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Devisen

Britisches Pfund – das Wunder am Devisenmarkt!

Claudio Kummerfeld

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am

Warum ist das britische Pfund ein Wunder-Phänomen? Diese These möchte ich wie folgt begründen. Der Kurs fällt nicht. Und das bei der Lage! Schauen wir auf den gestrigen Tag. Der neue britische Premier Boris Johnson hielt seine erste Rede in seiner neuen Funktion im Parlament. Dort machte er klar, dass er eine extrem konfrontative Linie gegen die EU fahren will.

Knallhart gegen die EU

Bezüglich des von Theresa May mit der EU verhandelten Abkommens (auch das war ja nur ein Provisorium) will Boris Johnson mit der EU neu verhandeln, was Jean-Claude Juncker gestern umgehend zurückgewiesen hat (wie schon seit Wochen durch die EU klar gemacht wurde). Und, so sagte Johnson gestern im Parlament: Wenn die EU nicht neu verhandeln wolle, dann werde Großbritannien eben ohne Deal die EU verlassen, und die 39 Milliarden Pfund, die man als Abschlusszahlung noch der EU schulde, einfach einbehalten.

Zum Beispiel der Sprecher der schottischen National Party sagte gestern im Parlament zu Johnsons Aussagen, dass dies „ökonomischer Wahnsinn“ sei. Und ja, dem kann man sich anschließen, so meine ich. Johnsons harten Kurs erkennt man auch daran, dass er gestern früh 11 Minister entlassen hat. Die neuen Minister sind Brexit-Hardliner! Boris Johnson begibt sich selbst in eine Sackgasse, die für Großbritannien noch viel weniger einen Ausweg anbietet als unter Theresa May.

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Denn das Parlament könnte eventuell seinen harten Brexit im Oktober blockieren. Gut, noch ist es nicht so weit. Aber seit Monaten berichten wir über den Brexit, und prognostizierten schon diverse Male, dass das Brexit-Chaos in London unter Boris Johnson noch viel schlimmer werden wird, als es unter Theresa may ohnehin schon war. Und genau so scheint es derzeit zu kommen.

Und das Pfund?

Und das Pfund? Stürzt es jetzt brutal in den Keller bei solchen Aussichten? Nein. Gestern nach der Johnson-Rede im Parlament fiel es gegen den US-Dollar gerade mal um „lumpige“ 50 Pips bis heute früh auf aktuell 1,2431. Dieser Rückfall ist nichts, wenn man sich vor Augen hält, was da gerade in London passiert. Charttechnisch ist das Pfund erneut unter seiner wichtigen Marke von 1,2480, und nach unten ist auch für die Chartisten eigentlich Platz vorhanden.

Doch warum das Pfund nicht in den Keller rauscht? Hat die „Meute“ der Devisenhändler in London wirklich die Hoffnung, dass Boris Johnson irgendwas bewegen kann? Wir sind nicht dafür zuständig Handelsempfehlungen zu geben, und auch wir haben keine Glaskugel. Da entscheide bitte jeder Forex-Trader selbst, ob und wie er im Pfund handelt. Ich wollte an dieser Stelle nur „noch mal“ darauf hinweisen, das es sich hier um ein Wunder am Devisenmarkt handelt. Das Chaos bricht über UK herein – und das Pfund bewegt sich (fast) gar nicht.

Im folgenden Chart sieht man seit 2016 den Verlauf von Pfund vs USD. Die Tiefs aus 2016 und 2017 nach der Brexit-Abstimmung hat GBPUSD noch nicht annähernd erreicht. Zum Jahresanfang 2019 stand der Kurs noch bei 1,27. Bis jetzt fiel der Kurs auf 1,2435 – das ist zwar ein Rückgang, aber nur minimal.

