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Coronavirus: Trumps Leichtsinn schwächt die USA, Vorteil China

Das Coronavirus als „Schwarzer Schwan“ und Donald Trump dürften den Wirtschaftsaufschwung Chinas zur Nummer eins der Welt ungewollt befördert haben. .

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Das Coronavirus hat die USA mit aller Macht erreicht: Die Infektionszahlen schießen derartig in die Höhe, dass der Ausbruch in anderen Ländern (Ausnahme Italien, Spanien) vergleichsweise harmlos erscheint. Wie auch von US-Wissenschaftlern festgestellt, trägt daran auch Donald Trump, der anfängliche Totalverharmloser, ein gerüttelt Maß an Mitschuld.

Doch auch andere Folgen werden für die Wirtschaftsmacht USA deutlich spürbar werden. Der dauerhafte und absolut undiplomatische Handelskrieg mit China führt mit dem längeren Ausfall Amerikas als Handelspartner zu einer Entwicklung, die Donald Trump ungewollt mitbefeuert hat. Das Bestreben Asiens von den USA wirtschaftlich unabhängig zu werden und eigene Lieferketten aufzubauen, innerhalb der Asean-Staaten.

Das Versäumnis Trumps und die exponentielle Ausbreitung des Coronavirus

Die Aussage von Donald Trump am Mittwoch, dass man mit 100.000 bis 240.000 Toten infolge des Coronavirus rechnen müsse, hätte bei einem Eintreffen für die Führungsnation der Welt schockierende Konsequenzen. Denn das würde bei einer Letalitätsrate von 1 bis 5 Prozent bedeuten, dass sich zwischen zwei und 24 Millionen US-Bürger mit dem Virus infizieren müssten. Ein Mehrfaches aller Infektionen, wie sie aktuell in den fast 200 betroffenen Ländern der Welt aufgetreten sind. Und ein totaler Zusammenbruch der US-Gesundheitsystems, denn die Vereinigten Staaten haben keine 100.000 Beatmungsgeräte – eine Zahl, die fast der gesamten jährlichen Weltproduktion dieser Notfallgeräte entspricht. Deshalb haben die Berater die von ihm gemachten Angaben gleich etwas relativiert. So kann man auch maximale Panik schüren.

Der exponentielle Anstieg von Infektionen und Krankheitsopfer ist tatsächlich eine schreckliche Kurve. Hierzu nur die Zahlen der letzten zehn Tage:

22.März: 38757 Infizierte, 400 Verstorbene, 178 Genesene

29.März: 133.094 (I), 2363 (V), 4378 (G)

2.April: 240.064 (I), 5800 (V), 10.360 (G)

Da kann man nur hoffen, dass die Verdoppelungszeit von 5,5 Tagen rasch ansteigt, ansonsten hätte man schon vor Ende April die Millionengrenze überschritten.

Unglaublich sind insbesondere die Zahlen aus dem Staat New York. Die Region um die Finanzmetropole hatte bereits gestern mehr mit dem Coronavierus Infizierte als man (offiziell) aus dem 1,4 Milliarden-Land China insgesamt gemeldet hat. Und dabei ist man in der Stadt der „Skyscraper“ noch nicht über dem Berg. Gerade in dieser Stadt, die niemals schläft, ist „Social Distancing“ auf Dauer kaum zu realisieren. Hier zeigt es sich besonders, wie brutal eine nicht beachtete Infektionswelle in dicht besiedelten Großstädten zuschlägt.

Die Patienten Null in Südkorea und den USA

Es ist tatsächlich ein Zufall, aber einer mit sehr unterschiedlichen Folgen: Am 19.Januar landeten in Südkorea (Flughafen Incheon) und in den USA (Seattle) zwei Personen, die aus Chinas Wuhan kommend, Grippesymptome aufwiesen. Die chinesische Frau in Südkorea und der Amerikaner im Staat Washington waren die ersten mit dem Coronavirus Infizierten in ihren Ländern. Man reagierte unterschiedlich auf die Patienten Null. In Südkorea, mit Erfahrungen aus der Sars-Epidemie, begann man sofort mit Testungen und all den beschriebenen Maßnahmen und hat zwei Monate später den Ausbruch der Lungenkrankheit weitgehend unter Kontrolle. Obwohl eine 61-jährige Frau aus einer kirchlichen Sekte als Superspreader 1000 Menschen infiziert hatte. Bisherige Bilanz Südkoreas:

10.062 Infizierte, 174 Verstorbene und derzeit noch 3867 aktive Fälle.

In den USA wurde erst zwei Monate später mit den Tests in größerem Umfang begonnen. Eine kleine Ewigkeit, in der sich das Virus im ganzen Land ausbreiten konnte, mittlerweile gibt es fast keinen Bundesstaat ohne Fälle von Coronavirus.

