Anleihen

Renditen für UK-Staatsanleihen steigen wieder an Bank of England legt massiv nach beim Abstützen des Anleihemarkts

Hatte die Bank of England bereits am 28. September massiv im Anleihemarkt interveniert, so legt sie heute massiv nach.

Die City of London mit neuen Wolkenkratzern

Am 28. September musste die Bank of England massiv ein den britischen Anleihemarkt eingreifen, um die britische Variante eines Lehman-Effekts zu verhindern. Vor allem britische Pensionskassen, die stark auf Kredit gehebelt in Staatsanleihen engagiert sind, gerieten fast in eine massive Schieflage, weil Anleihekurse stark fielen, und damit die Renditen dieser Anleihen schnell anstiegen. Dann kam die Bank of England als Feuerlöscher in letzter Sekunde, und verkündete den Aufkauf von Anleihen. Dies konnte die Rendite für zehnjährige britische Staatsanleihen (Gilts) am 28. September schnell absenken von 4,60 Prozent in der Spitze auf 4,04 Prozent. In der Woche zuvor war sie von 3,16 auf 4,60 Prozent angestiegen.

Renditen für britische Staatsanleihen ziehen wieder an

Der Grund für den vorigen schnellen Anstieg: Die neue britische Premierministerin Truss wollte Steuergeschenke auf Pump finanzieren. Das schockte den britischen Kapitalmarkt! Im Chart sehen wir den Verlauf in der britischen Anleiherendite seit dem 13. September. Vom jüngsten Tief am 4. Oktober bei 3,79 Prozent ging es zuletzt wieder deutlich bergauf auf aktuell 4,28 Prozent. Die Lage wird also wieder kritischer! Die Interventionen der Bank of England haben also keine richtig nachhaltige Wirkung erzielt.

Verlauf in der britischen Anleiherendite seit dem 13. September

Bank of England legt nach

Daher folgt nun der zweite Akt. Wie die Bank of England nämlich vor wenigen Minuten verkündete, wird man in dieser Woche noch kräftiger als zuletzt britische Staatsanleihen kaufen, um die Lage an Anleihemarkt zu entspannen. Dazu kommen noch weitere Maßnahmen. Die Zentralbank schreibt: Im Einklang mit dem Ziel der Bank, die Finanzstabilität zu gewährleisten und Funktionsstörungen an den wichtigsten Refinanzierungsmärkten zu vermeiden, sollen diese Operationen den Liability-Driven-Investment-Fonds (LDI-Fonds) die Möglichkeit geben, den Risiken zu begegnen, die sich aus der Volatilität des Marktes für langfristige Gilt-Anleihen für sie ergeben. Die LDI-Fonds hätten dabei in der vergangenen Woche erhebliche Fortschritte erzielt.

Wie bereits angekündigt, plant die Bank of England diese Operationen zu beenden und alle Anleihekäufe am Freitag, dem 14. Oktober, einzustellen. In der letzten Woche ihrer Tätigkeit kündigt die Bank zusätzliche Maßnahmen an, um eine geordnete Beendigung ihres Ankaufprogramms zu unterstützen. Erstens wird die Bank bereit sein, den Umfang ihrer täglichen Auktionen zu erhöhen, um sicherzustellen, dass vor Freitag, dem 14. Oktober, genügend Kapazitäten für Gilt-Käufe vorhanden sind. Bislang hat die Bank of England acht Tagesauktionen mit einem Kaufangebot von bis zu 40 Mrd. £ durchgeführt und Anleihekäufe im Wert von rund 5 Mrd. £ getätigt. Die Bank ist bereit, diese ungenutzte Kapazität zu nutzen, um den maximalen Umfang der verbleibenden fünf Auktionen über das derzeitige Niveau von bis zu 5 Mrd. GBP pro Auktion hinaus zu erhöhen. Das maximale Auktionsvolumen wird jeden Morgen um 9 Uhr bestätigt und bei der heutigen Operation auf bis zu 10 Mrd. GBP festgesetzt. Der bestehende Mechanismus der Bank zur Festlegung von Mindestpreisen bleibt während dieses Zeitraums in Kraft.