Pfund vs USD seit 2016

10 Kommentare

10 Comments

  1. Avatar

    uburberg

    26. Juli 2019 12:08 at 12:08

    Lieber Claudio Kummerfeld, das mit dem Pfumd ist ganz normal, weil doch jetzt alles anders herum funktioniert. Ich bin mal long auf USD/TRY gegangen, weil doch Erdowahn die Zinsen heftigst gesenkt hat. Das Ergebnis, wie vom Großmufti vorausgesagt, die Lira steigt.

  2. Avatar

    Koch

    26. Juli 2019 12:09 at 12:09

    Wieso „Wunder am Devisenmarkt“? ich glaube,dass doch etliche,“gegen den Strom Schwimmer“sehen,dass der Mario aus dem €uro eine Schwindsuchtswährung gemacht hat und unter der ausgewiesenen Notenbankerin Mme.Lagarde,es nur noch schlimmer werden kann.Das brit.(englische?) Pfund als eine weitere Fluchtwährung?Warum nicht.An der Börse ist bekanntlich alles möglich und auch das Gegenteil davon.Ich jedenfalls habe mir schon ein „Starterset“ mit ER 2-Konterfei zugelegt.

  3. Avatar

    Politologe

    26. Juli 2019 12:29 at 12:29

    Vielleicht hat der Devisenmarkt Recht u.sieht wie Markus Krall die Lage mindestens langfristig nicht so schlecht wie Viele meinen.Hätte die arrogante EU nur 10% an Verhandlungszeit u.Toleranz den Briten gewidmet wie den Griechen ,hätte der Austritt verhindert werden können.

    • Avatar

      Brexitologe

      26. Juli 2019 15:57 at 15:57

      @Politologe, das ist für mich jetzt schwer nachvollziehbar. Könnten Sie Ihre Ansichten dahingehend bitte etwas näher erläutern? Nehmen wir einmal an, die EU wäre extrem tolerant gewesen und hätte dem Vereinigten Königreich erlaubt, sämtliche Rosinen aus dem Kuchen zu picken, indem sie allen Wunschvorschlägen Großbritanniens für ein Austrittsabkommen zugestimmt hätten. Damit hätte der Austritt verhindert werden können?

      Oder meinten Sie die Reformverhandlungen vor dem Referendum, bei denen allerdings ohnehin eine Einigung erzielt werden konnte, unter anderem auch bei der zentralen Reformforderung zur Begrenzung der Einwanderung?

      Hier waren es wieder einmal die rechtsnationalen Dauernörgler und Blockierer auf beiden Seiten, die mit widersprüchlichen Forderungen jegliche Grundlage für Diplomatie und Kompromisse zunichte machten.
      Auf der britischen Seite gingen den Gegnern der britischen EU-Mitgliedschaft die Reformen nicht weit genug. Am 21. Februar 2016 erklärte Londons früherer Bürgermeister Boris Johnson, dass er sich der Kampagne für den EU-Austritt anschließe, nachdem er zwei Tage zuvor eindringlich für die EU plädiert hatte.
      Auf der anderen Seite war es mal wieder die berüchtigte Visegrád-Gruppe, die mit einem Veto gegen jegliches Abkommen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich drohte, sollten nicht alle der über eine Million nach Großbritannien ausgewanderten Osteuropäer als gleichwertige Bürger anerkannt werden (gleichzeitig bezogen sie ihrerseits Stellung gegen die Aufnahme von nach Deutschland migrierten Personen in ihren Ländern).

      Unabhängig davon hätte Großbritannien bis zuletzt die Möglichkeit, in der EU zu verbleiben:
      https://de.wikipedia.org/wiki/EU-Austritt_des_Vereinigten_K%C3%B6nigreichs#Urteil_des_EuGH_zur_einseitigen_R%C3%BCcknahme

