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China: 38% weniger Immobilienverkäufe, Jobaussichten auf Rekordtief

Die Konjunktur in China wackelt. Man sieht deutlich rückläufige Immobilienverkäufe, und am Arbeitsmarkt sind die Aussichten schwach.

Shanghai ist die Wirtschaftsmetropole Nummer 1 in China

Die konjunkturellen Aussichten in China verdüstern sich, was letztlich auch auf deutsche Konzerne durchschlagen könnte, die bedeutende Teile ihrer Umsätze in China machen – man blicke da nur mal auf die deutschen Autohersteller. Geht es dem chinesischen Konsumenten schlecht, wird er wohl erst einmal weniger an deutschen Luxuskarossen interessiert sein. Und so könnte man das Rad noch weiter drehen. Was in China passiert, ist schon lange nicht mehr irrelevant für Europa. Deswegen lohnt es sich auf konjunkturelle Probleme in China zu blicken, die am Ende auch bei uns spürbar sein könnten.

Aktuelle Daten zeigen zum Beispiel, dass die große Immobilienkrise in China in keiner Weise gelöst ist (Thema „Evergrande-Krise“). Die Unterstützung des chinesischen Immobiliensektors durch den Staat trägt bisher keine Früchte – vielmehr wird eben diese Krise durch sogenannte „Special Purpose Vehicles“ kaschiert. Wie Bloomberg aktuell meldet, hat Chinas jüngstes Immobilienpaket, das vor den einwöchigen Feiertagen auf den Weg gebracht wurde, keine Trendwende bei Immobilienverkäufen eingeleitet und unterstreicht damit die Herausforderung, den Absturz des angeschlagenen Immobiliensektor zu stoppen.

Jüngst 38% weniger Immobilienverkäufe in China

Nach Angaben von China Index Holdings Ltd gingen die Wohnimmobilientransaktionen in China in der traditionell verkaufsfreundlichen Woche in 20 Großstädten um 38 % gegenüber dem Vorjahr zurück. Und das, obwohl die Zentralregierung eine Reihe seltener politischer Maßnahmen ergriffen hat, darunter die Erlaubnis für zwei Dutzend Städte, die Hypothekenzinsen für Erstwohnsitze vorübergehend so weit zu senken, wie sie wollen. Außerdem senkte die Regierung zum ersten Mal seit sieben Jahren die Zinssätze für Darlehen des Wohnungsvorsorgefonds.

Darüber hinaus genehmigte das Finanzministerium die Rückerstattung der Einkommenssteuer auf die Modernisierung von Wohnungen – ein Instrument, das seit 2010 nicht mehr genutzt wurde. Chinesische Immobilienaktien stiegen am Montag entgegen dem allgemeinen Abwärtstrend, da die schwachen Immobilienverkäufe die Hoffnung nährten, dass Peking weitere unterstützende Maßnahmen anbieten wird. Ein Bloomberg-Immobilienaktienindex stieg um bis zu 1,7 %, bevor er die Gewinne auf 0,4 % reduzierte.

Die Finanzaufsichtsbehörden haben die größten staatlichen Banken des Landes angewiesen, in den letzten vier Monaten dieses Jahres mindestens 600 Mrd. Yuan (84 Mrd. USD) an Nettofinanzierungen für den Immobiliensektor bereitzustellen, wie Bloomberg News berichtet. „Der derzeitige Einbruch des Immobilienmarktes könnte im Oktober dank einer unterstützenden Politik zum Stillstand kommen“, schrieben die CRIC-Analysten unter der Leitung von Yang Kewei in einer Notiz vom 8. Oktober. „Aber eine Erholung könnte sich im vierten Quartal nicht einstellen.

FMW: Wenn die Immobilienverkäufe jüngst um 38% zurückgehen, und das trotz massiver staatlicher Unterstützung, ist das ein Alarmzeichen für die chinesische Volkswirtschaft.

Arbeitsmarktaussichten in China fallen wegen schwacher Wirtschaft auf Rekordtief

Angesichts der drastischen Verlangsamung der Wirtschaft haben die Chinesen derzeit die schlechtesten Arbeitsmarktaussichten aller Zeiten. Dies ist ein besorgniserregendes Zeichen, da sich die Kommunistische Partei in Peking auf eine wichtige politische Sitzung in der nächsten Woche vorbereitet, so berichtet es aktuell Bloomberg.