Zwar hatte Präsident Trump ab dem 31. Januar ein Flugverbot für China erteilt, aber das Virus war schon im Lande und die Folgen bekommt ganz besonders New York zu spüren. Eine extrem pulsierende, dicht bewohnte Stadt, in der eine solche Infektion unglaublichen Nährboden findet. Am 1.März wurde der erste Fall in New York festgestellt, ausgerechnet eine Flugreisende aus dem Iran. Der zweite Fall, ein Anwalt aus Winchester, war ein Inländer, der das Land nicht verlassen hatte.

Mittlerweile sind neben New York die Regionen um Detroit, Chicago, Los Angeles, New Orleans, Boston und Miami die größten Hotspots in Sachen Coronavirus.

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8 Kommentare

8 Comments

  1. Avatar

    LEO

    3. April 2020 09:51 at 09:51

    Corona war KEIN „schwarzer Schwan“. Epidemien sind kein unbekanntes Event. Der Zeitpunkt alleine, der nicht vorhersehbar ist, reicht nicht aus. Auf sowas muss man vorbereitet sein in Wirtschaft und Politik. Nassim Taleb hat sich dazu mehrfach geäußert.

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      Wolfgang M.

      3. April 2020 10:37 at 10:37

      @Leo. Natürlich sind Viren keine schwarzen Schwäne. Es gibt allein sieben Arten von Coronaviren, von denen einige ganz harmlos sind. Das Perfide an Sars-CoV-19 ist seine Kombination von Harmlosigkeit und Gefährlichkeit. Wenn Sie einen Grippevirus erwischen, mit 40 Grad Fieber, dann setzen Sie keinen Fuß vor die Tür und bleiben im Bett. Der junge Coronainfizierte spürt diesen lange nicht oder nur milde und geht damit zum Feiern, wie zum Beispiel zum Fasching und zum Fußballspiel und er wird eventuell zum Superspreader. Streng genommen käme keine Erkrankung völlig unerwartet. Kein Vulkanausbruch oder auch kein Meteoriteneinschlag. Aber die aktuelle Konstellation ist etwas Besonderes, mit seiner globalen Bedeutung. Streng genommen ist das Virus kein schwarzer Schwan, umgangssprachlich schon, nach Taleb könnte man Covid-19 als grauen Schwan bezeichnen.
      Gruß

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        LEO

        3. April 2020 11:00 at 11:00

        Hallo, Wolfgang.
        Wer behauptet, und das ist wirklich nicht abwertend gemeint, „Corona ist kein schwarzer Schwan“, hat mMn das Prinzip „The black Swan“ nicht verstanden. Covid-19 ist ganz eindeutig ein weißer Schwan. Wir kennen die Studie des RKI bezüglich einer SARS Pandemie in D aus dem Jahre 2012 – das ist kein Gerücht, diesen Bericht gibt es (Drucksache 17/12051). Das Szenario war hinlänglich bekannt, man hat darauf hingewiesen, dass wir nicht vorbereitet sind. Es wurde ignoriert. Taleb erwähnt übrigens auch GENAU so eine Pandemie in seinem Buch.
        Das Risiko wurde völlig falsch bewertet. In einer vernetzten Welt muss man wissen, dass Gefahren dieser Art bestehen. Es wurde viel zu spät zu lasch interveniert. Grenzschließungen und Quarantänen müssen kurzfristig realisierbar sein. Es wäre schnell und vor allem günstig gewesen. Die WHO ist absolut planlos, revidiert permanent Aussagen. Man hat sich ausgeruht und ist seiner Verantwortung nicht nachgekommen. Wirtschaft&Politik haben versagt! Wer auf großen Fuß gelebt hat, das Geld zum Fenster rausgeschmissen hat, wird gerettet. Wer vorsichtig war, wurde jahrelang belächelt und zahlt die Zeche jetzt trotzdem mit. Massives Versagen, aber KEIN schwarzer Schwan.

