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Anleihen

Dax: Öl, Yen und Staatsanleihen spielen nicht mehr mit..

Redaktion

Veröffentlicht

am

FMW-Redaktion

Der Dax startete stark und überwand die 10.000er-Marke. Doch aktuell sieht sich der deutsche Leitindex die 10.000er-Marke wieder von unten an:

Dax1403165

Dass der Index nicht weiter in Richtung des nächsten zentralen Widestands bei 10115 Punkten läuft, nachdem die 9900er-marke pulverisiert wurde, liegt wohl an zwei Faktoren: dem wieder starken Yen und der Schwäche beim Öl:

Dax1403164

Zunächst scheint der Ölpreis (WTI) im kurzen Zeitfenster sein Aufwärtspotential ausgeschöpft zu haben:

oilus140316

Sollte Öl weiter schwächeln, wird das für die US-Indizes ein Problem, ergo für den Dax. Denn die Rally basierte vorwiegend auf den wieder deutlich gestiegenen Rohstoffpreisen.

Das zweite Problem ist der Yen, der wieder zulegen kann – Dollar-Yen unter Druck:

usdjpy140316

Morgen früh folgt die Sitzung der Bank of Japan mit anschließender Pressekonferenz des Notenbankchefs Kuroda – das wird auch für den Dax und andere Indizes wichtig. Sollte Kuroda mehr liefern als erwartet, könnte die Yen-Stärke ein Ende haben. Derzeit liegen die Yen-Long-Positionen am Future-Markt extrem hoch, eher ein Kontraindikator.

Wichtig auch der spread (also die Renditedifferenz) zwischen der 10-jährigen deutschen Bundesanleihe und etwa der italienischen 10-jährigen Anleihe (BTP), die sich deutlich besser entwickelt hatte als ihr deutsches Pendant – den neuen Bankentendern der EZB sei Dank, die vorwiegend den liquidiätsschwachen Banken Südeuropas zugute kommen. Heute morgen sah das so aus:

BundFBTP
(schwarz die italienische, orange die deutsche 10-jährige Anleihe)

In den letzten Minuten aber hat sich das Bild verändert – die italienische Anleihe verliert, der Bund gewinnt. Das spricht für einsetzende Risikoaversion:

bundBTP

Der Dax würde gerne nach oben, aber Öl, Yen und der Anleihemarkt spielen gerade nicht mehr mit. Die US-Indizes haben nur wenig Luft nach oben, das wird sich zeitnah auch hierzulande bemerkbar machen, dem 10.000er-Jubel zum Trotz..

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    GN

    14. März 2016 11:04 at 11:04

    ….ich denke bei diesem hochmanipulierten „Markt“ noch irgendeine Prognose zu wagen, ist sinnlos……es wird im Moment alles getan, um den Dreck nicht abstürzen zu lassen…….normales Marktverhalten sieht anders aus…

  2. Avatar

    Christian S.

    14. März 2016 11:32 at 11:32

    Da kann ich GN nur zustimmen. Der DAX hatte die letzten drei Tage eine Vola wie der letzte Penny-Stock. Und alles bei ein und derselben Nachrichtenlage. Mal abgesehen von den Landtagswahlen (also der realen Welt), die den DAX wohl eher nach unten hätten bringen müssen.

    Neubewertung der EZB-Aussagen von Donnerstag auf Freitag durch tausende Marktteilnehmer? Seltsam. Könnte da nicht irgendein Italiener und seine alten Spezeln in der Nacht auf Freitag auf Futurebasis nachgeholfen haben? Wäre das möglich?

    „Neubewertung“ einer Faktenlage in diesem Ausmaß finde ich gelinde gesagt „echt krass“.

  3. Avatar

    Jörg

    14. März 2016 14:08 at 14:08

    Noch auf seinem link von heutigen morgendlichen Videoausblick wurde Herr Fugmann als „ewig verzagte(r) Börsenpessimist()“ gescholten. Der dortige ‚Longie‘ brachte aber kein einziges Argument, warum es nun (derzeit!) im Dax noch über 10.000 hinaufgehen müsse.

    Zur Spekulation im Aktien- oder aktienbezogenen Derivatemarkt empfehle ich den höchst lesenwerten Artikel von Uwe Wagner „Chancenreiches Handeln in einem nicht prognostizierbaren Markt“ – http://www.godmode-trader.de/artikel/chancenreiches-handeln-in-einem-nicht-prognostizierbaren-markt,4577811 .

