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Coronavirus: China läßt wegen Epidemie jetzt Bargeld vernichten

Markus Fugmann

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China hat am heutigen Sonntag die offiziellen Zahlen der vom Coronavirus neu Infizierten Menschen mit 2009 Personen bei 142 zusätzlich Verstorbenen angegeben (davon alleine in der Provinz Hubei 1843 neu Infizierte und 139 Tote).

Coronavirus: die Provinz Hubei und die seltsamen Zahlen

Nach wie vor scheint der absolute Brennpunkt die Provinz Hubei zu sein, wie die Zahlen, aber auch die neuen Maßnahmen zeigen, die in dieser Region getroffen werden: inzwischen dürfen dort keine privat genutzten PKW mehr die Straßen befahren, sondern nur noch Fahrzeuge, die im Zusammenhang mit der Bekämpfung des Coronavirus eingesetzt werden. Vergleicht man die aus China offiziell gemeldeten Zahlen mit der rapiden Ausbreitung des Coronavirus auf dem Kreuzfahrtschiff Diamond Princess, sind die Unstimmgkeiten schwer zu verkennen. Hinzu kommt eine auffallende Häufung gleicher Todes-Zahlen in Hubei: 139 Tote am 15.02 wie auch am 14.02, zuvor 81 Tote am 07.02 und am 08.02, und 45 Tote am 31.01 und 02.02 – Zufälle gibt´s..

Nach wie vor dürften etwa zwei Drittel der chinesischen Wirtschaft lahm liegen – trotz der verstärkten Bemühungen der Führung in Peking, den ökonomischen Schaden möglichst einzugrenzen. Wichtig für den Westen sind insbesondere Firmen wie Foxconn: die Firma produziert maßgeblich Apple-Produkte wie das iPhone. Wie heute gemeldet wird, ruft Foxconn nun Prämien von 3000 Yuan (knapp 430 Dollar) aus, wenn Foxconn-Arbeiter an ihren Arbeitsplatz zurück kehren (was dafür spricht, dass das bisher eher nicht der Fall ist, sonst würden nicht solche Prämien angeboten!). Die Finanzmärkte unterschätzen nach wie vor die Folgwirkungen durch das Coronavirus – und dürften erst dann aufschrecken, wenn ein Konzern wie Apple offiziell vor den Folgen etwa für den Nachschub an iPhones warnt.

Angeblich, so chinesische Medien, habe Chinas Staatschef Xi Jinping bereits am 07.Januar vor einer rapiden Ausbreitung der Seuche gewarnt. Soll damit die weise Voraussicht des allmächtigen chinesischen Staatschefs betont werden, der sich ansonsten wochenlang in der Öffentlichkeit nicht hat blicken lassen? Der Aufruf Xi Jinpings, zur Arbeit zurück zu kehren, ist für den Staatschef durchaus nicht ungefährlich – nämlich dann, wenn sich dadurch die Zahl der Infizierten maßheblich erhöht. Jedenfalls ist in sozialen Medien die Kritik groß im Reich der Mitte an der Kommunistischen Partei, zumal nun bekannt geworden ist, dass das Shanghai Public Health Clinical Center breits am 05.Januar die staatliche Gesundheitsbehörde National Health Commission gewarnt habe, dass man das Genom eines neuartigen und gefährlichen Virus mit 89%-Übereinstimmung mit dem SARS-Virus gefunden habe – aber die staatlichen Behörnde blieben untätig.

Unterdessen hat die Zentralbank in der Provinz Guangzhou mitgeteilt, dass nun alle Banken in der Region Bargeld an die Zentralbank zurück senden, das an Märkten, Krankenhäusern oder öffentlichen Transportmitteln verwendet worden ist – die Zentralbank will die Geldscheine dann vernichten, weil das Coronavirus durch die Geldscheine offensichtlich übertragbar sei.

