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Europa

Briten haben 1,5 Billionen Pfund Schulden – und wenn die Inflation steigt macht es „bums“..

Die Mehrheit der Briten hat sich für den Brexit entschieden – und damit einen Prozeß in Gang gesetzt, der für sehr viele Briten sehr problematisch werden wird!

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FMW-Redaktion

Die Mehrheit der Briten hat sich für den Brexit entschieden – und damit einen Prozeß in Gang gesetzt, der für sehr viele Briten sehr problematisch werden wird! Denn bekanntlich kollabierte das britische Pfund in der Folge, was wiederum die Basis schafft für ein starkes Anziehen der Inflation, weil UK besonders stark angewiesen ist auf den Import von Gütern (während Dienstleistungen exportiert werden).

Der Streit zwischen Tesco und Unliver, das die Preise auf seine Produkte pauschal um 10% anheben wollte, hat darauf schon einen Vorgeschmack gegeben. Zwar hat sich die Verweigerungshaltung des Einzelhandels-Riesen Tesco erst einmal durchgesetzt, aber der Preisdruck wird hoch bleiben – daher ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Preise dann auch massiv steigen. Auch im Dienstleistungssektor, wie zuletzt der PMI Service aus UK gezeigt hat: die Kosten für die britischen Unternehmen steigen, und diesem Kostendruck kann man nur durch Erhöhung der Preise – oder durch Senkung der Kosten begegnen. Da man die Kosten für den Einkauf von Waren kaum beeinflußen kann, geht das nur über den Abbau des Hauptkosten-Faktors – nämlich der Mitarbeiter. Unschön – aber leider die Realität.

Nun triff Inflation insbesondere jene hart, die verschuldet sind (Ausnahme ist die Hyperinflation, die gut für Schuldner ist), weil die Gläubiger für das von ihnen geliehene Geld früher oder später einen Zins-Ausgleich verlangen müssen, wenn sie nicht real Geld verlieren wollen. Und die Briten sind bis über beide Ohren verschuldet – nämlich mit insgesamt 1,5 Billionen Pfund! Seit der Finanzkrise ist die Verschuldung der Briten rasant angestiegen durch einen beispiellosen Boom am britischen Immobilienmarkt und hat nun erstmals die Marke von 1,5 Billionen Pfund erreicht – das ist pro erwachsenem Briten knapp 30.000 Pfund. Aber selbst ohne Immobilien-Kredite ist jeder erwachsene Brite durchschnittlich mit 3.737 Pund verschuldet durch „normale“ Kredite oder Kreditkarten-Schulden. Auffallend ist, wie stark die Verschuldung zueltzt zugenommen hat: alleine in den letzten 12 Monaten um durchschnittlich gut 1000 Pfund pro Erwachsenem.

Diese immense Verschuldung ist überwiegend durch Immobilien-Kredite verursacht (87%) – und anders als in Deutschland ist der Zinssatz für Immobilien-Darlehen in Großbritannien meist flexibel, passt sich also ständig dem derzeitigen Zins-Umfeld an. Nun werden etwa Banken, wenn sie merken, dass die Inflation steigt, einen Ausgleich in Form höherer Zinsen für die gegebenen Kredite verlangen, sonst würden sie real Geld verlieren, weil die Inflation höher ist als der vom Gläubiger an den Verleiher gezahlte Zins. Mithin ist es also nur eine Frage der Zeit, bis die Zinsen steigen werden – zumal die Bank of England, wie letzte Woche verlautbart, schon für 2017 eine Inflation von +2,7% erwartet.

Und noch etwas kommt hinzu: insbesondere in London fallen die Immobilienpreise seit dem Brexit-Votum, was für die kreditgebenden Banken ein Problem darstellt: ist die Immobilie als Sicherheit für den Kredit weniger wert, steigt das Risiko für die Bank für das verliehene Geld. Also müssen die Banken höhere Sicherheiten verlangen – entweder durch höhere Tilgungen oder durch höhere Zinsen, oder durch gestiegene Anforderungen an das Eigenkapital des Kunden, wenn er einen Kredit für eine Immobilie haben möchte. Werden dadurch Kredite teurer oder steigen die Anforderungen an das Eigenkapital der Kunden, wenn sie eine Immoblie kaufen wollen, sinkt die Nachfrage nach Immoblien, weil weniger Menschen sich den Kauf werden leisten können. Die Folge: sinkende Immoblienpreise. Und das ist umso wahrscheinlicher, als sich gerade in London, der am stärksten von dem Brexit betroffenen Region, eine saftige Immobilien-Blase gebildet hat.

Man braucht daher schon eine sehr eigenwillige Logik, wenn man den Brexit als für britische Konsumenten „sinnvoll“ bezeichnen möchte. Der Brexit wird große Opfer für die Briten bringen – den Meisten aber dürfte das noch nicht bewußt sein..