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        Kritisch on fire

        3. April 2020 11:24 at 11:24

        Sehr geehrter Herr Müller!
        Ich schätze ihre Berichte bei FMW sehr und muss ihnen Respekt zollen für ihre weitsichtigen Analysen. Hinsichtlich KORONAVIREN bitte ich sie jedoch ihr Wissen darüber zu verbessern und sich nicht an die Vielzahl von Kommentatoren in diesem Forum anzuschließen und Teilwissen zu verbreiten. Ich schicke ihnen einen Link zu einem Interview mit Prof. Dr. Penninger um ein wenig mehr über KORONAVIREN zu erfahren.
        https://www.youtube.com/watch?v=qZ1rkKJYEPc
        LG

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          Kritisch on fire

          3. April 2020 12:12 at 12:12

          Einen Nachtrag noch:
          Das Medikament von Prof. Dr. PENNINGER wird seit einigen Tagen bereits in klinischen Studien, Phase 2B, in A, D u. DK getestet und könnte bereits im Sommer, sofern die klinischen Studien positiv ausfallen, ein Medikament zugelassen werden, da man parallel zu diese Studien bereits mit der Produktion des Medikaments begonnen hat.

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    Schwänemaler

    3. April 2020 10:50 at 10:50

    Es gibt keine Schwarzen Schwäne mehr, der ROBERT VON DER HALVERN hat einmal gesagt, die Notendrucker würden alle umlackieren. Sein Konto hat er nun auch von rot auf schwarz lackiert.

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    Lausi

    3. April 2020 11:10 at 11:10

    Durch die Corona-Krise wird Trump als Schwätzer entblößt. Anfangs die Gefahr herunterspielen, und dann aussehen wie ein begossener Pudel. Herr Trump scheint von Naturwissenschaften nicht die leiseste Ahnung zu haben. In solchen Dingen sollte er lieber den Mund halten. In puncto Klimawandel sieht es genauso aus. Diesen leugnen – aus welchen Gründen auch immer – aber von nichts eine Ahnung haben. Und in Wirtschaftssachen sowieso. Die wirklichen Probleme der USA scheint er niemals erkannt zu haben: Eine Wirtschaft auf dem absteigenden Ast – abgesehen von ein paar High-Flyern. Das Land breitflächig deindustrialisiert, und – aufgrund eines stetigen Lebens auf Pump – hochgradig verschuldet. Die Bombe, die jetzt zu platzen droht, hat sich über Jahrzehnte aufgebaut, und Trump ist nur der ideale Hampelmann, der die Sache als Witzfigur begleitet.

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    SED Wahlhälfer

    3. April 2020 11:40 at 11:40

    Europa muß anerkennen, das kommunistisch regiertes China in vergleich zu kapitalistischen USA seid Jahren Nase vorn hat. Europa wird sich der zukünftigen Nummer Eins unterordnen. Weltweite Revolution und das Chinamodell werden kommen.

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Zinsen und Banken – „Verwahrentgeld“ auf dem Vormarsch

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Wer glaubt, sich der finanziellen Repression so leicht entziehen zu können, irrt vermutlich: Immer mehr Banken verlangen negative Zinsen für Bankeinlagen, auch „Verwahrentgelt“ genannt. Hat man auch seine Reservegeldhaltung zurückgeschraubt, wird man von der Anhebung der Gebühren betroffen.

Negative Zinsen: Immer mehr Banken..

Still und leise erhöht sich die Zahl der Kreditinstitute, die von ihren Kunden Strafzinsen oder so genanntes Verwahrentgelt für ihre Einlagen verlangen. War bisher eine Summe von 100.000 Euro davon nicht betroffen, so ist das nicht mehr allzu oft der Fall. Allerdings dürfen die Banken nicht so einfach negative Zinsen erheben, sondern sie brauchen zunächst die Einwilligung ihrer Kunden. Ja wohin ausweichen, wenn es immer mehr Banken gibt, die aufgrund der Zinsssituation auf diese Einnahmequelle zurückgreifen?