Sehen Sie hier die neuesten Entwicklungen in China in kompakter Form:

Die neuesten Entwicklungen rund um das Coronavirus in China

14 Kommentare

14 Comments

  1. Avatar

    Sven

    16. Februar 2020 12:33 at 12:33

    Chinas Finanzminister hat heute Stimuli für die eigene Wirtschaft versprochen. Die Maßnahmepakete werden also geschnürt, was die Märkte sicherlich mit neuen Hochs goutieren werden. Die Rally kann also weitergehen.

    Herr Fugmann, sie meinten sicherlich: „die Unstimmigkeiten sind unschwer zu erkennen“?

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    Marcus

    16. Februar 2020 15:40 at 15:40

    Schön das Sie auch am Sonntag wichtige Sachen kommentieren. Laut chinesischer Nationaler Gesundheitsbehörde habe man das Virus angeblich unter Kontrolle, fragt sich nur was dass in China bedeutet… Für den chinesischen Präsidenten muss jetzt Stimmung gemacht werden, weil nämlich tatsächlich die reale Gefahr besteht dass das System ins Schwanken gerät, und wenn es zu unkontrollierten Anstiegen kommt dann wird es richtig brenzlig.

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    Lausi

    16. Februar 2020 19:32 at 19:32

    Die letzten Worte auf der Titanic: Alles unter Kontrolle! ;-)

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    Petkov

    16. Februar 2020 20:27 at 20:27

    Was mich aktuell verdutzt, ist der verantwortungslose Umgang mit Corona in einem angeblich aufgeklärten Land wie Deutschland.

    Der sichtlich überforderte (da kompetenzbefreit) Gesundheitsminister hat nach wochenlangen Überlegungen beschlossen, eine Selbstauskunftspflicht auf direkten Flügen aus China einzuführen. 🤔
    Echt jetzt? Die Krankheit hat eine Inkubationszeit von 14 Tagen und sogar völlig symptomlose Infizierte sind währenddessen trotzdem ansteckend.

    Und wie ehrlich wird diese Selbstauskunft sein, wenn Menschen einfach aus China nach DE fliehen wollen, da sie hier höhere Überlebenschancen haben… Oder einfach weil das Ticket ein Quartalseinkommen von denen kostet.

    Ein schlichtweg idiotischer Präventionsversuch vom Spahn!

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    Wirrologe

    16. Februar 2020 20:27 at 20:27

    Könnte mir jemand erklären wie man eine Wirtschaft stimuliert, die durch Quarantäne blockiert ist.
    Das kommt mir vor wie wenn ein Skiegebiet ohne Schnee mehr Skiefahrer anziehen möchte.
    Selbst Helikoptergeld würde nichts nützen,denn die Quarantänesen könnten es nicht ausgeben.
    Es ist auch Zeit, dass die Natur den Scharlatanen des ewigen Wachstums einmal den Meister zeigt.

    • Avatar

      BrettonWood

      17. Februar 2020 07:12 at 07:12

      Die Frage ist was soll stimuliert werden die Aktienmärkte oder die Reale Wirtschaft…beides hängt ja schon länger nicht mehr zusammen…

      Siehe heute, in China steht das halbe Land still, die Realwirtschaft säuft ab und die Aktienmärkte haussieren um 1.5% nach oben dank Zinssenkung…WTF

    • Avatar

      Ariovist

      19. April 2020 14:57 at 14:57

      Ohne Wachstum kollabiert das Finanzsystem! Da es aber kein ewiges Wachstum gibt, fährt das System irgendwann an die Wand!Es ist wie ein „Tanz auf der Titanic“!

  6. Avatar

    Hesterberg

    16. Februar 2020 21:34 at 21:34

    Fakt ist, das Virus ist hochansteckend. Die rapide Ausbreitung auf dem Kreuzfahrtschiff Diamond Princess legt dafür in der Tat einen guten Beweis ab. Die Infiziertenzahlen aus China können schon deshalb nicht stimmen, weil allein die nicht registrierten Infizierten vermutlich um ein Vielfaches höher liegen. Dass man nun auch noch Bargeld vernichten will, tritt weiteren Beweis dafür an, dass das Virus nicht nur von Mensch zu Mensch, sondern auch von Gegenständen übertragen werden kann. Und wenn es darüber hinaus stimmt, dass das Virus auf Gegenständen nicht nur einen, sondern viele Tage überleben kann, mag man sich nicht ausmalen, in welche Katastrophe China und die Welt hier möglicherweise hineinschlittern. Die nächsten Wochen werden Klarheit bringen.