    Was Uwe Wagner „nichtlineare“ Systeme nennt, nannte man – jedenfalls noch vor 20 Jahren – „chaotische“ Systeme. Und man sprach damals von der „Chaos-Theorie“, während man heute sicherlich längst von der „Chaos-Lehre“ sprechen müßte. Denn die Ergebnisse der dortigen Forschung gelten längst als gesichert.
    Zusammenfassen kann man die Ergebnisse der Chaos-Forschung in drei Hauptaussagen:
    1.) Aussagen zur Raumfaltung in chaotischen Systemen ;
    2.) Der „Schmetterlingseffekt“ („Der Flügelschlag eine Schmetterlings am Amazonas kann in Texas einen Tornado auslösen“) – die „Chaos-Theorie“ nahm ihren Anfang in der Wetterforschung;
    3.) Das Prinzip der „Selbstähnlichkeit“ in chaotischen Systemen

    Aussagen zur Raumfaltung sind im praktischen Leben bzw. an der Börse kaum zu gebrauchten.
    Der „Schmetterlingseffekt“ mahnt allenfalls zur Vorsicht – eine Handlungsoption gibt er nicht her: Denn wie viele Schmetterlinge gibt es wohl am Amazonas? Man kann sie (und die jeweiligen unzähligen Folgekausalitäten bis nach Texas) unmöglich ständig im Auge behalten!
    Aber die „Selbstähnlichkeit“ (es ist dies z B. das immer wieder auftauchende „Apfelmännchen“ in den graphischen Darstellung von fraktaler Gleichungen) kann man sehr wohl für Prognosen nutzen.

    Diese „Selbstähnlichkeit“ wird von den Chartisten (und manchmal wohl auch von den Fundis) genutzt. Dabei verwechseln manche Chartisten „Selbstähnlichkeit“ mit „Wiederholung“ – und sie verlieren Geld dabei. Eine „Wiederholung“ wäre es, wenn die alten Griechen erst eine Säule hinstellten und anschließend durch Hinzufügung von sehr vielen – genau gleichen -Säulen einen Säulengang errichteten. Dieser Säulengang hat eine völlig neue Qualität und hat mit der einen ursprünglichen Säule überhaupt nichts mehr zu tun! Ich vermute, daß es in chaotischen Systemen keine „Wiederholungen“ gibt – und wenn doch: nur durch äußerst extremen Zufall.

    Mit der „Selbstähnlichkeit“ trete ich nun dem Herrn Fugmann, dem „ewig verzagten Börsenpessimisten“, bei. Ich weise nämlich auf die Entwicklung des Dax im Mai (glaube ich) 2008 hin. Nicht im Sinne einer direkten (sklavischen) „Wiederholung“ (zuviel Faktoren haben sich seit damals verändert) – aber doch im Sinne einer „Selbstähnlichkeit“.
    Das was man als „Selbstähnlichkeit“ erkennt (oder zu erkennen vermeint) ist schwer zu fassen. Alte Börsenhasen berufen sich deshalb auch immer nur so vage auf ihre „Erfahrung“ Bei Chartisten spielt hier das Evaluieren von optischen Eindrücken (des Indexcharts, der Charts der Tagedurchschnittlinien usw.) eine Rolle. Der – kritische! – Einsatz unsere Sinne ist hier alles andre als unsinnig. Denn der homo sapiens hatte es seit seiner Existenz ständig mit chaotischen Systemen zu tun. Den ungeheuren – leider nur unbewußten, und daher nicht direkt zugänglichen – Datenspeicher der Sinne zu nutzen, sicherte sein Übeleben. Bei höher entwickelten Tieren ist es nicht anders.
    Natürlich kommt es hier zu Fehlinformationen. Vielleicht ist uns eine Person „unsympathisch“ nur weil – für uns unbewußt – unser ‚Riechgehirn‘ (wegen einer alten Abspeicherung) Alarm schlägt. Oder unser ‚optisches Gehirn‘ schlägt Alarm wegen der Augen-, oder Mund- oder Handbewegungen dieser Person. Und sehr leicht tun wir dieser Peron dann Unrecht.

