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Coronavirus: Bleiben Massenveranstaltungen für lange Zeit verboten?

Sie sind zweifelsohne das Risiko schlechthin: Massenveranstaltungen während der Coronakrise, vielleicht auch noch in schlecht belüfteten Räumen, schon hat man die exponentielle Ausbreitungsmöglichkeit für das Coronavirus. Heinsberg und Ischgl sind Zeugnis dafür –  und mehr und mehr Studien bestätigen das Risiko des Superspreadings bei Großveranstaltungen. Wie lange muss man Events in Hallen und großen Zelten weiter untersagen?

Coronavirus: Neue Studien über Sportevents

Man hatte in Deutschland im März rasch erkannt, welche potenzielle Gefahren von Massenveranstaltungen ausgehen, wenn Menschen, dicht an dicht stehend, sich in großer Lautstärke freuen oder auch ärgern. Jetzt haben Wissenschaftler der Uni Linz untersucht, welchen Effekt US-Sport-Veranstaltungen auf die Ausbreitung des Coronavirus hatten.

Aus der StudieMass gatherings contributed to early Covid-19 spread: Evidence from US sports“ ergab sich, dass nur ein einziges Basketball- oder Eishockey-Spiel die Zahl der Infizierten um 380 Menschen pro eine Million Einwohner erhöht. Basis waren die Daten zu 78 Spielen der National Basketball Association (NBA) und 57 der National Hockey League (NHL), die im März dieses Jahres ausgetragen wurden. Doch bereits am 12. März wurde die Saison abgebrochen, die Saison soll ab 30. Juli wieder starten.

Bei den Spielen befanden sich duchschnittlich 18.000 Menschen in Hallen, damit hatte man die Super-Spreading-Events: also Situationen, in denen sich besonders viele Menschen mit dem Coronavirus anstecken.

Das Problem des Hallensports in Zeitne des Coronavirus

Die Ansteckung von Menschen mit dem Coronavirus ist noch ein ziemliches Rätsel. Mehreren Studien zufolge liegt die weltweite durchschnittliche Ansteckungsrate bei etwa 2,5 bis drei Personen, ein Viertel der Infizierten stecken andere gar nicht an. Deshalb auch die vielen Berichte von Familien, in denen Familienmitglieder trotz größter Nähe nicht infiziert wurden. Aber in etwa zehn Prozent der an Covid-19 Erkrankten sind verantwortlich für 80 Prozent der Übertragungen, zeigt eine aktuelle Studie, die in der offenen Plattform „Wellcome Open Research“ veröffentlicht wurde. Eine kurze Begegnung ist relativ ungefährlich, aber nicht der Daueraufenthalt in überfüllten Veranstaltungen mit schlechter Klimatisierung. Da ist man bei den Sportveranstaltungen in Hallen, insbesondere singen gilt als gefährlich, oder soll man besser sagen – grölen?

Der Fokus der Virologen liegt eindeutig auf der Verhinderung von Super-Spreading-Events. Insbesondere für Fans von Hallensport dürfte das jedoch bitter werden, für die Anhänger von vielen Ballsportarten und in vielen Ligen.

Wie will man das Problem bei großen Meisterschaften in den Griff kriegen, etwa bei den nächsten Olympischen Sommerspielen in Tokyo? Mit den vielen Hallenevents, ob Basketball, Handball oder Volleyball, Schwimmen, Turnen, Fechten und Vieles mehr.

Gottesdienste und Chorveranstaltungen

Aber nicht nur der Sport wird in Zeiten des Corinavirus zur Gefahr. Auch Gottesdienste und Chorveranstaltungen bergen ein besonderes Risiko.

Das Kirchentreffen im elsässischen Mulhouse, welches mit der Infektion von über 2000 Menschen in Verbindung gebracht wird, oder ganz einfach das gemeinsame Singen im Chor. Dafür gibt es schon einige Fallbeispiele. Das letzte stammt von einem Chor aus Washington, der trotz entsprechender Vorsichtsmaßnahmen zu 52 Infektionen mit Covid-19 führte. Es ist halt das Problem mit der Virenlast und den Aerosolen, die beim kräftigen Singen für eine starke Verbreitung der Viren führen, vor allem in geschlossener Umgebung.

Lange Zeit kein „Ozapft is“ mehr?

Ganz besonders heftig zirkulieren dürfte das Virus bei Volksfesten, wie dem Oktoberfest, wo in einem Zelt über 10.000 Menschen, bei Temperaturen über 30 Grad die Leute auf den Bänken stehen, gröhlend die Wiesenhits anstimmen und Aerosole in die Luft emittieren. Ein Superspreader an einem Tisch – und die Masseninfektion ist garantiert. Wird man so etwas zu Zeiten von Covid-19 überhaupt wieder zulassen können? Besonders bedeutsam für den süddeutschen Raum und den Volksfesten – Cannstatter Wasen, Gaubäudenfest in Straubing, Rosenheimer Herbstfest oder eben dem Oktoberfest, wo siebenstellige Besucherzahlen zu verzeichnen sind. Wie will man den Spagat hinkriegen zwischen Gesundheitsschutz und Volksvergnügen (zumal dies in München nicht nur die fünfte Jahreszeit betrifft, es gibt ja noch vier weitere).