Der Beschäftigungsstimmungsindex der Zentralbank, der auf einer Umfrage zu den Beschäftigungsaussichten von Einlegern beruht, sank im dritten Quartal auf 35,4 Punkte, und damit auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Datenerfassung im Jahr 2010, wie aus einem am Sonntag veröffentlichten Bericht der People’s Bank of China hervorgeht. Werte unter 50 bedeuten eine Schrumpfung des Sektors. Etwa 45,2 % der befragten Haushalte gaben an, dass es schwierig“ oder schwer einzuschätzen“ sei, einen Arbeitsplatz zu finden, und nur 9,7 % der Befragten sagten, es sei leicht, einen Arbeitsplatz zu finden. Die PBOC befragt vierteljährlich 20.000 Einleger im ganzen Land.

Die Umfrage unterstreicht das schwindende Vertrauen, da das Wachstum durch das wiederholte Aufflackern der Covid-Krise und den seit mehr als einem Jahr anhaltenden Einbruch des Immobilienmarktes in China beeinträchtigt wird. Besonders düster sind die Jobaussichten für junge Menschen. Die Arbeitslosenquote der 16- bis 24-Jährigen liegt bei fast 19 % und damit fast viermal so hoch wie die offizielle städtische Arbeitslosenquote von 5,3 %. Gesonderte Daten aus den Erhebungen der Einkaufsmanager in der vergangenen Woche zeigten einen anhaltenden Arbeitsplatzabbau im Dienstleistungssektor, einem der wichtigsten Arbeitgeber in China.

Spitzenbeamte haben die Bedeutung der Beschäftigung als Hauptschwerpunkt für die Regierung hervorgehoben, während sie die Wachstumsziele herunterspielen. Von Bloomberg befragte Ökonomen gehen davon aus, dass das chinesische Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr nur um 3,3 % wachsen wird, was deutlich unter dem offiziellen Ziel von rund 5,5 % liegt.

Grafik zeigt Entwicklung der Stimmung am Arbeitsmarkt in China

Die Umfrage der PBOC zeigt auch schwache Aussichten für den Wohnungsmarkt. Nur 14,8 % der Befragten erwarteten einen Anstieg der Immobilienpreise im nächsten Quartal, der niedrigste Wert seit Beginn der Datenerhebung im Jahr 2010. Etwa 16,3 % der Haushalte erwarteten einen Rückgang der Immobilienpreise, der höchste Anteil seit dem ersten Quartal 2015, während 56,6 % keine Veränderung erwarteten.

Die 100 größten Immobilienentwickler des Landes verzeichneten im September einen Einbruch der Verkäufe neuer Häuser um 25,4 % im Vergleich zum Vorjahresmonat, in dem die Transaktionen in der Regel anziehen, während Hauskäufer eine breitere Palette von Bedenken als Rechtfertigung für den Boykott von Hypothekenzahlungen anführen.

Die Einkommenserwartungen blieben der PBOC-Umfrage zufolge in der Nähe eines Rekordtiefs, auch wenn der Index im dritten Quartal leicht auf 46,5 gegenüber 45,7 im zweiten Quartal gestiegen ist.

Die befragten Personen zeigten auch eine etwas geringere Bereitschaft, Geld auszugeben oder zu sparen, und entschieden sich stattdessen, mehr zu investieren, so die Umfrage. Die Zahl der Befragten, die angaben, den Konsum zu erhöhen, sank um einen Prozentpunkt auf 22,8 %, während die Bereitschaft, mehr zu sparen, um 0,3 Prozentpunkte auf 58,1 % zurückging. Etwa 19,1 % gaben an, dass sie zu mehr Investitionen neigen, was einem Anstieg um 1,2 Prozentpunkte entspricht.

FMW/Bloomberg

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10 Kommentare

  1. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    In China stehen 190 Millionen Wohnungen einfach leer. Einfach leer weil die Besitzer auf einen noch höheren Wert im Folgejahre spekulieren.
    Schon einmal, im Jahre 15, war die chinesische Immobilienblase kurz vor dem Platzen, bis der Staat mit massiven Notkrediten und Subventionen die Spekulanten rettete.

