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Das Märchen von der Weltverschwörung – die Saudis haben andere Probleme

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Von Claudio Kummerfeld

Immer wieder wird in einigen Medien die Vermutung geäußert (was auch durchaus nachvollziehbar ist), dass die USA die Saudis angestiftet haben den Ölpreis niedrig zu halten, um Russland kaputt zu machen. Bezeichnen wir dies mal als “Weltverschwörung”. Um eine solche Weltverschwörung zusammen mit den USA zu inszenieren, haben die Saudis gar keine Zeit – sie haben andere Probleme. In unserem Artikel vom 25.12. beschrieben wir bereits, dass es sich bei der aktuellen Saudi-Politik nicht um eine Weltverschwörung, sondern um “Kapitalismus pur” handelt – Ausschaltung der Konkurrenten durch massive Preissenkung!

Die Petro-Dollars

Es gibt die schon lange allgemein bekannte Faustformel ( oder nennen wir es latent vorhandenes Gerücht), dass die Saudis mit ihren Ölverkäufen 1 Milliarde US-Dollar Umsatz pro Tag machen – das würde ganz grob geschätzt bedeuten, dass sie beim derzeitigen Ölpreis “nur noch” 500 Mio pro Tag umsetzen. Nehmen wir mal an das stimmt. Wo bleibt das Geld? Wenn ein Staat wie Deutschland pro Tag 500 Mio Dollar aus Erdölverkäufen erlösen würde, könnte man z.B. Sozialleistungen an Arbeitslose in einem Ausmaß erhöhen, so daß der soziale Frieden mehr als gesichert wäre. Aber warum gibt es in diesem so unermesslich reichen Land wie Saudi-Arabien geschätzt 15-20 % Arbeitslose? Viel wird über den Staatsfonds von ca. 700 Mrd US-Dollar in Aktien von ausländischen, vor allem US-Konzernen gesteckt. Diese Pakete werden die Saudis langfristig auch dringend brauchen als Dividenden-Erzeuger, wenn die Ölquellen nach und nach versiegen. Denn nach übereinstimmenden Analysen von Fachleuten wie auch Aussagen des inzwischen staatlichen Ölkonzerns Aramco ist der Öl-Förderhöhepunkt schon lange überschritten. Bei der Abwägung, ob man z.B. 100 Mrd US-Dollar in die Hand nimmt und eine breit angelegte Berufsausbildung für Arbeitslose initiiert, kommt man wohl eher zu dem Schluss es sei langfristig besser das Geld im Eigenkapital westlicher Konzerne zu parken und von den Dividendeneinnahmen zu leben.

Maßlose Verschwendung der Herrscherfamilie

Die Vermutung liegt nahe, dass die Herrscherfamilie Summen, die jenseits der normalen Vorstellungskraft liegen, in Konsumgüter wie Ferraris, Häuser und Flugzeuge umsetzt. Zuerst kann man darüber lachen, aber wenn man genauer hinschaut: kann es sein, dass ein guter Teil der täglichen Öleinnahmen für den Luxus der Herrscher-Familie verprasst wird? Bei 500 Mio Einnahmen pro Tag sollte doch immer noch genug Geld fürs Volk übrig bleiben – sollte man meinen. Was viele aber nicht wissen: die saudische Herrscherfamilie besteht nicht aus König, zwei Prinzen und 2 Töchtern, Onkel und Opa. Man muss weiter in der Geschichte zurückgehen um zu verstehen bzw. schätzen zu können, wie groß sie wirklich ist. Ab 1902 eroberte der Staatsgründer Abd al-Aziz ibn Saud, der damals “nur” Oberhaupt einer der Stämme auf der arabischen Halbinsel war, nach und nach 45 Stammesgebiete und schuf sich so eine riesige Landmasse, die wir heute als Saudi-Arabien kennen und die den Großteil der arabischen Halbinsel ausmacht. Aber das war kein Staat – wie konnte er ohne bürokratischen Apparat oder demokratische Legitimation seine Herrschaft sicherstellen? Er heiratete von jedem der 45 unterworfenen Stammesoberhäupter jeweils eine Tochter und bekam mit jeder Kinder. So kam es, dass es 45 Prinzen gab und dass de facto 45 Stammesoberhäupter samt gesamtem Anhang Teil der Herrscherfamilie wurden. Das war vor 100 Jahren. Man muss bedenken, dass die Nachfahren natürlich auch Kinder bekamen usw. Die Anzahl der Mitglieder der Herrscherfamilie kann man als Außenstehender wohl nur schwer schätzen. Einen Anhaltspunkt findet man in US-Depeschen, die 2011 bei Wikileaks veröffentlicht wurden, die offenbarten, dass es um die Jahrtausendwende herum 7000 Prinzen gab. Dazu rechne man den gesamten Anhang, Bedienstete, Bodyguards, Frauen, Freunde und und und…. und jeder Prinz samt Anhang möchte natürlich gebührend leben. Die monatlichen Zuwendungen pro Prinz sollen laut dieser Quelle hochgehen bis zu 270.000 US-Dollar ( Zahlen aus den 90er Jahren ). Wie die Zuwendungen heute aussehen, ist nicht in Erfahrung zu bringen. Hinzu kommen noch Boni, wenn man heiratet, Häuser baut uvm. Eine Gesamtschätzung möchten wir lieber nicht anstellen. Ein weiteres Beispiel, wo in Saudi-Arabien Geld ohne Gegenleistung ausgezahlt wird: Jeder, der nachweisen kann, dass einer seiner Vorfahren einst mit dem Staatsgründer für die Erschaffung des Königreiches kämpfte, hat als Nachfahre für immer und ewig Anspruch auf staatliche Unterstützung.

