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Coronakrise: Die Flucht aus den Großstädten beschleunigt sich!

Die Coronakrise macht das in den letzten Jahren geltende Mantra immer fragwürdiger: dass die Großstädte immer weiter wachsen würden. Das entsprach einer auch in der Wissenschaft beliebten allzumenschlichen Methodik: man schreibt Trends aus der Vergangenheit einfach in die Zukunft fort. So meinte das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) vor drei Jahren:  „Hamburgs Bevölkerungszahl wächst einer Prognose zufolge bis 2035 um rund 162.000 Einwohner auf fast zwei Millionen Menschen“.

Dabei aber ignorierte man einen großen Trend, der schon vor der Coronakrise eingesetzt hatte: Automatisierung und Digitalisierung (siehe hierzu meinen Artikel „Über Automatisierung und die Auswirkung auf die Großstädte: Glaubt den Prognosen nicht!“ aus dem Jahr 2017).

Die Automatisierung macht vor allem immer mehr Bürojobs überflüssig (die überwiegend in Großstädten angesiedelt sind). Die Digitalisierung wiederum trifft vor allem den stationären Einzelhandel. Hier hat die Coronakrise den ohnehin vorhandenen Trend zur Online-Bestellung noch weiter verstärkt (mit Amazon als dem größten Profiteur).

Die Coronakrise ist nicht nur in Deutschland ein „game changer“. Vor allem große Firmen brauchen absehbar weniger Büroflächen. In meiner persönlichen Umgebung geht kaum jemand noch täglich zur Arbeit, sondern arbeitet mindestens drei Tage pro Woche von zu Hause aus. Wer aber seltener oder gar nicht mehr zum Job fahren muß, für den wird es weniger wichtig, direkt im Ballungsraum zu wohnen. Wichtiger wird das eigene Heim, und da möchte man es gemütlich haben – man möchte (wenn man es sich leisten kann) einen Garten, möchte einfach Platz haben. Die Menschen-Massen in den Großstädten werden durch Corona nicht gerade attraktiver, zumal das Angebot in den Großstädten an Kultur, Gastronomie oder Einzelhandel auszudünnen beginnt: in Hamburg etwa steht nun das riesige Kaufhof-Gebäude im Zentrum der Stadt bald leer – das ist gleichsam ein Mahnmal für den schleichenden Abstieg der Großstädte.

Die Coronakrise macht nun einen Prozeß, der schon länger begonnen hat, immer offensichtlicher. Das bestätigt nun eine heute veröffentlichte Pressemitteilung der Interhyp AG:

„Schon seit einigen Jahren beobachtet Interhyp eine Tendenz zur Stadtflucht aus Großstädten und Metropolen bei Immobilienkäufern und Bauherren. Waren es 2016 noch 63 Prozent, die ein Eigenheim in einer Stadt mit 500.000 und mehr Einwohnern erwerben wollten, sind es im ersten Halbjahr 2020 nur noch 57 Prozent. Auch der Großstädter-Anteil, der wieder in einer Großstadt eine Immobilie kauft, ist in den vergangenen fünf Jahren von 61 Prozent auf 58 Prozent gesunken. Metropol-Bewohner zieht es zunehmend in Mittel- und Kleinstädte (2020: 19 Prozent in Mittelstädte, 14 Prozent in Kleinstädte vs 2016: 17 Prozent in Mittelstädte, 12 Prozent in Kleinstädte). Nur wenige ziehen beim Immobilienkauf allerdings aufs Land bzw. in Orte kleiner 5.000 Einwohner (3 Prozent in 2020). Dennoch macht Interhyp eine zunehmende Landlust aus. Denn diejenigen, die bereits auf dem Land oder in Kleinstädten leben, bleiben dort heute häufiger als früher: 2016 kauften 56 Prozent der Landbewohner ihre Immobilie auf dem Land, 2020 sind es 59 Prozent.“

Coronakrise: Wo zieht es die Menschen hin?

Welche Regionen aber werden von dieser Entwicklung profitieren? Es sind die Randbezirke von Großstädten – oder mittelgroße Städte, die nicht weit von den großen Ballungsräumen entfernt liegen.

