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Über Automatisierung und die Auswirkung auf die Großstädte: Glaubt den Prognosen nicht!

Wollen Sie eine Immobilie kaufen in der Großstadt, schon weil Sie überzeugt sind, dass die Prognosen stimmen und Städte wie Hamburg, Berlin oder München weiter wachsen werden? Dann lesen Sie besser diesen Text, bevor Sie eine Fehlentscheidung treffen!

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Von Markus Fugmann

Kürzlich titelte das „Hamburger Abendblatt“, jenes Provinz-Medium mit Weltgeltungs-Anspruch, dass Hamburg stark wachsen werde. Da heißt es:

„Hamburgs Bevölkerungszahl wächst einer Prognose zufolge bis 2035 um rund 162.000 Einwohner auf fast zwei Millionen Menschen. Das geht aus einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervor.“

Ist das wirklich so? Oder werden hier nur Trends aus der Vergangenheit fortgeschrieben, die so in der Zukunft nicht mehr der Fall sein werden? Wir meinen: die Prognosen über das weitere Wachstum gehen an der Realität vorbei, und zwar deshalb, weil sie die Automatisierung nicht berücksichtigen!

Dabei haben einige langfristige Trends begonnen, die eher dafür sorgen werden, dass die Sogwirkung von Großstädten abnehmen wird. Einfach deshalb, weil in der Großstadt besonders viele Jobs sind, die durch Automatisierung ersetzt werden! Dabei gibt es zwei zentrale Bereiche: Einzelhandel und Bürojobs.

Da ist also erstens der Bereich Einzelhandel – das Sterben des stationären Einzelhandels in den USA (in 2017 bereits 27 große Einzelhandelsketten insolvent) wird auch hierzulande kommen. Und es wird besonders jene Orte treffen, die viel Angebot an stationärem Einzelhandel haben. Also vorwiegend Großstädte – wo viele Menschen wohnen, gibt es viel Einzelhandel, logisch. Noch ist dieser beginnende Trend nicht ausgeprägt in Deutschland, aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Entwicklung aus den USA voll zu uns hinüber schwappt!

Zunehmen wird das Online-Angebot im Einzelhandel, auf Kosten des stationären Einzelhandels. Wo aber wird dieser Online-Einzelhandel stationiert sein? In Großstädten? Eher nicht – schon weil in Großstädten die Löhne höher sein müssen, damit die höheren Kosten für Miete etc. für die Mitarbeiter überhaupt leistbar sind. Also werden es vorwiegend eher mittelgroße oder gar kleinere Städte sein, von denen aus der Online-Handel logistisch durchgeführt wird, möglichst in der Nähe, aber eben nicht innerhalb von Großstädten oder Ballungszentren.

Blicken wir einmal darauf, wo etwa Amazon seine Stützpunkte hat in Deutschland: Graben bei Augsburg, Bad Hersfeld mit zwei Logistikzentren, Leipzig, Rheinberg, Werne, Pforzheim, Koblenz und Brieselang. Also nicht gerade die Top 10 der deutschen Städte, mit Ausnahme Leipzigs ist keine einzige Großstadt in der Liste!

Genau auf diesen Zusammenhang hat die Fed mit Blick auf die Entwicklung in den USA kürzlich hingewiesen: die Arbeitsplätze werden insgesamt nicht zwangsläufig weniger durch die Verschiebung von stationärem zu online-Einzelhandel, aber sie sind schlicht woanders, und es sind andere Mitarbeiter mit anderen Qualifikationen als im stationären Einzelhandel. Das bringt die New York-Fed auf den Punkt:

„One reason is that the geographic distribution of jobs is very different for online retailers versus brick-and-mortar outfits. In other words, areas that are losing a lot of department store jobs may not be the ones gaining online retail jobs.“

Die Orte, die stationäre Einzelhandelsjobs verlieren, werden also eher keine „Online-Jobs“ im Gegenzug kreiieren können. Der Hauptgrund: der Online-Handel muß nicht da sein, wo die Kunden sind, wie die Fed feststellt:

„Online retailers don’t have the same geographic constraints—that is, they don’t have to be where their customers are to make a transaction“.

Und weiter die Fed:

„In contrast with traditional retailers, online sellers tend to concentrate all or most of their staff in one or a few locations: it is more expensive to have people all over the place if they don’t need to be.“

Der Online-Handel neigt also nicht zur Repräsentanz in der Breite, wie der stationäre Einzelhandel, sondern konzentriert sich an wenigen Orten, aber meist eben nicht, wie am Beispiel Amazon gezeigt, in Großstädten! Und genau das wird also passieren auch in deutschen Großstädten: immer weniger stationärer Einzelhandel in deutschen Großstädten, wo Millionen von Einzelhandelsjobs wegfallen werden!

