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Coronavirus: Warum Heimarbeit die Wirtschaft nicht retten kann!

Heimarbeit als Lösung? Beispielfoto Schreibtisch

Ist die Heimarbeit die Lösung, um die weitere Ausbreitung des Coronavirus zu stoppen und gleichzeitig die Wirtschaft am Laufen  zu halten? Die Wissensgesellschaft wird bereits seit geraumer Zeit beschworen. Viele Arbeitnehmer haben im Wesentlichen mit Datenverarbeitung zu tun. Arbeit am Computer kann theoretisch auch von zuhause aus erledigt werden. Alles, was die Arbeitnehmer benötigen, ist ein Computer mit Internetzugang. Doch reicht das, um die Wirtschaft im Falle eines weitgehenden Lock downs aufgrund des Coronavirus wie in Italien am Leben zu erhalten?

Die Bundesregierung geht selbst in einem sehr düsteren Corona-Szenario mit 7,5 Millionen Toten in Deutschland davon aus, dass die Strom- und Telekommunikationsversorgung in Deutschland aufrecht erhalten werden kann. Damit stünde theoretisch dem Arbeiten von zuhause nichts im Wege. Die Unternehmen müssten den Arbeitnehmern lediglich einen gesicherten Zugang zu ihrem Netzwerk und den benötigten Anwendungen bereitstellen und schon könnten sie selbst bei einer Ausgangssperre ihre Arbeit von zuhause aus erledigen. Schüler und Studenten könnten von zuhause aus unterrichtet werden. Banken und Versicherungen lagern die Verwaltungsaufgaben in die Wohnungen ihrer Mitarbeiter aus und ein kompletter Zusammenbruch der Wirtschaft wäre abgewendet.

Heimarbeit könnte die vom Coronavirus gebeutelte Wirtschaft entlasten

Wer zuhause bleibt, benötigt auch keine knappe Schutzkleidung gegen eine Infizierung mit dem Coronavirus – und der öffentliche Nah- und Fernverkehr kann weitgehend folgenlos eingestellt werden. Doch so einfach ist es nicht. Denn die Unternehmen in Deutschland wie der EU versäumten es, die Möglichkeiten zu nutzen, die ihnen die Technik schon seit geraumer Zeit bietet. Den Daten von Eurostat zufolge haben überhaupt erst 15% der Menschen jemals wenigstens ein einziges Mal von zuhause aus gearbeitet. Lediglich 4% arbeiten täglich oder weitgehend täglich von zuhause aus.

In Europa ist vor dem Coronavirus kaum jemand an Heimarbeit herangeführt worden

Und wer nun denkt, dass Deutschland in Sachen Heimarbeit der EU hinterher hinkt… der hat vollkommen Recht. In Deutschland sind es nämlich 37%, die noch nie von zuhause aus arbeiteten. Immerhin 5% gaben jedoch an, täglich oder fast täglich dort zu arbeiten. Spitzenreiter bei der Arbeit von zuhause aus sind Island, Norwegen, Luxemburg und Malta – also alles keine wirtschaftlichen Powerhäuser in Europa, sondern eher kleinere Volkswirtschaften, die keinen wesentlichen Einfluss auf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Europas haben. In diesen vier Ländern gaben immerhin zwischen 13% und 25% an, wenigstens einmal wöchentlich von zuhause aus zu arbeiten. Von den größten Volkswirtschaften, Deutschland, Frankreich, Italien, Niederlande, Polen und das Vereinigte Königreich sind die Niederlande und Vereinigtes Königreich in Sachen Heimarbeit noch am besten aufgestellt. Zwischen 16% und 20% der Arbeitnehmer sind dort das wöchentliche Arbeiten von zuhause aus gewöhnt. In Deutschland sind es nur 10%. Keine guten Voraussetzungen für eine Umstellung der deutschen Wirtschaft wegen des Coronavirus!

Kurzfristig können Unternehmen jetzt nicht massenhaft das Thema einführen

Die in den vergangenen Jahren versäumten Maßnahmen können nun auch nicht kurzfristig nachgeholt werden. Um die Unternehmensinfrastruktur für Heimarbeit fit zu machen, für den massenhaften Fernzugriff durch Mitarbeiter von zuhause werden Zeit, KnowHow und Ressourcen benötigt. Nichts von dem steht kurzfristig in größeren Mengen zur Verfügung. Zeit haben die Unternehmen keine mehr. KnowHow ist nicht verfügbar, um alle Unternehmen zeitgleich zu beraten. Und Ressourcen in Form von Servern und Notebooks für die Mitarbeiter kommt aus Asien und ist schon jetzt teils nur schwer lieferbar.

Zumindest aus Europa wird daher auch keine Belebung der Geschäftstätigkeit von Unternehmen, die sich auf den Fernzugriff auf Anwendungen und Daten spezialisierten. Die Aktienkurse dieser Unternehmen wie z.B. Zoom Video Communications, Teamviewer oder Citrix haben sich in den vergangenen zwei Handelswochen – also seit der Verschärfung der Krise durch das Corinavirus – teils deutlich besser geschlagen als der Gesamtmarkt. Alle drei genannten Aktien haben in diesem Zeitraum Gewinne erzielt, während der Nasdaq 100 fast 10% nachgab.

Lediglich Videokonferenz-Anbieter wie Zoom dürften in Zeiten des Coronavirus kurzfristig profitieren können, da für das Abhalten von Meetings per Videokonferenz keine besonderen technischen Vorkehrungen außer der Installation der Software getroffen werden müssen (wer sind vielleicht noch die Gewinner der Krise?). Für den massiven Einsatz von Fernzugriff auf die Rechnerinfrastruktur eines Unternehmens ist deutlich mehr nötig. Übrigens sind auch Online-Konferenzen nicht vor Absagen gefeiht. Grafikchip-Spezialist Nvidia hat kürzlich die eigene Entwicklerkonferenz, auf der die neueste Chipgeneration präsentiert werden sollte, abgesagt. Die Präsentationen sollten stattdessen per Videostream ausgestrahlt werden. Jetzt wurden sogar diese Videoübertragungen abgesagt, da Nvidia für die dabei beschäftigten Mitarbeiter zu große Risiken sah.

Ist Heimarbeit die Lösung für Krise durch das Coronavirus



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1 Kommentar

  1. Hinzu kommt, dass Produktionsbetriebe (und davon gibt es gerade in Deutschland jede Menge) nicht einfach per Homeoffice gesteuert werden können. Oder das Handwerk, v.a. der weiterhin boomende Bausektor. Oder man versuche einmal, einen Großteil des Dienstleistungssektors, einschließlich der Daseinsvorsorge, ins Internet zu verlagern…

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