Das Verbraucherportal Biallo (ebenso Verivox) hat 1300 Banken untersucht und festgestellt, dass 214 Kreditinstitute in bestimmten Fällen Verwahrentgelt verlangen – 20 mehr als vor Monatsfrist, seit Jahresanfang haben sich 150 Geldinstitute zu diesem Schritt entschieden.

Gab es zunächst überall den Freibetrag von 100.000 Euro, so wird dieser schrittweise abgesenkt, auf 50.000, 10.000 oder sogar auf 0 Euro, auch von Volksbanken. Bisher beläuft sich der Minuszins auf 0,5 Prozent, aber es gibt bereits eine Sparkasse, die bei minus 0,75 Prozent angekommen ist.

Die Ursache für das Verhalten der Banken ist schon ein paar Jahre alt.

Bereits im Jahre 2014 hat die Europäische Zentralbank begonnen Negativzinsen von den Geschäftsbanken zu verlangen und diesen Zinssatz für kurzfristige Einlagen im vergangenen Jahr auf minus 0,5 Prozent gesenkt. Aus den letzten Äußerungen seitens der Notenbanker ist nicht zu erwarten, dass die Zinsen angehoben, sondern die Geldpolitik eher noch gelockert wird. Damit dürfte der Trend zum Verwahrentgelt noch zunehmen.

Jetzt auch Direktbanken

Bisher lehnten sich manche Bankkunden locker zurück, angesichts der neuen Konkurrenz für die alten Geldinstitute – filiallose Direktbanken. Doch ausgerechnet die Handybank N26 verkündete jüngst, Strafzinsen für das Girokonto einführen zu wollen. Zunächst erst ab 50.000 Euro, aber dieses Vorhaben steht im krassen Widerspruch zu dem vor Jahresfrist geäußerten Versprechen auf Negativzinsen zu verzichten. Wird dies eine Welle auslösen, bei der Konkurrenz wie ING, DKB, Consorsbank, Flatex u.a., die als Ausweichsort gesehen wurden, um den Gebühren von Genossenschaftsbanken und Sparkassen zu entgehen? Ein bisschen Verwahrentgelt, was soll’s?

Eine ganze Menge, sollte sich dieser Trend durchsetzen. Schließlich liegen derzeit gigantische 2,489 Billionen Euro auf Giro- oder Tagesgeldkonten. Für diese Summe nur 0,5 Prozent einbehalten – und schon wäre man bei einer zweistelligen Milliardensumme.

Wie lautet seit Langem eine Empfehlung der Vermögensberater für die Reservegeldhaltung der Konsumenten? Man solle auf dem Girokonto eine Notreserve halten, die etwa drei Monatsgehälter beträgt. Und zwar nicht nur für ein paar Wochen, sondern länger und für etwaige größere Anschaffungen.

Die Neigung des Deutschen zur großen Geldhaltung mit ihrem obersten Befürworter, Bundesfinanzminister Olaf Scholz, hat zu einem gewaltigen Depotvolumen geführt.

Die oben genannte Verfügungsmasse liegt im Wert höher als alle deutschen Aktien zusammen und sogar doppelt so hoch wie die Bewertung des deutschen Leitindex, Dax. Damit sieht man auch, dass ein Crash am deutschen Aktienmarkt wesentlich weniger Vermögensschäden hervorrufen würde, als bei den Amerikanern, wo allein die über 28 Billionen Dollar des S&P 500 einen weit höheren Wert repräsentieren, als das gesamte Bruttoinlandsprodukt der USA.

Fazit

Die finanzielle Repression schlägt hierzulande weiter zu. Nach und nach werden die Freibeträge für die Geldkonten abgesenkt.

Da die Europäische Zentralbank ihre Geldpolitik eher noch lockert – bei der Sitzung im Dezember? – aber bestimmt nicht die Zinsen erhöht, dürfte die Zahl der Banken, die negative Zinsen weiterreichen, noch größer werden.

Keine Zinsen mehr am Anleihemarkt, Strafzinsen auf dem Geldkonto, wozu führt das? Nicht schon wieder das Akronym „TINA“..