    Bis dahin kann die chinesische Regierung versuchen, das Virus mit einem täglichen Stimulus von 100 Milliarden US-Dollar zu beeindrucken. Noch besser 1000 Billionen US-Dollar täglich, dann muss sich selbst das hartnäckigste Virus geschlagen geben und die Aktienindizes würden sich schon nächste Woche verdoppeln. Dann hätten auch die mickrigen Steigerungsraten der Aktienindizes von durchschnittlich nicht einmal einem halben Prozent täglich endlich ein Ende und Freelunch-Sven wäre überglücklich. Also rein in die Aktienmärkte und am besten mit Hebel 100. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes eine todsichere Anlage!

    • Avatar

      BrettonWood

      17. Februar 2020 06:59 at 06:59

      Die Märkte würden sich wohl wirklich verdoppeln, das konnten wir ja nun schon Wochen, ja fast ein Jahr beobachten das Liquidität fundamentales schlägt. Apple hat nach Gewinnwarnung ein Kursverdoppler hingelegt, ich bin mir also nicht mal so sicher das wenn jetzt Apple eine Gewinnwarnung abgebe würde ob das einen Effekt hätte…. Eines Tages werden wir zur Realität zurückfinden müssen, oder wir bleiben alle in der Blase und fphre das Grundeinkommen ein und alle waren glücklich und lebten bis zum Ende ihrer Tage…ah nein so enden ja Märchen….

      Später können wir darüber lachen und sagen: es war einmal….

  7. Avatar

    BrettonWood

    17. Februar 2020 06:49 at 06:49

    Fiat Chrysler stoppt Produktion in Serbien

    Der italienisch-amerikanische Autobauer Fiat Chrysler (FCA) erwägt einen vorübergehenden Produktionsstopp in seiner Fabrik in Serbien. Grund dafür sind wegen des Coronavirus ausfallende Lieferungen von Komponenten aus China. Betroffen sei das Produktionswerk in Kragujevac, in dem das Fiat-Modell 500L hergestellt wird, berichtet die US-Nachrichtenagentur Bloomberg. Wie lange die Einstellung der Produktion in Serbien dauern könnte, ist unklar. Insidern zufolge könnte die Schliessung zwei bis vier Wochen dauern.

    Da haben wir die ersten Lieferkettenunterbrüche die nun auch schon Werke relativ nahe bei uns und in Europa treffen….der BDI Capsize ist am 31.1 auf Minus 181 gefallen, Reeder zahlen zwischenzeitlich Geld um Transportieren zu können….Negativszinsen im Schiffsverkehr…

  8. Avatar

    BrettonWood

    17. Februar 2020 07:03 at 07:03

    In der Schweiz sind schon Pläne aufgetaucht die Grenzen durch das Militär kontrollieren zu lassen, wurde sofort dementiert…war aber Antrag des Bundesamtes für Gesundheit…die Schweiz…das Militär…man muas deutlich mehr wissen als man den Bügern erzählen will, bis hierzulande das Militär angefordert wird brauchts viel…

    https://www.blick.ch/news/politik/schutzmassnahme-gegen-coronavirus-krach-um-armeeeinsatz-am-flughafen-id15750937.html

  9. Avatar

    Reinhard Fürst

    17. Februar 2020 08:15 at 08:15

    Guten Morgen!

    Interessante Entwicklungen im Reich der Mitte. So wie es aussieht fährt die Diktatur die Produktion wieder hoch. Die Welt freut sich darüber weil man meint es wäre alles in Ordnung.

    Was ist das ökonomische Fundament der Weltwirtschaft?
    Konsum!
    Konsum auf Pump!

