurden dramatisch runtergefahren. Millionenfach wurden von der Regierung befeuert Hauskredite vergeben an Menschen, die in vielen Fällen noch nicht mal eine Arbeit hatten. Sie hatten noch nicht mal bei beschönigender Betrachtung irgendeine Art von Bonität. Die Katastrophe war vorprogrammiert, und das ganze Kartenhaus brach ab 2007 zusammen – was wir heute als Finanzkrise 2008 bezeichnen. Es war ein großer Traum, der für viele Amerikaner zum Albtraum wurde und für viele mit einem Schlafplatz unter einer Brücke endete.

Im Corona-Jahr 2020 entstand offenbar ein neuer American Dream. Nicht mehr Häuser auf Kredit kaufen, sondern ohne Arbeit, Wissen, Recherche oder sonst etwas reich werden, vom eigenen Computer, von zuhause aus. Durch stumpfes, sinnbefreites Zocken in Aktien, die man selbst gar nicht kennt. Einfach drauf los zocken, und schnell und einfach reich werden. Das ist wohl der neue amerikanische Traum. In der Coronakrise hockten auf einmal Millionen Amerikaner zuhause, betätigungslos. Sehr üppige staatliche Hilfen beschwerten Millionen arbeitsloser Amerikaner ein höheres monatliches Einkommen, als sie es vor Corona mit Arbeit hatten.

Klar erkennbar war die daraufhin folgende Welle an Millionen neuer Brokerkonten in den USA. Unglaublich aber wahr. Unzählige Menschen kauften sich von den staatlichen Hilfen nichts zu essen (sinnbildlich ausgedrückt), sondern überwiesen die Gelder auf ihre frisch eröffneten Brokerkonten. Hinzu kommen die neuen Broker wie „Robinhood“, bei denen man ganz ohne Gebühren zocken kann. Dadurch wurde es möglich auch mit Kleinstbeträgen von mehreren hundert Dollar drauf los zu zocken. Rein, raus, rein, raus, immer weiter.

Robinhood-Chef beschreibt den neuen American Dream

Vlad Tenev, CEO und Mitbegründer von Robinhood, des bekanntesten dieser neuen Broker für die junge wilde Zocker-Meute, hat heute einen Gastkommentar auf CNBC veröffentlicht (hier nachzulesen). Er spricht davon, dass es der neue American Dream sei ein „Investor“ zu werden, nach dem vormaligen Traum vom eigenen Haus. Er erwähnt, dass viele seiner Kunden Aktien kaufen und dann langfristig halten würden. Will da jemand Kritik am stumpfen und sinnbefreiten Zocken vorbeugen? Die Mission von Robinhood sei es nach seinen Worten, das Finanzwesen zu demokratisieren – dies sei im amerikanischen Idealismus verwurzelt. Amerika sei schon immer stolz auf seine Fähigkeit gewesen, Aufwärtsmobilität und Chancen mit wenigen Barrieren zu fördern. Dieses nationale Ethos des „American Dream“ sei so alt wie die Nation selbst. Im 20. Jahrhundert habe sich alles um den Erwerb von Wohneigentum gedreht, was unter anderem durch die 30-jährige Hypothek vorangetrieben wurde. Jetzt, wo es im Börsenhandel keine Provisionen und Mindestbeträge mehr gibt, sei die Bühne frei für einen neuen amerikanischen Traum, bei dem nahezu 100 Prozent der US-Bürger Investoren werden sollen. „Lassen Sie uns das schaffen – gemeinsam“, so seine finalen Worte.

Dazu möchte ich final anmerken: Ist das noch „Investieren“, was wir derzeit am US-Aktienmarkt sehen? Wohl kaum. Völlig wertlose Unternehmen unbegrenzt nach oben traden, ohne jeglichen Sinn und Verstand? Auf Dauer kann das nicht gut gehen. Wir haben es auf finanzmarktwelt.de die letzten Tage mehrfach angesprochen (hier der letzte Video-Kommentar von Markus Fugmann heute früh). Die ganz frische Generation von Tradern hat das Platzen der Dotcom-Blase und die Finanzkrise 2008 gar nicht erlebt. Damals waren diese Trader gerade erst geboren oder noch in der Grundschule. Sie kennen nur steigende Kurse, nur Party, nur nach oben, völlig sinnbefreit. Auch sie werden wohl eines Tages einen großen Knall erleben. Einige von ihnen werden auch nach so einem Crash immer noch kräftig Geld auf der Kante haben – andere werden nach dem „All In“ wohl ähnliches erleben wie viele Menschen nach der Zwangsräumung ihrer Häuser in den Jahren 2005, 2006 und 2007.

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