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Coronakrise: Griechenland wieder im Schuldensumpf

Die Akropolis als Symbol für Griechenland

Die weltweite Virusinfektion um Sars-CoV-2 betrifft alle Staaten, ob Industrie- oder Entwicklungsländer, wobei Letztere durch den Einbruch im Tourismus ganz besonders „gebeutelt“ werden. Derzeit spricht man über die Schuldenkrise allgemein und den omnipräsenten Wahlkampf in den USA. Doch wie geht es eigentlich Griechenland, dem Sorgenkind der Eurozone? Der Haushaltsentwurf für 2021 gibt darüber etwas Auskunft.

Der Einbruch in Griechenland

Nachdem Griechenland nach achtjähriger Fremdbestimmung seit zwei Jahren wieder finanziell eigenständiger agieren konnte, kam auch für das Urlaubsland der Coronaschock. Im verflixten zweiten Quartal schrumpfte das griechische Bruttoinlandsprodukt um 15,2 Prozent (hier grafisch dargestellt), so stark wie seit 25 Jahren nicht mehr. Auch für das Gesamtjahr wird mit einem Wirtschaftseinbruch von neun Prozent gerechnet. Bereits nach zwei Dritteln des Jahres fehlen dem kleinen Land 6,6 Milliarden Euro im Staatshaushalt. Hatte man für das Jahr 2020 noch mit einem Primärüberschuss von 3,6 Prozent gerechnet, so spricht die griechische Zentralbank bereits von einem Minus von sechs Prozent.

Damit ist es auch zwangsläufig vorbei mit der Konsolidierung der Staatsfinanzen. Nachdem man 2018 mit 181 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt den bisherigen Höchststand erreicht hat, fielen die Schulden 2019 bis auf 176 Prozent. Die Planung für 2020 sah einen weiteren Rückgang auf unter 170 Prozent vor. Das ist im Coronajahr 2020 Makulatur, selbst Notenbankchef Yannis Stournaras erwartet, dass man in diesem Jahr die Schallmauer von 200 Prozent Verschuldung zum BIP erreichen wird – ein neuer Rekord in der Eurozone.

Im nächsten Jahr möchte man mit Hilfe des Wachstums von sechs Prozent das Schuldenniveau wieder auf 190 Prozent drücken. Aber warum droht Griechenland nicht wieder ein Staatsbankrott wie im Jahre 2015? Da gibt es zum einen die finanzielle Finanzspritze aus dem europäischen Wiederaufbaufonds in Höhe von erwarteten 32 Milliarden Euro. Und natürlich auch den riesigen Rettungsschirm, den Europa über Griechenland aufgespannt hat. Als sie staatliche Schuldenagentur vor Kurzem eine 10-jährige Staatsanleihe am Markt platziert hatte, war die Nachfrage riesengroß (siebenfach überzeichnet) und die Emission ging mit einer Ausgaberendite von 1,22 Prozent über die Bühne – natürlich der niedrigste Zinssatz seit Griechenlands EU-Beitritt. Die Schulden des Landes liegen zu etwa 80 Prozent in öffentlichen Händen, wie dem Euro-Stabilitätsfonds ESM. Das Finanzministerium verfügt über Liquiditätsreserven von fast 38 Milliarden Euro, genug um die nächsten drei Jahre durchzustehen, vorausgesetzt die Pandemie kann unter Kontrolle gebracht werden.

Der Haushaltsplan 2021

Der aktuell vorgelegte Haushaltsplan für das kommende Jahr erwartet ein Wachstum von 7,5 Prozent, bei einem Primärdefizit von einem Prozent. So sieht es der Plan vor, der dieses Wochenende dem Parlament vorgelegt und bis zum 15. Oktober in Brüssel genehmigt werden muss. In Abhängigkeit des Verlaufs der Pandemie soll der endgültige Plan Ende November dem Parlament in Athen zugestellt werden. Natürlich steht der Haushaltsplan unter dem Vorbehalt, dass die EU-Unterstützungsgelder auch rechtzeitig fließen. Auffällig in dem Entwurf ist die Erhöhung der Verteidigungsausgaben um 2,5 Milliarden Euro, von 4,9 Milliarden aus dem Vorjahr – der Konflikt mit der Türkei läßt grüßen.

Alles ein sehr optimistisches Szenario, welches von einer Bewältigung von Covid-19 bis 2021 ausgeht und einem normalen Tourismusgeschäft. Kritik kommt natürlich von der Opposition, die eine mangelnde Finanzierung von Gesundheit und Bildung anmahnt. Das Volk würde nur arbeiten, um laufende Schulden zu bedienen.

Fazit

Griechenland ist in zweierlei Hinsicht abhängig von Europa. Von den Anleihekäufen der Europäischen Zentralbank und von europäischen Touristen. Doch wie mit eigener Kraft einen Schuldenberg von 200 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt abbauen? Man hatte sich in der Ägäis in den letzten Jahren, natürlich mit dem Privileg unnatürlich niedriger Zinsen um einen Abbau bemüht – dann kam Corona, welches das vom Tourismus so abhängige Land um Jahre zurückwirft. Schulden in einer Höhe von 200 Prozent zum BIP sind aus eigener Kraft nicht zu stemmen, selbst die USA hatten nach dem Zweiten Weltkrieg große Probleme einen Schuldenstand von 127 Prozent mittels jahrelanger finanzieller Repression zu bewältigen. Verlängerung der Kredite bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag oder doch einen Schuldenschnitt? Die alte Thematik in der Eurozone ist wieder da, die Pandemie überlagert nur ein ungelöstes Problem.

Und da gibt es ja noch Japan, das bereits bei 250 Prozent Schuldenstand angekommen sind, 31 Jahre nach dem großen Immobiliencrash. Die Jahre nach Corona dürften in eine neue Ära münden, mit einem großen, globalen Thema. Sieht nicht so gut aus für die Eigentümer von Geldanlagen, im Extremfall aber auch für Immobilieneigentümer.



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3 Kommentare

  1. Die Überschrift ist doch wohl der Witz schlechthin!
    Griechenland war noch nie aus den Schulden draußen!
    Sie stecken da schon seit x Jahren drin und nur durch Tricksereien wird das Alles zu gedeckt!

  2. Wie hat doch Frau Wagenknecht gesagt, DIE GRIECHENLAND – Rettung war eine EU Bankenrettung.Da vor allem die Franzosen stark involviert sind und auch sie stark vom Tourismus abhängig sind und die EU Banken sowieso schwach sind, könnte die nächste Rettungsübung bald anstehen.
    Mit Tiefstzinsen wollte man Zeit kaufen, leider hat man damit nur die Überschuldung angeheizt und trotzdem wird das Rezept mit den tödlichen Nebenwirkungen weiter angewendet.Griechenland bezahlt 1,2 % Schuldzinsen ? ? und trotzdem gehts nicht ( gilt auch für andere EULänder ) Früher mit eigener Währung und Abwertungsmöglichkeit haben diese Länder mit zweistelligen Marktzinsen funktioniert. Es wäre an der Zeit das gescheiterte EUROPROJEKT zu hinterfragen bevor andere Länder mit stärkerer Währung auch zugrunde gehen.

  3. Da die Oberschicht die Produktionsressourcen beherrschen und die Politiker alles daran setzen, diese zu erhalten, kann auch die Lösung der Probleme nur wieder im Sinne der Wohlhabenden erfolgen.

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