Zweitens wird die Bank of England eine vorübergehende erweiterte Fazilität für Wertpapierpensionsgeschäfte (Temporary Expanded Collateral Repo Facility – TECRF) einführen. Diese Fazilität wird es den Banken ermöglichen, den Liquiditätsdruck, mit dem ihre LDI-Kundenfonds konfrontiert sind, durch Liquiditätsversicherungsoperationen abzumildern, die über das Ende dieser Woche hinaus laufen werden. Im Rahmen dieser Operationen wird die Bank of England Sicherheiten akzeptieren, die im Rahmen des Sterling Monetary Framework (SMF) zugelassen sind, einschließlich indexgebundener Gilts, sowie ein breiteres Spektrum von Sicherheiten, die normalerweise nicht im Rahmen des SMF zugelassen sind, wie z.B. Sicherheiten in Form von Unternehmensanleihen.

Drittens wird die Bank of England durch ihre regelmäßigen Indexed Long Term Repo-Geschäfte jeden Dienstag bereitstehen, um den Liquiditätsdruck für LDI-Fonds weiter zu verringern. Diese ständige Fazilität wird den Banken zusätzliche Liquidität gegen SMF-fähige Sicherheiten, einschließlich indexgebundener Gilts, zur Verfügung stellen und so ihre Kreditvergabe an LDI-Gegenparteien unterstützen. Liquidität steht auch über die neue ständige kurzfristige Repo-Fazilität der Bank zur Verfügung, die in der vergangenen Woche eingeführt wurde und jeden Donnerstag eine unbegrenzte Menge an Reserven zum Banksatz bietet.

Auch nach dem Ende der Operationen in dieser Woche wird die Bank of England nach eigener Aussage weiter mit den britischen Behörden und Aufsichtsbehörden zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass die LDI-Branche in Zukunft auf einer widerstandsfähigeren Basis arbeitet.

Bloomberg-Kommentar

Bloomberg schreibt dazu aktuell: Die Bank of England hat ihre Maßnahmen zur Stützung des Marktgeschehens ausgeweitet, da ihre Notkäufe von Staatsanleihen in die letzte Woche gehen. Die britische Zentralbank teilte mit, dass sie den Umfang ihrer Ankaufsoperationen in den nächsten fünf Tagen von bisher 5 Mrd. £ auf maximal 10 Mrd. Pfund erhöhen wird. Bei den bisherigen Operationen der Bank of England hat sie insgesamt etwa 4,6 Mrd. Pfund aufgekauft, was etwa 12 % der angebotenen 40 Mrd. Pfund entspricht.

Die Notenbanker werden auch eine Fazilität einführen, die über das Ende dieser Woche hinauslaufen wird und es den Banken ermöglichen soll, den Liquiditätsdruck zu mindern, dem die haftungsgesteuerten Investmentkundenfonds ausgesetzt sind, deren Forderungen nach Sicherheiten im Mittelpunkt des Ausverkaufs von Gilt-Anleihen vor dem Eingreifen der BOE standen. Die Temporary Expanded Collateral Repo Facility wird ein erweitertes Spektrum an Sicherheiten akzeptieren, darunter auch einige Unternehmensanleihen. Die BOE fügte hinzu, dass sie auch bereit sei, durch ihre regelmäßigen Repo-Geschäfte zu helfen.

Die Unterstützung ist eine Fortsetzung der Hilfe, die die Bank of England im letzten Monat geleistet hat, um zu verhindern, dass Marktturbulenzen, die zu Schwierigkeiten bei LDI-Fonds geführt haben, das gesamte Finanzsystem anstecken. In einem Schreiben an den Vorsitzenden des Finanzausschusses in der vergangenen Woche erklärte der stellvertretende Gouverneur Jon Cunliffe, die Bank of England habe keine andere Wahl gehabt, als zu intervenieren, um zu verhindern, dass Fondsmanager 50 Mrd. Pfund an Gilts abwerfen und einen Marktzusammenbruch auslösen.

„Es ist klar, dass die Bank of England versucht, gezieltere Wege zu finden, um die Liquidität von LDI-Fonds zu unterstützen“, sagte Antoine Bouvet, Senior Rate Strategist bei ING Groep NV. „Nachdem sie einen weiteren Anstieg der langfristigen Staatsanleihen verhindert hat, beabsichtigt sie nun, die Verfügbarkeit von Finanzmitteln zu erweitern (wahrscheinlich, um ihnen die Erfüllung von Sicherheiten/Margenforderungen zu ermöglichen).

FMW/Bloomberg/Bank of England/Chart TradingView



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1 Kommentar

  1. Montagmorgengedicht

    Liebe Leser gebt gut acht, die Bank of England hat euch etwas mitgebracht.

    Es war Vertrauen, welches ist schnell abgehauen.

    Und ist es erst einmal weg, steckt der Karren tief im Dreck.

    Ein kleines Montagmorgengedicht für den Wochenstart ;-)

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