  4. Avatar

    sabine

    26. Juli 2019 12:43 at 12:43

    Ich glaube nicht, daß es ein Chaos ist, wenn man die EU verläßt. Eher im Gegenteil, ein Befreiungsschlag.
    – Wenn man in den Qualitätsmedien aber täglich das Gegenteil hört, daß ohne EU die Hölle auf Erden vor der Tür steht, dann glaubt man es halt irgendwann einmal.
    – Und dann ist es eben ein Wunder, wenn nicht alle von den Qualitätsmedien ihre Infos beziehen, sondern selbst recherchieren.
    – Und oh Wunder, ein Nettozahler fehlt ja in der EU und das sieht dann eben Sch.. aus für die EU.
    https://www.manager-magazin.de/politik/konjunktur/brexit-neun-gruende-jetzt-auf-grossbritannien-zu-setzen-a-1140621.html
    Zitat: „Alle namhaften Auguren vom IWF bis zur Bank of England haben vor dramatischen Folgen gewarnt, sollten die Befürworter eines Brexit bei der Volksabstimmung Erfolg haben. Der Immobilienmarkt würde kollabieren, der Konsum einbrechen und die Wirtschaft abstürzen. Nichts davon ist geschehen.“

    • Avatar

      leftutti

      26. Juli 2019 13:23 at 13:23

      Noch sind sie ja in der EU, wie wollen Sie da jetzt schon die Folgen eines Brexit beurteilen?

    • Avatar

      Sumsi mit Po

      26. Juli 2019 18:31 at 18:31

      @sabine, als Automobil-affine Dame mit großem Sachverstand auf dem Gebiet könnte folgender Artikel ganz interessant für Sie sein:
      https://www.suedtirolnews.it/wirtschaft/autohersteller-fuerchten-durch-no-deal-brexit-um-existenz

      • Avatar

        sabine

        28. Juli 2019 15:05 at 15:05

        Wir (Autozulieferer) haben in unserer Firma von unseren Kunden auch schon ein Email 2018 bekommen wegen dem Brexit und England. Geänderte Zollformalitäten usw. Aber gegen das Dieseltheater sind das nicht mal Peanuts! Und es betraf auch keine Umsatzeinbußen oder Produktionsverlagerungen.

  5. Avatar

    Politologe

    26. Juli 2019 19:53 at 19:53

    @Brexitologe, Da doch ca. 50% der Briten mit der EU nicht zufrieden waren gab es anscheinend Probleme ,die man mindestens hätte besprechen können. Können Sie mir sagen ob sich eine Merkel oder ein Macron jemals einen Deut darum gekümmert hätten ?
    Übrigens DE ist mit der Billigwährung auch Rosinenpicker.

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Devisen

Goldpreis fällt weiter – Experte bringt das Problem auf den Punkt

Claudio Kummerfeld

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Gold Barren mit Adler und US-Dollar

Der Goldpreis fällt weiter. Dank immer neuer hoffnungsfroher Meldungen wegen den Corona-Impfstoffen nimmt die Euphorie der Anleger immer mehr zu, und sie schalten um in den Risk On-Modus (hier die Begriffserklärung). Man schaltet um, weg von sicheren Häfen wie Gold, und kauft wieder risikoreichere Anlageklassen wie Aktien. Vor genau einer Woche notierte der Goldpreis noch bei 1.868 Dollar. Letzten Freitag Abend waren es dann nur noch 1.786 Dollar, und jetzt aktuell 1.774 Dollar.

US-Dollar kann Goldpreis nicht helfen

Seit Wochen und Monaten war es wie eine Automatismus. Bewegte sich der US-Dollar etwas, zack, bewegte sich der Goldpreis sofort entgegengesetzt. Denn alles was in US-Dollar gehandelt wird (wie auch Gold), tendiert im Preis oft in der Tendenz gegensätzlich. Diese negative Korrelation war bei Gold die letzten Monate extrem stark vorhanden. Seit einigen Tagen aber ist davon gar nichts mehr zu spüren. Wir wiesen bereits letzte Woche darauf hin. Und nicht nur letze Woche fiel der US-Dollar deutlich. Auch diese Woche fällt er weiter. Der Dollar-Index (Währungskorb des US-Dollar gegen andere Währungen) fällt weiter, seit genau einer Woche von 92,60 auf jetzt 91,62 Indexpunkte. Aber der Goldpreis will einfach überhaupt nicht reagieren und ansteigen.