Terror und Unzufriedenheit

Was nur ab und zu in westlichen Medien als News erscheint, ist der zunehmende Terror, der innerhalb des Landes existiert. Gründe sind Religion und Armut. Diese Mischung ist gerade in Saudi-Arabien extrem, da hier ein Islam in der konservativsten Form gelebt wird. Viele Terroristen ( wie einst Osama bin Laden ) verweisen immer wieder auf nicht gehaltene Versprechen der USA bzgl. der Palästinenser-Frage und auf die Tatsache, dass die USA ihre Truppen nach dem ersten Golfkrieg nicht wieder aus Saudi-Arabien abgezogen haben, obwohl dies versprochen wurde. Dies ist das innenpolitische Hauptproblem der Herrscherfamilie.

Der Verdrängungswettbewerb

Was nützt aller Ölreichtum der Welt, wenn große Verbraucher wie die USA sich komplett selbst mit Öl versorgen und somit als Kunden wegfallen? In unserem Artikel vom 06.01.2015 ging es um den aktuellen Kampf der Saudis gegen die Kanadier um den Ölabsatz in Nordamerika. Russland hat gerade einen gigantischen Rahmenvertrag mit China geschlossen über Öl- und Gaslieferungen. Was macht man, wenn man seine Vormachstellung behaupten will? Den Preis kaputt machen und die Konkurrenten aus dem Markt drängen. Russland als Produzenten macht man so schnell nicht kaputt – aber mit einem Preis von z.B. 40 Dollar kann man die Fracking-Industrie sowie Staaten wie Venezuela, Norwegen, England und Nigeria aus dem Markt drängen. Diese müssen dann zwangsläufig die Produktion einstellen, wenn Sie Produktionskosten von 60, 70 oder 80 Dollar haben. Viele Presseorgane zerbrechen sich den Kopf, ob die Saudis Russland für die USA fertig machen wollen, oder ob es gegen den Iran geht, oder gegen Libyen. Es geht gegen alle. Man denkt an sich selbst; es geht darum den Platz an der Sonne als Nummer 1 zu behalten. Schwache Konkurrenten mit hohen Förderkosten sollen zum Ausscheiden aus dem Markt gedrängt werden.

Auf Saudi-Arabien rollt eine Welle zu. Diese Welle hat das Emirat Dubai längst überrollt. Ein Staat, der ohne Weitsicht Gelder verteilt, ohne Gegenleistung, ohne jeglichen Bezug zur Realität, ohne Rücksicht auf die Zukunft, der keine Industrie aufbaut, kann nicht überlegen – er ist zur bittersten Armut verdammt. Dubai hängt (noch) am Tropf des VAE-Bruders Abu Dhabi. Die Saudis haben noch einen bequemen Ölvorrat, aber gleichzeitig einen immensen Kostenapparat, und keine industrielle Wertschöpfung, um 30 Mio Einwohnern Arbeitsplätze zu bieten. Viele westliche Nationen haben ähnliche Probleme, aber dort wird offen über diese Probleme diskutiert, reale Lösungsansätze gesucht und die Staatsausgaben werden durch eine freie Presse kontrolliert, so dass Exzesse in Relation zu den Saudis nicht vorkommen.