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    gerd

    7. November 2016 12:22 at 12:22

    Der Artikel für sich genommen ist schlüssig.
    Aber nicht im Zusammenspiel mit den Vorhergehenden.

    Alle in den letzten 6 Wochen von FMW jeweils aufgeführten Einzelparameter, die in eine mittlere Tragödie münden würden, können dergestalt gar nicht zusammen auftreten.
    Weil der eine Sachverhalt mitunter ein Gegenspieler des anderen ist.

    Und außerdem. Bis das in Britain jemals so schlimm kommen würde, ist eh schon alles zu spät. Da hat der wirtschaftliche Zusammenbruch der Türkei schon alles mi tsich gerissen hat.

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    Wolfgang Koch

    7. November 2016 13:11 at 13:11

    Die spinnen die Briten?Mitnichten!In ihrer tausende Jahre währenden Geschichte ist es ihnen bis jetzt immer gelungen,Angriffe vom Festland abzuwehren!Auch unserem Österreicher ist es nicht gelungen,den Tommies die Flötentöne beizubringen!Einigen Brüsseler&Strassburger Sesselfurzern,wird es erst recht nicht gelingen.Wetten,dass?

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      daughters of boudica

      17. August 2017 15:55 at 15:55

      wolfgang koch – welche angriffe meinen Sie, wenn Sie sich auf ‚mehrere tausend jahre‘ beziehen? und wie meinen Sie immer? zählen die römer nicht? und die wikinger? ..william der bastard übernahm nach dem battle of hastings um 1066 recht flott das land, brachte geldverleiher und eine komplett neue aristokratie aus der normandie mit und haute wenig später wieder ab, um den rest seines daseins auf dem festland zu verbringen. die geldverleiher waren wenig später reicher als der könig. sehen sie die parallelen? die sesselfurzer, von denen Sie sprechen, sind die handlanger der geldverleiher. ethnozentristische wahnsinnige, die sich überheblich als die meister der welt sehen… lesen Sie mal was..

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Europa

Aktuell: ZEW Index schwach – Einbruch der Stimmung bei Exporteuren

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Der ZEW Index (Februar; Konjunkturerwartungen) ist mit +8,7 deutlich schwächer ausgefallen ausgefallen als erwartet (Prognose war +21,5; Vormonat war 26,7).

Die Einschätzung der aktuellen Lage ebenfalls schwächer, sie liegt bei -15,7 (Prognose war -10,3; Vormonat war -9,5).

Dazu kommentiert das ZEW: besonders starker Stimmungseinbruch in exportintensiven Branchen; Wirtschaft entwickelte sich Ende 2019 und Anfang 2020 schlechter als erwartet Lage „fragil“, Coronavirus belastet die Aussichten..

Der ZEW Index mißt die Stimmung von Analysten hinsichtlich der deutschen Wirtschaft

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Europa

Autozulassungen deutlich rückläufig – nach Verzerrung kommt die Realität!

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Beispielbild für Autos auf der Autobahn

Erinnern wir uns vier Wochen zurück. Da berichteten wir über einen gigantischen Anstieg der Autozulassungen in der EU. Um 21 Prozent stiegen sie im Dezember 2019 im Vergleich zu Dezember 2018! Da konnte man sagen: Wow, läuft doch, welche Krise bitte? Aber ein genauerer Blick zeigte in den Aussagen des europäischen Automobilverbands ACEA, dass dieser riesige Anstieg nur einem Sondereffekt geschuldet war. Aufgrund steuerlicher Änderungen ab Januar 2020 zogen viele Autokäufer in verschiedenen Ländern ihre Käufe noch schnell vor in den Dezember, um alte Steuervorteile aus 2019 noch mitnehmen zu können.

Autozulassungen im Januar rückläufig

Und es kommt nun, wie es kommen musste. Wo die Zahlen im Dezember noch glänzten, da fehlen die Autozulassungen in den Folgemonaten. Im Januar sind die Autozulassungen im Jahresvergleich um 7,5% rückläufig, so ACEA heute früh. Man darf wohl annehmen, dass auch in den Folgemonaten schwache Zahlen reinkommen, weil der enorme Dezember-Anstieg erst einmal auf mehrere Monate hinweg die Nachfrage dämpfen wird. ACEA erwähnt aktuell auch, dass neben diesem steuerlichen Sondereffekt aus Dezember für die rückläufigen Autozulassungen im Januar auch wichtig war, dass es Unsicherheit rund um den Brexit gab, und allgemein schwächelnde wirtschaftliche Konditionen.

Den stärksten Rückgang bei den Autozulassungen hat Frankreich erlebt mit -13,4% im Jahresvergleich. Die großen Flächenländer büßen alle ein, so auch Deutschland mit -7,3%, Spanien mit -7,6% und Italien mit -5,9%. Den Schnitt etwas retten tun viele kleine Länder mit größeren Zuwächsen. In Großbritannien erlebt man mit -7,3% deutlich rückläufige Autozulassungen.