    Egal ob es nun QUarantänen gibt oder nicht, wer nicht muss wird in den nächsten Monaten sein Haus nicht verlassen, sprich nichts konsumieren. Nichts konsumieren was nicht lebenswichtig ist, wohlgemerkt.
    Wie ein Kommentator weiter oben schon angemerkt hat, alles Helikoptergeld würde nichts nutzen wenn die Betroffenen es nicht ausgeben können, bzw. wollen.

    Daher ist es auch unbedeutend ob Konzerne wie Foxconn ihre Produktion wieder hochfahren oder nicht. Der Konsum wird einbrechen und das Schukdenkarussel zur Vollbremsung bringen. Und beginnen wird es mit dem Tourismus und dem Flugverkehr.

    PS:
    Wie CNN eben meldet sind 14 Amerikaner welche aus Japan evakuiert wurden positiv getestet worden!

  10. Avatar

    Finanz- Ingenieur

    17. Februar 2020 09:40 at 09:40

    Wenn es tote Amerikaner gibt , ist die rote Linie überschritten. Trump wird das Virus mit Drohnen abschiessen lassen. Corona als Börsenkiller kurz vor den Wahlen ?
    Wenn durch Bargeld das Virus übertragen wird ,ist das die Strafe Gottes für die Gelddrucker.
    Wann kommt der erste ETF? WETTE NOTENBANK gegen VIRUS.

  11. Avatar

    Globali

    17. Februar 2020 10:27 at 10:27

    @ Bretton Wood, es spielt eigentlich keine Rolle wo die Werke sind u.welche Lieferketten unterbrochen sind.
    Wenn Schindler im Hauptmarkt in China nicht arbeiten kann ,werden auch die Resultate am Sitz in der Schweiz schlecht. Das ist die Kehrseite der Globalisierung.
    Wenn die Lieferkette der Firma unterbrochen ist, bekommt die Freundin des Bosses auch keine neue Goldkette. Zum Glück brauchen wir wegen des Klimawandels weniger Schneeketten.
    Alles hängt heute zusammen, nur Börse u.Wirtschaft haben Nichts mehr miteinander zu tun! !

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Ernst Wolff über das globale Finanzsystem – Geld und Demokratie

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Spätestens die Wirtschaftskrise 2007/2008 ließ an der Seriosität des globalen Finanzsystems zweifeln. Wer seine Zweifel allerdings durch Sachkenntnis untermauern möchte, bekommt schnell ein Problem: Er trifft auf ein Dickicht aus komplizierten und oft widersprüchlichen Informationen, die noch dazu in einer für Laien unverständlichen Fachsprache gehalten sind. Kein Wunder also, dass der Versuch, das Finanzsystem zu verstehen, häufig schon in der Anfangsphase scheitert. Genau hier setzt Ernst Wolff an. Im Folgenden ein Ausschnitt auf der Einleitung meines neuen Buches (hier zu kaufen).

Die zwei großen Fehleinschätzungen unserer Zeit

Es gibt in unserer Gesellschaft zwei Ansichten, die von der überwiegenden Mehrheit der Menschen geteilt und von fast niemandem angezweifelt werden. Sie betreffen zum einen die politischen Strukturen, unter denen wir leben, und zum anderen die Wahrnehmung der wirtschaftlichen Realität, auf der diese politischen Strukturen basieren. Zusammen bilden beide so etwas wie eine von der breiten Allgemeinheit stillschweigend akzeptierte Übereinkunft. Ansicht Nr. 1 lautet: Bei uns regiert das Volk. Ansicht Nr. 2 lautet: Das Finanzsystem ist nur ein Teilbereich unserer Gesellschaft, den man nicht unbedingt verstehen muss.

Geht man diesen Ansichten auf den Grund, dann stellt man allerdings fest, dass sie nicht etwa auf intellektueller Einsicht oder auf Erfahrungswerten basieren, sondern den Menschen zunächst von Elternhaus, Schulen, Ausbildungsbetrieben und Universitäten mit auf den Weg gegeben und später ein Leben lang von Medien, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft eingetrichtert werden – mit dem Ergebnis, dass ihr Wahrheitsgehalt kaum jemals in Frage gestellt wird.