Experte bringt es auf den Punkt

Der Experte Carsten Fritsch von der Commerzbank bringt es mit seiner erst vor wenigen Minuten veröffentlichten Gold-Analyse auf den Punkt. „Nicht mal ein schwacher Dollar kann Gold helfen“, so lautet der Titel seiner Analyse. Der angesprungene Risk On-Modus (Sog hin zu Aktien) scheint derart stark zu sein, dass wie gesagt selbst der immer weiter fallende US-Dollar dem Goldpreis derzeit keine Kehrtwende beschert. Durch den Bruch der wichtigen Unterstützung bei 1.800 Dollar am Freitag habe sich das charttechnische Bild für Gold nochmals eingetrübt, was weitere kurzfristig orientierte Anleger zum Ausstieg veranlasst haben dürfte, so seine Worte. Die letzte Woche verlor Gold 4,5 Prozent an Wert, womit es nur knapp am stärksten Wochenverlust seit März vorbeischrammte. Den heute zu Ende gehenden Monat November dürfte der Goldpreis mit dem stärksten Verlust seit vier Jahren abschließen. Die aktuelle Schwäche von Gold sei umso bemerkenswerter, weil der US-Dollar ebenfalls zur Schwäche neigt, so Carsten Fritsch.

Der EUR-USD-Wechselkurs nähere sich laut seinen Aussagen der Marke von 1,20, die zuletzt Anfang September erreicht wurde. Die Mischung aus Goldpreis-Schwäche und Dollarschwäche lasse den Goldpreis in Euro abstürzen. Dieser verzeichnete am Morgen mit 1.475 Euro je Feinunze den niedrigsten Stand seit Anfang April. Angesichts der seither durch die Anleihekäufe verursachten Ausweitung der EZB-Bilanzsumme um 1,7 Billionen Euro sei dies geradezu grotesk. Auch dass derzeit Anleihen mit einem Rekordvolumen von knapp 17,5 Billionen US-Dollar mit einer negativen Rendite handeln, verhindere den Preisverfall nicht. Somit falle es schwer, diesen Ausverkauf noch mit fundamentalen Argumenten zu erklären.

ETF-Abflüsse

Das Vertrauen in Gold habe laut Carsten Fritsch dadurch stark gelitten, was sich in anhaltenden Abflüssen aus den Gold-ETFs widerspiegelt. Mit dem für Freitag gemeldeten Abfluss hätten sich diese in der letzten Woche auf rund 40 Tonnen und in den letzten drei Wochen auf gut 90 Tonnen summiert. Also, bleibt es erstmal bei der Schwäche im Goldpreis? Unerwartet für viele Beobachter! Geht es weiter bergab, wenn die ersten Bilder von Corona-Impfungen im Dezember über die Schirme flimmern?

Beim Klick an dieser Stelle finden Sie die gestrige sehr interessante Gold-Analyse des Experten Mario Steinrücken.

Chart zeigt Goldpreis-Verlauf in US-Dollar seit Mai
Im Chart sehen wir den Goldpreis-Verlauf in US-Dollar seit Mai.

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Devisen

Türkische Lira: Abwertung nach Zinsanhebung – warum ist das passiert?

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von

Lira-Geldscheine

Die türkische Lira verliert diese Woche wieder deutlich an Boden. Es ist ein Desaster für alle die hofften, dass eine drastische Zinsanhebung durch die türkische Zentralbank auch eine Wende für die türkische Lira einleiten würde. Denn die wertet seit Jahren dramatisch ab. Aber wie gesagt, letzte Woche Donnerstag erhöhte die Zentralbank den Leitzins drastisch, um 4,75 Prozentpunkte auf volle 15 Prozent, um die Inflation in der Türkei einzudämmen.

