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USA immer weniger abhängig von China China und USA: Große Entkoppelung der Weltmächte?

China USA - Entkoppelung der Weltmächte

Die in den letzten Tagen veröffentlichten Außenhandelsdaten von China und den USA deuten nur auf den ersten Blick auf eine weitere Entkoppelung der beiden Wirtschaftsmächte hin. Die Handelsströme ändern sich mittlerweile deutlich, sowohl was die Importe der USA betrifft, als auch die Exporte Chinas. Allerdings ist ein großer Unsicherheitsfaktor, wie die wirtschaftlichen Schwierigkeiten in den drei Zentren des Welthandels – USA, Europa und China – die tatsächlichen Verwerfungen verschleiern.

Entkoppelung zwischen China und USA?

Werfen wir zunächst einen Blick auf die Daten aus China: der gesamte Außenhandel ging im Juli um 13,6% gegenüber dem Vorjahr zurück. Der Export, einst der Treiber des chinesischen Wirtschaftswachstums, fiel um 14,5% zurück, während die Importe um 12,4% einbrachen.

Damit fallen die Importe kontinuierlich seit März dieses Jahres, und seit Oktober letzten Jahres verzeichnete nur der Februar eine Steigerung der Importe. Die Exporte fielen im dritten Monat in Folge und dies mit steigender Geschwindigkeit. Es gibt zumindest die Hoffnung, dass die Ausfuhren in den nächsten drei Monaten zumindest weniger schlecht ausfallen werden, da sich bis Oktober die Export-Hochsaison ankündigt.

Dabei verteilen sich die Rückgänge der Exporte auf fast alle Regionen, wenn auch mit unterschiedlicher Ausprägung. Lediglich nach Afrika (+12,3%), Russland (+73,4%), Singapur (+20,2%) und Malaysia (+0,1%) konnten mehr Waren und Dienstleistungen ausgeführt werden. Damit weist Russland mit Abstand die höchste Steigerungsrate auf, was aber nicht darüber hinwegtäuschen sollte, dass Russland mit einem Anteil von 3,22% an den Gesamtexporten nur eine untergeordnete Rolle spielt.

Beiden Absatzmärkten, Russland und Afrika, ist gemein, dass dort die Margen nicht besonders hoch sind, sodass Verluste in anderen Exportmärkten nicht kompensiert werden können. Allerdings bezieht China mittlerweile fast 5% seiner Importe aus der Russischen Föderation, vor allem Rohstoffe wie Energieträger und Holz.

Die chinesischen Exporte verlagern sich von Europa und den USA mehr in die asiatischen Nachbarländer. Der Anteil der Ausfuhren, die nach Europa gehen, fiel von 2019 bis Juli dieses Jahres von 17,51% auf 15,44%, während sich der Anteil der USA von 16,75% auf nur noch 14,48% verringerte. Die Exporte in die ASEAN-Staaten hingegen stiegen von 14,39% auf 15,67%. Einher geht damit, dass die Fertigungstiefe der chinesischen Exporte abnimmt, denn viele Kunden verlagern ihre Produktion gerade in die ASEAN-Staaten, die auf Vorprodukte aus China angewiesen sind. Leider weist der chinesische Zoll die Exporte nach Mexiko nicht gesondert aus.

Importe aus China in die USA rückläufig: China verliert an Bedeutung, Mexiko ist der Gewinner

Nun der Blick auf die Handelsdaten der USA: Der Wert des amerikanischen Außenhandels fiel um 0,62%, und damit nimmt er seit Februar ab. Die Importe fielen dabei um 0,99%, und damit stärker als die Exporte, die nur leicht um 0,14% fielen. Dadurch nahm das Defizit leicht auf 65,497 Milliarden US-Dollar ab.

Dabei nimmt die Bedeutung Chinas als Handelspartner für die USA immer mehr ab. Vor zehn Jahren betrug der chinesische Anteil an den Importen von Gütern noch 19,25%. Bis 2017 stiegen die Einfuhren aus China auf fast 21,5%. Mit den Strafzöllen und anderen Handelshindernissen, die zunächst von Donald Trump und nun von Joe Biden zusammen mit Anreizen, die Produktion zurück in die USA zu verlagern, nahm der Anteil chinesischer Waren, die in die USA eingeführt wurden, auf 16,4% Ende 2022 ab. In den letzten sechs Monaten waren es nur noch 12,51%, also fast ein Viertel weniger! Auch der absolute Wert der Einfuhren verringerte sich im ersten halben Jahr um ein Drittel.