Schaut man genauer hin, stellt man fest, dass sich hinter diesen Ansichten ganz handfeste Interessen verbergen, deren Durchsetzung nur einem kleinen Teil der Bevölkerung nützt. Im Grunde handelt es sich also um zwei vorsätzlich herbeigeführte Fehleinschätzungen, die weitreichende Konsequenzen haben. Sie tragen nämlich entscheidend dazu bei, die bestehende Ordnung und ihre Machtstrukturen zu festigen und verhindern so, dass die Menschen diese Strukturen durchschauen – mit der Folge, dass sie dadurch unfähig werden, an den bestehenden Verhältnissen etwas zu ändern.

Sehen wir uns beide Fehleinschätzungen deshalb etwas genauer an:

Fehleinschätzung Nr. 1: „Bei uns regiert das Volk“. In einem Obergeschoss des Berliner Hauptbahnhofs hängt ein Schild mit der Aufschrift „400 Meter von hier regiert das Volk“. Der Hinweis gilt dem südlich vom Bahnhof gelegenen Reichstagsgebäude, Sitz des deutschen Parlaments, und soll dem Betrachter ganz offensichtlich eine uns allen bekannte Botschaft vermitteln:

Wir leben in einem Gesellschaftssystem, in dem wir als Volk das Sagen haben. Und da das Volk zu groß ist, um als Ganzes regieren zu können, übergeben wir diese Aufgabe an sogenannte Volksvertreter. Die bestimmen wir, indem wir sie alle vier Jahre wählen. Sollten sie nicht so handeln, wie wir das von ihnen erwarten, dann können wir sie nach dem Ablauf ihrer Amtszeit wieder abwählen und durch andere ersetzen.

Diese Grundsätze der parlamentarischen Demokratie werden uns von Kindesbeinen an mit auf den Weg gegeben und im Verlaufe unseres Lebens durch eine Reihe weiterer Informationen ergänzt und untermauert. So erfahren wir unter anderem: Unsere Wahlen sind frei, gleich, geheim, allgemein und unmittelbar und werden auf der Grundlage einer Verfassung abgehalten, die unsere Würde für unantastbar erklärt und uns körperliche Unversehrtheit garantiert. Wir sind vor dem Gesetz alle gleich und haben das Recht, unsere
Meinung zu äußern und uns mit anderen zum Zwecke gemeinsamer Meinungsäußerung zu versammeln.

Die Formulierungen erwecken in uns den Eindruck, dass es sich bei der parlamentarischen Demokratie um ein zu unser aller Gunsten entwickeltes System handelt, das den Einzelnen schützt, dem Gemeinwohl dient und dessen oberstes Ziel darin besteht, den Willen
der Mehrheit der Bevölkerung in die Tat umzusetzen. Doch ist das tatsächlich so? Wollen wir alle, dass immer weniger Menschen immer größere Vermögen anhäufen, während der Lebensstandard der Masse bestenfalls stagniert, in vielen Fällen sogar sinkt? Dass der Niedriglohnsektor explodiert, dass Arbeits- und Obdachlosigkeit um sich greifen? Dass von Jahr zu Jahr mehr Geld für Rüstung und den Ausbau von Sicherheitsapparaten ausgegeben wird, während am Bildungs- und Gesundheitswesen immer drastischer gespart wird? Sind wir dafür, dass die Umwelt zunehmend zerstört wird? Dass in unserem Namen Kriegseinsätze unterstützt werden? Dass Persönlichkeitsrechte abgebaut und wir alle immer stärker überwacht werden?

Wendet man sich direkt an die Menschen und fragt sie, was sie von dieser Entwicklung halten, dann fällt die Antwort eindeutig aus: Die meisten sind damit nicht einverstanden, viele lehnen sie sogar rundheraus ab. Wie aber kann das sein? Wie kommt es, dass zwischen dem, was die Menschen wollen, und dem, was in ihrem Namen und auf Grund ihrer offensichtlich frei getroffenen Wahlentscheidung umgesetzt wird, ein solch krasses Missverhältnis besteht – in einer Gesellschaft, deren Verfassung doch besagt, dass alle Macht vom Volk ausgeht?