Türkische Lira reagierte auf drastische Zinsanhebung

Genau dieser Schritt auf 15 Prozent war am Devisenmarkt erwartet worden. Entsprechend war die türkische Lira in den Tagen vorher schon gestiegen, und auch kurz nach der Zinsanhebung stieg die Lira weiter an gegen US-Dollar und Euro. USDTRY fiel von 7,67 auf 7,51. Also, alles lief nach Plan? Nein, die Lira begann wieder abzuwerten, und zwar deutlich – jetzt notiert USDTRY bei 7,91. Diese Woche Montag berichteten wir bereits darüber, dass vermutlich Inländer in der Türkei zwischenzeitlich die gestiegene türkische Lira dafür genutzt hatten, um zu besseren Kursen weiter US-Dollar und Euro zu kaufen. Dass die türkische Lira die letzten Tage ein echtes Eigenleben führte, erkannte man an einer fallenden Lira bei gleichzeitig fallendem Dollar-Index (Währungskorb des US-Dollar gegen andere Hauptwährungen). Wenn der US-Dollar fällt, hat eigentlich alles was gegen ihn gehandelt wird, eine gute Chance zu steigen – aber nicht so die Lira in den letzten Tagen!

Warum die Zinsanhebung dennoch verpuffte

Denn die große Unsicherheit gegenüber der türkischen Politik und der Beeinflussung der Zentralbankpolitik ist wohl weiterhin vorhanden, und drückt gegen die türkische Lira. Ein Aspekt kommt aber hinzu, der nicht so direkt ins Auge fällt. Zwar hatte die Zentralbank den Leitzins letzte Woche wie gesagt drastisch angehoben von 10,25 Prozent auf 15 Prozent. Aber wie es zum Beispiel ein türkischer Kolumnist gestern erwähnte, so war es doch keine richtige, eindeutige Zinsanhebung. Denn andere Zinssätze der Zentralbank seien bereits vorher deutlich höher gewesen, bei beinahe 15 Prozent. Mit dieser Zinsanhebung hat die Zentralbank also sozusagen nur für eine Glättung und Vereinheitlichung ihrer Zinsen gesorgt. Vorher versuchte die Zentralbank zum Beispiel bereits die Abwertung der Lira zu stoppen, in dem man bei Derivaten mit höheren Zinskosten versuchte Spekulanten aus dem Ausland die Liquidität zu beschneiden.

Was kann man tun?

Müsste die türkische Zentralbank nun also den Leitzins erneut kräftig anheben, um ihrem Willen zur Inflationseindämmung Nachdruck zu verleihen? Könnte dies die türkische Lira zum Aufwerten bringen? Wichtig wäre wohl ein längeres Festhalten an hohen Zinsniveaus. Und eine klare Sprachregelung von Zentralbank und Präsident Erdogan wären wichtig, in der nicht mehr von Zinsen die Rede ist, die möglichst stark sinken sollen. Hat man am Devisenmarkt den Verdacht, dass die Zinsen nur für einen relativ kurzen Zeitraum oben bleiben? Dann könnte dies die Annahme bestärken, dass die Inflation in der Türkei nicht gebremst wird, was wiederum die türkische Lira schwächt. Es geht um Verlässlichkeit. Der Devisenmarkt will eine konstante und klare Linie sehen – so darf man es annehmen.

Die jetzige Vereinheitlichung des Zinsniveaus durch die Anhebung des Leitzinses sorgt für mehr Transparenz – aber es fehlt womöglich noch eine zweite kräftige Zinsanhebung. Auch hat die türkische Bankenaufsicht angekündigt Mindestausleihungen an türkische Banken nicht mehr vorzugeben. Diese galten unter anderem als ein Grund für die umfangreiche Kreditvergabe in der Türkei. Es wirkt derzeit so, als tue sich einiges in Sachen Transparenz und Normalisierung. Es ist ein Anfang. Es braucht viel Verlässlichkeit, Konstanz, Vertrauen, und wohl auch ein Unterlassen von Äußerungen von Präsident Erdogan über niedrigere Zinsen. Dazu vielleicht noch ein erneuter kräftiger Zinsschritt nach oben, und dann ein Durchhalten auf diesem Niveau. Dann könnte die türkische Lira auch anfangen nachhaltig wieder aufzuwerten? Im Chart sehen wir den Verlauf von US-Dollar vs Türkische Lira seit dem 13. November.