4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    rote_pille

    7. Januar 2015 14:13 at 14:13

    dennoch- warum fällt der preis so schnell? das fracking machen die amis nicht erst seit 3 monaten, außerdem sinkt venezuelas produktion durch die “erfolgreiche” wirtschaftspolitik der sozis. im nahen osten gibt es große probleme. wie kann der preis sich in so kurzer zeit halbieren, noch dazu bei der gelddruckorgie? entweder manipulation oder es wird eine große wirtschaftskrise erwartet

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    Peter

    7. Januar 2015 14:14 at 14:14

    Dieser Artikel ist kompletter Unsinn und dient alleine der Verschleierung der wahren Ursachen des Druckes auf den Ölpreis. Unsinnig die Behauptung, Russland habe aufgrund von Verträgen mit China keine Nachteile durch den Ölpreisverfall. Und jeder Leser sollte beim Lesen der letzten Zeile aufhorchen: “Viele westliche Nationen haben ähnliche Probleme, aber dort wird offen über diese Probleme diskutiert, reale Lösungsansätze gesucht und die Staatsausgaben werden durch eine freie Presse kontrolliert, so dass Exzesse in Relation zu den Saudis nicht vorkommen.” Vielleicht hat der Artikelschreiber auch nur vergessen, den Witz mit der “Freien Presse” als Satire zu kennzeichnen? Aber wer wirklich meint, im Westen gäbe es freie Presse, der hat sich für die Einschätzung jeglicher Lage disqualifiziert oder er macht bewusst Propaganda und verbreitet Unwahrheiten. Cui Bono?

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    steffen

    7. Januar 2015 21:29 at 21:29

    Fraking in Saudi Arabien untersützt durch mitteleuropäische Chemtrail-Wolken die dort abregnen sollen!
    Verschwörung oder Wahrheit? Könnte mir Jemand Diese Frage bitte endlich mal beantworten?
    Sollte das statt finden ,müßte dieser geringe Kostenfaktor mit erwähnt werden.
    Woher kommt das Geld? Warum wird darüber nichts geschrieben?

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    Peter Oxoford

    8. Januar 2015 02:36 at 02:36

    Die Arbeitslosen gibts dort vor allem weil man sich Millionen Hilfsarbeiter in Land holt.Denn warum Arbeiten wenn es andere machen können?
    Nun ja mit Hausmädchen haben sie jetzt ein paar Probleme nachdem einige Staaten es verboten haben(oder erst ab 30)das Hausmädchen dorthin zum Arbeiten gehen.Warum?Weil sie gefoltert,vergewaltigt etc. werden und den Lohn oft auch nicht erhalten.
    Selbst bei Diplomaten wurden schon Sklaven ausgemacht,im Ausland wurden sie aber wegen Immunität nicht angeklagt!Und Immunität hat dort jeder der Königsfamilie.

    Auch lassen sich so einige hier behandeln und zahlen dann dioe Rechnung nicht.100 Millionen waren es vor paar Jahren auf denen wir sitzen geblieben sind nachdem man uns vorher iin der PResse weismachen wollte das diese Leute die Rettung für unsere Krankenhäuser wären.

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Der (reale) Sozialismus kommt durch Ihre Hintertür! Major Rütting

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Major Rütting über den Sieg des realen Sozialismus über den von der Coronakrise entlarvten parasitären Finanzkapitalismus – eine Botschaft des Friedens..

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Coronakrise: Kommt Las Vegas wieder zurück ins Spiel?

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Las Vegas Strip - dank Coronakrise sind die Geschäfte eingebrochen

Die Coronakrise hat Las Vegas besonders hart getroffen. Die Stadt lebt vom Tourismus, von Kongressen, Messen und natürlich dem Glücksspiel. All das war seit Mitte März nicht mehr möglich. Ab 4. Juni sollen die Kasinos unter strengen Auflagen wieder öffnen. Der wirtschaftliche Schaden ist bereits jetzt immens.