    Bei Fundis dürfet das emotionale „Klima“ unter den Kollegen auf dem Parkett oder das „Klima“ in den Medien abgespeichert sein und das Gefühl für „Selbstähnlichkeit“ erzeugen, das man nutzen kann.

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Anleihen

Deutsche Neuverschuldung in Corona-Zeiten: Kein Problem, es ist sogar ein Profitgeschäft!

Claudio Kummerfeld

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am

Brandenburger Tor in Berlin

Der deutsche Staat nimmt wegen der Coronakrise und den explodierenden Rettungskosten viele neue Schulden auf. Erste frohe Kunde: Die Neuverschuldung stellt finanztechnisch schon mal gar kein Problem dar. Man sehe die folgende Grafik aus dem Hause Finanzagentur Deutschland GmbH, dem Institut, dass als Vehikel des Bundesfinanzministeriums Anleihen am Kapitalmarkt verkauft.

Neuverschuldung läuft ohne Probleme ab

Heute wurden für den deutschen Staat sieben Jahre laufende Bundesanleihen ausgegeben im Volumen von 4 Milliarden Euro. Die Nachfrage der institutionellen Investoren lag bei 7,26 Milliarden Euro. So war es auch bei den vorigen Emissionen, wie die Übersichtstafel gut zeigt. Die Nachfrage in den letzten Monaten reichte jedes Mal weit über das Angebotsvolumen hinaus, und erreichte manchmal fast das doppelte Volumen. Verkauft wurden heute übrigens nicht 4, sondern nur 3,28 Milliarden Euro Volumen. So läuft das jedes Mal. Ein Teil der Emission wird nicht tatsächlich verkauft, sondern wandert in die sogenannte „Marktpflegequote“, um den Börsenmarkt für diese Anleihe in den nächsten sieben Jahren liquide halten zu können.

Also, Deutschland kommt am Kapitalmarkt spielend leicht an frisches Geld. Und die Emissionsrendite zeigt: Der Bundesfinanzminister verdient mit dem Aufnehmen neuer Schulden jedes Mal sogar Geld. Die heutige Rendite liegt bei minus 0,62 Prozent. Bei den vorigen Emissionen waren es -0,60, -0,62, -0,62, -0,47 Prozent usw. Diese Negativrendite bei der deutschen Neuverschuldung kommt zustande, weil die Anleihen mit einem Kurs über dem Nennwert der Anleihen von 100,00 Prozent verkauft werden (Anleihekurse notieren in Prozentpunkten). Heute zum Beispiel lag der Verkaufspreis bei 104,52 Prozent.

Deutsche Staat macht Gewinn – und warum machen die Anleger freiwillig Verlust?

In sieben Jahren, wenn der deutsche Staat die Anleihe an deren Inhaber zurückzahlt, überweist er aber nur den vereinbarten Nennwert von glatt 100,00 Prozent zurück. Zinsen gab es für die Anleger auch keine mit 0,00 Prozent Zinskupon. Tja, der Staat erhält jetzt 104,52, und zahlt in sieben Jahren nur 100,00 zurück. So macht man Geld. Und wie so oft kann man sich fragen: Warum machen die Anleger das, wieso verschenken die Geld, wieso machen sie wissentlich und freiwillig Verlust?

Nun, da wäre natürlich das Argument, dass bei einer vermuteten weiter sinkenden Rendite die Kurse der Anleihen natürlich automatisch weiter steigen. Dann könnten die Investoren nach der Emission am freien Anleihemarkt höher verkaufen, und einen Gewinn einstreichen. Oder man weiß nur zu gut, dass die EZB immer mehr Anleihen aufkauft, und dass man auch dorthin (mit anständigem Gewinn?) weiterverkaufen kann. Denn die EZB, die will ja unbedingt aufkaufen. Und wer unbedingt kaufen will, zahlt am freien Markt höhere Preise als in der Erstauktion des Bundes?