Chart zeigt US-Dollar gegen türkische Lira in den letzten Tagen

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Allgemein

Janet Yellen – wird sie den Dollar weiter abstürzen lassen?

Was bedeutet die faktische Ernennung von Janet Yellen zur zukünftigen US-Finanzminsterin für den Dollar? Sind die USA auf den Spuren Japans?

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Was bedeutet die faktische Ernennung von Janet Yellen zur zukünftigen US-Finanzminsterin für den Dollar? Mit dem neuen US-Präsidenten Joe Biden kehrt wieder etwas Berechenbarkeit in die amerikanische Politik zurück. Auch erkennbar an den ersten Postenbesetzungen im neuen Kabinett. Der Vorschlag für die Nachfolge Steven Mnuchins schlug in den letzten Tagen wie eine kleine Bombe in der Finanzszene ein, schließlich möchte der neue Präsident eine „altbewährte“ Ökonomin mit dieser Schlüsselposition besetzen: die ehemalige Präsidentin der Federal Reserve, Janet Yellen. Was heißt das für die künftige Geld- und Fiskalpolitik  – und amit für den Dollar?

Die Karriere der Janet Yellen

Mit der ehemaligen Wirtschaftsprofessorin wird eine Person vom Fach den Posten des obersten Geldverwalters oder korrekter der Geldverwalterin in den USA antreten, was in anderen Ländern nicht generell der Fall ist. Janet Yellen kam neben ihrer Lehrtätigkeit schon früh in Kontakt mit der US-Notenbank, wo sie bereits ab 1975 Mitarbeiterin beim Board of Governors im System der Federal Reserve gewesen ist. Von 1994 bis 1997 war sie Mitglied im Vorstand der Federal Reserve, anschließend wurde sie Vorsitzende des Rates der Wirtschaftsberater von US-Präsident Bill Clinton. Also eine Funktion, wie sie jüngst Larry Kudlow in besonderer Art und Weise ausgefüllt hat.

Von 2004 bis 2010 war sie Präsidentin der Fed von San Francisco, ab dem Jahr 2009 stimmberechtigtes Mitglied im Federal Open Market Committee. Im Jahr 2010 wurde sie zur Stellvertreterin von Fed-Chef Ben Bernanke ernannt und ab 2013 gelangte sie als erste Frau an die Spitze der bedeutendsten Zentralbank der Welt. Diese Position verlor sie als Demokratin nach der Wahl Donald Trumps zum Präsidenten, der mit diesem Schritt einmal mehr von der bisherigen Tradition abwich. Ihr Nachfolger Jerome Powell ist bereits seit 2012 im Direktorium der Federal Reserve, somit dürften sich die neue Finanzministerin und der Fedchef sehr gut kennen. Janet Yellen ist mit dem Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften George A. Akerlof verheiratet – sie ist also privat und beruflich immer im Umfeld der Ökonomie.

Die „dovishe“ Janet Yellen

Für die Benennung der Wirtschaftsprofessorin als neue Finanzministerin hat der neue US-Präsident sicherlich mehrere Gründe: Zum einen gilt die Demokratin als sehr ausgleichend zwischen den Parteien, was nach Donald Trump sicherlich äußerst bedeutsam wird, und zum anderen wird sie eine Konnexion zwischen Politik und Notenbank gewährleisten, was in der jetzigen Verschuldungssituation sehr vonnöten ist. Die Regierung braucht den kurzen Draht zur Geldpolitik, eine Sonderstellung der Notenbank wäre in der kommenden Zeit sehr hinderlich. Die Märkte gehen von einer guten Weichenstellung aus, deshalb auch die erste positive Börsenreaktion. Die Tauben sind demnächst in den USA am Drücker – daher tendiert auch der Dollar wieder schwächer.