Immer mehr Banken verlangen negative Zinsen auf Einlagen

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Gold, Dollar, Öl, Aktienmärkte: Was passiert nach der US-Wahl?

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Das Thema, wie sich die bevorstehenden US-Präsidentschaftswahlen auf den Gold auswirken werden, wird viel diskutiert und ist mit Unsicherheit behaftet. Wenn die Ergebnisse zu einem stärkeren Dollar führen, bedeutet dies einen niedrigeren Preis für Gold, und ein schwächerer Dollar bedeutet (in der Regel) einen höheren Goldpreis. Das Wahljahr verursacht mit Sicherheit viel Volatilität, und die Anleger erwägen derzeit drei mögliche Szenarien für den Goldpreis nach dem Wahltag.

In einem dieser Szenarien muss der US-Wahltag für einen Anstieg des bei Gold dazu führen, dass Biden Präsident wird, da viele glauben, dass der Dollar dann fallen wird (aufgrund des größeren Stimulus). Und im Gegenteil, bei einem sinkenden Goldpreis wird der Wahltag mit der Wiederwahl von Trump enden müssen, was zu einem stärkeren Dollar führen sollte. Die Ergebnisse der Wahlen im Jahr 2020 könnten jedoch genau den gegenteiligen Effekt haben – und das ist es, was die Marktsituation noch spannender macht.

Der Ölpreis ist vom Wahlergebnis genauso abhängig wie so ziemlich alle anderen Rohstoffe. Und laut Goldman Sachs müssten die US-Wahlen Biden als neuen POTUS hervorbringen, damit wir einen Anstieg des Ölpreises erwarten können (weil dann die Produktions-Kosten für Öl steigen würden). Aber selbst wenn das Gegenteil der Fall sein sollte, drückte der Investmentbankgigant sein Vertrauen in einen steigenden Ölpreis aus – Wahlergebnisse beiseite.

Und wie wird sich die US-Wahl auf den Aktienmarkt auswirken? David Jones, chief market strategist bei capital.com, blickt auf den S&P 500, auf Gold, den Dollar (Euro-Dollar) und schließlich auf den Ölpreis – und analysiert, welche Auswirkungen ein Sieg von Biden oder von Trump haben würde:

 

 

 

 

Was passiert nach der US-Wahl mit Gold?

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Brexit: Wem schadet er mehr, der EU oder den Briten?

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Angesichts des Anschwellens der Coronazahlen und der großen Spannung vor den US-Wahlen, sind die Verhandlung um den Brexit der Briten ein wenig in den Hintergrund gerückt. In dieser Woche läuft wieder einmal ein Ultimatum aus. Kommt es noch zu einer Einigung vor dem endgültigen Datum, dem 31. Dezember? Und gibt es schon Fakten zu den Frühschäden des Austritts der Briten?

Brexit: Was für Folgen hätte ein No-Deal?

Darüber wird schon seit dem Referendum über den Brexit von 2016 gemutmaßt. Fakt ist bereits, dass bis zum Ende des letzten Jahres Ende 2019 die Investitionen bereits um mehr als 15 Prozent hinter dem Durchschnitt der Vorjahre zurückgeblieben sind. Doch sollte es bis zum 31. Dezember keinerlei Vereinbarung geben, wird dies in jedem Fall wirtschaftliche Auswirkungen auf beiden Seiten haben. Wie waren die bisherigen Wirtschaftsbeziehungen?

Der Export von Gütern und Dienstleistungen der Briten in die EU betrug bislang etwa 14 Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes, im Falle der EU in Richtung GB betrug der Anteil nur ganze drei Prozent.

Von Seiten deutscher Unternehmen hat man die lange Zeit seit dem Referendum nicht untätig verstreichen lassen. So ist der Export von Deutschland auf die Insel von 2016 bis vor Kurzem von 7,5 auf 5,6 Prozent gefallen. Gerade in letzter Zeit haben die hiesigen Unternehmen registriert, mit welcher Verbissenheit Boris Johnson den harten, kompromisslosen Brexit vorantreibt. Es ist wie zumeist an der Börse: Was man lange hat kommen sehen, wird versucht zu antizipieren, um den schweren Folgen entgegenzuwirken. Schocks entstehen immer durch das Unerwartete aus heiterem Himmel oder gar durch den berühmten „Schwarzen Schwan“. Klar wird ein harter Brexit beide Seite treffen, mancher Ökonom rechnet für Großbritannien mit einem Rückgang des Trendwachstums um 1,5 Prozent.

