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Christine Lagarde mit „whatever it takes“-Rede zur Inflation

Lagarde über Inflation und einen Draghi-Satz

Christine Lagarde hat angesichts des Ukraine-Kriegs auf Zypern eine „whatever it takes“-Rede zur Inflation gehalten – also „was auch immer getan werden muß, damit..“

Erinnern wir uns: am 26.Juli 2012 sprach der damalige EZB-Chef Mario Draghi folgende Worte, die zu den wichtigsten der Finanz-Geschichte gehören:

“Within our mandate, the ECB is ready to do whatever it takes to preserve the euro. And believe me, it will be enough.”

Mit dem Nachsatz „believe me, it will be enough” drohte Draghi faktisch jenen Hedgefonds, die in der Euro-Krise auf eine weitre Abwertung des Euro wetteten. Die EZB, so die indirekt von Draghi formulierte, aber von den Markt-Teilnehmern auch sofort verstandene Botschaft, werde alles tun, um Euro-Short-Spekulanten aus dem Markt zu drücken. Mit diesen Aussagen von Mario Draghi war die Euro-Krise faktisch vorbei, der Euro wettete auf, Aktienmärkte wie der Dax stiegen deutlich. Draghis Verbalintervention war also ein echter, vor allem psychologischer game changer!

Lagarde und ihre seltsamen Aussagen zur Inflation

Während Jerome Powell anläßlich seiner Wieder-Nominierung durch US-Präsident Biden von seinem vorherigen Mantra einer angeblich nur „vorübergehenden“ Inflation vollständig abrückte, hielt die EZB unter Christine Lagarde bis zum Beginn des Ukraine-Kriegs an diesem Mantra fest. Gegen alle Evidenz – denn die Inflation stieg und stieg. Mit dem Ukraine-Krieg verschärfen sich Lieferengpässe und Materialmangel weiter, vor allem die Preise für Agrarrohstoffe schießen durch die Decke. Die Energiepreise sowieso.

Also dämmert selbst einer Christine Lagarde, die die EZB vollends zu einem Organ der Politik umfunktioniert hat (weswegen jetzt die europäische Notenbank sich auch um Klimapolitik kümmert und den Banken mittels „Klimastreetest“ faktisch vorschreibt, in welchen Bereichen sie Kredite vergeben sollten und in welchen nicht), dass ihr Mantra nicht mehr aufrecht zu erhalten ist.

War der Abstand zwischen EZB-Rhetorik und Realität der Inflation schon vor dem Ukraine-Krieg immens, so wird die Kluft mit dem Krieg so groß, dass man nun umsteuern muß – auch wenn es der Französin schwer fällt.

Also sagte Christine Lagarde heute bei einer Rede auf einer Veranstaltung der zyprischen Notenbank:

„First, energy prices are expected to stay higher for longer, with gas prices up by 52% since the start of the year and oil prices up by 64%.

Second, the pressure on food inflation is likely to increase. Russia and Ukraine account for nearly 30% of global wheat exports, while Belarus and Russia produce around a third of the world’s potash, a key ingredient in producing fertiliser, thereby exacerbating supply shortages.

Third, global manufacturing bottlenecks are likely to persist in certain sectors.“

Also gesteht Lagarde nun ein, dass die Sache mit der Inflation nun nicht mehr einzufangen ist. Aber dann kommt ein sehr merkwürdiger Satz von Lagarde:

„the ECB has made it clear that, in the context of the ongoing conflict, we will take whatever action is needed to pursue price stability and safeguard financial stability“.

Die Inflation steigt – und Lagarde druckt weiter

Hat Lagarde wirklich gesagt: „whatever action is needed to pursue price stability“? Im März 2021, also vor einem Jahr, lag die Inflation der Eurozone bei 1,3% – im Vormonat Februar diesen Jahres bei 5,8% (hier die Entwicklung des Preisauftriebs). Von „price stability“ wird man schlechterdings wohl kaum reden können.