Des einen Freud, des anderen Leid

Was wird diese neue Konstellation Janet Yellen – Powell für geldpolitische Konsequenzen haben? Zunächst freut man sich an den Märkten, dass „der Kelch“ in Gestalt der linken Demokratin Elisabeth Warren an ihnen vorübergegangen ist. Deren während ihrer Kandidatur vorgetragenes Programm hätte die Wirtschaft und die Finanzmärkte eine Zeit in Wallung gebracht, denn ob Warren ihre Vorstellungen in die Tat hätte umsetzen können, steht auf einem anderen Blatt. Nach einer Corona-Schonfrist würden bald schon die Midterm Elections anstehen, die rasche Veränderungen im Kongress bringen können.

Wer sind die Profititeure, wer die Leittragenden?

Zunächst dürften die Finanzmärkte sich über eine weiterhin lockere Geldpolitik freuen, denn es sind zwei Tauben an den Schaltstellen, die über alles sinnieren werden, jedoch nicht über künftige Zinserhöhungen.

Bevor eine Massenimpfung eine echte Erleichterung am Arbeitsmarkt bringt – Stichwort: Maximum Employment – wird man vonseiten der Federal Reserve das Anleihekaufprogramm fortsetzen und retten, wo es zu retten gilt. Hinzu kommen wird der unbedingte Wille der Durchsetzung von Konjunkturprogrammen, speziell im Umweltbereich, einem zentralen Thema von Joe Biden, in dem er ganz besonders den neuen Wind nach Trump symbolisieren könnte. Was nichts anderes bedeutet, als weiter die Verschuldung nach oben zu treiben, auch unter Inkaufnahme einer ansteigenden Inflation. Sowohl Fed-Chef Powell als auch die mögliche neue Finanzministerin haben eine gewisse Flexibilität mit einer höheren Inflationsrate bekundet. Niedrige Zinsen, bei steigender Teuerungsrate – damit wird deutlich, wer dabei besonders leiden könnte: der Dollar!

Aber in der jetzigen Situation kommen einige frühere Bemerkungen von Janet Yellen ins Gedächtnis, wenn es um die Bewältigung einer Rezession geht. Bereits auf einer Konferenz im September 2016 brachte die damalige Notenbankchefin den Gedanke von neuen Instrumenten ins Spiel, die die Fed zur Bewältigung einer Wirtschaftsschrumpfung benötigen könnte: Ankauf von Firmenbonds und Aktien. Letzteres wiederholte sie in diesem Jahr bei einem Interview im April. Die USA auf den Spuren Japans, was für ein Gedanke! Diesen Gedanken hatte unser Autor bei FMW, Hannes Zipfel, in seinem bemerkenswerten Artikel vom 30.6.2020 schon ins Spiel gebracht („Aktienmarkt: Verlassen Sie sich auf die Fed“!)

Fazit

Noch ist es zu früh irgendwelche Schlussfolgerungen über ungelegte Eier anzustellen. Aber eines dürfte klar sein: Bei zwei Verfechtern einer lockeren Geldpolitik wird es von innen heraus keine große Änderung in der Fiskal- und Geldpolitik geben. Das Zusammenspiel zweier Vertreter einer taubenhaften Geldpolitik wird in der jetzigen Lage den monetären Impuls nicht ohne Not verringern.

Und von woher könnte eine solche Notsituation kommen? Eher nicht von einer opulent anspringenden Wirtschaft, die ohne Stütze auskommt, sondern eher von der Inflation, die nun schon ein Jahrzehnt wie tot erscheint. Aber in diesem Zeitraum haben die Notenbanken weltweit auch nicht sieben Billionen Dollar binnen eines Dreivierteljahres ins System geschleust.

Wird die dovishe Janet Yellen den Dollar weiter schwächen?

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