Wir lassen uns täuschen

Die Antwort auf diese Frage lautet: Wir lassen uns täuschen. Wir akzeptieren die wohlklingenden Formulierungen unserer Verfassung, die auf dem Gleichheitsgrundsatz basieren, und schließen daraus, dass wir alle nicht nur gleiche Rechte genießen und gleich behandelt werden, sondern dass wir alle gleich sind. Das aber stimmt nicht. In einer vom Geld beherrschten Gesellschaft wie der unseren können die Menschen auf Grund ihrer Vermögensverhältnisse gar nicht gleich sein. Wer über viel Geld und großen Besitz verfügt, ist nämlich nicht nur wohlhabender, sondern kann sich auf Grund seiner wirtschaftlichen Überlegenheit über diejenigen, die weniger besitzen, erheben, sie von sich abhängig machen und sie im Extremfall sogar vollends beherrschen. Die Vermögensverhältnisse entscheiden also nicht nur darüber, wer reich und wer arm ist, sondern vor allem darüber, wer in welchem Ausmaß Macht ausüben kann und welche gesellschaftlichen Hierarchien sich im Lauf der Zeit bilden.

Diese Aufspaltung der Gesellschaft hat schon lange vor der Einführung des Parlamentarismus und sogar schon lange vor der Einführung des Geldes begonnen. Ihre Anfänge gehen auf die Tauschwirtschaft zurück. Sie ist die Grundlage, auf der sich ein Zustand entwickeln konnte, der die gesamte bisherige Geschichte der Menschheit prägt: die soziale Ungleichheit. Sie hat es den Menschen, die mehr Besitz angehäuft und damit mehr Macht erlangt haben als andere, ermöglicht, Strukturen zu schaffen, die ihren privilegierten Status festigen, die sie einmal erworbene Privilegien auf Dauer beibehalten und diese sogar auf nachfolgende Generationen übertragen lassen.

Im ausgehenden Mittelalter sind die Besitzer großer Vermögen noch einen Schritt weiter gegangen und haben sich das Geldsystem und damit den Blutkreislauf der Gesellschaft unterworfen, indem sie Banken gegründet und sich so das Recht der Geldschöpfung angeeignet haben. Später, nach der Gründung der Nationalstaaten, haben die von ihnen beherrschten Banken sich dieses Recht auf der Grundlage nationaler Währungen mit den Zentralbanken geteilt und damit als „Finanzwesen“ einen ganz eigenen Wirtschaftszweig geschaffen, der mit der Zeit immer einflussreicher wurde. Da dem Rest der Bevölkerung nicht entging, dass auf diese Weise einige Wenige zusehends reicher und mächtiger wurden, hat sich immer stärkerer Widerstand gegen diese Entwicklung gebildet. Als mit der Industrialisierung dann Schulen eingeführt, der Analphabetismus nach und nach überwunden und das allgemeine Bildungsniveau immer weiter angehoben wurde, nahm dieser Widerstand für die Privilegierten zunehmend bedrohlichere Formen an, sodass sie sich gezwungen sahen, Zugeständnisse zu machen.

Ein historisches Zugeständnis

Das historisch wichtigste Zugeständnis – und die zugleich geschickteste Täuschung der Öffentlichkeit – war die Einführung des Parlamentarismus. Indem die Gleichheit der Menschen in einer von Ungleichheit geprägten Welt zum Verfassungsgrundsatz erhoben wurde, entstand mit der parlamentarischen Demokratie eine Fassade, hinter der sich die tatsächlichen Machtstrukturen nicht nur hervorragend verbergen, sondern ungehindert weiter ausbauen ließen. Das Prinzip dieser Täuschung ist im Grunde recht einfach: Man unterschlägt einen fundamental bedeutsamen Mechanismus, der die gesellschaftliche Realität seit Jahrhunderten prägt, und übertüncht ihn mit hochtrabenden Worten. So gibt es bis heute weltweit keine einzige parlamentarische Demokratie, in deren Verfassung die Bedeutung des Geldes für die Entstehung von Machtstrukturen erwähnt oder in der das Prinzip der Geldschöpfung auch nur angesprochen wird. Dafür aber wird in den meisten Verfassungen, verbrämt mit blumigen Formulierungen über die soziale Verpflichtung von Eigentum, der Schutz desselben garantiert – und zwar ohne jede Begrenzung nach oben.