Dafür entstehen andernorts, nicht direkt in der tiefen Provinz, sondern nicht allzu weit weg von Ballungszentren, neue Online-Jobs. So etwa wie in Pforzheim. Und das bedeutet, überspitzt formuliert: Städte wie Pforzheim oder Städte ähnlicher Größe in nicht allzu weiter Entfernung von Großstädten oder Ballungszentren haben bessere Perspektiven als etwa die Ballungszentren oder Großstädte selber. Wenn ich wetten müsste, würde ich also eher auf Pforzheim wetten als auf Hamburg!


Beispielbild einer Roboterhand. Foto: Richard Greenhill and Hugo Elias/Wikipedia (CC BY-SA 3.0)

Der zweite Strang sind die Bürojobs. Hier wird es schon in wenigen Jahren massive Umwälzungen geben. Gestern Abend etwa hatte die Wirtschaftsberatungsgesellschaft PWC (Price Waterhouse Cooper) mitgeteilt:

„50 Prozent unserer derzeitigen traditionellen Tätigkeiten werden in fünf Jahren nicht mehr von Menschen ausgeführt werden“ (Norbert Winkelmann, Sprecher von PWC Deutschland).

50%! Es wird also in vielen Bürobereichen massive Veränderungen geben. Wo aber sind die meisten, wo sind überproportional viele Bürojobs? Richtig, in Großstädten.

Das alles hat weitreichende Konsequenzen: macht es etwa angesichts dieser Perspektiven noch (langfristig gesehen) Sinn, in Großstädten jetzt noch nach den massiven Preisanstiegen Wohnungen zu kaufen? Nicht wirklich. Weniger Jobs in Großstädten heißt auch: weniger Zuzug von Jobsuchenden, also weniger Nachfrage nach Immobilien, ergo langfristig eher fallende Preise statt steigende.

Das soll nur eine Anregung sein, darüber nachzudenken, dass die Mainstream-Prognosen vermutlich falsch sind, dass die Großstädte immer mehr Menschen „ansaugen“. Ich gehe vielmehr davon aus, dass in Großstadt-Zentren eher die weniger Privelegierten wohnen werden, die Privelegierteren aber wohnen am Stadtrand/Speckgürtel, und der Online-Markt der Zukunft liegt in mittleren oder kleineren Städten mit Ballungszentren in Reichweite, aber eben gebührendem Abstand zu diesen Zentren.

Anbei noch eine Info-Grafik zu den massiven Veränderungen, die auf uns zukommen werden, aufgeschlüsselt nach Tätigkeitsgebiet, basierend auf Berechnungen von McKinsey:

Diese Jobs wird KI zuerst übernehmen – eine Infografik von RS Components

9 Kommentare

9 Comments

  1. Avatar

    Hmm

    11. Oktober 2017 15:43 at 15:43

    Noch nicht so wirklich darüber nachgedacht, aber macht wirklich Sinn. Danke für den Artikel!

  2. Avatar

    AMEISE

    11. Oktober 2017 17:15 at 17:15

    da muß man sich fragen ob das alte politische systhem nicht schon vorher implodiert, ganz sicher die sozialkassen, bei dieser verantwortunslosen innen und außenpolitik. der umbruch kommt sicher, aber wie immer anders als man denkt.

  3. Avatar

    m.d

    11. Oktober 2017 19:26 at 19:26

    der artikel ist sehr interessant und macht einen nachdenklich aber zur zeit fällt mir eine meinungsbildung sehr schwer.

  4. Avatar

    Enka Latineg

    11. Oktober 2017 19:51 at 19:51

    Schon heute sind 1 Stunde nach Geschäftsschluss die Stadtzentren/Einkaufsmeilen fast ausgestorben. Wer dann noch flanieren will merkt schnell, wie ein etwas unsympathischer Teil der Bevölkerung bis zum Morgengrauen übernimmt.
    Diese Situation könnte sich weiter zuspitzen, wenn viele Bürojobs wegrationalisiert sind. Der Computer funktioniert auch von zuhause aus und Arbeitszeiten lassen sich problemlos dokumentieren.
    Eine Wohnung in der Stadt ist schön, Parkplatz suchen weniger.
    Vielleicht kommt der Umbruch schneller, als viele denken.

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    Wolfgang M.