Und dann wären da noch langfristig denkende, große institutionelle Investoren, die überlegen, wo sie ihre gigantischen Geldmengen unterbringen sollen. Will man nicht alles in Aktien packen, oder darf man es gar nicht, muss man sich nach „sicheren“ Anlagen umschauen. Banken reichen gerade bei größeren Kontoguthaben inzwischen eigentlich immer den Negativzins der EZB an die Kunden weiter. Also würden große Pensionskassen, Fonds, Versicherungen etc mit sehr großen Geldsummen wohl 0,5 Prozent Strafzins bei ihrer Hausbank zahlen. Also dann lieber das Geld in Anleihen investieren? Aber halt. Bei dieser deutschen Staatsanleihe liegt die Rendite ja sogar bei -0,62 Prozent. Also steht man nochmal 0,12 Prozentpunkte schlechter da als auf dem Bankkonto. Hier könnte nur noch das Argument ziehen, dass man deutsche Staatsanleihen (im großen Bild betrachtet) als deutlich besseren Parkplatz für große Geldsummen erachtet, als eine einzelne Bank, die immer pleite gehen kann.

Grafik zeigt Neuverschuldung Deutschlands mit 7 Jahren Laufzeit

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Allgemein

Wirtschaft in Italien stürzt ab – warum das den Markt nicht interessiert

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Italien-Flagge in Rom

Die Wirtschaftsleistung in Italien ist im zweiten Quartal im Vergleich zum 1. Quartal um 12,8 Prozent abgestürzt, wie offizielle Daten zeigen, die heute veröffentlicht wurden. Vorläufige Daten von minus 12,4 Prozent wurden damit nach unten revidiert. Im Jahresvergleich zum zweiten Quartal 2019 ist es ein Absturz von 17,7 Prozent. Dies ist laut Trading Economics der stärkste Einbruch der Wirtschaftsleistung in Italien seit den 60er-Jahren. Im folgenden Chart sehen wir die prozentuale Veränderung der Wirtschaftsleistung in Italien seit den 90er-Jahren. Man erkennt, dass der Absturz in der Finanzkrise 2008 mit -3 Prozent im Vergleich zu heute verschwindend klein war.


source: tradingeconomics.com

Und was macht der Kapitalmarkt? Die Rendite für Staatsanleihen ist hier immer das beste Barometer. Eigentlich gäbe es da noch die Währung eines Landes. Aber da Italien den Euro hat, kann man hier keinen Gradmesser für Italien mehr erkennen. Wenn ein Investor in Anleihen eines Landes investieren möchte, bei denen die Rückzahlungswahrscheinlichkeit der Anleihen wegen wirtschaftlichen Schwierigkeiten gefährdet ist, dann erwartet dieser Anleger einen Risikoaufschlag – nämlich für sein Risiko, dass er sein Geld nicht wieder sieht. Daher sind Länder mit großen wirtschaftlichen Problemen automatisch bereit deutlich höhere Renditen für ihre verkauften Staatsanleihen zu bezahlen, um ausländisches Kapital anzulocken.

Warum die Renditen für Italien nicht steigen

Italien stand schon vor der Coronakrise sehr schlecht da. Hohe Schulden erstickten das Land, und eine Wirtschaft die sich nie von der Finanzkrise 2008 erholt hatte. Und dann kam die Coronakrise. Die wirtschaftliche Lage verschärft sich daher dramatisch. Der obige Chart zeigt dies eindrucksvoll. Und was macht die Rendite für zehnjährige italienische Staatsanleihen? Sie notiert aktuell mit 1,11 Prozent genau da, wo sie am letzten Freitag lag, vor der Veröffentlichung der heutigen BIP-Daten. Der folgende Chart zeigt den Rendite-Verlauf für Italien in den letzten zwölf Monaten. Man sieht, dass die Rendite kurz vor der Coronakrise genau ebenfalls da war, wo sie jetzt notiert. Zwar lag sie im März kurzzeitig bei 2,39 Prozent. Aber mit den umfangreichen Rettungsmaßnahmen von Staaten und EZB wurde schnell klar, dass alles „gerettet“ wird, und die Rendite sank schnell wieder in den Keller.

Also: Die Wirtschaftsleistung in Italien ist brutal abgestürzt. Die Risikoprämie für Anleger, die italienische Schulden kaufen wollen, hat sich per Saldo aber nicht erhöht. Was sagt uns das? Dem Markt ist klar, dass wohl kaum ein echtes Ausfallrisiko für Italien besteht. Denn das Land ist im Euro und als drittgrößte Volkswirtschaft im Euro-Raum schlicht und einfach „Too big to fail“. Die EZB hat schon jahrelang in gigantischem Ausmaß italienische Staatsanleihen aufgekauft und zuletzt neue gigantische Kaufprogramme aufgelegt, und würde wohl (das darf man vermuten) noch viel, viel mehr kaufen. Hauptsache Italien bleibt im Spiel.