  2. 2008/2009 rettet uns China durch die vielen Infrastrukturprojekte und den Automobilsektor. Dies dürfte nun wegfallen, was schon echt bitter für unsere Wirtschaft sein wird. Hinzu kommen die Folgen der Sanktionen gegen Russland, die auch hierdurch versursachte Verschiebung der Wirtschaft in RIchtung BRICS+-Staaten. Indonesien sei als Beispiel genannt; sie haben all die Rohstoffre, die wir nicht haben, sowie eine rasante wirtschaftliche Entwicklung.

  3. Wir sind ein Händlervolk. Wir müssen handeln um zu leben. Wir haben keine nennenswerten Rohstoffe und die die wir haben Kohle und Gas, wollen wir nicht nutzen weil es unsere Lebensqualität beeinträchtigt. Lieber importtieren und andere beeinträchtigen. China war für uns ein aufstrebender Markt weil die Märkte Europa und Amerika schon bedient wurden.
    Wenn das Chinageschäft weniger wird wird es erst mal für unsere Autoindustrie hart. Und wir müssen uns um andere Werkbänke kümmern, auch bzgl. Medizin, Tabletten.

    1. @ottonorma
      Das war vielleicht im Mittelalter der Fall. In der Neuzeit ist der Dienstleistungssektor ohne Handel der wirtschaftlich bedeutendste: Er erwirtschaftet 59% des BIP und schafft etwa 61% aller Arbeitsplätze.
      Der Handel schlägt mit 10% bzw. 14% zu Buche.
      Gut zwei Drittel aller Unternehmen in Deutschland sind Dienstleistungsunternehmen.

      1. Sie haben es nicht verstanden.
        Der Handel mit Rohstoffen mit erschaffenen Werten bringt Geld rein. Dienstleistung nicht. Nur mit Dienstleistung kommt nach Deutschland kein Geld rein womit wir diese Dienstleistung bezahlen können. Wertschöpfung heißt das ganze. Mit Dienstleistung können keine Werte geschöpft, erschaffen werden. Wenn die Wertschöpfungskette unterbrochen wird, dann werden diese Dienstleister schnell verschwinden. Das sagt schon der Name „Dienstleister“ Ein reicher Mensch kann sich Dienstleister leisten, z.B. Hauspersonal, Gärtner, Handwerker. Die blähen den BIP auf. Ist der Hausherr/Frau aber nicht mehr reich, weil sein Geschäft wegfällt bringen die Dienstleister auch nur noch „0“ und kein BIP, weil sie obsolet geworden sind. Wenn die Leute weniger Geld haben fallen auch die Dienstleister Reiseunternehmen weg. Die erschaffen keinen Reichtum (nur für sich) verbrauchen nur das Geld das durch Wertschöpfung rein kommt. Unsere Wertschöpfung besteht hauptsächlich im Maschinenbau und Chemie und zwar darin das wir das Zeugs verkaufen und damit – bis jetzt – einen Handelsüberschuss erzielen. Und Überschüsse sind Gewinn. Die Dienstleistung entsteht durch den Gewinn aus Handel.
        Sehen Sie sich doch GB an.

        1. Wie bereits gesagt, mittelalterliche Ansichten…

          1. ist schwer was ?
            Sehen Sie sich doch Ostdeutschland an ? Das sollte nach der WV zu einem Dienstleistungsland umgebaut werden. Und ? was bringt das ? Niedriglohnland.
            Man versuchte dann wieder Industrie anzusiedeln aber die Erneuerbaren wurden von China in die Insolvenz getrieben. Schiffsbau ist nicht mehr.
            Aber gut denken Sie weiter so, dann wundert es mich nicht wenn wir mit so einer Regierung und den Grünen an die Wand fahren wenn das Land deindustrialisiert wird und die dann wieder gewählt wird.

      1. so ein Krampf „! wer spricht denn wieder von nicht mehr ??

        und weiter
        „Ob das US-Geschäft aber auch künftig so gut laufen wird, ist offen. „Diese positive Entwicklung steht noch auf wackligen Beinen: Die genannten Handelskonflikte wurden nur verschoben und sind noch nicht gelöst“, warnte Jandura. Außerdem zeichneten sich schon die nächsten transatlantischen Streitpunkte ab, die das Potenzial hätten, eine neue Welle von Handelskonflikten auszulösen.“

  4. Bei Staatspräsident Xi Jinping und dem Politische Präsidium der Kommunistische Partei Chinas besteht der politische Wille, die Volksrepublik China „wieder“ großartig zu machen. Ein Eingeständnis, daß die chinesische Ökonomie „aktuell“ suboptimal aufgestellt ist.

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