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Dax: Deutsche Aktien in ziemlich rauer See!

Dax in rauer See

Ein erneuter Ausverkauf konnte den DAX nicht auf neue Tiefs führen. Der Ausverkauf erfasste auch nicht den gesamten Aktienmarkt, sondern konzentrierte sich auf die Highflyer der Corona-Pandemie. Die Logistik-Branche gab 5,3% ab, Rohstoffaktien brachen um 3,4% ein. Techsektor und Industrieunternehmen mussten durchschnittlich 2,5% abgeben. Wochengewinner waren die defensiven Versorger mit +3,4%, gefolgt von Gesundheitsaktien und Finanztiteln mit durchschnittlich je +0,2%.

Weder erreichte der DAX ein neues Tief noch erreichte der Volatilitätsindex des DAX ein neues Hoch. Nüchtern betrachtet muss man feststellen, dass die Schwankungsintensität nachlässt, man nennt das dann Seitwärtskonsolidierung unter hohen Schwankungen.

DAX: So ist die Stimmungslage

Bei unseren Umfrageteilnehmern erzeugte der Wochenverlauf bem DAX erneut ein deutliches Unbehagen. Das Anlegersentiment ist auf -2,4 gefallen und zeigt eine moderate Niedergeschlagenheit unter den Anlegern an. Extremwerte beginnen aber erst ab -4.

Bei der Verunsicherung sieht es ähnlich aus, der Wert von -1,9 spiegelt die Verunsicherung wider, ist jedoch noch weit entfernt von extremer Verunsicherung.

So wie die Zukunftserwartung in der Vorwoche bei steigenden Kursen verschwand (von 1,1 auf -0,4), so ist sie jetzt auf dem niedrigeren Kursniveau wieder zurückgekehrt (zurück auf 1,0). Dabei gab der DAX im Wochenvergleich nur 1,3% ab.

Die Investitionsbereitschaft ist ebenfalls wieder angestiegen und zeigt mit einem Wert von 2,7 schon wieder eine recht hohes Niveau an. Auch hier gibt es keine Extremwerte, doch noch vor zwei Wochen war die Cashquote niedrig. Seither ist sie nur moderat angestiegen, es gibt also noch Potential.

Das Euwax-Sentiment der Privatanleger notiert derweil bei -7,5 und weist auf eine sehr hohe Absicherungsneigung. Aktuell ist es Anlegern wichtiger, sich gegen weitere Verluste abzusichern, als an gegebenenfalls steigenden Kursen zu partizipieren.

Ganz ähnlich sieht es bei den institutionellen Anlegern aus, die sich über die Eurex absichern. Das Put/Call-Verhältnis von 1,9 zeigt nach wie vor ein stärkeres Interesse an Put-Absicherungen als an Call-Spekulationen. Doch die Extremwerte aus dem März, als das Verhältnis über 5 sprang, sind nicht mehr zu sehen.

Auch in den USA sind die Put-Absicherungen rückläufig, das Put/Call-Verhältnis der CBOE ist auf ein neutrales Niveau zurückgefallen.

US-Fondsanleger haben ihre Investitionsquote weiter auf 83% hochgefahren. Damit hat auch hier eine Normalisierung stattgefunden, nachdem zum Kriegsausbruch kurzzeitig nur 30% der Fondsmittel investiert waren.

Das Bulle/Bär-Verhältnis der US-Privatanleger steht bei -17%, Bären dominieren. Noch vor einer Woche hatten die Bullen kurzfristig wieder Oberwasser, doch der dadurch signalisierte Optimismus war sehr kurzlebig.

Der technisches Angst und Gier Indikator des S&P 500 notiert mit einem Wert von 48 weiterhin im neutralen Bereich.

Interpretation der Stimmung im DAX und an der Wall Street

Es war ein heftiger Tiefschlag, dass die beiden Tauben unter den US-Notenbankern plötzlich eine harte Linie vertreten. Zwischen den Zeilen der Ausführungen von Label Brainard und Mary Daly haben Anleger gelesen, dass die Inflationsbekämpfung oberste Priorität hat, dafür nimmt man selbst eine Rezession in Kauf. Kein Wunder, dass hoch bewertete Aktien ausverkauft wurden, Value-Aktien konnten sich gut halten.

Nun haben wir als Anleger über mehrere Jahrzehnte gelernt, dass Wachstum letztlich lukrativer ist als Value. Dividenden spielten in den vergangenen Jahrzehnten nur eine Nebenrolle, die Giganten unserer Zeit heißen Apple, Amazon, Alphabet und Microsoft. Doch diese Aktien möchte nun niemand mehr haben.

Dax und die Wall Street

Kästchen je Marktkapitalisierung, Farbe ja Wochenperformance; Quelle: S&P 500 Performance-Teppich

Je größer der Verlust in dieser Woche, desto höher die Marktbewertung. Microsoft und Apple notieren beispielsweise auf einem KGV 2023e von 30, Alphabet von 25. Für Amazon wird sogar ein KGV von 60 aufgerufen.

Auf der anderen Seite profitierten defensive Titel aus der Gesundheitsbranche, dem Einzelhandel und der Versorger.

Schauen Sie mal in Ihr eigenes Portfolio: Defensive Titel dürften in der Minderheit sein. Wachstumstitel haben seit Jahren die Titelseiten dominiert. Daher fühlte sich der Ausverkauf in der abgelaufenen Woche so schmerzhaft an, obwohl viele andere Titel, die teilweise sogar in Vergessenheit geraten sind, stark zulegten.

So haben wir auch in unserem Anlegersentiment diese Woche ein gemischtes Bild, wobei die Aktionäre der Wachstumsunternehmen die Stimmung dominieren, sie sind niedergeschlagen.

Gleichzeitig hoffen sie nach dem Ausverkauf darauf, dass – wie in den vergangenen Jahrzehnten immer – ihre Lieblinge die erlittenen Verluste mindestens ausgleichen.

Nach den Reden von Brainard und Daly bin ich mir da jedoch nicht mehr so sicher. Das Enttäuschungspotential steckt also auch nach dem Ausverkauf noch immer bei den Wachstumsaktien, während Kursanstiege der defensiven Titel weitgehend unbeachtet bleiben.

Die hohe Verunsicherung bei gleichzeitig wachsendem Optimismus spiegelt diesen Gezeitenwechsel am besten wider. Wellen, Strudel und Unterströmungen können gefährlich werden. Ich würde für die kommenden Wochen nur sehr vorsichtig anlegen und vorzugsweise auf defensive Aktien im DAX setzen.



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