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Das erwartet der Markt für die EZB-Sitzung am Donnerstag – die sieht für Banken keine Probleme

FMW-Redaktion

Nächsten Donnerstag 10. März ist der große Tag, die EZB wird aller Voraussicht nach ihre Geldpolitik weiter quantitativ auflockern – anders ist es gar nicht vorstellbar bei den letzten Inflationsdaten aus der Eurozone (aktuell sogar in die Deflation gerutscht). Was erwartet der Markt? Vergleicht man die Stimmen der großen Player, ist die Standarderwartung, dass der Minuszins für Bankeinlagen bei der EZB (Negativzinsen) von aktuell -0,3% auf -0,4% abgesenkt wird. Auch erwarten die meisten Analysten eine evtl. leichte Ausweitung der QE-Menge. Hier zwei Beispiele.

Nomura erwartet für Donnerstag die Ausweitung des Anleihekaufprogramms von monatlich 60 auf 70 Milliarden Euro. Auch gehe man davon aus, dass die Laufzeit bis Juni 2017 verlängert werde. Nomura glaubt daran, dass die EZB die Begrenzung aufheben werde, wie viele prozentuale Anteile die EZB und die nationalen Notenbanken in der Eurozone pro Anleihe aufkaufen dürften. Wir meinen: Das könnte helfen mehr Volumen auf einem schon ausgetrockneten Markt aufkaufen zu können.

Citi geht davon aus, dass der Markt aktuell eine Absenkung von -0,3% auf -0,4% im Einlagezins eingepreist hat. Wegen der Negativzinsen und den damit deutlich schlechteren Zinsmargen für europäische Banken bevorzuge man als Kaufempfehlung eher US-Banken als europäische Banken.

Der weltweit anerkannte Ex-PIMCO-Manager Mohamed El-Erian, heute Chefökonom bei der PIMCO-Mutter Allianz, hält sich allgemein und erwartet, dass die EZB mehr proaktiv agieren werde. Er befürchte die EZB werde „noch mehr tun“. Er sei misstrauisch gegenüber einer Politik von Negativzinsen in Europa, so sagte er gegenüber CNBC.

Die EZB sieht keine Probleme für die Banken

Trotz immer lauter werdender Kritik aus der Finanzbranche in den letzten Wochen scheint die EZB selbst keine Probleme für Banken zu sehen, die aus Negativzinsen resultieren könnten. EZB-Ratsmitglied Benoit Coeure sagte vor Kurzem die Banken seien doch bisher gut zurechtgekommen mit extrem niedrigen EZB-Zinsen. Das sehen die Banken selbst wohl anders – gerade die kleinen Banken, die von den klassischen Zinsmargen ihren Kostenapparat decken müssen. Ganz frisch ist die Info, dass der bayerische Sparkassenverband ein Rundschreiben an seine Mitglieder verschickt hat, worin er als Idee anregt die einzelne Sparkasse könne überlegen überschüssige Liquidität nicht mehr bei EZB zu parken (wo man ja als Bank 0,3% oder bald 0,4/0,5% Zinsen zahlen muss).

Als Alternative könnten die Banken sich laut Verband im Umfang ihrer Liquidität Bargeld besorgen und dieses bei sich selbst im Tresor deponieren. Eine einfache wie geniale Lösung meinen wir. Nur muss man hier zwei Posten dagegen rechnen. Erstens kostet der Transport großer Bargeldmengen natürlich etwas, und große Bargeldbeträge müssen auch versichert werden. Je kleiner die Sparkasse/Bank, desto mehr schlagen Transport- und Versicherungskosten durch in Relation zu relativ kleinen Summen. Für große Institute könnte diese Idee schon eher lohnenswert sein, vor allem wenn es auf -0,4 oder -0,5% geht.

Im Rundschreiben des Sparkassenverbandes wurde auch eine Beispielrechnung für die Versicherung der Bargeldbestände genannt. 1,50 Euro zzgl. Versicherungssteuer pro 1.000 Euro Bargeld, somit käme man auf Kosten von 0,1785%. Hinzu kämen noch die Transportkosten. Wie gesagt: Je mehr Cash pro Transport, desto geringer die prozentualen Gesamtkosten für die Bank. Je größer die Bank, je größer die Bargeldsumme, desto mehr würde sich die Bargeldlagerung lohnen – wohl ab nächsten Donnerstag noch viel mehr!



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