Dazu schreibt Interhyp:

„Den Trend zur Immobilie außerhalb der Ballungszentren beobachten wir nicht erst seit gestern. Doch die Entwicklung gewinnt mit der Pandemie neue Dynamik, wie sich in der Analyse unserer Daten abzeichnet“, so Jörg Utecht. Utechts Meinung nach gibt es dabei folgende Gedanken, die Eigenheimbesitzer umtreibt: „Wenn mobiles Arbeiten es erlaubt, dass der Arbeitsweg nur zweimal in der Woche anfällt, entsteht zeitliche und finanzielle Ersparnis. Das Eigenheim wird in ländlichen Gebieten und Klein- und Mittelstädten zur leistbaren und praktikablen Alternative für diejenigen, die sich in den Groß- und Metropol-Städten kein eigenes Zuhause ermöglichen können. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass eine gute Infrastruktur in den Zielgebieten vorliegt. Dazu gehören zum Beispiel gute digitale Anbindungen, Einkaufsmöglichkeiten und eine gute breite ärztliche Versorgung.“

Aus all dem wird klar: die deutschen Großstädte haben den Zenit ihres Wachstums wohl längst überschritten – und das wird sich auch bei den dort besonders hohen Immobilienpreisen deutlich niederschlagen. Käufer, die in Städten wie München, Hamburg oder Frankfurt aktuell noch Mondpreise bezahlen, gehen erhebliche Risiken ein (vor allem je höher sie fremdfinanziert sind).

Vor allem Randbezirke von Großstädten mit viel Grün oder Wasser in der Nähe dürften hingegen die große Gewinner werden!

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8 Kommentare

  1. Es liegt nicht an Corona es sind die steigenden Mieten und der Zuzug von den hier kürzer Lebenden.
    Die Eltern ziehen raus aus den Städten da dort die Schulen von Migranten überflutet sind und die deutschen Kinder im Lehrstoff unterfordert sind und die Bildung damit rückläufig ist.
    Es können sich nicht alle Privatschulen (wie unsere Politiker) erlauben wegen die wahnsinnigen hohen Stundenlöhne (Ironie off) die gezahlt werden.
    Corona macht vielleicht die Büroflächen zum teil verzichtbar aber wie lange?

  2. Gehe ich hier in Bremen durch die Innenstadt, sehe ich den Zerfall der Infrastruktur. Dreck überall und nichts wird mehr richtig in Stand gehalten. Dazu kommen nur noch 1 Euro Shops und an jeder Ecke gammelnde Ausländer. Nachts zum Bahnhof geht gar nicht mehr.
    Ich fahre nur noch in die Innenstadt um Behörden Gänge zu erledigen, ansonsten sieht mich da jahrelang niemand mehr!

  3. Diesen Trend sehe ich durchaus, ich wohne ca. 45 km von ein einer Großstadt Frankfurt entfernt, mit Autobahnanschluss, wir werden überrannt bezüglich möglichen Bauplätzen.

    Unser „Kuhkaff“ muss und wird neue Bauplätze erschließen, aber : der Autobahnanschluss, bzw, die nötige Infrastruktur, z.B. Bahnanschluss ist der Key.

  4. Randbezirke von Großstädten, das klingt plausibel. Aber dass die Großstädte als Ganzes Ihren Anziehungseffekt verlieren glaube ich nicht. Dafür ist die Infrakstruktur zu wichtig, vor allem im Alter wil keiner zu weit weg vom Krankenhaus wohnen… Hamburg ist auf die Zahl der Einwohner gesehen riesig. Da werden noch lange die Preise stabil bleiben oder gar weiter steigen. In Städten wie Frankfurt oder München sieht das schon anders aus..

  5. Randbezirke von Großstädten, genau das sind wir. Aber mit einem hervorragenden Autobahnanschluss zu Frankfurt/zum Rhein-Main-Gebiet hin.

    Aber. wenn ich irgendwo im Vogelsberg wohne (ca. 20-30 km entfernt von uns) , also in der „Pampa“ , war es das mit dem Immobilienverkauf – aber : immerhin sind die Corona-Zahlen dort niedrig… ;)

  6. Pingback: Meldungen und Nachrichten vom 24.09.2020 | das-bewegt-die-welt.de

  7. Nicht wenige Städte sind gerade am kippen. Da ensteht nie wieder ein Gefühl von Heimat und Geborgenheit. Also was soll man dort noch? Und dafür, daß die eigene Straße eines Tages auch kippt und damit die Immobilie unverkäuflich wird, soll man Mondpreise bezahlen? Die Städte werden als erstes den Preis für die Bevölkerungsexperimente zahlen. Und wenn es erst einmal in Mode kommt, rauszuziehen, wird die Masse aufspringen. Dann geht es nicht nur in Frankfurt Richtung Bronx der 70er.

    1. @Haselsteiner
      Das haben Sie sehr gut erkannt! Millionen Haus- und Wohnungsbesitzer in den Städten werden sich noch furchtbar die Augen reiben. Der dort einhergehende gigantische Preisverfall wird die Vorstellungskraft Vieler übersteigen, denen es am nötigen Weitblick fehlt. Viele deutsche Städte werden dann bis auf kleine Oasen zu Großgettos. Merkel sei Dank.

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