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CFD-Einschränkungen in Europa: Die Übersicht fürs neue Jahr – Broker-Aktien noch nicht erholt

FMW-Redaktion

Wir haben die Entwicklung in 2016 intensiv begleitet, und wollen jetzt eine Übersicht geben wie es wohl in 2017 weitergeht. So wie es aussieht, trifft die Verbots- und Restriktionswelle beim Handel mit CFDs (Contracts for Difference) die Broker-Industrie nicht ganz so schlimm wie zunächst befürchtet. Dennoch gab es Anfang Dezember den großen Crash bei den börsennotierten Brokern. Ausgelöst wurde er von der Ankündigung der britischen Finanzaufsicht FCA, dass man den CFD-Brokern die maximalen Trading-Hebel für Kunden beschränkt. Neukunden maximal Hebel 25, erfahrene Kunden maximal 50. Das traf die Broker ins Mark. Denn je höher der Hebel, desto höher auch das im Trading bewegte Volumen, auf das die Kommissionen berechnet werden.

Bis Anfang März soll die Branche der britischen Aufsicht Antworten senden, was man davon hält oder was man sich selbst vorstellt im Sinne einer strengeren Regulierung. Aber man darf davon ausgehen, dass es so kommt wie beschrieben. Dementsprechend haben sich die Kurse der CFD-Broker in den letzten vier Wochen auch nicht erholt . Die IG Group (IG Markets) stürzte zügig von 800 au 450 Pence, hat sich jetzt gerade mal auf 530 erholt, also fast gar nicht. CMC Markets fiel von 185 auf 94 Pence, liegt jetzt bei 123. Plus500 stürzte von 511 auf 311 Pence, stieg bis jetzt auf 388 Pence an. Aber gerade Plus500 war vorher schon arg gebeutelt durch eingefrorene Kundenkonten, weil der Broker Vorschriften zur Identifizierung von Kunden nicht eingehalten hatte.

Der für die Broker sehr wichtige CFD-Markt Deutschland kommt aller Voraussicht nach mit einem blauen Auge davon. Hier hatten wir bereits berichtet, dass die BaFin erstaunlicherweise keine Hebel-Begrenzung haben will. Man fordert nur von den Brokern den Kunden eine Nachschusspflicht über das Totalverlustrisiko hinaus zu ersparen. Solche Konten bieten die Broker oftmals schon an, und es wird ein Leichtes sein die BaFin glücklich zu machen. Auch hier haben die Broker eine Frist, in der sie der BaFin antworten können (bis 20. Januar). Die Großen wie IG haben aber längst öffentlich verkündet, dass sie mit den BaFin-Vorgaben gut leben können. In Deutschland geht also alles schön weiter wie bisher, nur eben mit einem generellen Schutz vor Minussalden mit Nachschusspflicht.

Anders sieht es da aus in Belgien, wo Hebelgeschäfte ganz verboten wurden. Frankreich und die Niederlande gehen da einen etwas differenzierteren Weg. Sie wollen die „Milch“ wohl lieber sauer machen. Dort verbot man die Werbung für Hebelprodukte. Aber für die Broker scheint es eine weitere Erleichterung in Frankreich zu geben. Wie die IG Group (IG Markets) jetzt verkündet, darf man gemäß neuester Regulierung in Frankreich für seine CFD-Produkte doch Werbung machen. Dies geht aber nur, wenn die beworbenen CFDs wie in Deutschland keine Negativsalden zulassen, und wenn bei Stop Loss-Orders der Stop-Kurs in der Ausführung wirklich garantiert wird. Hier das Statement auszugsweise von IG:

Following the passing of the Sapin 2 law at the end of 2016, the general rulebook of the AMF has now been adopted. The AMF has confirmed certain restrictions on electronic marketing of CFDs to retail clients in France. The key marketing restrictions do not impact the accounts that IG now offers to new clients in France, because IG’s accounts provide a limited loss-by-position guarantee as required, and therefore also a guarantee of no negative balance. The AMF will also ban all electronic marketing involving FX and Binaries. As anticipated, the restrictions have no impact on the current client base. Overall, the Company does not believe these restrictions will have a material negative impact on its business in France in the short term and could ultimately enhance the Company’s future competitive position in the country.

Die Insel Zypern ist in der EU zwar unbedeutend klein, als Finanzplatz für CFDs, Forex und Binäre Optionen aber neben UK extrem wichtig als Niederlassungsort für Broker. Auch hier hat die Börsenaufsicht CySec die Regelungen stark angezogen. Hier werden Hebel in Grundeinstellungen der Handelssysteme beschränkt, und noch wichtiger: Auf Zypern schafft man die Bonus-Anreize für Kunden ab kräftig drauf los zu handeln, um später an eine Bonus-Gutschrift zu kommen. Dadurch hatten sich in der Vergangenheit wohl zu viele Kunden kaputt gehandelt.

Fazit bis jetzt und wohl für das Jahr 2017: In Europa kommt die Regulierungswelle für CFDs wohl nicht ganz so schlimm wie vermutet. Die Broker werden es überleben. Aber die Hebel-Beschränkung in UK, wenn sie denn wie angedacht kommen sollte, wird schon für eine gewisse Umsatzdelle sorgen für Broker, die hohe Erlöse in UK erzielen.



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