Gewinner des Entkopplungsprozesses zwischen China und den USA ist Mexiko, das nach Kanada zum größten Außenhandelspartner aufgestiegen ist. Allerdings, wenn man die EU als eigenen Staat betrachtet, wäre sie der größte Handelspartner. Deutschland ist – auch wenn mit deutlichem Abstand zu China – der fünftgrößte Handelspartner mit einem Anteil von knapp 5% an den Einfuhren in die USA.

Auch wenn die Bedeutung Mexikos als Handelspartner gestiegen ist, kompensiert es nicht den gesamten Rückgang der chinesischen Importe. Neben dem mittelamerikanischen Nachbarland profitieren die asiatischen Nachbarländer Chinas.

Damit diversifiziert sich die Abhängigkeit der USA von einem Land (nämlich China) auf mehrere. Zudem nimmt die Bedeutung der Importe aus China am Bruttoinlandsprodukt (BIP) der USA ab. Trugen die Einfuhren aus China bis Mitte 2022 überdurchschnittlich zum BIP bei, hat sich das Verhältnis nun umgekehrt. Hier sind die Folgen der „Make America Great Again“-Bemühungen durchaus zu erkennen.

Entkoppelung zwischen China und USA nur auf den ersten Blick

Die Entkopplung zwischen den beiden Wirtschaftsmächten vollzieht sich nur auf den ersten Blick. Denn die neuen Produktionsstätten in Asien oder in Mexiko benötigen Vorprodukte, die in vielen Fällen nur aus China bezogen werden können.

Wie die Exportzahlen aus China zeigen, liefert das Land vermehrt genau an die Länder, die nun höherwertige Waren für die USA produzieren. Wie oben schon angesprochen, bedeutet das für China, dass die Fertigungstiefe abnimmt. In einem Konfliktfall im Südchinesischen Meer – wo die Spannungen zwischen China und den Philippinen derzeit zunehmen – oder eine mögliche Invasion Taiwans dürfte die Lieferketten brechen lassen. Eine echte Entkopplung wäre nur zu erreichen, wenn auch die Vorprodukte nicht mehr aus der Volksrepublik bezogen werden müssten. Dies gilt natürlich auch für bestimmte Rohstoffe wie bei den Seltenen Erden, wobei sich hier Alternativen abzeichnen.

In einem lesenswerten Tweet betrachtet der US-Ökonom Brad Setser ebenfalls die chinesischen Export- und amerikanischen Importzahlen. Er kommt ebenfalls zu dem Schluss, dass die Entkopplung zwischen den USA und China eher oberflächlich ist und die Exportschwäche Chinas auf globale Faktoren zurückzuführen ist.

Anmerkungen:

Die Export- und Importzahlen zwischen den verschiedenen Ländern, insbesondere zwischen China und den USA, sind nicht direkt vergleichbar. Wie dem Leser wahrscheinlich aufgefallen ist, hat der chinesische Zoll die Zahlen bis einschließlich Juli veröffentlicht. Diese beziehen sich auf Güter und Dienstleistungen auf US-Dollar-Basis. Das amerikanische Bureau of Economic Analysis stellt hingegen mit ihrer Veröffentlichung am gestrigen Dienstag nur Zahlen bis Juni diesen Jahres zur Verfügung. Diese sind aber im Moment nicht konsistent mit den Veröffentlichungen bis zum 1.Quartal 2023. Die konsolidierten Zahlen liegen voraussichtlich erst im September vor. Zudem ist die Berechnungsgrundlage für die prozentualen Anteile nur die Importe von Gütern, nicht von Gütern und Dienstleistungen. Dies ist ein wichtiger Unterschied, z. B. bei Ländern wie Indien, Malaysia und Singapur. Die Berechnungen für diese Artikel sind meine eigenen.



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9 Kommentare

  1. Die USA versuchten bereits das OPEC+-Mitgliedsland Russische Föderation international wirtschaftlich zu isolieren, was ihnen nicht gelungen ist. Das G20-Mitgliedsland Volksrepublik China wird ebenfalls international alternative Absatzmärkte finden.

    1. Die vom 46. US-Präsidenten Joe Biden per Dekret beschlossenen Investitionsbeschränkungen in China verstoßen gegen die Grundsätze der Marktwirtschaft und des freien Wettbewerbs, schaden den internationalen Wirtschafts- und Handelsregeln, und schaden den Interessen der Geschäftswelt weltweit.