Die Coronakrise verwandelte Las Vegas in eine Geisterstadt

Es ist Mitte März und die Temperaturen in der Mojave-Wüste sind um diese Jahreszeit mit 23 Grad Celsius tagsüber schon recht angenehm. Auf dem „Strip“, einem Abschnitt des Las Vegas Boulevard, leuchten die Reklametafeln. Normalerweise tummeln sich unzählige Touristen, Glücksritter und Geschäftsleute sowie Massen von Autos zwischen Caesars Palace und der im Maßstab 1:2 nachgebauten Kopie des Eiffel-Turms des Paris Las Vegas Hotels. Doch in den letzten Tagen des März 2020 wirkt die rastlose Stadt wie verlassen. Die beiden Flughäfen McCarren International und North Las Vegas sind verwaist. Das ist das erste Mal seit dem Attentat auf John F. Kennedy im Jahr 1963, dass die Kasino-Hotels auf dem gesamten Las Vegas Strip geschlossen sind. Selbst das verheerende Attentat im Jahr 2017 führte nur zu einer teilweisen Schließung. Die Coronakrise lässt einen ganzen Bundesstaat, der stark vom Tourismus und der Glücksspielbranche abhängig ist, in den wirtschaftlichen Abgrund schauen.

Der wirtschaftliche Schaden ist immens

Seit dem Shutdown der Kasinoindustrie am 17. März sind im US-Bundesstaat Nevada 276.300 Gaming- und Tourismusjobs verloren gegangen. Jeder dritte Arbeitsplatz in dem Wüstenstaat ist von der Tourismus- und Glücksspielindustrie abhängig. Durch den Shutdown sind die Einnahmen von Kasinos, Restaurants, Bars, Clubs, Hotels, Autoverleihern, Kongressveranstaltern, etc. nahezu komplett weggefallen. Ursprünglich sollte die Entertainment-Hauptstadt der Welt nur für einen Monat ihre Geschäfte schließen. Nun dauert der Shutdown bereits seit zweieinhalb Monaten an. Noch ist völlig unklar, wie viele Mitarbeiter nach der Coronakrise noch gebraucht werden. Kasinos und Betreiber von Shows, Messen, Theatern und Logistikunternehmen werden nicht mit dem gleichen Personalbestand wiedereröffnen. Die Auslastung wird weit unter dem Niveau von vor der Coronakrise liegen. Zum einen, weil die Massenarbeitslosigkeit den Amerikanern die Lust am Spielen verleiden dürfte, zum anderen sind Abstands- und Hygieneregeln für eine auf Massentourismus ausgelegte Stadt wie Las Vegas ein signifikantes Geschäftshindernis.

Die gesamte Wirtschaft Nevadas ist stark vom Tourismus und der Glücksspielbranche abhängig. Allein in die beiden Städte Reno und Las Vegas kommen jedes Jahr bis zu 57 Millionen Touristen, um an den Spieltischen und Spielautomat der Kasinos Platz zu nehmen. Von dem Umsatzeinbruch der Unternehmen sind auch die Steuereinnahmen für den Bundesstaat betroffen. Der wirtschaftliche Gesamtschaden wird auf ca. 40 Milliarden US-Dollar bis zum März nächsten Jahres geschätzt, sofern sich die Umsätze bis dahin wieder vollständig erholt haben. Im Jahr 2019 brachte allein das Glücksspiel dem US-Bundesstaat 12 Milliarden US-Dollar ein, von denen laut CDC Gaming Reports mehr als die Hälfte vom Las Vegas Strip stammten.

Hoffnung keimt auf in Sin City

Genau zehn Wochen nach der Schließung aller Kasinos bereitet sich die Glücksspielbranche in Nevada und vor allem in Las Vegas auf die Wiedereröffnung nach der Coronakrise vor. Sofern die Covid-19-Fälle über das Memorial-Day-Wochenende nicht wieder ansteigen, können die Kasino-Hotels am 4. Juni unter strengen Auflagen wiedereröffnet werden, sagte Nevadas Gouverneur Steve Sisolak am vergangenen Freitag. Sisolak wird am heutigen Dienstag eine Pressekonferenz abhalten, um das Datum 4. Juni zu bestätigen, wenn die Gesundheitsbehörden und das Nevada Gaming Control Board ihre Zustimmung erteilen. Zwar sind die gemeldeten Fälle leicht angestiegen, was aber eher darauf zurückzuführen sein dürfte, dass die Zahl der Corona-Tests stark ausgeweitet wurde. Am 30. April wurden 1.165 Personen in Nevada getestet und 121 Covid-19-Fälle gemeldet. Bis zum Memorial-Day-Wochenende stieg die Zahl der Tests auf knapp 3.000 pro Tag an, bei zuletzt 123 Covid-19-Fällen an einem Tag. Eine Wiedereröffnung scheint also sehr wahrscheinlich.