Rendite für zehnjährige Staatsanleihen aus Italien

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Allgemein

Staatsbankrott: Was passiert da eigentlich? Argentinien zeigt es!

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Wenn ein Staat seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen kann, ist das eine Katastrophe für seine Bürger, die Unternehmen im Land und natürlich auch für die Gläubiger, die auf einen Großteil ihres Geldes verzichten müssen. Doch wie genau ist der Ablauf eines Staatsbankrotts? Da Argentinien gerade wieder zahlungsunfähig ist (schon im Februar forderte der IWF einen Schuldenschnitt) und sich in Verhandlungen mit seinen Gläubigern befindet, können wir an diesem Beispiel lernen, wie der Vorgang abläuft!

Die Insolvenz eines Staates ist ein häufiges Ereignis. In den vergangenen 200 Jahren kam es statistisch gesehen zu mehr als einem Staatsbankrott pro Jahr weltweit. Seit der Abschaffung der Golddeckung und der weitgehend unregulierten Schöpfung ungedeckten Fiatgeldes nahm die Frequenz der Staatsbankrotte sogar deutlich zu. So gab es zwischen 1980 und 2010 pro Jahr durchschnittlich drei insolvente Staaten auf der Erde.

Es gibt kein gesetzlich geregeltes Insolvenzverfahren für den Staatsbankrott

Umso interessanter ist es, dass es zwar gesetzliche Regelungen für den Fall eines Staatsbankrottes gibt, die aber im Falle zum Beispiel der Bundesrepublik Deutschland eine Insolvenz, genauer gesagt ein Insolvenzverfahren, explizit NICHT vorsehen. Doch Papier ist geduldig. Wenn Deutschland seine Schulden nicht mehr bedienen kann, ist das Land insolvent – Gesetz hin oder her.keine gesetzlichen Regelungen für den Fall eines Staatsbankrotts gibt. Zwar mag es dann kein Insolvenzverfahren wie bei Unternehmen oder Privatpersonen geben. Doch eine Art von Insolvenzverfahren findet dennoch statt: die Verhandlung mit den Gläubigern. Zwar kann ein Staat die Zahlungen an seine Gläubiger einstellen. Doch bis es keine Einigung mit diesen gab, wird das Land auch keine neuen Kredite bekommen. Zumindest keine Auslandskredite. Kredite in der heimischen Währung könnte sich ein Staat theoretisch über die Zentralbank selbst geben, wie es zum Beispiel in den USA und der Eurozone schon seit geraumer Zeit nur wenig versteckt stattfindet.

Kann ein Staat keine Devisen mehr beschaffen, leidet darunter die heimische Bevölkerung und die Unternehmen. Importe sind dann nur noch in dem Umfang möglich, in dem Devisen mittels Exporten erwirtschaftet werden. Um einen Ausgleich zwischen Importen und Exporten herzustellen, muss die Währung gegenüber den ausländischen Währungen abwerten. Die dann in der Regel herrschende Devisenknappheit zwingt die Menschen dazu, ihre Ersparnisse in der heimischen Währung zu halten, die im Falle eines Staatsbankrotts jedoch zu hoher Inflation neigt. Die Währungsabwertung heizt die Inflation zusätzlich an, da Importwaren teurer werden. Haben die Menschen und Unternehmen Zahlungsverpflichtungen in Fremdwährung, sind zahlreiche Privat- und Unternehmensinsolvenzen zu erwarten. Selbst wenn die Schuldner in der Lage wären, Devisen zu beschaffen, wären die Kredite durch die Währungsabwertung deutlich teurer als zum Zeitpunkt der Kreditaufnahme.

