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Dax auf Jahreshoch – ist der nächste Halt das Allzeithoch?

Hannes Zipfel

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am

Rauf zur Bergspitze - Symbolbild für weiteren Anstieg im Dax

Nur noch knapp zwei Prozent trennen den deutschen Leitindex von seinem Allzeithoch. Damit sind vorweihnachtliche Rekordstände für den DAX in greifbare Nähe gerückt.

Der DAX und die magische Anziehungskraft wichtiger Chartmarken

Bedeutende Chartmarken ziehen die Kurse magisch an. Die Anleger „wollen“ das Allzeithoch beim DAX sehen. Sofern keine gravierenden Nachrichten dazwischenkommen, wird sich jetzt kaum noch jemand gegen das Momentum des Marktes stellen. Dies könnte erst wieder geschehen, wenn der nächste Widerstand, resultierend aus dem bisherigen Allzeithoch vom 23. Januar 2018, erreicht wurde (mögliche Doppeltop-Formation).

Seit dem Ausbruch aus der trendbestätigenden Dreiecksformation am 15. Oktober lief der DAX zügig die Horizontalwiderstände bei 12.860 und anschließend bei 13.165 an und überwand beide mühelos. Zwar gab es zuletzt noch einmal einen Rücksetzer auf den Horizontalwiderstand, der aus den beiden Verlaufshoch vom 22. Mai und vom 14. Juni 2018 resultierte, aber jetzt nimmt der deutsche Leitindex mit hoher Dynamik das Allzeithoch bei 13.600 Punkten ins Visier:

Chartverlauf im Dax in den letzten zwölf Monaten

Kurzfristig nicht zu stoppen

Neben der äußerst konstruktiven Charttechnik spricht auch der Geldfluss klar für das kurzfristige Erreichen der bisherigen Hochwassermarken im DAX. Nur zu gut 15 Prozent gehört der DAX deutschen Anlegern, das bedeutet immenses Aufholpotenzial in Sachen Aktienengagement für die Sparer im Land der Null- und Negativ-Zinsen. Die mediale Aufmerksamkeit, die der DAX durch seinen momentanen Höhenflug genießt, dürfte weiteres Kaufinteresse potenzieller Anleger nach sich ziehen. Aktuell treibt aber vor allem Geld aus Übersee die Kurse in Deutschland nach oben. Für Investoren aus Nordamerika sind deutsche Standardwerte mit einem KGV von aktuell 15,3 und einer Dividendenrendite von 2,8 Prozent ein wahres Schnäppchen (KGV S&P 500: 23,08 | Dividendenrendite: 1,83 Prozent).

Außerdem lockt der Euro als Anlagewährung. Nachdem die US-Administration ihren Wunsch nach einem schwächeren US-Dollar mehrfach deutlich gemacht hatte, folgt die US-Notenbank Fed einem geldpolitischen Kurs, der den Höhenflug des Dollars zumindest gestoppt hat, womit sich Währungsrisiken für Amerikaner langsam zu Währungschancen wandeln. Da lockt bei Investments in deutschen Aktien eine Zusatzrendite durch Währungsgewinne.

Struktur der Aktionäre

Die Nachrichtenlage bleibt, zumindest an der Oberfläche, ebenfalls konstruktiv für den deutschen Leitindex. Die bislang von den im DAX gelisteten Unternehmen berichteten Quartalszahlen haben die Erwartungen deutlich übertroffen. Eine technische Rezession konnte offiziell in Deutschland vorerst vermieden werden und auch der für die heimische Industrie so wichtige Automobilabsatz brummt dank Sondereffekten.

Negative Schlagzeilen aus Hongkong, vom Brexit oder vonseiten des Handelskriegs perlen momentan am DAX schlicht ab.
Der wichtigste Grund dafür ist und bleibt das Vertrauen der Investoren in eine Fortsetzung der Niedrigzinspolitik sowie liquiditätssteigernde Maßnahmen durch die großen Zentralbanken. Bei einer Dividendenrendite, die 350 Basispunkte über dem risikolosen Zins kurzlaufender deutscher Bundesanleihen liegt, rücken die DAX-Aktien in einer Zinswüste umgeben von einem Meer aus Liquidität mehr und mehr in den Fokus der Anleger. Und schlechte Nachrichten bedeuten eben noch tiefere Zinsen und noch mehr Liquidität vonseiten der Notenbanken.