Das Kasino-Geschäft in Nevada wird sich stark verändern

Dennoch wird es ein sehr langsamer Prozess der Normalisierung. Kasinobetreiber mit mehreren Standorten haben bereits angekündigt, zunächst nur Teile bestimmter Resorts wieder zu eröffnen, während andere Kasinos noch komplett geschlossen bleiben, bis die Einschränkungen soweit abgebaut wurden, dass sich die Wiederaufnahme des Spielbetriebs unter betriebswirtschaftlichen Aspekten wieder lohnt. Ihre Tore kurzfristig wieder öffnen wollen unter anderem MGM Resorts, das New York-New York Hotel & Casino mit der berühmten Achterbahn sowie das legendäre Bellagio. Elf weitere Kasinokomplexe auf dem Las Vegas Strip bleiben weiterhin geschlossen – einige wohl für immer.

Laut CDC Gaming Reports werden voraussichtlich nur rund 41 Prozent der gesamten Hotelzimmerkapazität am Las Vegas Strip ab 4. Juni angeboten. Nach der Wiedereröffnung wird sich das Kasino-Erlebnis in Las Vegas und im Großraum Nevada zudem stark verändern: Desinfektionsspritzer statt Begrüßungscocktails, Abstandsregeln, Grenzwerte für Mitarbeiter und Besucher und jeder zweite Einarmige Bandit wird ohne Kundschaft bleiben. Vorbei sind vorerst auch die Zeiten voll besetzter Spieltische. Kasinos müssen die Anzahl der Spieler begrenzen, die Poker, Roulette oder Würfeln spielen: drei Spieler pro Blackjack-Tisch, sechs Spieler pro Würfel-Tisch, vier Spieler pro Roulette-Tisch und nur vier Spieler pro Poker-Tisch. Gruppen oder Zuschauer sind an den Tischen vorerst nicht mehr gestattet.

Die Croupiers werden in Zukunft nicht nur Geld gegen Jetons tauschen, Karten ausgeben und die Kugel rollen lassen, sondern auch für die Einhaltung der Hygieneregeln sorgen und die Gäste desinfizieren. Alle Spielutensilien müssen nach jeder Benutzung gereinigt werden, wenn ein neuer Spieler mit ihnen in Kontakt kommt. Das gilt für Karten, Chips, Schienen, Stühle, Würfel, Kartenschuhe, Mischmaschinen, Roulette-Räder, etc. Der Geruch von Desinfektionsmitteln wird damit als Folge der Coronakrise vorerst fester Bestandteil des neuen Kasinoerlebnisses in Las Vegas werden.

Fazit und Ausblick

Die starke Ausrichtung auf den Massentourismus, Messen, Shows, Glücksspiel und Restaurants belastet die Metropole Las Vegas in der Coronakrise besonders stark. Arbeitsplätze gehen verloren, Geschäfte schließen für immer ihre Türen und die Immobilienpreise beginnen zu fallen, ebenso wie die Steuereinnahmen des Bundesstaates Nevada. Die wahrscheinliche Wiedereröffnung des Glücksspielbetriebs ab nächster Woche lässt zwar Hoffnung aufkeimen, aber die neuen Sicherheitsregeln machen das Geschäft für viele Dienstleister unlukrativ. Ein ganzer Bundesstaat muss hoffen, dass es keine zweite Corona-Welle gibt und die Abstands- und Hygiene-Maßnahmen so bald wie möglich weiter gelockert werden. Ansonsten droht Wüstenstädten wie Las Vegas das Schicksal einer Goldgräberstadt ohne ausbeutbare Mine.

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Schrottkredite europäischer Banken – Aufsicht warnt, Problemlösung gibt es schon

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Bankentürme in Frankfurt - EBA analysiert die Schrottkredite in der EU

Die europäische Bankenaufsicht “EBA” hat vor immer mehr Schrottkrediten in den Bilanzen europäischer Banken gewarnt. Logisch, durch die Coronakrise können viele (private und gewerbliche) Schuldner ihre Kreditraten nicht mehr bedienen. Das kann sehr schnell zu einem Problem für die Banken werden, weil sie in ihren Büchern Kredite als Vermögenswerte verbuchen, die aber gar keine mehr sind. Eigentlich müssten sie diese Schrottkredite sofort umbuchen als Verluste, die abgeschrieben werden müssten. Das würde zu gigantischen Verlusten führen, welche wiederum das Eigenkapital der Banken auffressen würde. Ein klassisches Szenario a la Markus Krall würde eintreten.