Auf diese Weise ist eine Herrschaftsform entstanden, die sich vordergründig auf den Willen der Mehrheit des Volkes stützt, die aber tatsächlich einer Minderheit nützt und die es darüber hinaus geschafft hat, die soziale Ungleichheit in krassem Widerspruch zum offiziell beteuerten Gleichheitsgrundsatz zu einem akzeptierten und gesetzlich geschützten Dauerzustand werden zu lassen.

Ernst Wolff über das Finanzsystem und die Politik
Der Buchautor Ernst Wolff

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Das sind die Informationsquellen der Profis – Werbung

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Lieber Börsianer,

gelegentlich werde ich als Börsenanalyst oder Vermögensberater gefragt, woher ich meine Informationen beziehe? Oder anders gefragt: Wie recherchiert ein Profi eine Aktie? Zunächst möchte ich mein Berufsbild etwas entmystifizieren. Auch Profis kochen nur mit Wasser und stützen ihre Entscheidungen wesentlich auf öffentlich zugängliche Informationen. Am Anfang steht also immer die Lektüre des Geschäftsberichts und die harte Analyse der Geschäftszahlen.

Dann beginnt die Arbeit des Analysten erst richtig. Aktienanalyse ist People´s Business. Zu Deutsch: Wir müssen mit den handelnden und verantwortlichen Personen des Unternehmens in Kontakt kommen. Als Vermögensverwalter lässt man durchblicken, dass man umfassende Investitionen im Unternehmen beabsichtigt. Damit haben Sie schon einmal das Ohr Ihres Gesprächspartners.

Zunächst werden Sie abgespeist mit professionellem Werbeversprechen. Etwa so: Wir setzen voll auf die Elektro-Mobilität und expandieren derzeit proaktiv im chinesischen Wachstumsmarkt.

Das ist eine absolute Null-Information. Als Analyst haken Sie jetzt konkret nach. Zum Beispiel: Mit welchen Produkten geht das Unternehmen nach China? Wer sind die Konkurrenten? Was ist der Wettbewerbsvorteil des Unternehmens? Warum soll der Kunde ausgerechnet ihre Zylinderdichtung (beispielhaft) kaufen? Wie funktioniert der Vertrieb?

Es gibt nun zwei Möglichkeiten: Ihr Gesprächspartner bleibt hartnäckig im Ungefähren. Dann sind die Expansionspläne wohl noch nicht weit gediehen. Die Aktie ist also eher kein Kauf. Oder aber: Ihr Gegenüber packt…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

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US-Wahl egal für die US-Märkte? Experte Andre Stagge mit ausführlicher Erklärung

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Ande Stagge über die aktuelle Lage im S&P 500 und zur US-Wahl

Ist der Ausgang der US-Wahl letztlich egal für die US-Aktienmärkte? Das denken manche Beobachter. Der Börsenexperte Andre Stagge (hier mehr zu seiner Person) bespricht dieses Thema im folgenden aktuellen Video im Detail. Ausführlich geht er auf die einzelnen Standpunkte von Joe Biden und Donald Trump ein. Zum Beispiel seien die Steuerideen von Joe Biden eindeutig schlecht für die Wirtschaft. Natürlich muss man fair sein und erwähnen, dass die US-Unternehmen durch die große Steuersenkung von Donald Trump im Jahr 2017 massiv profitiert hatten. Andre Stagge glaubt an einen Wahlsieg von Joe Biden, und dass dies letztlich nicht gut für die Märkte wäre – auch wegen der Idee von Joe Biden den Mindestlohn in den USA drastisch anzuheben. Wichtig werde auch die Phase direkt nach der Wahl, und ob Donald Trump bei einer möglichen knappen Wahlniederlage Probleme machen wird.



Ist die US Wahl egal by Andre_Stagge on TradingView.com

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