Die Risiken

Gegen die Zentralbanken sollte man also nicht wetten, dennoch steigen auch Aktienkurse nicht ununterbrochen. Gründe für Rücksetzer gibt es genug. Ein Ende der Rallye ist jedoch nicht zu erwarten, solange die Notenpressen rotieren und der risikolose Zins im roten Bereich verharrt.

Die größte Gefahr droht dabei kurzfristig von den hohen Aktienkursen selbst, womit nicht etwa die Bewertung gemeint ist. Problematisch wird es, wenn die Kurse bis Mitte Dezember weiter haussieren oder zumindest auf den jetzt erhöhten Niveaus verharren. Für den 15. Dezember ist nach wie vor die Einführung weiterer Strafzölle durch die USA in Höhe von 15 Prozent auf Konsumgüter aus China im Wert von rund 160 Milliarden US-Dollar geplant. Werden diese tatsächlich umgesetzt, würden auch Produkte wie Smartphones, Laptops und Textilien betroffen sein. Der US-Präsident Donald Trump ließ diese letzte Zoll-Tranche bereits mehrfach verschieben, um das Weihnachtsgeschäft der US-Einzelhändler nicht zu torpedieren. Sollten diese Zölle in Anbetracht der aktuell festgefahrenen Verhandlungen doch noch in Kraft gesetzt werden, würden die USA auf fast alle Warenimporte aus China Strafzölle erheben. Dann wäre auch wieder mit Gegenmaßnahmen der Chinesen zu rechnen.

Umso weiter die Kurse bis dahin nach oben klettern, umso größer wäre die Entschlossenheit von Donald Trump, im Handelskrieg noch einmal Stärke zu zeigen. Der Aktienmarkt hat ja bereits genug Puffer aufgebaut. Zudem hat Trump bislang, wenn auch unter Zögern, die Unterstützung von der Fed im Handelskrieg erhalten, die er seit Beginn der Auseinandersetzung immer wieder gefordert hatte.

Das Risiko besteht darin, dass die durch eine weitere Zolleskalation entstehenden realwirtschaftlichen Schäden die Erwartungen der Marktteilnehmer einer sich im ersten Quartal 2020 wieder erholenden Weltwirtschaft zunichtemachen und auch die Gewinnerwartungen für die Aktiengesellschaften unterhöhlen. Die Notenbanken würden dann zwar zeitnah gegensteuern, aber der Eintritt in eine Rezession wäre dann ein reales Risiko – wider die Erwartung der überwiegenden Mehrheit der Marktteilnehmer.

Fazit

So irrational der Anstieg der Aktienmärkte unter einigen fundamentalen Aspekten auch erscheinen mag, so rational ist er doch, wenn man das Gesamtbild betrachtet. Anlagenotstand, Liquiditätsschwemme, Aktienrückkäufe, Window-Dressing zum Jahresultimo und das extreme Zinsumfeld sprechen auch weiterhin für einen steigenden DAX. Die sogenannte Katastrophen-Hausse (Crack-Up-Boom) ist bereits in vollem Gange und wird vermutlich erst mit der Zerrüttung der Fiat-Währungen enden. Dagegen zu setzen, bedeutet, gegen die Notenpressen zu wetten. Deren Feuerkraft ist aber zumindest theoretisch unlimitiert.

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Goldpreis: Gestern Bitcoin-Absturz, heute Gold! Marktgeflüster (Video)

Gestern stürzte Bitcoin ab, heute fällt der Goldpreis mit einer schnellen Bewegung unter die Unterstützung bei 1800 Dollar. Was ist da los?