Und Lagarde und die EZB drucken munter weiter, gießen also faktisch weiter Benzin ins Feuer. Während die US-Notenbank Fed ihre Bilanzsumme zeitnah reduzieren will, betreibt die EZB weiter QE und nähert sich bei ihrer Bilanzsumme dem gigantischen Wert von neun Billion Euro:

„We will take whatever action is needed to pursue price stability“, meint also Fra Lagarde. Faktisch hat die EZB schon längst die Kontrolle über die Inflation verloren (wenn sie diese je hatte). Würde Lagarde wirklich die Inflation bekämpfen wollen, dann müsste sie schon jetzt die Geldpolitik straffen, durch Zinsanhebungen und Bilanzreduzierung. Aber das Gegenteil passiert. Warum? Weil die Euro-Peripherie faktisch durch die EZB finanziert wird, die fast alle Neu-Emissionen der Anleihen dieser Staaten aufkauft.

Daher gilt: wenn wir uns in Sachen Inflation auf Christine Lagarde verlassen – dann sind wir verlassen. Daher: achtet darauf, was sie tun, nicht was sie sagen. Es ist und bleibt ein Trauerspiel – wir waren noch nie so weit weg von der Politik der Bundesbank wie heute!



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7 Kommentare

  1. Kann denn die EZB mit der Geldpolitik für zusätzliches Angebot sorgen? Wäre eine Zinsanhebung für die Nachfrage so relevant, dass die Lieferknappheiten beendet wären? Würden dadurch der Krieg aufhören und die Nachholeffekte aus der Pandemie verschwinden?
    Ich denke, im Moment ist die Geldpolitik für die Inflation ziemlich egal. Würde sie gestrafft, würden Investitionen verteuert, d.h. Angebot weiter verknappt. Denn wir haben ein Investitionsdefizit lange vor uns hergeschoben. Jetzt muss man plötzlich klotzen: Raus aus der Energieabhängigkeit, Deglobalisierung, Rohstoffe sichern. Also ist mit ziemlicher Sicherheit eine Straffung der Geldpolitik für die Angebotsseite ebenso schädlich wie für die Nachfrage, wenn nicht schädlicher. Von daher können wir die Zentralbanken, die so lange marktbestimmend waren, für eine Zeit lang vergessen. Auch die Fed tut nichts zur Sache. Ihre Geldpolitik ist so lax wie sie nur sein kann angesichts der Inflation. Im Grunde jenseits von Gut und Böse. 0,5% Zinsschritt bei 8% Inflation? Die Dinge sind völlig aus dem Ruder gelaufen und Geldpolitik ist hier machtlos. Es wird im Moment klar, dass man Geld nicht essen kann. Also ist Werte schaffen das Gebot der Stunde, egal wie viel Zentralbankkonfetti man dafür druckt. Hauptsache am Ende steht eine eigenständigere Energieversorgung, eigenständige Zulieferketten, robuste Landwirtschaft und wohl auch wehrhaftes Militär. Wenn die Inflation die Konsumentennachfrage drückt, dann ist das eine willkommene Hilfe in diesem Prozess. Es macht m.E. in dieser Phase keinen Sinn mehr, eine Volckersche Vollbremsung zu machen. Sie würde an der Inflationsentwicklung wenig ändern. Die Gelegenheit für eine solide Geldpolitik hat schon vor Jahren den Bahnhof verlassen.

    1. Nö, es herrscht ein durch Lieferketten- und Rohstoffmangel getriebenes Angebotsthema. Steigende Zinsen in der EU führen hier wohl nicht zu einem Angebotsrückgang. Zumal deutsche Unternehmen derzeit sowieso eher über Produktionsverlagerungen ins Ausland nachdenken und kaum über weitere Investitionen hier im Land.
      Höhere Zinsen würden demgegenüber aber sofort die Kredite fürs Häusle und teurere Konsumgüter verteuern und damit die Nachfrage verringern. Hans-Werner Sinn ist da ein guter Indikator. Der predigt das zwar schon seid Corona Beginn, klingt dabei aber inzwischen schon fast flehend und ungehalten.