Aber wird es keinerlei Vereinbarungen auf dem so bedeutsamen Finanzsektor oder im Güter- und Reiseverkehr geben oder gar beim Handel mit Medikamenten? Zu Zeiten von Corona, wo dem schwedisch-britischen Pharmakonzern AstraZeneca mit seiner Impfstoffentwicklung eine entscheidende Rolle zukommen könnte? Die Pandemie jedenfalls kommt für Großbritannien mit seinem Austrittsvorhaben praktisch zur Unzeit.

Die aktuelle Coronakrise

Was die Covid -19-Infektionen betrifft, hat Großbritannien bereits eine schwere Zeit hinter sich. Nachdem man es zunächst mit einer Herdenimmunisierung versuchte, rückte Boris Johnson entsetzt davon ab, als ihm Wissenschaftler die mögliche Zahl an Todesopfern nahegelegt hatte. Trotz der Wende steht die Nation mit 894.000 Infektionen und fast 45.000 Corona-Toten (an oder mit Corona), der höchsten Zahl an Opfern in Europa derzeit in den Statistiken. Dies findet auch in den Wirtschaftszahlen der zweitgrößten Ökonomie Europas seinen Widerhall.

In den Monaten April bis Juni brach die Wirtschaft Großbritanniens um -20,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal ein. Das war der schlimmste Absturz seit Beginn der britischen Quartalsstatistik im Jahr 1955. Das Land war damit das Schlusslicht Europas, noch vor Spanien, welches den Negativrekord mit einem Einbruch um 18,5 Prozent erleiden musste. Durch die Coronakrise wird Großbritannien wirtschaftlich auf den Stand von 2003 zurückgeworfen.

Das einst so stolze britische Pfund

Das Pfund Sterling, einst der Stolz der Briten und die älteste noch bestehende Währung, hat längerfristig schon eine Entwicklung erlebt, die durch den Brexit noch deutlich beschleunigt werden könnte. Bis in die Hälfte des letzten Jahrhunderts hinein, war das Pfund die globale Leitwährung, die Hälfte der weltweiten Währungsreserven bestand aus der britischen Währung und die Bank of England hatte weltweit sehr großen Einfluss. Dann begann der Abstieg, Mitte der 1970-er-Jahre hatte die britische Währung nur noch einen Anteil von vier Prozent an den globalen Währungsreserven, dabei ist es bis heute geblieben.

Und der Außenwert des GDP?

Das britische Pfund kostete vergangene Woche nur noch 1,10 Euro. Vor gut vier Jahren und dem überraschenden Brexit-Referendum im Juni 2016 musste man noch über 1,30 Euro dafür bezahlen. Auch eine Folge des ewigen Hickhacks um den Sonderweg der britischen Regierung.

Fazit

Aus den bisherigen Fakten ist zu schlussfolgern, dass der ungeregelte Brexit den Briten mehr schaden sollte, als der EU. Aber haben sich die Unternehmen in der langen Zeit der Austrittsverhandlungen nicht schon auf das Austrittsszenario vorbereitet, die Börsen das Ergebnis eingearbeitet? Wann hat denn je ein absehbares Ergebnis Investoren wirklich beim Eintritt noch geschockt – Einzelfälle ausgeschlossen? Aber will Boris Johnson wirklich auf Biegen und Brechen den No-Deal-Austritt Großbritanniens durchziehen, auch wenn sich die Pandemie in der zweiten Welle noch verstärken sollte? Wo Zusammenarbeit in Europa gefragt ist, weiland sich Chinas Aufschwung weiter fortsetzt und auch den USA mit ihrer „America-First-Politik“ ein geschwächtes Europa gar nicht so ungelegen käme?

Es sind für gewöhnlich immer die externen Schocks, die Gewitter aus heiterem Himmel, die für Ungemach sorgen. Aber das Pokern des Boris Johnson – wem hängt das mittlerweile nicht schon zum Halse heraus?

Wem wird der Brexit mehr schaden?

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