Laut EBA-Aussage seien die Banken in der EU mit einer starken Kapitalbasis (FMW: Wirklich?) und Liquiditätspuffern in die Coronakrise gegangen. Die Krise werde voraussichtlich die Qualität der Vermögenswerte beeinflussen, so die EBA allgemein formulierend. Damit meint sie, dass die Kredite (Forderungen sind Vermögenswerte aus Sicht der Banken) in Schrottkredite verwandelt werden könnten. Schrottkredite werden im englischen Sprachgebrauch als “Non Performing Loans” (NPL) bezeichnet. Deswegen kursiert die Abkürzung “NPL” oft in Berichterstattungen durch die Texte. Die Profitabilität der Banken könne beeinträchtigt werden. Aber die Banken hätten in den letzten Jahren Kapitalreserven angesammelt, die höher seien als gefordert, so die EBA. Diese Puffer würden es den Banken erlauben potenzielle Kreditverlusten auszuhalten, die im Rahmen einer Stresstestanalyse im Jahr 2018 erstellt wurden.

Schrottkredite im Fokus

Ende 2014 hatten Schrottkredite mit 7,1 Prozent Anteil ihren Höhepunkt erreicht. Seitdem konnten sie auf einen Anteil von 3,1 Prozent verringert werden. Dies sind aber immer noch 529 Milliarden Euro! Gleichzeitig weist die EBA darauf hin, dass fast die Hälfte der Banken in der EU noch immer nicht in der Lage seien ihre Kapitalkosten zu verdienen! Unsere Anmerkung: Bitte wie, und das soll eine robuste, krisenfeste Finanzindustrie sein?

Laut EBA halten die Banken in der EU jetzt größere Kapitalreserven vor als in der Finanzkrise 2008. Die harte Kernkapitalquote sei von 9 Prozent im Jahr 2009 auf 15 Prozent Ende letzten Jahres gestiegen (klingt doch gleich wieder viel besser?). Im Zuge der Coronakrise werden die Banken laut EBA mehr Schrottkredite verkraften müssen, was vergleichbare Ausmaße annehmen können wie nach der Staatsschuldenkrise. Die Kreditausfälle könnten bis zu 3,8 Prozent des harten Kernkapitals oder umgerechnet 315 Milliarden Euro betragen, so die EBA. Und jetzt kommt eine wichtige Aussage der EBA. Staatliche Garantien, die in vielen Ländern eingeführt wurden, könnten diese Auswirkungen mildern, während die EBA-Richtlinien zu Kreditmoratorien die automatische Einstufung betroffener Forderungen als Schrottkredite oder ausgefallene Forderungen vermeiden werden. Ja, so möchten wir anmerken. Da hatte die BaFin ja unlängst auch für deutsche Banken eine entscheidende Richtlinie herausgegeben.

Die Lösung des Problems der Banken ist bereits vorhanden

Nämlich die Befreiung von der Verpflichtung, Kredite mit ausgefallener Ratenzahlung als wertlose Forderung abschreiben zu müssen. Es gibt nun also nach außen hin wohl nicht sichtbar immer mehr Schrottkredite in den Büchern der Banken, die sie aber nicht als solche abschreiben müssen – wodurch die Banken auch keine Verluste ausweisen müssen, welche ihr Eigenkapital auffressen würden. Finden Sie beim Klick an dieser Stelle dazu die Info vom 24. März. Eine wichtige Ansage der BaFin Richtung Banken lautet demnach, dass beispielsweise “ein Schuldner nicht zwingend als ausgefallen einzustufen ist, wenn bei einem Kredit Kapitaldienst und Zinsen in Folge des Corona-Virus gestundet” werden.

Wir meinen: Das ist der wichtigste, der zentrale Bestandteil dafür, dass die Banken in Europa trotz der zunehmenden Lawine der Schrottkredite “unbeschadet” durch die Krise kommen werden, zumindest optisch für uns Außenstehende. Kredite, bei denen man die Raten stundet, gelten weiterhin als normale werthaltige Forderungen der Banken. Von daher sieht nach außen alles normal aus. Man darf vermuten, dass die Aufsichtsbehörden diese Regelung auch nach dem kompletten Wiederhochfahren der Volkswirtschaften eine Zeit lang aufrecht erhalten werden. Denn die Kreditausfälle und Insolvenzen, die beginnen wohl erst in ein paar Monaten so richtig sich zu entfalten!

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