      1. @Holger Voss: Und wo ist Ihr Aufschrei gegen die zahlreichen Verstoesse Chinas? Wo ist ihr Aufschrei gegen das Spionage-Gesetz? Wo ist ihr Aufschrei gegen das Verschleppen von Mitarbeitern internationeler Unternehmen in China? Wo ist ihr Aufschrei gegen die ganzen Marktzugangsbeschraenkungen, die die Volksrepublik China verhaengt?
        Die USA sind endlich aufgewacht und wenden genau die Mittel an, die China selber anwendet und sie schreien Ceter und Mordio, aber China darf das ja….

  2. @Holger Voss
    Ist nicht gelungen?
    Nehmen wir doch mal den Afrika-Gipfel: 38 von 55 Staaten nahmen ncht teil. Nur 17 Nationen waren durch ihre Fuehrer vertreten. Putin darf noch nicht mal nach Sued-Afrika reisen. Ach ja, in welchen Laendern darf ueberall Aeroflott landen?
    Und China braucht nicht isoliert zu werden, das schafft China ganz von alleine…

  3. Also hatten die Warner wie Otte und Müller also Recht, dass es auf einen Konflikt zwischen den USA und China hinausläuft.

    Soll man zu Horst noch etwas sagen? Nun, es war erst der zweite Afrika – Gipfel und die Schlusserklärung wurde einstimmig angenommen. Also war es ein Erfolg. Was beschlossen wurde, kann jeder selbst nachlesen.

    Was die Nicht-Einreise von Putin betrifft, so werte ich das positiv. Südafrika hält hier einen unterschriebenen Vertrag ein. Vertragstreue ist extrem wichtig. Man bewertet stets besser danach, ob eine Entität, gleich ob Mensch oder Staat, seine Verpflichtungen auch gegenüber einem Fremden oder Konkurrenten einhält.
    Es bleibt abzuwarten, ob Südafrika sich aus diesem Vertragswerk löst.

    1. @Felix. Welch ein Erfolg!
      2019: 43 Staats- und Regierungschefs
      2023: 17 Staats- und Regierungschefs,
      Noch Fragen Felix? Dachte ich mir. Man kann sich ja alles schoen saufen.

      1. Und? Sollen es jetzt in der angespannten Lage etwa noch mehr Teilnehmer werden?

        Sie könnten mal darüber nachdenken, dass derzeit noch viele Staaten in der sog. Dritten Welt schwache und korrupte Regierungen haben, die von der Gnade der USA abhängen. Die können gar nicht teilnehmen. Bevor die USA eine woke Regierung bekamen, wurden sie politisch von Links deswegen massiv kritisiert – aber heute ist der linke Mainstream ja selbst vor allem woke. Die Lebensverhältnisse der normalen Menschen sind dem untergeordnet.

        Im übrigen: solche Gipfel werden nicht von Ihnen oder mir bewertet. Dafür gibt es Kriterien. Volle Zustimmung zu einer Abschlusserklärung wird als Erfolg gewertet ( haben wir bei G20 nicht mehr).

        Viel Erkenntnisgewinn beim Lesen.

        1. @Felix
          Es sollte auch nicht von Ihnen oder anderen an dieser Stelle bewertet werden, wer oder was woke und linker Mainstream ist. Denn dafür gibt es noch nicht einmal Kriterien, nur subjektive ideologische Standortbestimmungen und populistische Begriffskeulen.

          Volle, einstimmige Zustimmung von 17 Teilnehmern dürfte auch deutlich leichter zu erreichen sein als von 43.
          Ihr Vergleich – oder sollte ich sagen Whataboutism? – mit den G20 hinkt dermaßen, dass „Schieflage“ im besten Fall eine euphemistische Umschreibung wäre. Dort nehmen schließlich auch die BRICS-Länder teil. Und wie wir alle wissen, ist derzeit vor allem von China, Russland und mit Abstrichen der Türkei ein fundamentales Veto gegen alles Programm.

        2. aha, wir versammeln ein paar ja-sager und die sagen ja und Amen und das verkaufen wir dann als erfolg?
          wieso waren die afrikanischen Staaten so undankbar und haben die brotkrummen, denen Russland ihnen anstatt der lieferungen aus dem Getreide-abkommen geben will nicht in den Himmel gelobt?
          was ist wohl mehr Wert: eine g20, die diskutiert oder 17 ja-sager, die einen Diktator huldigt?

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