Natürlich darf man da auch andere Hallenveranstaltungen wie Musikkonzerte aller Richtungen nicht vergessen. Hier wird man Kompromisse finden, aber die rasche Rückkehr zu alten Verhältnissen?

Fazit

Was sich nach kurzer Zeit als großer Segen für die Eindämmung des Coronavirus erwiesen hat, könnte mittel- und langfristig ohne Herdenimmunität oder der Verfügbarkeit eines Impfstoffs zu einem großen Problem werden. Es gibt in Deutschland unzählige Sport- und Veranstaltungsarenen, die in letzter Zeit schön verwaist blieben. Man denke nur an die großen Arenen in Deutschland: Lanxess Arena in Köln, Mercedes-Benz Arena und Tempodrom in Berlin, Barclaycard Arena in Hamburg, König Pilsener Arena in Oberhausen oder die Olympiahalle in München, um nur die größten zu nennen.

Ob das Reiseverhalten von Menschen oder deren Lust auf Massenevents: das Coronavirus wirkt gesellschaftlich ganz schön disruptiv.

Eine bittere Nachricht für viele Zirkusfans geisterte gestern durch die Medien und er hatte seine Ursache auch in der Pandemie: Der weltbekannte Cirque du Soleil meldete Insolvenz an.

Massenveranstaltungen sind verantwortlich für die Ausbreitung für das Coronavirus



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5 Kommentare

  1. Massenveranstaltungen sind kein Risiko, da auch das Virus kein außergewöhnliches Risiko darstellt.

    Da das Virus aber in Verbindung mit aufkommender Panik anscheinend zu einer Art globaler Hirnerweichung geführt hat, muss weiterhin mit der Fortsetzung dieses Irrsinns gerechnet werden. Wobei in D grundsätzlich von maximal achädlichen Aktionen auszugehen ist.

    Insofern teile ich die Einschätzung das das Ding „disruptiv“ wirkt.
    Allerdings in einer Art und in einem Ausmaß den sich die Meisten heute noch gar nicht vorstellen können. Oder ums mal anders zu formulieren: Der Untergang der Veranstaltungsszene wird dabei unser geringstes Problem sein.

    1. Nun, nicht nur in Portugal werden die Hirne offenbar durch das glatte Gegenteil erweicht: Eine illegale Party in Odiàxere bei Lagos an der Algarve: 120 Jugendliche und (junge) Erwachsene stecken sich am 7. Juni 2020 an, zwei davon im Alter von 27 und 39 liegen bis heute im Krankenhaus. Na, steigen die Lernkurven an? Und dies bestenfalls, bevor jahreszeitlich sinkende Temperatur das Überleben des Virus zusätzlich verlängern…

  2. „ wo in einem Zelt über 10.000 Menschen, bei Temperaturen über 30 Grad die Leute auf den Bänken stehen, grö(h)lend die Wiesenhits anstimmen“

    Vielleicht könnte man auf diese, kulturell ohne Zweifel sehr anspruchsvolle Beschäftigung, eine Weile verzichten, ohne in schwere Depression zu verfallen.
    Ein Vorschlag: Anstatt zu grölen, mal still in gebührendem Abstand Andrea Berg oder einem Symphonieorchster zuhören.
    (grölen übrigens ohne h)

  3. @Columbo – die Menschen müssen halt von Zeit zu Zeit die Sau rauslassen – erst recht in Bayern! Selbst Elefanten sollen sich immer mal wieder besaufen indem sie vergorene Früchte essen! ;-)

    1. Genau, immer schön zwischendurch den Verstand ausschalten, damit das Virus wieder ein wenig mitfeiern darf – ob am langen Tisch auf der Karlsbrücke in Prag oder bei einem (zweifelhaften) Wahlsieg in Serbien, gerne auch mit Händchenhalten beim Tanz sowie Superspreader-Blasinstrumenten wie Trompete und Tuba…

      https://www.youtube.com/watch?v=-a_X09XWeVo

      https://www.thunertagblatt.ch/glaubt-nicht-den-politikern-die-aerzte-koennen-nicht-mehr-helfen-701352145115

      https://www.nachrichten.at/politik/aussenpolitik/party-nach-wahlsieg-serbische-politiker-an-covid-19-erkrankt;art391,3269977

      Das Virus antwortet übrigens immer recht schnell und verlässlich: In der Google-Suche „Corona“ und jeweiliges Land eingeben (z.B. „Tschechien“) und dann auf der linken Seitenleiste „Statistik“ anklicken… Ja, auch diese Zahlen und Charts können nicht lügen ^^!

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