Gläubiger müssen auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten, bekommen aber teils noch Geld zurück

Eine Einigung mit den Gläubigern und der daraufhin wieder mögliche Zugang zu den internationalen Kapitalmärkten ist daher ein vordringliches Ziel der Regierung nach einem Staatsbankrott. Den meisten Gläubigern ist bewusst, dass eine vollständige Rückzahlung ihrer Forderungen unwahrscheinlich ist. In der Regel kauften die Gläubiger die Schuldtitel bereits mit deutlichen Preisabschlägen an der Börse und kassierten hohe Zinsen bis zum Zeitpunkt der Zahlungseinstellung. Eine Einigung, die in der Regel einen teilweisen Schuldenerlass, niedrigere Zinsen und gestreckte Zahlungsziele beinhaltet, wird daher relativ schnell gefunden. Interessant ist, dass die Insolvenzquoten bei Staatsbankrotten oft relativ hoch sind. Bei Unternehmens- und Privatinsolvenzen ist in der Regel für die Gläubiger ein Totalverlust anzunehmen. Bei Staatsbankrotten sind 30% oder auch fast 50% Rückzahlungsquoten möglich. Das Beispiel Argentinien zeigt jedoch, dass sich inzwischen auch einige Hedgefonds darauf spezialisierten, die Anleihen praktisch bankrotter Staaten zu Schnäppchenpreisen aufzukaufen und dann auf vollständige Tilgung des Nennwerts zu pochen.

Bis es zu einer Einigung mit den Gläubigern kommt, können diese auch den Besitz des säumigen Staates im Ausland beschlagnahmen lassen. So ließ ein US-Hedgefonds ein argentinisches Marineschiff beschlagnahmen, weil Argentinien sich weigerte, die vom Hedgefonds gehaltenen Anleihen zum vollen Nennwert zu tilgen.

Beispiel Argentinien: Bankrott seit Ende Januar

Argentinien erklärte am 29. Januar 2020, dass es plane, den Gläubigern ein Programm zur Schuldenrestrukturierung zu präsentieren. Mit anderen Worten: Argentinien könnte zwar seine Schulden noch bedienen, weigert sich aber, es zu tun. Am 19. Februar bestätigten Prüfer des Internationalen Währungsfonds, dass die Staatsschulden Argentiniens in der Tat nicht mehr tragbar seien. Am 21. April präsentierte Argentinien schließlich seinen Plan zur Restrukturierung von 69 Milliarden US-Dollar Auslandsschulden und setzte den Gläubigern eine Frist bis zum 8. Mai, um diesen Plan zu akzeptieren.

Die dachten natürlich nicht daran, den Plan einfach durchzuwinken. In persönlichen Treffen und Videokonferenzen versuchte Argentinien, die größten Gläubiger zu überzeugen. Schließlich musste jedoch am 7. Mai verkündet werden, dass man für Gegenvorschläge der Gläubiger offen sei. Die Frist zur Annahme des Restrukturierungsangebots wird in den kommenden Wochen mehrfach verlängert. In der Zwischenzeit wurden auch die ersten Zinszahlungen fällig, die Argentinien nicht bezahlte. Das Land ist damit offiziell zahlungsunfähig und hat damit bereits den neunten Staatsbankrott seiner Geschichte erklärt.

Nach Wochen des Wartens präsentieren erste große Gläubiger ihre Vorschläge zur Restrukturierung der Schulden. Sie bieten einen Schuldenerlass von rund 45% an, was Argentinien zu wenig ist. Schließlich einigt sich Argentinien am 2. August doch noch auf einen Schuldenerlass von 45,2% mit dem Großteil seiner Gläubiger.

Im Endeffekt dauerte der Staatsbankrott also nur rund ein halbes Jahr. Für Argentinien wird es nach der Einigung noch nicht sofort so sein wie vor der Erklärung der Zahlungsunfähigkeit. Investoren werden noch eine Weile merkliche Risikoaufschläge für neue Kredite verlangen. Und vermutlich wird es auch wieder den einen oder anderen Gläubiger geben, der auf vollständige Tilgung seiner Anleihen besteht. Der Wechselkurs des argentinischen Peso wird sich aller Voraussicht nach auch nicht erholen, solange Argentinien nicht das grundlegende Problem der negativen Zahlungsbilanz löst. Der teilweise Schuldenerlass gab dem Land nur eine Atempause.

Der Obelisco als Smybol für Argentinien - Staatsbankrott lähmt das Land
Der Obelisco in Buenos Aires. Foto: Gobierno de la Ciudad Autónoma de Buenos Aires CC BY 2.5 ar

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