  2. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    Eine Inflation die nicht bekämpft wird erzeugt automatisch eine noch höhere Inflation und die Märkte werden entsprechend reagieren.
    Die geldpolitischen Tauben werden immer tausend Ausreden finden, die Zinsen nicht zu erhöhen. Das war früher nicht anders.
    Als 1992 Helmut Schlesinger, die Zinsen auf 8,75 Prozent anhob hagelte es Kritik aus dem Club Med. Denn nun musste auch die Banca Italia und Banc de France nachziehen.
    Die Banca Italia erhöhte die Zinsen auf 9 Prozent. Sie hätte eigentlich auf 11 Prozent erhöhen müssen, um dem schlechten Rating, von BB ,Rechnung zu tragen, das tat sie nicht, weil Wahlen anstanden.
    Darauf hin verlor die Lira beträchtlich an Wert. Das spülte einen gewissen Silvio Berlusconi an die Macht.
    Viele Jahre später wird er im Europäischen Rat, Mario Draghi, als neuen EZB Chef vorschlagen.
    Frankreich ist sofort dabei und Deutschland „schaut in die Röhre“.
    Ein Jahr später spricht Mario Draghi ,die „Garantie-Ausfallversicherung“ für „PIIGS“- Anleihen aus. Das war der Anfang vom Ende. …

  3. Die EZB ist eine politisierte Institution, deren oberstes Ziel keineswegs die Geldstabilität ist, sondern der Zusammenhalt der Eurozone bzw. der EU.Das wird nicht zuletzt dadurch deutlich, daß die Französin Lagarde auf den Italiener Draghi folgte. Ohne Nullzinsen und ständige Anleihekäufe durch die EZB wären die überschuldeten Südstaaten einschließlich Frankreich finanziell rasch am Ende. Das ging jahrelang relativ gut, weil die Inftationsrate niedrig war, vor allem wegen günstiger Energie- und chinesischer Warenimporte.
    Diese Zeiten sind freilich vorbei und jetzt greift die Inflation von den Vermögensmärkten auf die Verbraucherpreise über. Richtig heftig wird die Situation, wenn die Inflationserwartungen der Bürger weiter ansteigen, denn dann erhöht sich die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes immer mehr: man kauft heute, was vielleicht morgen schon teurer ist. Erste Hamsterkäufe weisen in diese Richtung.
    Die EZB hat die Kontrolle weitgehend verloren, sie müßte die Zinsen umgehend deutlich erhöhen und die Anleihekäufe einstellen, mit dem Ergebnis, daß die Südländer ins Straucheln kommen und die Wirtschaften der Eurozone in eine Rezession verfallen. Es sieht so aus, daß von der EZB weiterhin eine hohe Inflation bevorzugt. Das kann und wird nicht gut gehen.

  4. Madame Lagarde will endlich den Inflation-Versöhnungsgeldschein in Umlauf bringen:

    https://www.philaforum.com/attachment/318500-million-euro-jpg/

  5. Mich bewegt die Frage „warum“ Lagarde und Co. nichts gegen den Kaufkraftverlust unternehmen.
    Warum riskiert die EZB eine immer höhere Inflation und eventuell sogar eine Hyperinflation mit der Gefahr einer folgenden Währungsreform ?
    Ist es mehr die Angst vor einem Zusammenbruch der Eurozone wenn die schwachen Länder ihre Kredite nicht mehr bedienen können und zahlungsunfähig werden ?
    Wenn man nun wählen sollte zwischen Pest und Cholera frage ich mich, was ist das größere Übel.
    Wie sieht das die werte Leserschaft ?
    Speziell an Fuggi 😁, wären diese beiden Szenarien welches die jeweiligen Auswirkungen erläutert, nicht ein cooler Artikel ?
    Grüße aus Köln

  6. Wieso haut niemand Madame Inflation auf die Pfoten. Hat diese Person einen Freifahrtschein? Jeder merkt, dass hier was schief läuft, oder billigt etwa die Politik diese Strategie damit die Südländer durch hohe Inflation Ihre horrenden Schulden leichter abbezahlen können.

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