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Zombieunternehmen in Japan – vollgepumpt vorbei am Insolvenzrichter

Belebteste Straßenkreuzung in Japan - Zombieunternehmen auf Vormarsch

Zombieunternehmen sind je nach Sichtweise Unternehmen, die zum Beispiel ihre Zinslast für Kredite nicht mehr aus eigenen Gewinnen bedienen können. Oder es handelt sich um Unternehmen, die nur noch dank staatlicher Hilfsprogramme künstlich am Leben gehalten werden, oder dank Maßnahmen wie der Aussetzung der Insolvenzantragspflicht in Deutschland. In Japan, so scheint es, brauchte es keine Befreiung von der Insolvenzantragspflicht, wie in Deutschland.

Es ist kein Geheimnis, dass japanische Notenbank und Regierung als Tandem in einem viel obszöneren Ausmaß als in den USA oder Europa schon seit Jahren die Volkswirtschaft mit Geld aus der Druckerpresse fluten. Dass die Unternehmen sich darauf ausruhen, unproduktiver und weniger innovativ werden, ist nur all zu leicht verständlich. Kaputte Firmen ohne funktionierendes Geschäftsmodell, konkurrenzfähiges Produkt oder Innovationskraft verschwinden nicht vom Markt, sondern werden seit Jahren gerade in Japan mit immer neuen Hilfsmaßnahmen überschwemmt, schon lange vor der Coronakrise. Dafür ist das Wort Zombieunternehmen wohl mehr als zutreffend.

Wir berichten schon seit einigen Monaten über die in Deutschland deutlich rückläufige Zahl an Unternehmensinsolvenzen. Die staatlichen Statistiker hierzulande weisen sogar explizit darauf hin, dass dies an der Aussetzung der Insolvenzantragspflicht liegt. So waren es im September in Deutschland 34 Prozent weniger Insolvenzen als ein Jahr zuvor.

Zombieunternehmen in Japan

Und in Japan? Da hört man heute Berichte von der japanischen Kredit-Auskunftei „Tokyo Shoko Research“. Laut deren Aussage ist die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im Monat September in Japan auf den niedrigsten Wert seit 31 Jahren gefallen. Sie sind nun auch den sechsten Monat in Folge rückläufig. Im Vergleich zu September 2019 fiel die Zahl der Insolvenzen um 9,4 Prozent auf 3.858 Fälle. Davon hätten gerade mal 483 Unternehmen angegeben, dass die Coronakrise Grund für ihre Insolvenz sei.

Dass in Japan wie in Deutschland in dieser brutalen Rezession die Zahl der Insolvenzen stark rückläufig ist, darf man ganz klar auf die Aussetzung der Insolvenzpflicht (in Deutschland) zurückführen, und in Japan vor allem auf die exzessiven Hilfen durch Notenbank und Regierung. Warum den Laden dicht machen, wenn man doch vom Staat mit Geld überschwemmt wird? Rettungsprogramme von Notenbank und Regierung in Japan enden im Dezember sowie drei Monate später. Dann wird es eng für die Zombies.

Auch in Deutschland dürften in den nächsten Monaten immer mehr Zombieunternehmen langsam auf die Idee kommen, dass man nun doch endlich Insolvenz anmelden sollte – wenn nämlich wirklich keine neuen staatlichen Rettungsgelder mehr fließen. Traurig ist es natürlich für die Betriebe, die tatsächlich nur wegen Corona den Bach runter gehen (wie Restaurants, Reisebüros etc). Aber unzählige Zombieunternehmen konnten sich die letzten Monate wohl bestens hinter der Coronakrise verstecken. Kommt keine neue Rettungswelle der Regierungen, dürfte bei vielen in den nächsten Monaten das Licht ausgehen.



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