Markus Fugmann

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Gestern stürzte Bitcoin ab, heute fällt der Goldpreis mit einer schnellen Bewegung unter die Unterstützung bei 1800 Dollar (und das im buchstäblich selben Moment, als auch der VIX deutlich fiel). Was ist da los? Wiederholt sich das Geschehen aus dem März, als ein heftiger Abverkauf von Bitcoin das Vorspiel für den Absturz der Aktienmärkte im März-Crash war? Auffallend ist die Schwäche im Goldpreis und gestern die Schwäche bei Bitcoin) vor allem deshalb, weil der Dollar alles andere als Stärke zeigt – normalerweise unterstützt ein schwacher Dollar das gelbe Edelmetall. Die heute in den USA verkürzt handelnden US-Aktienmärkte nun immer mehr im „Gier-Modus“ – wie lange geht das noch?

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Rüdiger Born: Die aktuelle Lage am verkürzten US-Handelstag

Rüdiger Born

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Nikkei 225: Das Comeback des japanischen Leitindex

Hatte es der Großinvestor Warren Buffett geahnt, oder war er sogar ein kleiner Auslöser dafür: Nämlich die Stärke des japanischen Nikkei 225 – trotz explodierender Schulden

Wolfgang Müller

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Hatte es der Großinvestor Warren Buffett geahnt, oder war er sogar ein kleiner Auslöser dafür: Nämlich die Stärke des japanischen Sammelindex Nikkei 225, inmitten der Corona-Krise und bei explodierenden Staatsschulden. Dieser bemüht sich nach Kräften, endlich das Trauma des Immobilien-Crashs von 1989 zu neutralisieren, der Index kletterte jüngst auf ein fast 30-Jahreshoch.

Der japanische Index – auf dem Weg zu alten Höhen?

Immer wieder wird von Aktienpessimisten Japan als Negativbeispiel angeführt. Der unheimliche Aktien-Boom in den 1980-er-Jahren, verbunden mit der Immobilienblase (Hans-Werner Sinn: Für Tokyo hätte man ganz Kanada kaufen können!) führte zu abstrusen Börsenbewertungen:

 

Die Mutter aller Index-Fahnenstangencharts (bis zur Corona-Krise):

Die Aktienmärkte - hier der Nikkei

Der Höchststand des Nikkei 225 vom 29. Dezember 1989 lag auf Schlusskursbasis bei 38.913 Punkten, dann erfolgte ein Absturz ohnegleichen mit vielen erratischen Schwankungen und einem Tief am Ende der Finanzkrise von 7054 Punkten.

Aber wer hat im Jahr 1989 all sein Geld in den Nikkei 225 investiert und nicht vorher und danach? Im Übrigen hätte ein monatlicher Sparplan auf den Index über viele Jahre eine gewaltige Rendite gebracht, durch den Cost-Average-Effekt, nur muss der Index irgendwann einmal kräftig anziehen, dann schießt der Wert mit all den billig erworbenen Anteilen kräftig in die Höhe. So wie es beim Nikkei 225 schon seit geraumer Zeit aufwärts geht.

Ein Vergleich der Marktperformance:

Seit dem Corona-Tief:

S&P 500: plus 60 Prozent
Dax: plus 52 Prozent
Nikkei: plus 50 Prozent

Seit dem Tief in der Finanzkrise 2009:

S&P 500: plus 436 Prozent
Dax: plus 362 Prozent
Nikkei: plus 364 Prozent
Jetzt ist der Index noch weiter gestiegen und erreichte gestern 26.537 Punkte.

Wobei hier wieder einmal festzustellen ist, dass bei unserem Dax als Performanceindex die ausgeschütteten Dividenden mit eingerechnet wurden, anders als bei den international üblichen Kursindizes. Was im Jahresvergleich nicht viel ausmacht, verzerrt das Bild bei einem 11-Jahreszeitraum durch den Zinseszinseffekt doch sehr deutlich.

Was also fast nach einem Gleichlauf aussieht, wird im 3-Monatsvergleich nach dem Einstieg von Warren Buffett deutlicher, Japan fiel im Oktober nicht mehr so stark und erholte sich stärker.