Autozulassungen EU im Januar 2020

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Konjunktur: Der erneute Kampf Deutschlands mit der Rezession

Wann kommt sie nun, die lang erwartete Erholung der deutschen Industrie? Hätten wir in Europa nicht ein so absurd niedriges Zinsniveau, wäre der Dax bestimmt eine Etage tiefer

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Aus einem Abschwung im Aufwärtstrend ist für die deutsche Konjunktur anscheinend ein dauerhafter Kampf gegen die technische Rezession geworden. Seit Mitte 2018 kämpft das deutsche Wirtschaftswachstum mit diesem Phänomen, nämlich einer Schrumpfung von zwei aufeinanderfolgenden Quartalen. Zweimal konnte die kleine Rezession noch abgewehrt werden, zuletzt gab es im vierten Quartal 2019 noch ein Miniwachstum von 0,0279 Prozent, wie das Statistische Bundesamt letzte Woche feststellte. Doch jetzt droht neues Ungemach, denn dass die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal abtauchen wird, dafür sorgen schon die Auswirkungen von Covid-19.

Deutsche Konjunktur: Das ewige Warten auf ein Anspringen des verarbeitenden Gewerbes

Die ersten Volkswirte setzen das Wachstum Deutschlands im ersten Quartal des neuen Jahres bereits wieder unter die Nulllinie – trotz boomenden Baus und eines noch ordentlichen Konsums. Zu stark sind die bereits jetzt spürbaren Auswirkungen des Coronavirus auf die Weltwirtschaft, deren Zustand maßgeblich für das produzierende Exportland Deutschlands ist.

Dabei waren schon im Dezember 2,1 Prozent weniger Maschinen und sonstige Industrieprodukte bei Firmen in Deutschland geordert worden.

In Deutschland trägt die Industrie mit 21,7 Prozent (2018) gut ein Fünftel zum Bruttoinlandsprodukt bei. Im Vergleich dazu: Italien 16,8 Prozent, USA 11,6 Prozent, Frankreich 10,9 und Großbritannien 10,0 Prozent. Dazu aktuell der Konjunkturexperte des Ifo-Instituts Timo Wollmershäuser: „Wir sind die einzige entwickelte Volkswirtschaft, die einen derart hohen Wertschöpfungsanteil durch die Industrie hat“.

Bereits seit zwei Jahren zeichnet sich die Schwäche im verarbeitenden Gewerbe ab, die entsprechenden Firmen haben dies in ihren Aktienkursen schmerzlich erfahren müssen. Besonders deutlich in Deutschlands Schlüsselindustrie, der Automobilbranche. Diese erwirtschaftet nach einer Auswertung der Commerzbank zwar 45 Prozent der Umsätze und 29 Prozent der Gewinne im deutschen Leitindex – was aber ihren Anteil an der Marktkapitalisierung betrifft, sieht das Verhältnis schon ganz anders aus. Anleger haben die Branche deutlich abgestraft.

Würde die Weltkonjunktur bald wieder an Schwung gewinnen, könnte die alte Industrie im Dax aber gerade davon profitieren. Deren Umsätze verhalten sich zyklisch, das bedeutet, dass sie mit dem Wirtschaftszyklus steigen und fallen.

Die letzte kleine Rezession gab es in Deutschland im Winter 2012/13, mit geringen gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen. Das Wachstum hatte bald danach wieder kräftig angezogen. Nicht einmal Optimisten glauben aber derzeit an ein stärkeres Wachstum der Konjunktur im Jahresverlauf. Außerdem befinden wir uns derzeit im Zentrum eines Sturms namens Covid-19.

Fazit

Wann kommt sie nun, die lang erwartete Erholung der deutschen Industrie? Hätten wir in Europa nicht ein so absurd niedriges Zinsniveau, wäre der Dax bestimmt eine Etage tiefer. Das Kapital sucht nach Rendite und das KGV des Dax von 16 ist aber im großen Vergleich auch nicht besonders hoch angesiedelt. Deshalb war das Geschrei um die hohen Aktienkurse, zumindest für Deutschland, im jetzigen Zinsumfeld nicht besonders sinnig.

Dazu muss man sich nur die Performance der Leitindizes in den USA und in Deutschland seit der Finanzkrise betrachten – auf Basis der Kursindizes: Während sich der S&P 500 in diesem Zeitraum fast verfünffachte, konnte sich der Kurs-Dax gerade einmal verdoppeln. Man hat in letzter Zeit den Einbruch des deutschen Industriestandorts deutlich eingepreist. Was aber nicht heißt, dass es bei einer durch Covid-19 induzierten Rezession nicht noch sehr deutlich nach unten gehen könnte. Es gab noch nie (in der moderneren Wirtschaftsgeschichte) eine Rezession ohne vorher fallende Aktiennotierungen. Damit stellt sich die große Frage: Was sehen die Anleger beim Dax derzeit am Horizont?

Die deutsche Konjunktur stagniert, weil die Industrie in der Krise bleibt

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