    11. Oktober 2017 20:16 at 20:16

    Ja Markus, als Ex-Münchner muss ich Ihnen recht geben. Bisher musste man zum Arbeiten oder zum Shoppen in die Stadt, das Wohnen war am Stadtrand wesentlich angenehmer. Wenn man es sich leisten konnte oder in den Ruhestand kam, zog man aufs Land, vorzugsweise in die Landkreise an den oberbayerischen Seen (Starnberger See, Ammersee, Tegernsee, Chiemsee u.s.w.). Der Zuwachs in den Städten hatte in jüngster Zeit oft andere (Migrations-) Gründe.

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    vlim

    11. Oktober 2017 20:49 at 20:49

    Wenn es wirklich so kommt, wie McKinsey es prophezeit, dann prophezeie ich mal, dass viele dieser Roboterfakriken, die zuerst mit billigem Geld aufgebaut werden, Pleite gehen werden, weil es keine Kunden mehr gibt, die deren Produkte noch kaufen können. Das wird dann die nächste Bankenkrise auslösen, so ähnlich, wie in der Schifffahrtskrise, wo zu viele Überkapazitäten aufgebaut wurden.

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    TINOGRUCHMANN

    12. Oktober 2017 10:21 at 10:21

    Ich bin mir nicht so sicher ob der Online Handel alles in Europa verändern und dominieren wird, ich kenne zwar viele die Online bestellen aber ich sehe nicht das es sich vom Volumen stark ausweitet, vielleicht gibt es da auch mal wieder eine Stagnation bevor die Kaufhäuser eingehen, ich glaube das hängt sehr von den neuen Generationen ab,wie sehr sich die Konsummuster ändern werden, das gleiche beim Autokauf, wenn kein wert mehr auf ein eigenes Auto gelegt wird

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Aktienmärkte: Mythos und Realität! Marktgeflüster (Video)

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Nach anfänglichen Gewinnen sind die Aktienmärkte unter dünnsten Volumina wieder leicht ernüchtert – und bald dürften wegweisende Entscheidungen fallen, die die drei dominierenden Narrative der Aktienmärkte auf den Prüfstand stellen werden: erstens die Annahme, dass am 15.Dezember Trump die Strafzölle gegen China nicht einführen wird (aber heute hat Peking Sanktionen gegen US-Diplomaten erlassen). Zweitens, dass die globale Konjunktur sich deutlich erholen wird (aber heute wieder schwache Daten aus Deutschland und der Eurozone; morgen wichtig die US-Arbeitsmarktdaten nach den gestern schwachen US-Konjunkturdaten). Und drittens der Glaube an den ewig währenden Fed-Put, also das Sicherheitsneetz der US-Notenbank unter den Aktienmärkten (nächste Woche Fed-Sitzung)..

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Toter Markt! Videoausblick

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Die Aktienmärkte veranstalteten gestern einmal mehr eine Hoffnungs-Rally nach Gerüchten über angebliche Fortschritte bei den Verhandlungen zwischen den USA und China – schwache US-Konjunkturdaten wurden dagegen ausgeblendet. Nun aber wird die Zeit langsam knapp: am 15.Dezember würden die weiteren US-Strafzölle gegen China in Kraft treten – unwahrscheinlich, dass davor der Phase 1 Deal unterschrieben wird. Die Aktienmärkte gehen davon aus, dass Trump die Zölle verschieben wird – und was wenn nicht? Unterdessen gibt es neue Hinweise zum US-Repo-Markt: Fed-Vize Quarles (der heute dazu erneut befragt wird) sieht eine Ursache in den Regularien der Notenbank aber das Problem dürfte tiefer liegen. Ohne die Fed wäre jedenfalls der amerikanische Geldmarkt tot..

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Fake News – und ihr Muster! Marktgeflüster (Video)

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Mit großer Wahrscheinlichkeit sind es heute wieder Fake News, die die Aktienmärkte nach oben gehievt haben: die USA und China hätten sich weitgehend (!) auf das Volumen jener bestehenden Zölle geeinigt, die wieder rückabgewickelt werden sollen. Blickt man dagegen auf chinesische Medien, so wird nicht nur der Ton gegenüber den USA wieder schärfer – dazu hat Peking den amerikanischen Botschafter einbestellt wegen der Uiguren-Resolution des US-Kongresse und macht auch klar, dass dies Folgen für die Handelsgespräche habe. Offenkundig glaubte Peking Anfang November eine Übereinkunft erzielt zu haben – aber Trump wollte die Zölle eben nicht rückabwickeln. Und so zeigt sich ein Muster der Fake News, gespeist wohl aus falschen Einschätzungen über die Haltung der Gegenseite: erst glaubten die Amerikaner an den Deal, dann die Chinesen, jetzt wieder die Amerikaner. Wäre ein Deal wirklich greifbar, hätte man ein baldiges Treffen der Delegationen vereinbart..

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