S&P 500: plus 4 Prozent
Dax: plus 1 Prozent
Nikkei: plus 13 Prozent

Die Entwicklung der Wirtschaft

Dass die Börse in Japan so stark gestiegen ist, liegt zum einen natürlich an der Bank of Japan, die bereits 53 Prozent der japanischen Staatsanleihen in ihren Büchern hält und immer wieder ETFs auf den Aktienmarkt erwirbt.

Der Nikkei 225 mit seinen über 12 Billionen Euro Marktkapitalisierung hat natürlich noch andere Investoren.

Aber vonseiten der Wirtschaft gibt es auch einige Signale der Hoffnung.

Doch zunächst zum Einstieg von Warren Buffett. Seine Gesellschaft Berkshire Hathaway kaufte im Herbst etwas mehr als fünf Prozent der Aktien der fünf großen japanischen Handelshäuser, die jahrzehntelang Japans Außenhandel bestimmt haben. Für uns relativ unbekannte Namen wie Itochu, Marubeni, Mitsubishi, Mitsui und Sumitomo. Und seine Gesellschaft sei bereit, den Einsatz auf bis zu 9,9 Prozent zu erhöhen.

Japan ist verglichen mit den USA erheblich preiswerter. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) des Dow Jones liegt bei 2,9, jenes des Nikkei 225 hingegen nur mit bei 1,1.

Japans Wirtschaft erholt sich derzeit von einer Rezession, die schon im vierten Quartal 2019 begonnen hatte. Japans Konsumenten erhöhten ihre Ausgaben im Sommer um 4,7 Prozent. Das Bruttoinlandsprodukt stieg im dritten Quartal auf Jahresbasis um 21,4 Prozent, 2,5 Prozent stärker als von Analysten erwartet wurde.

Hinzu kommt, dass die XXVII. Olympischen Sommerspiele in Tokyo doch vom 23. Juli bis zum 8. August 2021 stattfinden sollen, wie IOC-Präsident Dr. Thomas Bach bei seinem letzen Besuch in Japan angekündigt hat.

Ein Schub durch das Freihandelsabkommen RCEP

Das vor knapp zwei Wochen abgeschlossene Freihandelsabkommen RCEP, abgekürzt für Regional Comprehensive Economic Partnership, zwischen 15 Ländern Ostasiens und Ozeaniens, gab der Börse einen weiteren Kick. Japan erhält dadurch erstmals bevorzugten Zugang zu China und Südkorea. Die Annäherung der drei Länder gilt als historischer Vorgang. Das Abkommen wird als Wegbereiter für ein künftiges asiatisches Wirtschaftswachstum gesehen, auch zu einer Zeit, in der sich die Region ohnehin aufgrund der Eindämmung der Pandemie konjunkturell besser als der Rest der Welt entwickelt.

Fazit

Was kann man aus der diesjährigen Entwicklung des Nikkei für Lehren ziehen? Staatsschulden, selbst in astronomischer Höhe (über 250 % zum Bruttoinlandsprodukt), führen nicht zwangsläufig zum Einbruch. Nämlich dann, wenn die Bürger an die Stabilität der eigenen Währung glauben und genügend Sparvermögen bilden und natürlich von der Funktionsfähigkeit der eigenen Notenbank überzeugt sind, die viele der Staatssschulden in ihren Büchern hält. Das Vertrauen in das Geld ist Grundvoraussetzung für die Schuldentragfähigkeit.

Dann sollte die eigene Währung eine gewisse Stabilität aufweisen, damit die Exportwirtschaft nicht unter die Räder gerät, aber auch ausländische Produkte für die Bürger erschwinglich bleiben. Ganz besonders wichtig ist natürlich die Stabilität des Geldes im Hinblick auf die Inflation. In Japan lag die Teuerungsrate über 20 Jahre gerade mal bei 0,5 Prozent per annum. Aber aus dieser Argumentation könnte man auch schlussfolgern, dass es dann krachen wird, wenn auch nur einer der drei Faktor nicht mehr gegeben ist, insbesondere wenn die Inflation zu galoppieren beginnt. Inflation, das Thema der nächsten Jahre nach der epochalen Geldschwemme des Corona-Jahres 2020?

 

Der Nikkei in Japan mit zuletzt starker Entwicklung

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